Unerfreuliche Aussichten //1695

Die Nutzer unserer Geräte sind im Allgemeinen richtige DAUs (es gibt Ausnahmen, aber die sind selten). Eigentlich wollen sie nichts mit technischen Geräten zu tun haben, es bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, da diese Geräte ihre Arbeit vereinfachen und teilweise überhaupt erst ermöglichen.
Entsprechend sprechen die Nutzer auch eine ganz andere Sprache, mit der sie ihre Tätigkeiten und deren Parameter beschreiben. Diese Sprache ist für MINTler oft nicht eindeutig und wird als ungenaues Wischiwaschi empfunden, mit dem man nichts so richtig anfangen kann.
Trotzdem sind das die (End-)kunden, die bestimmte Anforderungen an die Geräte stellen (wenn sie schon nicht um deren Benutzung herum kommen). Es ist eine Herausforderung, aus ihren Darstellungen herauszulesen, was sie tatsächlich an Funktionalität und Bedienungsoptionen benötigen, zumal sie das üblicherweise selbst nicht genau wissen, geschweigedenn artikulieren können. Außerdem haben sie keinerlei Vorstellung davon, was von ihren Wünschen überhaupt machbar, und was grundsätzlich unrealisierbar ist.

Jetzt hatte der Chef die Idee, in einen persönlichen Dialog mit den Nutzern zu treten, um unsere Geräte besser und nutzerfreundlicher zu gestalten.
Meines Erachtens wäre das eine Aufgabe für Vertrieb oder Marketing. Aber nein – die Entwicklung soll sich direkt darum kümmern, weshalb das ganze vor allem an mir (und ein wenig auch an Ulrich) hängen bleibt. Ich habe wiederholt versucht zu erklären, dass ich mit dieser Art von Leuten (das sind quasi „Anti-Nerds“) nicht reden kann, aber er meinte, dass ich das schon schaffe, und da müsse ich durch.
Sein Zutrauen ehrt mich, aber ich selbst habe dabei ziemliche Zweifel, und absolut keine Lust, mich mit diesen Leuten abzugeben.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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47 Antworten zu Unerfreuliche Aussichten //1695

  1. mindph schreibt:

    Dafür hat man doch normalerweise UI- und Frondend-Designer, die wissen was die Kunden wollen und das entsprechend technisch umsetzen können, so dass der Rest sich im Backend austoben kann.

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    • Es geht nicht nur um die Software, sondern auch um die technischen Geräten, die dahinterstecken und über die Software gesteuert und bedient werden.
      Die Nutzer haben dazu manchmal spezielle Wünsche und Ansprüche (z.B. für zusätzliche oder leichter erreichbare Einstellmöglichkeiten, oder auch ganz andere technische Zusatzfeatures – und sei’s ein Kaffeehalter am Gehäuse), die herausgefunden werden sollen.

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Eine wichtige Schnittstelle. Und gut für die Kundenbindung.
    Dein Chef hat recht, Du schaffst das schon, wenn Du Dich darauf einlässt.

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  3. wollesgeraffel schreibt:

    Schließe mich meiner Vorrednerin an, Du schaffst das. Ich verfolge Deinen Blog lang genug und kann sagen, Du wächst an Deinen Aufgaben. Schließlich sollst Du mal Chefin werden, deshalb schanzt Carsten Dir das zu. Als Chefin und letztinstanzliche Beschwerdestelle kommst Du um Kundenkontakte nicht herum. Du mußt lernen, das Kundenwischwaschi (ich liebe zusammengesetzte Hauptwörter} zu interpretieren und dabei nicht aus der Haut zu fahren. Siehs mal von der Seite. Viel Vergnügen. Hihihi

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Carsten hat recht.
    Das ist übrigens auch der Grund, warum Apple dort steht, wo sie stehen.

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  5. idgie13 schreibt:

    Wenn Du dort ähnlich arrogant auftrittst und den Kunden spüren lässt, dass er in Deinen Augen blöd ist, könnte der Schuss allerdings auch nach hinten losgehen.

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  6. Dieter schreibt:

    So ähnlich habe ich zu Beginn meiner Tätigkeit auch gedacht.

    Bis mir einmal ein sehr guter Kunde bei einem 4-Augen-Geschäftsessen direkt sagte, dass mich viele seiner Mitarbeiter als arrogant und unsympathisch empfinden.

    Nun war ich bei den Firmen ja eher als Problemlöser und nicht um Freundschaften aufzubauen, dies war bis zu diesem Zeitpunkt meine Meinung.

    Aber er brachte mich zum Nachdenken mit seiner Aussage und zukünftig ging ich mit der Geduld, die man einem Kleinkind entgegen bringt, zu solchen Kundenterminen.

    Mein Umsatz steigerte sich im darauffolgenden Jahr um 100 %, die Kunden waren deutlich zufriedener und irgendwie fiel auch mein Stresslevel deutlich ab.

    Die Marketing- und Vertriebsleute musste ich feststellen, haben meistens nur die Umsatzsteigerung und nicht die Kundenzufriedenheit im Kopf.

    Viel Erfolg und damit auch Spass an der neuen Herausforderung wünsche ich dir
    VG Dieter

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    • Danke, Dieter.

