Es brennt vor der Wende //1880

Heuer ist die Sommersonnenwende am Donnerstag, den 21. Juni um 12:07 UTC+2.
Die Sonnwendfeuerfeier des Dorfes fand aber bereits am Samstag statt.
Verena hatte Sophie wohl davon vorgeschwärmt, so dass Sophie unbedingt das Feuer sehen wollte (dass sie das früher schon mal erlebt hatte, daran erinnerte sie sich wohl nicht mehr).
Jedenfalls holte Carsten Verena und die Kinder bereits am Nachmittag aus der Stadt ab, zumal er dort noch etwas anderes zu erledigen hatte.
Wir aßen alle zusammen zu Abend. Das Feuer sollte ja erst um neun entzündet werden, so dass noch viel Zeit war. Als Nachtisch gab es von mir selbst gebackenen Kirschstreuselkuchen mit Quark({s} aber ohne Squark), der allen sehr zu schmecken schien.

Irgendwie verplapperte ich mich dann, indem ich von meiner Kindheit erzählte. Fronleichnam war ja erst vor wenigen Wochen gewesen, und ich erinnerte mich daran, dass ich damals mit einem Kränzchen (aus Draht und Stoff) in den Haaren und einem kleinen Strohkorb, der mit Blüten gefüllt war, bei der Prozession Blumen gestreut hatte.
Natürlich wollte Sophie auch so ein Kränzchen haben. Ich bin zwar nur ihre Stiefoma, aber es scheint wohl, dass ich dafür zuständig bin, ihr solche Dinge zu schenken. Also habe ich im Internet geschaut, tatsächlich etwas ähnliches gefunden, und für sie bestellt.
Für Niklas habe ich eine batteriebetriebene Bohrmaschine gefunden, damit er nicht leer ausgeht. Die macht zwar ein bisschen Gebrumm, ist aber sonst nicht funktionsfähig.

Eigentlich hatte ich keine Lust, die anderen zu begleiten, aber Carsten legte Wert auf meine Gesellschaft, so dass ich schließlich nachgab.

Die Dorfbevölkerung erschien mir diesmal nicht mehr ganz so feindselig und abweisend. Ich unterhielt mich sogar kurz mit der Frau des Handwerkermeisters, den wir damals aufgesucht hatten. Ich fragte sie, wie es Minka ginge. Sie erzählte, diese sei hochträchtig, und würde wohl in den nächsten paar Tagen werfen. Ob ich nicht ein oder zwei Junge wolle. Bei mir wisse sie, dass sie in gute Hände kämen. Aber das geht nicht. Ich erklärte, dass Carsten und ich Wochenendpendler sind. Da würde sich eine Katze nicht wohlfühlen, und wir könnten uns nicht genügend um sie kümmern.
Der Bürgermeister und einer der Gemeinderäte sprachen Carsten wieder in der Hoffnung auf eine Spende an. Da der Bürgermester damals die Angelegenheit mit den Bauplätzen zu unserer Zufriedenheit geregelt hatte, sagte Carsten zu.
Eine korpulente Frau bewunderte zunächst wortreich die Niedlichkeit der Kinder, um dann zu versuchen, Carsten über Fiona auszuhorchen. Da er jedoch nur äußerst knapp antwortete und kurzangebunden blieb, gab sie es schließlich auf.

Carsten und ich teilten uns ein Bier, Verena trank mit ihren Kindern Limonade. Später gab es noch eine Bratwurst für die Kinder, und ein Schweinesteak für die Erwachsenen (eine Bratwurst wäre mir ja eigentlich lieber gewesen).
Jetzt am Abend war es wieder recht kühl geworden. In der Nähe des Feuers war es zwar auszuhalten, trotzdem betonte ich solange, dass ich friere, bis Carsten endlich den Arm um mich legte (nachdem er schon den ganzen Abend über überhaupt nicht an mir herumgetatscht hatte, weil er entweder den Buggy schob oder mit den Kindern beschäftigt war).
Beim Herumspringen fiel Niklas hin, und schlug sich das Knie auf. (BTW – ich bin mittlerweile die Fäden an meinem Knie los. Die Naht leuchtet zwar noch ziemlich auffällig rot, aber das wird sich im Laufe der Zeit schon geben.) Niemand von uns hatte ein Pflaster dabei, aber Verena kennt hier im Dorf ja praktisch jeden, und so wurde Niklas bereits kurze Zeit später von einer ältlichen Frau mit einem Pflaster beklebt.

Gegen elf waren wir müde (von den Kindern mal abgesehen), so dass wir zurück ins Haus gingen. Ausnahmsweise übernachtete Verena mit den Kindern dort. Hoffentlich wird das nur nicht zur Gewohnheit!

Am nächsten Morgen frühstückten wir alle zusammen. Da keiner an ein ausgiebiges Frühstück gewöhnt war, dauerte es nicht übermäßig lange.
Ich hatte bereits zwei Tassen Kaffee intus, sonst wäre ich früh am Morgen noch ungeselliger gewesen, als ich es eh schon bin.
Aber auch die anderen waren noch nicht so recht munter und ziemlich ruhig.
„Warum kann man Holz eigentlich nicht essen“, fragte Sophie unvermittelt in die Stille.
„Weil wir in unserem Verdauungstrakt keine Enzyme produzieren“, begann ich zu breakplainen, „die Cellulose spalten können. Bei den Kühen ist das ja auch ganz kompliziert. Die haben viele Mägen, und müssen das Gras wiederkäuen, um es verdauen zu können. Bei Termiten ..“
Carsten unterbrach mich, und sprach zu Sophie: „Weil Holz zu hart ist, Sophie.“
In Anbetracht seiner neueren Holzerfahrungen verzichtete ich auf den Hinweis, dass im Abstellschuppen eine ganze Kiste Sägemehl steht. Schönes, weiches, unverhofft softes Sägemehl. Bei Gelegenheit werde ich es ihm einmal anbieten.

Als alle fertig waren, fuhr Carsten Verena und die Kinder wieder zurück in die Stadt.

Den Rest des Sonntags verbrachten wir in ungetrübter Zweisamkeit. Am späten Nachmittag bzw. frühen Abend war draußen alles menschenleer, so dass wir die Gelegenheit für Outdoor-Aktivitäten nahe einem sonst recht belebten Weg wahrnahmen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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17 Antworten zu Es brennt vor der Wende //1880

  1. Talianna schreibt:

    Ich für meinen Teil würde die biologische Erklärung bevorzugen.

    Wenn man frühzeitig weiß, dass da sowas wie Speicherformen für Zucker existiert, ist’s im Bio-Unterricht und beim Verstehen von Ernährungslehre nicht so zäh wie bei den meisten. Oft muss man vereinfachen und mit Analogien herangehen, wenn man erklärt. Das kenne ich aus dem Strahlenschutz. Aber Kinder frühzeitig daran zu gewöhnen, dass man nicht alles in einem Satz begründen kann, hindert daran, später allzuleicht auf Vereinfachungen, Verkürzungen oder gar vereinfachte Fehlleitungen hereinzufallen.

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  2. ednong schreibt:

    „Warum liegt denn hier soviel Sägemehl ..?“ 😉
    Ja, mit Analogien kann man vielerlei erklären – nur fallen einem die passenden nicht immer ein.

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    Ich nehme negative Schwingungen wahr …..

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  4. Pingback: Ernährungsfragen //1881 | breakpoint

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