Kuschelraub //1807

Zwar ist es relativ selten, dass Carsten schon deutlich früher ins Bett geht als ich, aber es kommt vor. Ich hatte in der Küche noch die Spülmaschine angelassen und sonst noch ein paar Kleinigkeiten erledigt, so dass Carsten bereits zu schlafen schien, als ich ins Bett krabbelte.
Mir war es ziemlich kühl, und so wollte ich mich an Carsten kuscheln, möglichst ohne ihn aufzuwecken. Da dieser aber in seiner Decke eingewickelt war, war es nötig, dass ich an seiner Decke herumzog, um mich nahe an seinen warmen Körper schmiegen zu können.
Plötzlich drehte er sich halb um, rief etwas unverständliches und machte eine abwehrende Bewegung. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich in meine eigene Decke einzuhüllen. Ich bekam dann bewusst nichts mehr von ihm mit, bis ich am nächsten Morgen aufgespießt aufwachte.

Am Abend ergab es sich, dass wir eigentlich gleichzeitig ins Bett gehen wollten. Bei mir verzögerte es sich allerdings geringfügig, so dass Carsten bereits im Bett lag, wenn auch noch wach, als ich mich auszog.
„Wo bleibst du denn?“
„Gleich, gleich. Ich zieh‘ mich nur noch aus.“
„Welchen Slip trägst du?“ Das ist so ein kleiner Fetisch von ihm, der mich schon ein wenig nervt, aber meinetwegen.
„Den schwarzen String mit dem Spitzeneinsatz.“
„Gib ihn mir!“, verlangte er.
„Von mir aus“, erwiderte ich, und tat wie gewünscht. Dann wechselte ich das Thema, während ich im Begriff war, mich hinzulegen: „Darf ich mich dann heute wenigstens wieder an dich kuscheln?“
„Aber selbstverständlich. Wie immer. Wieso fragst du?“
„Weil ich das gestern nämlich nicht durfte.“
„Da hab‘ ich bestimmt schon geschlafen.“
„Du hast mich weggestoßen.“
„Da habe ich mich wohl im Traum irgendwie bedroht gefühlt.“
„Ich hab‘ nur an deiner Decke gezogen, um an dich ranzukommen.“
„Ach ja, jetzt erinnere ich mich. Ich habe geträumt, dass mich Straßenräuber angegriffen hätten. So eine Bande wie der Räuber Hotzenplotz.“
„Nein, das war nur ich.“
„Dann sollten wir die entgangenen Kuschelfreuden am besten schleunigst nachholen.“
Das taten wir dann auch unverzüglich und tiefgehend.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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10 Antworten zu Kuschelraub //1807

  1. Leser schreibt:

    Also mir wäre das Kuscheln ja wichtig genug, um mich davon wecken zu lassen. So aneinandergekuschelt schläft sichs doch bestimmt gleich viel besser ein? Vor allem dürfte die Wahrscheinlichkeit von Albträumen dadurch um einiges reduziert werden, erst recht bei großer Vertrautheit zwischen den Kuschelnden.

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  2. Pendolino70 schreibt:

    Hat ihn ein Bart gepickt, dass er an den Räuber Hotzenplotz denken musste?

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  3. Pingback: Im Märzen der Twitterer //1987 | breakpoint

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