Gestatten: Sheldine Schrödperger //1767

Bei einem Mitarbeitergespräch mit meinem Asperger-betroffenen Mitarbeiter kamen wir auch auf das Thema dieser Besonderheit. Ich fragte ihn, wie er ursprünglich auf den Verdacht gekommen sei, und wie die Störung bei ihm diagnostiziert worden sei. Seine Antworten werde ich öffentlich aber nicht ausbreiten.
Jedenfalls erwähnte er, dass es auch gute Onlinetests dafür gäbe, er dabei aber nur etwa 65% der Maximalpunktzahl erreicht habe.
Neugierig geworden, führte ich zwei dieser (einander sehr ähnlichen) Test aus, und erreichte 37 bzw. 36 Punkte von 50 möglichen.

Mit Selbstdiagnosen sollte man ja immer vorsichtig sein. Andererseits halte ich nicht so viel von Ärzten oder Psychologen, dass ich auf eine offiziell bestätigte Diagnose wert legen würde. So begnüge ich mich mit dem Status eines Schrödinger-Aspies, auch weil ich schon öfter angeblich Betroffene erlebt habe, die damit kokettierten und sich sonst was darauf einbildeten. Eine eindeutige, scharfe Grenzen lässt sich eh nicht ziehen, so dass es wohl eine Frage des Grades und Ausmaßes ist.
Ein paar aspergische Züge kann ich bestimmt nicht verhehlen. Allerdings habe ich das bisher immer meiner Nerdigkeit zugeschriebem. Die Überlappungen zwischen Aspies und Nerds sind ja recht groß. Das ist IMHO nicht nur Korrelation, sondern durchaus ein kräftiger Schuss Kausalität.
Ich hätte schon damals hellhörig werden sollen, als ich mit einem anderen Onlinetest mein Gehirngeschlecht bestimmt habe. Meine Ergebnisse waren typisch für Menschen mit Asperger-Syndrom, auch wenn ich wohl kein extremer Fall bin. Damals habe ich das aber nicht weiterverfolgt.

Ich weiß schon, dass ich gewisse Defizite habe im Umgang mit anderen (nicht-nerdigen) Menschen. Smalltalk ist eine Qual für mich, weil ich einfach keinen Sinn darin sehe, mich über irgendwelche unwichtigen Nichtigkeiten zu unterhalten, insbesondere mit Leuten, die mir völlig egal sind. Und dass ich mich dabei auch noch ad hoc äußern soll, ohne Gelegenheit für eine durchdachte Antwort, macht es nicht besser.
Auch habe ich ziemliche Schwierigkeiten, Gesichter zu erkennen. Gesichtsblindheit kommt bei Aspergerbetroffenen recht häufig vor.

Aspies legen i.A. großen Wert auf das Befolgen von Regeln. Ich sehe das nicht so eng, und mag gelegentliche Tunnelspiele sehr.
Allerdings bin ich ein Gewohnheitsmensch, schätze meine Routine und brauche eine gewisse Kontinuität und Struktur.
Meinen Tagesablauf plane ich meist minutiös. Wenn den jemand aus dem Konzept bringt, kann ich ziemlich ungehalten und ungnädig werden. Denn solche vermeidbaren Änderungen kann ich nicht leiden. Zwar nehme ich es hin, wenn sich etwas ändert, weil es nicht vorhersehbar war. Aber wenn jemand plötzlich andere Wünsche äußert, die meine Planung umstoßen, die aber vorher schon absehbar gewesen wären, derjenige hat es lediglich versäumt, dies richtig vorher zu durchdenken, dann werde ich richtig sauer und grantig. Wenn mich jemand zwingt, umzudisponieren, obwohl das nicht nötig hätte sein müssen, ist das für mich kaum erträglich (wenn ich jemals etwas scheinbar gegenteiliges geschrieben habe, so bezog sich das auf langfristige Planungen, die ich wesentlich lockerer sehe).
Es ist für mich nur schwer erträglich, wenn zugesagte Termine nicht eingehalten werden, so dass die vorgesehenen Abläufe nicht eingehalten werden können.
Mit Personen die spontan und impulsiv handeln, komme ich nicht klar.
Mir fehlt da die kurzfristige Flexibilität (längerfristig – d.h. bevor ich es durchgeplant habe – sind Änderungen meist kein größeres Problem).
Ich kann es nicht ausstehen, wenn ich gestört werde, während ich gerade beschäftigt bin, und ich meine aktuelle Tätigkeit dewegen unterbrechen muss, oder wenn meine Queue währenddessen weitere dringende To-Dos bekommt.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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42 Antworten zu Gestatten: Sheldine Schrödperger //1767

  1. keloph schreibt:

    ohje, ob ich auch mal testen sollte? da sind viele dinge scheinbar bei mir ähnlich gelagert 🙂

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  2. wollesgeraffel schreibt:

    Oha, ich kenne mich nicht aus mit Asperger. Aber auffällig und mir verständlich ist Deine Art, wie Du Dich in Deinem Umfeld verhältst. Du hast ja öfter von Familienfeiern geschrieben. Vorsichtig formuliert, es ist nichts, was Dich freut und mir kommt es vor, als ist Dir das extrem lästig. Smalltalk wird überschätzt, liebe Anne und ist nur im Suff erträglich. Smalltalk, das ist sinnloses Geplapper. Was Deinen Hang zur Wissenschaft angeht, verhältst Du Dich nicht anders als Andere aus dem Bereich. Ich sage dann, jeder hat irgendeine Macke. Bevor das ganze Leben psychologisiert wurde, nahm man das als Schrulle oder Veranlagung, die Menschen sind nun mal verschieden und keiner kann aus seiner Haut. Sieh mal, Du arbeitest, zahlst Steuern, Du gehörst zu denen, die den ganzen Laden BRD am Laufen halten. Bevor es mich erwischt hat, zählte ich auch dazu. Macht das jeden, der die Kosten seiner Ausbildung mehrfach an die Allgemeinheit zurückgegeben hat, zu einem seelisch Gestörten? Dann hast Du einen ganzen Haufen Gestörter als Follower, wie ich den Kommentaren in Deinem Blog entnehme. Letztlich gehören diese Psychotests auf die Seite mit Esoterikmüll, Kaffeesatzleserei und Horoskopen in der Apotheken Rundschau. Bleib wie Du bist und freu dich Deines Lebens, Du hast nur Eins. Hihihi

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    • Och, ich habe gar kein Problem mit dieser Einschätzung.
      Im Gegenteil, ich mag es immer, wenn sich etwas in Zahlen fassen, quantifizieren und kategorisieren lässt (weshalb ich auch ein Faible für solche Tests habe). Das ist eben meine Art, und die Weise, wie mein Gehirn funktioniert.
      Den meisten Leuten geht es anders, aber etliche (gerade auch unter meinen Lesern) ticken ähnlich.
      Ich finde diese Besonderheit einfach bemerkenswert, weshalb ich darüber gebloggt habe.

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    14 Punkte. Ich bin anscheinend kein Aspi und gesellschaftskomptibel.
    Es wundert mich nicht. Nerds und Aspis werden in Marketing & Sales nicht erfolgreich sein.

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  4. wollesgeraffel schreibt:

    31 Punkte, ich bin normal, jetzt kann ich meinen Kumpels Kontra geben.

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  5. wollesgeraffel schreibt:

    Übrigens, Scheldine gefällt mir.
    .

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  6. blindfoldedwoman schreibt:

    20 Punkte

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  7. RAID schreibt:

    32.. Knapp an der 42 vorbei 😀

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  8. Broken Spirits schreibt:

    Gewonnen: 40 Punkte :p

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  9. Baerlinerin schreibt:

    Ich hätte da einen Tipp. Schon mal einen Escape Room besucht, Sheldine? 😉 Wir waren vergangene Woche zur Mission „Big Päng!“. Hier mein Erfahrungsbericht http://baerlinerin.com/big-paeng-escape-berlin/. Berliner Grüße, Elli

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  10. idgie13 schreibt:

    Ich hab den Test inzwischen auch schon geschafft und komme auf 33 Punkte – obwohl ich ein durchaus geselliger Mensch bin und das auch wahrheitsgemäss beantwortet habe. Seltsam ..

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    • Die Geselligkeit ist nur eine Komponente von mehreren.
      Du arbeitest ja strukturiert und systematisch. Das treibt das Testergebnis hoch.

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      • Irenicus schreibt:

        Du hast 35 Punkte.
        Eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum ist wahrscheinlich.

        Bei meinen Fragen/Antworten wird jeder deutlich überdurchschnittlich intelligente da eingeordnet. Ich kenne so gut wie keinen Informatiker der Smalltalk schätzt, und Muster/Details nicht überdurchschnittlich gut erkennt.

        Mit einigen Fragen kann ich gar nichts anfangen: „sie besauchen lieber Museen als Theater“. Ich besuche beides so gut wie nie, weil es micht fast immer langweilt -.-

        Sie finden „leicht“ neue Freunde. Wer da ja anklickt, hat sicherlich eine andere Definition von Freundschaft als ich -.-

        „Du arbeitest ja strukturiert und systematisch. Das treibt das Testergebnis hoch.“
        Das scheint mir bei allen test das ausschlaggebende zu sein. Wenn du gewissenhaft arbeitst bekommst du Minimum 20 Punkte.

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        • Der Test beruht, soweit ich mich erinnere, auf den Theorien von Simon Baron-Cohen, der die Unterschiede zwischen „systematisierendem“ und „empathischem“ Gehirn erforschte.
          Manche Formulierungen der Fragen sind durchaus problematisch. Das ist bei allen (Online-)Tests der Fall. Je mehr Fragen, desto zuverlässiger mitteln sich Abweichungen heraus, wenn man bei manchen Fragen zwischen mehreren Option schwankt, oder gar keine zutreffend findet.
          Solche Tests sollte man nicht überbewerten, und nur als grobe Tendenz sehen.

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  11. ednong schreibt:

    Oh. Wo kann man denn da näherer Informationen erhalten?

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