3 * 23 * 29 – A Space Oddity (pars ultima) //1634

Dies ist der (voraussichtlich) letzte Teil mit meinen diesjährigen Urlaubserinnerungen.

Das Meer war mir vormittags zu kalt, um darin zu schwimmen. Nachmittags war die Sonne zu intensiv (und einen Strahlenschaden möchte ich schon vermeiden) – die Einheimischen wissen schon, warum sie Siesta halten. Auch am frühen Abend, wenn die Temperaturen eigentlich perfekt waren, waren mir Wellengang und Brandung zu stark. Zwar bin ich eine sichere Schwimmerin, aber der Kampf mit den Wellen raubt mir zu viel Kraft. Das ist kein Vergnügen, und es ist mir unverständlich, wieso manche Leute freiwillig ein Wellenbad besuchen. Im Außenpool spritzten zu viele Kinder rücksichtslos herum. Blieb zum Schwimmen nur der Innenpool.
Aber was ich wirklich total gerne am Strand mache, ist an der Grenze zwischen Land und Wasser barfuß entlangzulaufen. Bei jeder einlaufenden Welle umspült das Meer meine Füße, meist bis zu den Knöcheln, manchmal bis zu den Knien. Wenn sich das Wasser dann wieder zurückzieht, laufe ich auf dem Sand. Es ist auch faszinierend, die Gezeiten zu beobachten. Der periodische Wechsel zwischen Ebbe und Flut, der Tidenhub, der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser. Das Spiel von Licht, Wasser und Sand erzeugt manchmal unwirklich oversamplet erscheinende Moiré-Muster – so als habe der zuständige Entwickler der FEM-Simulation an der Ortsauflösung der Pixel gespart.
Einander überholende Wellenberge. Dispersion. Interferenzen. Resonanzen. Stehende Wellen. Sex on the beach.
Carsten wollte mich in eine Diskussion über Wellenentstehung verwickeln, aber da ich zu wenig Ahnung von Fluiddynamik habe, blockte ich das ab, und malte stattdessen mit dem großen Zeh die Wellengleichung in den feuchten Sand.

Wenn Carsten keine Termine und keinen Stress hat, so ist seine sexuelle Appetenz enorm. Nicht dass mir das zuviel geworden wäre, aber ich hätte einfach gerne zwischendurch auch ein wenig mehr ungestörte Zeit für mich selbst gehabt.
Bis auf zwei Ausflüge, die er alleine unternahm, legte er großen Wert darauf, dass ich ihn bei Unternehmungen und Spaziergängen begleite. Das lief dann manchmal so, dass er dann noch irgendwo hinging, wo ich nicht mitkommen wollte, und er mich warten ließ (während ich die Zeit viel lieber anders verbracht hätte). Über solche Alleingänge war ich schon einige Male pikiert.
Oder abends gingen wir noch gemeinsam spazieren, aber ich war eigentlich müde, und wollte nicht mehr so weit laufen. Aber „nur noch bis da vorne“, „wir sind ja gleich da“, „nur noch ein kurzes Stück“, .. also gingen wir dann viel weiter, als ich eigentlich wollte, und der Rückweg war ja auch noch zu bewältigen. Gerade da hatte er sein Navigerät nicht dabei, sonst wären wir schon deutlich früher umgekehrt. Und wenn er es dabei hat, läuft er herum wie ein Zombie – Augen auf dem Display, Finger an den Bedienelementen, statt an mir.
Einmal machten wir auch zusammen einen Ausflug. Zuerst mit dem Bus in den nächstgrößeren Ort. So weit, so gut. Aber dann mussten wir uns beeilen, um die nächste Fähre zu erreichen. Wir hatten nur etwa zehn Minuten, und kannten uns nicht aus. Das Navigerät zickte, und hängte sich schließlich ganz auf. Ich hasse solche Hetze und Hektik im Urlaub, wenn man ganz schnell zu einer festen Zeit nirgendwo hin muss. Außerdem war es am frühen Morgen schon so heiß, dass ich meinen Strohhut (den ich mir für meine Abifahrt gekauft hatte – damals 5 Mark) trug, um mich vor der direkten Sonnenstrahlung zu schützen.
Carsten rannte voraus, ich versuchte Schritt zu halten, und hechtete hinterher. Und wenn er den falschen Weg einschlägt, ist er schon zu weit vor mir, um ihn noch zurückhalten zu können. Mit bleibt dann nur, stehen zu bleiben, und zu warten, bis ihm irgendwann auffällt, dass ich nicht mehr hinter ihm bin.