      Wie machst du das mit der Geduld?
      Geduld gehört nicht zu meinen Stärken. Insbesondere wenn meine Gesprächspartner begriffstutzig agieren, langatmig-umständlich, unpräzise oder inkonsistent formulieren, sind mein Verständnis und meine Geduld ziemlich bald zu Ende.
      Bisher meide ich solche Situationen, weil mir schon klar ist, dass die Kommunikation problematisch und wenig zielführend wird.
      Aber diesmal komme ich wohl nicht drumherum.

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      • Dieter schreibt:

        Zum Glück habe ich bereits Geduld in die Wiege gelegt bekommen, zumindest behaupten dies meine Eltern.
        Für mich zählte im Beruflichen meistens, der Kunde hat immer recht und bekam, was er wollte. Und wenn es bunte Blumen handgemalt am Rande seiner EDV-Auswertung sein sollten.
        Wenn er es bezahlt bzw. das Budget dafür genehmigt bekommt.
        Ansonsten habe ich alles so genau wie möglich in einem Pflichtenheft festgehalten, was dann Grundlage des Vertrages wurde.

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        • Naja, es gibt solche Kunden und solche Kunden.
          Während meiner Selbständigkeit hatte ich glücklicherweise weitestgehen mit solchen zu tun, die vernünftigen Argumenten zugänglich sind.
          Ich fürchte, dass das bei der Art Kunden, um die es hier geht, weit weniger der Fall ist. Und da nützt es mir auch wenig, mir zu sagen, dass der Kunde immer recht hat.

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  7. Leser schreibt:

    Geht es darum, die Kundenwünsche an die usability zu erfüllen, oder auch den Kunden ein bisschen besser die Benutzung beizubringen? Wenn zweiteres der Fall ist, dann empfehle ich mal, technische Handbücher der vergangenen Dekaden anzuschauen, also von Geräten aus den 70er/80er Jahren. Mir fällt da z.B. einer der ersten Home Computer ein, der TRS-80. Da gibt es irgendwo ein Dokument, was (auf englisch) bis auf das Elektronik-Level runtergeht, aber erst mal ganz oben mit „Theory of Operation“ anfängt und so den Leser da abholt, wo er steht, also völlig ohne Ahnung…
    Ansonsten wäre natürlich auch eine Art „Marktforschung“ erst mal eine Sache, also z.B. ein paar (repräsentativ) ausgewählte Kunden um ein Feedback bitten, womöglich nach einzelnen Bedienschritten gegliedert (je nach dem, wie komplex die Bedienung der Maschinen ist). Dann dieses Feedback in einer „Taskforce“ der Entwicklungsabteilung besprechen: Was könnte der Kunde damit meinen? Was stört ihn wirklich? Wie könnte man es verbessern? usw…

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    • Es geht darum, die Spezifikation (und später deren Umsetzung) so zu erweitern, dass neue oder veränderte Anforderungen der Nutzer (nicht unbedingt identisch mit „Kunden“) besser erfüllt werden. Mit Bedienugsanleitungen hat das erst mal gar nichts zu tun.
      In der Vergangenheit gab es immer wieder Kundenbefragungen, in denen auch nach Verbesserungsvorschlägen gefragt wurde.
      Dieses hier ist ein völlig anderer Ansatz, bei dem keine Kunden befragt, sondern mit Nutzern gesprochen werden soll. Wie das im Detail ablaufen soll, ist noch nicht vollständig geklärt.

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      • Leser schreibt:

        Oh – dann wirst Du wohl zu den Nutzern (im Haus der Kunden) hinfahren und ihnen ein bisschen beim Bedienen der Maschinen zuschauen müssen, und daraus Deine Schlüsse ziehen. Es gibt ja oft, gerade wenn es um UIs geht, Leute, die sich aus den vielen Wegen, die üblicherweise in das sprichwörtliche Rom führen, denjenigen auswählen, der über den Nordpol führt.

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  8. ednong schreibt:

    LOL – ich kann mir das wirklich bildhaft vorstellen, wie du einen solchen Kundentermin hast 😀

    Entgegen der überwiegenden Meinung hier halte ich es für vertane Zeit, wenn du solche Termine wahrnimmst. Da dürften Welten aufeinanderprallen. Ihr braucht eher (einen) Mitarbeiter, der sich um genau so etwas mit Enthusiasmus kümmert. Ich finde so etwas beispielsweise an Kundengesprächen immer sehr spannend.

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  9. Jezek1 schreibt:

    Naja, diese „Leute“ finanzieren auch die ganze Show; da sollte man schon mal sehen wer da mit dem Zeugs täglich zugange ist…

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  10. SH aus RC im V schreibt:

    „… und absolut keine Lust, mich mit diesen Leuten abzugeben.“
    Mit diesen Leuten? Hallo! „Diese Leute“ sind deine Kunden. Die bringen dir deinen Umsatz und sorgen dafür, dass der Laden läuft und deine Mitarbeiter in Lohn und Brot sind und auch bleiben.
    *kopfschüttel*

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  11. Pingback: Meeting The (L)Users //1730 | breakpoint

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