Die Rückkehrerin //1890

Vor etwa fünf Jahren war eine Mitarbeiterin des Vertriebs in Elternzeit gegangen. Ich hatte das damals kaum mitgekriegt, weil ich zu dieser Zeit noch nicht so in allen Details der Firma involviert war.
Diese Mitarbeiterin hatte als eine Art Assistentin für das Vertriebsteam gearbeitet. Eine einschlägige technische Ausbildung hatte sie, und sie soll auch durchaus tüchtig gewesen sein.
Sie bekam dann während ihrer Elternzeit ein weiteres Kind und verlängerte. Eigentlich hatte niemand mehr so richtig tatsächlich noch damit gerechnet, dass sie wieder zurückkommen würde. Aber genau das will sie. Allerdings nur halbtags und ohne Reisetätigkeit.
Gelegentliche Reisen sind im Vertrieb unerlässlich (hallo! – das ist genauso, als ob ein Schlosser sagen würde: „Da bin ich wieder, aber mit Eisen möchte ich nichts mehr zu tun haben.“). Der Vertriebsleiter teilte mir mit, dass er die Mitarbeiterin zu diesen Konditionen nicht in seiner Abteilung unterbringen könne.
Also setzte ich mich mit den technischen Abteilungsleitern zusammen, um eine Möglichkeit zu finden, sie weiter bei uns zu beschäftigen.

Für die Entwicklung ist sie nicht qualifiziert. Zwar gibt es immer wieder einmal einfache Routineaufgaben, die sie übernehmen könnte, aber nicht genug für eine Halbtagsstelle. Sofern das die anderen Mitarbeiter nicht nebenbei erledigen können, ist es günstiger, solche Aufgaben von Werkstudenten übernehmen zu lassen.
(Und – ganz ehrlich – sie wäre hier auch ein Fremdkörper. Meine Mitarbeiter sind aufeinander eingespielt, ein prima Team. Da möchte ich keine zusätzliche Mitarbeiterin, die keine Ahnung hat, um was es hier geht, und das bestehende System durcheinander bringt.)
Ulrich argumentierte ähnlich wie ich. Joachim hatte auch keinen Bedarf, den sie erfüllen könnte.
Einzig Jason hätte in der Fertigung eine Stelle frei. Für die wäre sie eigentlich überqualifiziert, aber notfalls würden wir halt in den sauren Apfel beißen (und ihr mehr bezahlen, als die Tätigkeit dort wert ist). Allerdings ist das eine Vollzeitstelle, und es gibt gute Gründe (die ich hier aber nicht näher darlegen werde), diese Stelle nicht auf Teilzeit begrenzen zu können.

Kurz überlegte ich, ob ich sie nicht als Sekretärin ins Vorzimmer setzen soll. Dort behelfen wir uns immer noch mit Aushilfen und Leihsekretärinnen. Aber sie könnte halt auch nur als Bürohilfe arbeiten. Für komplexe Sekretariatstätigkeiten ist sie nicht qualifiziert. Und für die einfachen Tätigkeiten haben wir bereits zwei Bürohilfen. Das reicht.

Ideal wäre es, wenn ich sie zu Standort 4 schicken könnte. Bei Herrn Grau fehlt immer noch eine Vertretung für die dortige Mitarbeiterin in Elternzeit. Die hier zurückkehren wollende Mitarbeiterin kennt sich zwar mit der Thematik nicht aus, müsste sich halt einarbeiten. Das ginge schon.
Ich werde sie also vor die Wahl stellen zwischen einer Vollzeitstelle in der Fertigung und einer Halbtagsstelle bei Herrn Grau.

Ob unsere einstige Personalchefin in absehbarer Zeit wieder hier arbeiten wird, wissen wir übrigens auch nicht sicher. Inzwischen habe wir uns längst anderweitig arrangieren müssen, und ihre Verantwortlichkeiten an einen anderen Mitarbeiter vergeben, der sie mittlerweile voll ersetzt.
Dass gerade Frauen weit überproportional viel Ärger machen müssen. Ich stelle wirklich keine mehr ein, sofern ich eine akzeptable Alternative habe.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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49 Antworten zu Die Rückkehrerin //1890

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Auch nichts im Masterdata oder Service Team möglich ?

    Ein Vertriebsassistentin müsste gut auch in andere Teams passen. Warum war sie dort mit technischer Qualifikation?

    Frauen machen Arbeitgebern vieles schwerer. Aber sie geben so viel zurück .

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Assistentin für das Vertriebsteam und Sekretariat sind doch nicht so weit auseinander?

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  3. keloph schreibt:

    diese quintessenz aus deiner feder…..ich habe immer darauf geachtet, frauen in meinen teams zu haben, da das klima und der umgang deutlich besser werden, aber unter den „üblichen“ fehlzeiten hatte ich auch gelitten. ich habe es in kauf genommen.

