Digiti Digitalandi //1878

Vor wenigen Jahren hatte ich ja schon einmal meine Finger vermessen, aber irgendwann den Zettel mit den Messwerten verschlampt.
Das passiert mir nicht wieder. Deshalb dokumentiere ich eine neue Messreihe hier im Blog.
Es ist schwierig und ungenau, sich selbst die Finger auszumessen. Von Fotos ist das nochmal ungenauer. Deshalb habe ich jetzt meine Hände mit 75 dpi eingescannt. Die Seitenlänge eines Pixels entspricht also 0.3387 Milimetern. Mit geeigneten professionellen Tools lässt sich das am Rechner viel genauer ausmessen.
(256 Shades of Gray genügten für meine Zwecke. Ein Farbscan hätte nur den dreifachen Speicherplatz belegt, ohne einen Zusatznutzen zu bringen.)

Der Scan war gar nicht so einfach, da ich einerseits am Rechner den Vorgang starten musste, um dann sofort meine Hände auf das Flachbett des Scanners zu legen. Zudecken konnte ich ihn auch nicht. Aber immerhin genügt das Ergebnis, um die Fingerlängen auszuwerten.
Ich hatte vorher ja auch kurz erwogen, mir vorher auf jeden Finger einen Buchstaben von „breakpoint“ zu schreiben, aber das hätte Spiegelschrift bedeutet, und ich hatte auch gar keinen Nerv, mir zu überlegen, mit welchem Finger ich anfangen müsste (zumal die ganze Aktion spontan geschah, als ich gerade mal wieder meinen Multifunktions-Drucker in Betrieb hatte). So kann natürlich jeder Kritiker behaupten, dass es sich gar nicht um meine Hände handelt, aber solche voreingenommenen Leute sind eh nicht zu überzeugen.
Da man meine Fingerabdrücke nicht erkennen kann, und der Scan auch zum Handlesen oder meiner Identifikation nicht geeignet sein dürfte, veröffentliche ich das Bild mal wieder (zumal ich selbst die Urheberrechte daran habe).

Hier also die Messergebnisse von links nach rechts in Millimetern.
Linke Hand: (kleiner Finger, 58.5), (Ringfinger, 77.6), (Mittelfinger, 84.4), (Zeigefinger, 79.8), (Daumen, 66.9)
Rechte Hand: (Daumen: 66.4), (Zeigefinger, 79.6), (Mittelfinger, 84.6), (Ringfinger, 75.1), (kleiner Finger, 59.0)
Die Messgenauigkeit* dürfte eigentlich keine Zehntel Millimeter hergeben, aber runden kann man immer noch.
(Die sprichwörtliche Spiegelbildlichkeit der rechten und linken Hand ist nur näherungsweise gegeben – aber Symmetrien sind wieder ein anderes Thema auf meiner To-Blog-Liste.)

Aufgrund dieser Messergebnisse, lässt sich das 2D:4D Verhältnis berechnen.
Links erhalte ich 1.028, und rechts 1.060.
Letzteres erschien mir jedoch schon sehr außergewöhnlich. Möglicherweise lag mein Ringfinger nicht flach ausgestreckt auf der Unterlage, so dass der Scan verfälscht wurde, und den Finger zu kurz anzeigt. Wenn ich das Lineal direkt an den Finger halte, so lese ich etwa 76 oder 77 Millimeter ab (was einer Digit Ratio von etwa 1.04 entsprechen würde). Die Messergebnisse der anderen Finger stimmen innerhalb der Messgenauigkeit überein.

Ich bin Naturwissenschaftlerin. Freilich versuche ich, wissenschaftliche Theorien auf mich selbst anzuwenden, und abzugleichen, inwieweit sie wohl zutreffen. Oder auch nicht.

Das Längenverhältnis von Zeigefinger zu Ringfinger 2D/4D ist ein Indikator für das pränatale Testosteronlevel. Studien deuten darauf hin, dass insbesondere in den ersten drei Entwicklungsmonaten die Ringfinger eines Embryos auf hohe Konzentration von Testosteron mit verstärktem Wachstum reagieren. Das Fingerlängenverhältnis bleibt später nach derzeitigem Forschungsstand lebenslang erhalten.
Die Forschung zu hormonellen Einflüssen auf die Gehirnentwicklung steckt noch in den Anfängen. Ich habe zumindest keine belastbaren Quellen gefunden, die auch das Timing bzw. das bereits erreichten Entwicklungsstadium eines Fötus berücksichtigen. Ist wohl auch schwierig zu messen.
Es erscheint mir plausibel, dass hormonelle Einflüsse je nach Entwicklungsstand ganz unterschiedliche Auswirkungen haben können. Was in den ersten Monaten das Längenwachstum der Finger begünstigt, kann sich zu einem späteren Zeitpunkt ganz anders manifestieren. Eine stärkere Veränderung des Hormonlevels kann deshalb widersprüchlich erscheinende Folgen haben.
Nach dieser Hypothese wäre es möglich, ein großes Fingerlängenverhältnis auszubilden, wenn in den ersten drei Monaten eine niedrige Testosteronkonzentration vorhanden ist, und ebenso – wenn später die entsprechenden Gehirnareale sensitiv für pränatales Testosteron sind – nach einer deutlichen Steigerung der Konzentration, die jeweiligen Gehirnstrukturen auszuprägen.
Aber dies sind nach dem derzeitigen Wissensstand nur unbelegbare Spekulationen.

Erkenntnisse, die auf der Mittelfingerlänge beruhen, sind mir nicht bekannt. Dafür gibt es andere Fingerspiele.

* Fehlerbetrachtung:
Unter der Voraussetzung, dass beim Scannen alle Finger korrekt auf der Unterlage aufliegen, dürfte der Messfehler durch unzureichende optische Auflösung, Schwierigkeiten bei der Positionierung des Mousecursors, sowie uneindeutige Streckenführung, bei einem bis zwei Millimeter pro Finger liegen. Das enspricht einem relativen Fehler von bis zu 3 Prozent.
Bei Potenzprodukten addieren sich die Beträge der relativen Fehler der einzelnen Messfehler, so dass insgesamt eine Ungenauigkeit von 6 Prozent angenommen werden muss.
Dieser Fehler ließe sich reduzieren durch die Durchführung mehrerer Scans und derer Auswertung. Aber dazu habe ich weder Zeit noch Lust.


Digitalisierte Finger

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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19 Antworten zu Digiti Digitalandi //1878

  1. keloph schreibt:

    was man alles erforschen kann…. *tststs*

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  2. Broken Spirits schreibt:

    So langsam kann man Dich anhand der Teilfotos zusammenpuzzeln 😛
    (sieht am Ende zwar wahrscheinlich aus wie diese Figur aus NLP (grad mal noch gegoogelt: Sinnesfigur VAKOG heißt die) – aber denk trotzdem an die Annenühmität 😀 )

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  3. ednong schreibt:

    Irgendwie kann ich in dem Scan gar nicht dein Gesicht entdecken … 😉

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    1, Du hast kleine Finger. Wie groß bist du ?
    2. Dein Zeigefinger ist kürzer als dein Ringfinger. Das ist bei mir anders herum.

    Der Rest ist mir einerlei. Ich kann es eh nicht ändern und das Wissen um Testosteron in der pränatalen Phase ist für mein Leben nicht mehr relevant.

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  5. v1r3s schreibt:

    Du könntest ja noch andere paarweise vorkommenden Körperteile so vermessen und uns daran teilhaben lassen 😀

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  6. Pingback: Schon wieder Tweets //2076 | breakpoint

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