Melodie der Ekliptik //1883

Aus Anlass des heutigen Sommeranfangs hatte ich eigentlich vorgehabt, ein bisschen was über Astrologie zu erzählen. Doch als ich meinen älteren Eintrag zu diesem Thema zwecks Verlinkung suchte, stellte ich fest, dass ich praktisch alles, was ich dazu schreiben wollte, bereits vor 3 1/4 Jahren gebloggt hatte.
„Die Sterne lügen nicht“ – so lautet ein Sprichwort. In der Tat machen Sterne überhaupt keine Aussagen, also auch keine falschen.
In meiner Jugend faszinierte mich einerseits die Systematik der Astrologie, andererseits machte mir der Umgang mit Ephemeridentafeln Spaß.

Von der Erde aus betrachtet, bewegt sich die Sonne im Laufe des Jahres zyklisch durch zwölf Sternbilder. Teils abweichend von den tatsächlichen astronomischen Gegebenheiten, sind das (beginnend am Frühlingspunkt am 21. März) Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische, die jeweils einen 30°-Winkel einnehmen.
Die Astrologie besagt nun, dass die Position der Sonne (und auch der Planeten) im Augenblick der Geburt einen Einfluss auf den Charakter und das Leben einer Person hat (ist natürlich völliger Humbug, mal davon abgesehen, dass es durchaus einen Unterschied machen kann, ob jemand im Frühling oder im Herbst geboren ist – die Sonnenscheinexposition in den ersten, prägenden Lebensmonaten kann durchaus eine Wirkung haben).

Als Naturwissenschaftlerin ist mein Blick geschärft, um Strukturen und Muster zu erkennen. Manchmal habe ich jedoch Assoziationen oder entdecke Annelogien, die nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben.
Bei der Astrologie gibt es 12 sich periodisch wiederholende Tierkreiszeichen, in der Musik gibt es 12 sich periodisch wiederholende Halbtöne (innerhalb einer Oktave – das heißt, eigentlich wächst die Frequenz exponentiell mit dem zugeordneten Winkel – man kann sich das wie eine Schraubenlinie oder Helix vorstellen, deren Projektion in eine bestimmte Ebene einen Kreis ergibt).
(Ich will hier übrigens nicht auf den Quintenzirkel hinaus – das ist schlicht ein {12/5}-Stern.)

In der Astrologie werden die Winkel zwischen den einzelnen Himmelskörpern als Aspekte bezeichnet. Planeten, die man (ungefähr) unter dem gleichen Winkel sieht, stehen in Konjunktion. In der Musik-Annelogie entspricht das einer Prime (oder Oktave). Der 30°-Aspekt heißt Semisextil, und entspricht einer übermäßigen Prime bzw. kleinen Sekunde bzw. große Septime bzw. verminderte Oktave. 60° ist das Sextil oder [große Sekunde|kleine Septime]. Der rechte Winkel, also 90°, gilt astrologisch als Quadratur. Musikalisch ist es eine kleine Terz oder große Sexte.
Vier Halbtöne wären 120° bzw. ein Trigon. Das entspricht einer großen Terz oder kleinen Sexte. Eine reine Quarte oder Quinte findet sich auf 150°. Diesen Aspekt nennt man astrologisch Quincunx. Letztendlich heißt der Aspekt zweier einander (etwa) gegenüberstehender Planeten Opposition. In der Musik ist das der recht dissonante Tritonus, den man aber beispielsweise von der Titelmusik der Simpsons kennt.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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7 Antworten zu Melodie der Ekliptik //1883

  1. Leser schreibt:

    Interessant – ich habe mich irgendwann mal entfernt mit Astrologie beschäftigt (wenn auch eher auf der Meta-Ebene), und dabei die Information aufgenommen, dass die Himmelskörper nichts beeinflussen würden, sondern lediglich als eine Art „Anzeigeinstrument“ zu verstehen seien, anhand deren man irgendwelchen unbekannten Gesetzmäßigkeiten folgende Umstände „ablesen“ könne. Nicht, dass ich daran glaube, aber das nimmt zumindest den zusätzlichen Humbug, dass Himmelskörper, die teilweise Millionen Lichtjahre entfernt sind, irgend einen Einfluss ausüben könnten, aus der an sich schon mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst Humbug seienden Astrologie heraus 😉

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    • Naja, dass die Positionen der Himmelsobjekte nur ein korrelierender Indikator wären, ist halt eine der ältesten Ausreden.
      Welcher Zufall, dass Menschen, die meinetwegen im Tierkreiszeichen o.B.d.A. Löwe geboren sind, dann auch genau die Eigenschaften angeblich haben, die man von einem Löwen erwartet.

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      • Leser schreibt:

        Ich vermute, es lassen sich evolutionär bedingte Faktoren finden, warum Menschen, die zu einer bestimmten Jahreszeit geboren werden, bestimmte Eigenschaften haben. Das auf den Monat genau herunterzubrechen ist aber schon recht mutig von den Astrologen, ich hätte mich das nicht getraut.
        Wahrscheinlich auch zum großen Teil eine selbsterfüllende Prophezeiung, d.h. die Eigenschaften von Tierkreiszeichen xy sind in jedem Menschen mehr oder weniger vorhanden, aber bei den im jeweiligen Monat geborenen Menschen schaut man immer genauer auf genau diese Eigenschaften und stellt sie somit unbewusst heraus, obwohl sie eigentlich relativ gleichmäßig verteilt sind.

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        • Ja, eine gewisse Abhängigkeit von der Jahreszeit ist noch einigermaßen plausibel und nachvolliehbar.
          Astrologen brechen das aber auf die Sekunde (oder noch genauer) herunter. Das ist Unsinn.

          Viele der astrologischen Zuschreibungen sind auch so allgemein gehaltem, dass man sich das passende herauspicken, und den Rest ignorieren kann.

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  2. Leser schreibt:

    Es gibt keine große Prime da sie rein ist, du meinst eine übermäßige Prime.

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  3. Pingback: Lunare Bedeckung //1915 | breakpoint

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