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  4. herzinfuckedblog schreibt:

    Ich finde auch, dass Assistentin für das Vertriebsteam und Sekretariat nicht so weit auseinander liegen. Könnte man da nicht einen Fortbildungsplan mit ihr aufsetzen, sodass sich die (Wissens-) Lücke innerhalb von sechs Monaten schließt?

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  5. elmardiederichs schreibt:

    Wir sind in meinem Mathe-startup inzwischen offiziell 8, einer arbeitet bei uns unter dem Radar. Wir haben eine Frau an Board, die sich aber überhaupt nicht reinhängt, keine Initiative zeigt und ihre Vorschläge sind eher kontraproduktiv und auf show getrimmt a la „Seht mal her, was ich alles mache.“.

    Das scheint in der ganzen Berliner startup-Szene symptomatisch zu sein. Ich rede inzwischen nicht mal mehr mit Frauen geschäftlich, es sei denn, ich werde angesprochen. Denn im Ergebnis ist es immer verschwendete Zeit, da kommt nichts zurück, keine Initiative, nicht mal eine nützliche Information, es bleibt bei irgendeiner Variation von „Komm her und mach was mit mir.“. Diesen Umgang kann ich mir nicht leisten, so viel Zeit ist einfach nicht da. Ich muß mich nütrzlich machen und da die Chance unter Männern einfach deutlich höher ist, daß am Ende etwas dabei rauskommt, ist es geradezu Geschäftspflicht Frauen links liegen zu lassen.

    Traurig, aber wahr.

    Das ist wie im privaten Leben – völlig analog: Nicht daß Frauen nicht könnten, aber sie machen so selten, daß es sich einfach nicht lohnt, hinter her zu laufen – egal, um was es geht.

    Ich halte den Großversuch „Stadt der Frauen“ daher immer noch für interessant: Einfach alle Damen auf einen Haufen packen und sehen, was dabei rauskommt, wenn man sie sich selbst überläßt.

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  6. ednong schreibt:

    Oho, klingt ja bös enttäuscht.
    Gibt es denn keinen Vertriebs-Innendienst bei euch?

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    • Enttäuscht war ich damals bei der Spezialistin für technikrechtliche Regelungen.
      Diesmal bin ich eher frustriert. Ich selbst hatte diese Mitarbeiterin ja nicht eingestellt.

      Jeder Vertriebsmitarbeiter muss zumindest gelegentlich verreisen. Das ließe sich vielleicht reduzieren, aber nicht völlig vermeiden.
      Gegenüber den anderen Mitarbeitern wäre das auch unfair, wenn nur sie eine Extrawurst gebraten kriegt.

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  7. Support schreibt:

    Eine Frau als „Fremdkörper“ zu bezeichnen, ist so typisch für dich.

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  8. Lahti schreibt:

    Im Vertrieb muss doch immer jemand zuarbeiten. Interessenten abrufen, Angebote erstellen usw. Lästiger Bürokram. Das geht doch auch in Teilzeit.

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    • Der Vertrieb ist durchorganisiert, so wie er ist.
      Derartige Aufgaben werden in definierter Weise an die aktuellen Mitarbeiter verteilt.

      Wäre Teilzeit das einzige Problem, ließe sie sich da wohl noch unterbringen, aber durch die definitive Ablehnung von Dienstreisen passt sie nicht mehr in die Vertriebsstrukturen.

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  9. Pingback: Ein Personalgespräch //1896 | breakpoint

  10. Engywuck schreibt:

    War sie vor der Elternzeit ganztags mit Reisetätigkeit und steht letzteres in ihrer (alten) Tätigkeitsbeschreibung?

    Dann habt ihr gute Chancen, sie gar nicht beschäftigen zu müssen. Sie hat nämlich nur einen Anspruch, „entsprechend den Abmachungen in [ihrem] Arbeitsvertrag beschäftigt zu werden“. Quelle: siehe das, was ich unter „Webseite“ verlinkt habe.

    Ebenfalls daraus: „Der Arbeitnehmer hat nach dem BEEG keinen Anspruch auf Umwandlung eines früheren Vollzeitarbeitsverhältnisses in ein Teilzeitarbeitsverhältnis. Auch wenn der Arbeitnehmer während der Elternzeit in Teilzeit gearbeitet hat, hat er nach Ende der Elternzeit kein Wahlrecht“ (außer natürlich, §8 TzBfG greift).

    Wenn ihr also aus betrieblichen Gründen gemäß dem alten Arbeitsvertrag nur Vollzeit (mit Reisen) anbieten könnt und sie sich sinnvollen Alternativen verweigert…

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