Am laufenden Band //1894

Dieses Sushi-Zeugs mag ich ja nicht. Notfalls würge ich es mir runter, aber gut schmecken tut es mir nicht.
Als wir neulich mit Bekannten essen waren, kam ich aber nicht drum herum, ein Running-Sushi-Restaurant zu besuchen, weil die so gerne Sushi aßen, und dieses Restaurant unbedingt ausprobieren wollten.

Es gab zwei Bänder übereinander, die mit recht langsamer Geschwindigkeit an uns vorbei liefen. Das obere Band war für warme Speisen, das untere für kalte, die jeweils auf untertassengroßen Tellerchen auf den Bändern standen. Das ganze hinter Glasscheiben, so dass man zwar ungehindert durchschauen konnte, aber nur durch relativ kleine Öffnungen Tellerchen entnehmen konnte.
Zunächst lief vor allem Sushi an uns vorbei. Krabbenchips waren das einzige, das mir schmecken würde. Dann entdeckte ich grüne Bohnen, aber die waren auch schon vorbeigefahren, so dass ich die nächste Runde abwarten musste.
Als ich dann endlich die Bohnen hatte, musste ich feststellen, dass sie überhaupt nicht richtig gekocht und sehr hart waren. So schmeckten sie mir nicht. Wenn ich etwas daheim in der Küche von meiner Mutter gelernt habe, dann, dass rohe Bohnen giftig sind. Erst gekocht sind sie ungiftig und genießbar, und dann schmecken sie auch so richtig lecker. Also ließ ich die Bohnen stehen, und schaute, ob noch irgendetwas außer Krabbenchips für mich auf dem Band daherkam.
Später aß ich dann nach und nach gebratene Nudeln, Götterspeise, Mini-Windbeutel, eine Art Waffeln, eine undefinierbar gefüllte Sesamkugel, Kokoscreme, einen Spieß mit Hähnchenfleisch, frittierte Bananenbällchen (mit Honigsauce, die mich störte), Calamares, .. insgesamt 14 Tellerchen. Dann war ich einigermaßen satt.

Das Essen war überhaupt nicht entspannend. Man kann sich nicht – wie bei einem Buffet – frei aussuchen, was, wann und wieviel man essen will, sondern muss (teils ziemlich lange) warten, bis irgendetwas kommt, das man gerade essen würde. Das ist nervig, Dann muss man schnell sein, sonst ist der Teller bereits weitertransportiert, und wenn man Pech hat, kommt einem jemand anderes zuvor.
Es ist lästig, wenn man nicht direkt neben dem Band sitzt, so dass man immer wieder seinen Nachbarn bitten muss, ein bestimmtes Tellerchen vom Band zu nehmen.
Es ist anstrengend, wenn man direkt neben dem Band sitzt, und dauernd seinem Nachbarn ein Tellerchen geben muss.
Es ist beschwerlich, wenn man mit dem Rücken zur Laufrichtung des Bandes sitzt. Dann sieht man nicht, welche Speisen im Anmarsch sind, und wenn man einen bestimmten Teller haben will, ist er auch schon wieder vorbei.

Freiwillig gehe ich nicht wieder in ein Running-Sushi-Restaurant. Die Qualität der Speisen mag ja in Ordnung gewesen sein, aber das ganze Konzept gefällt mir überhaupt nicht.
Es geht doch nichts über ein vielfältiges, leckeres Büffet!

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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20 Antworten zu Am laufenden Band //1894

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    Für mich sind Garpunkte und Frische entscheidend für gutes Essen. Bei einem Buffet ist dies nicht gegeben, da die Speisen warmgehalten werden und somit nachziehen.
    Auch mag ich nichts frittiertes essen oder Sachen (außer Schmorgerichte), die in Sauce schwimmen. Gemüse warmzuhalten ist fast unmöglich ohne Qualitätsabstriche.
    Ich bin ein Sushi-Fan. Allerdings ist es da wichtig, wie der Reis (die Konsistenz, Temperatur und Würzung müssen perfekt sein) mit der Füllung harmoniert. So ein Laufband mag ich auch nicht. Ich weiß genau, was ich essen möchte und will dies nicht dem Zufall überlassen.

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    • Nicht alle Speisen sind gleichermaßen für ein Buffet geeignet. Soweit stimmen wir überein.

      Bei einem richtig guten, großen Buffet sind Köche direkt am Werk, die live und für jeden sichtbar, verschiedene Speisen frisch zubereiten.
      Das ist natürlich nur in einem großen Hotel oder bei einer großen Veranstaltung möglich. Für eine Handvoll Gäste lohnt sich nur À-la-Carte, oder auch so ein Laufband.

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  2. claudius2016 schreibt:

    Auch ich finde Buffets fast immer grauenvoll, zum einen ist die Qulität meist grade mal auf Kantinenniveau, dann ist es immer hektisch im Lokal, weil alle herumlaufen und zum dritten habe ich auch schon die Erfahrung gemacht, dass Leute das Essen in die Hand nehmen und wieder zurücklegen (gut, das war eine Ausnahme, aber extrem eklig…).
    Mir ist ein gepflegter Service weit lieber.

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    Das beste Sushi meines Lebens aß ich dieses Jahr in Carmel by the sea. Kein Band, kein Buffet, nur a la Carte mit Spezialitäten vom Feinsten (yellow tail, Seeigel, etc). Es war teuer, aber auch top.

    Am liebsten bestelle ich auch in D von einer Karte, auch gern Bentos, die man in verschiedenen Ausprägungen bekommt. Hier geht Qualität vor Quantität.

    Die Running Shushi Konzepte sind durchaus unterschiedlich, von der Zusammenstellung bis hin zum Preis. Wer so einen Mittagstisch bestellt, muss sich nicht wundern, dass bei 11,90€ eigentlich nur Blödsinn herauskommt.

    Ansonsten hast du recht: Der Tisch am Bandanfang ist wichtig, die Blickrichtung von Vorteil. ich esse meist nur 40-50% des angebotenen Zeugs, da ich weder Veggie noch Süßzeug esse.

    Zufriedener bin ich, wenn ich bekomme, was ich bestelle.

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  4. keloph schreibt:

    neben all diesen gründen warum nicht, gibt es für mich etwas noch viel wichtigeres: ich mag keine sushi.

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  5. Broken Spirits schreibt:

    Notfalls würge ich es mir runter, aber gut schmecken tut es mir nicht.

    Kein Wunder:

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  6. Pendolino70 schreibt:

    Ich liebe Edamame, die von dir verschmähten grünen Bohnen, kann aber mit rohem, ungeräucherten Fisch eingerollt in Fischfutter nicht viel anfangen. Wie beim Schneckenessen ist es alleine die Sauce, die das ganze halbwegs geniessbar macht.

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  7. Pingback: Begegnung nach Jahren //1910 | breakpoint

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