Doctor Häh? (1. Teil) //1826

Zwar hatte mich Carsten gefragt gehabt, ob ich ihn zu einem Abendessen mit Geschäftsfreunden begleite, aber als ich abgelehnt hatte, hatte er nicht weiter dazu gedrängt.
„Wie war’s?“, fragte ich ihn, als er spät abends heimkam.
„Ganz OK. Man hat dich vermisst.“
„Oh .. aber du hattest es doch akzeptiert, dass ich nicht mitkomme.“
„Sicher. Aber die anderen Gäste fragten mich, warum du nicht dabei bist.“
Sauer stieg mir die Erinnerung hoch an andere Begebenheiten, bei denen die Tatsache, dass wir nicht ununterbrochen zusammenkleben, zu unzutreffenden Spekulationen geführt hatte.
„Das nächste Mal komm‘ ich wieder mit“, stieß ich ärgerlich hervor, aber Carsten blieb ruhig.

„Wir werden sehen. Nachdem ich ihnen erklärt habe, dass du gerade mit dem Endspurt deiner Doktorarbeit voll beschäftigt bist, sahen sie ein, dass deine Abwesenheit gerechtfertigt war, und ich soll dir noch viel Erfolg zum Abschluss wünschen.“
„Ich will nicht, dass du anderen Leuten das auf die Nase bindest!“, stieß ich hervor. Ich hatte noch nicht einmal meinen Eltern davon erzählt, als ich an Ostern in der alten Heimat war, und er posaunt es überall herum!
„Aber, Samtpfötchen“, meinte er besänftigend, „du kannst doch stolz darauf sein.“
„Ich will trotzdem kein solches Aufhebens darum machen. Außerdem kann sich die Sache auch noch länger hinziehen, und es geht – verdammt noch mal! – sonst niemanden etwas an.“
„Hast du Bedenken, dass du durchfällst?“
„Nein, das nicht. Ich sehe es aber als meine ganz persönliche Privatangelegenheit, und ich will nicht, dass du damit angibst, und es geschäftlich ausschlachtest.“

Carstens Ton wurde plötzlich eisig: „Ich habe dich bisher dabei immer unterstützt, und deinen Kontakt mit Benjamin zugelassen. Warum, glaubst du, habe ich das getan, und dir die Zeit dafür gegeben? Damit dein Doktorgrad in irgendeiner Schublade verstaubt und vergammelt? Du bist jetzt Geschäftsführerin, und bist dem Unternehmen verpflichtet, dich nach besten Kräften für seinen Erfolg einzusetzen. Dazu gehört auch, solch einen prestigeträchtigen Titel offen zu benutzen. Wie du das privat halten willst, überlasse ich dir.“
Ein vielleicht PMS-induzierter Impuls kam in mir auf, die ganze Promotion hinzuschmeißen, aber damit würde ich mich nur ins eigene Fleisch schneiden. Also atmete ich tief durch, und beschloss, den Konflikt erst einmal zu deeskalieren.

„Noch habe ich den Titel ja nicht einmal.“
in etwas milderen Ton fuhr er fort: „Mit diesem Titel kannst du viele Geschäftspartner beeindrucken, insbesondere die Endkunden fahren darauf ab.“
„Das sind doch alles Mathe-Doofies!“, warf ich ein. Naja, nicht wirklich alle. Es gibt schon Ausnahmen, aber die sind rar.
„Das brauchst du ihnen ja nicht gleich so genau zu erklären. Der Zusatz rerum naturae ist völlig OK.“
„Bloß dass Mathematik gar keine Naturwissenschaft ist.“
Carsten runzelte die Stirn. Ich war wohl wieder mal im Begriff, den Bogen zu überspannen, also fügte ich schnell hinzu: „Aber Naturwissenschaftlerin bin ja sowieso.“

Da die Unterhaltung eine überraschende Wendung nahm, splitte ich den Blogeintrag, setze hier einen Breakpoint (!) und ergänze den Rest voraussichtlich morgen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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30 Antworten zu Doctor Häh? (1. Teil) //1826

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    Was soll er auch sonst sagen? Meine Frau hat soziale Anpassungsschwierigkeiten? Oder sie kann sie schlichtweg nicht ausstehen?

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  2. Leser schreibt:

    Hier muss ich entschieden widersprechen: Die Mathematik ist die einzige wirkliche Naturwissenschaft – alle anderen sogenannten Naturwissenschaften sind doch bloß eine Anwendung von Mathematik auf beobachtbare Phänomene, die ohne Mathematik wiederum gar nicht beobachtbar wären!

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    • Mathematik existiert auch unabhängig von der Natur, und kann völlig abstrakte, konstruierte Räume beschreiben, die nichts, aber auch gar nichts mit der Realität zu tun haben.

      Gefällt 1 Person

      • Der Emil schreibt:

        Hm. Ich behaupte (kann es aber keinesfalls beweisen und bin auch kein Mathematiker), daß die abstrakten, konstruierten Entitäten/Räume/Mengen nur nichts mit der beobachtbaren Realität zu tun haben, aber zur existenten Realität gehören, sobald sie eben konstruiert sind.

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        • Da müsste man erst einmal definieren, was man unter „Existenz“ überhaupt verstehen will.
          Innerhalb der Mathematik ist das ja eindeutig und klar – so existiert beispielsweise in der Menge der reellen Zahlen kein Element, das mit sich selbst multipliziert -1 ergibt – innerhalb der Menge der komplexen Zahlen dagegen schon.

          Mathematik ist einfach eine Sprache, mit der man versucht, die Natur (und auch einige andere Bereiche) zu beschreiben.
          Mathematische Konstrukte sind zwar denkbar, müssen aber nicht auf unsere beobachtbare Wirklichkeit abbildbar sein.

          Gefällt 2 Personen

  3. Bloggich schreibt:

    Ich finde einfach ätzend wie an der Entscheidung der „Frau“ in diesem Blog herumgeredet wird.
    M.E. ist nicht entscheident wem es gefällt, die Entscheidung war getroffen und gut

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    • FAKE blindfoldedwoman schreibt:

      Das war der Sinn und Zweck des Eintrages, dass daran herumgeredet wird. Wenn man kein Herumgerede inform von Kommentaren möchte, dann kann man die Kommentarfunktion ja abschalten. Aber der „Frau“ in diesem Blog liegt ja was daran, dass die Leser auch kommentieren und ihre Meinung äußern.

      [editiert: Account ist gefälscht!]

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Ich empfinde einen Dr. Titel heutzutage überbewertet.
    Darauf stehen doch nur Österreicher 🙂

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  5. Pendolino70 schreibt:

    Networking ist nicht wirklich mein Ding. Das Beste ist, wenn man andere Verpflichtungen hat wie Kinder, Ehrenamt oder eben eine Doktorarbeit 😉

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  6. blindfoldedwoman schreibt:

    Könntest Du bitte den obigen Kommentar löschen? Der stammt mal wieder nicht von mir. Armer Troll.

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