Da ich mein Smartphone für alle Fälle mitgenommen hatte, nutzte ich es für eine Handvoll Fotos, als ich alleine unterwegs war. Ich musste erst herumprobieren, bis ich damit klarkam. Dann wollte ich die Fotos auf mein Notebook kopieren. Aber das funktionierte irgendwie nicht, wie gedacht. Ich bin doch nun wirklich versiert in Computerei, und es scheint, als ob DAUs keine Probleme haben, ihr Smartphone zu bedienen. Auf meinem Notebook musste ich erst mal Bluetooth einschalten, und wusste nicht, wie. Vor ewigen Zeiten hatte ich es mal deaktiviert, weil ich es eh nie brauche. Lange Rede, kurzer Sinn – die Fotos sind immer noch auf dem Smartphone, was aber kein größerer Verlust ist. Carsten meint, dass Bluetooth ohnehin sehr langsam und schwerfällig ist, und er es deshalb auch nie nutzt, wenn es noch Alternativen gibt.

Als ich auf einer niedrigen Mauer saß, um mir den (inzwischen trockenen) Sand von den Füßen zu wischen, bevor ich die Sandalen wieder anziehen konnte, bemerkte ich, dass ein etwa halb- bis dreiviertelwüchsiger Junge versuchte, mir unter den Rock zu schauen.
Daraufhin dehnte ich die Säuberungsaktion aus, und bot ihm bessere Gelegenheiten, während Carsten missmutig die Situation beobachtete, aber nichts sagte.

Und noch eine ganz berührende Annekdote:
An einem Spätnachmittag meinte Carsten zu mir: „Schau mal, die Sonne steht immer noch auf etwa 45 Grad.“
Ich sah in Richtung Sonne, die tatsächlich ungefähr auf halber Höhe (i.e. halber polarer Distanz zwischen Äquator und Zenit – halbe „absolute“ Höhe wäre ja 30° gewesen) stand. Dann betrachtete ich ihn und seinen Schatten, der etwas länger war. „Nö, nicht mehr ganz, dein Schatten ist länger als du, also ist der Winkel flacher.“

Die einheimische Bevölkerung kam mir winzig vor. Ich bin es ja gewohnt, den Überblick zu haben, aber hier erschien es mir manchmal, als sei ich eine ganz andere Spezies.
Im Aufzug hing Reklame für irgendein Restaurant, das dafür auf Englisch warb, dort Jahrestage oder sonstige Anlässe zu feiern. Hey! Es hat seinen Grund, warum man „anniversary“ mit zwei N schreibt. Den gleichen wie auch bei „Millennium“. Mit einem N erhält das eine völlig andere, hoffentlich unbeabsichtigte Bedeutung.
Und dann waren da auch noch die Personen, die den ganzen Aufzug mit dem Geruch ihrer Parfums verpesteten.
Ich habe einen neuen Lieblingscocktail, nämlich Pina Colada mit Cointreau. Ihr dürft ihn gerne zu meinen Ehren „breakpoint“ nennen.

Bei der Rückfahrt vom Hotel zum Flughafen saß ich bereits im Bus am Gang, als eine Urlauberin mit enormen transversalen Ausmaßen sich rabiat durch die Reihen zwängte. Dabei rempelte ihr übergroßer Unterleib meine Schulter schmerzhaft an. Mich schüttelte es vor Grausen. Wenn der Wirkungsquerschnitt schon einer Scheune entspricht, sollte man sich umso vorsichtiger und vorausschauend bewegen, anstatt sich rücksichtslos Platz zu schaffen.

Nachdem wir uns in der Check-In-Schlange am Flughafen angestellt hatten, war mein Gemahl plötzlich verschwunden. Das war nicht das erste Mal, das er mich irgendwo alleine zurücklässt. Da ich auf das Gepäck aufpassen musste, hatte ich keine Chance, selbst einmal ein paar Schritte zu machen, oder mich am Flughafen umzusehen.
Erst als wir kurz vor der Abfertigung waren, war er dann wieder da, und tat ganz unschuldig – er sei doch gar nicht weit weg gewesen, und hätte mir gesagt, dass er ein paar Schritte wegginge. Selbst wenn er es mir gesagt hat, war meine Aufmerksamkeit in dem Moment auf etwas anderes gerichtet gewesen. Er hätte auf mein ACK als Bestätigung warten sollen.

Im Flugzeug vermeide ich es, die Toilette aufzusuchen. Erfahrungsgemäß habe ich dann nach der Landung umso größeren Druck auf der Blase. Während wir auf das Gepäck warten, wäre eigentlich reichlich Zeit, auf die Toilette zu gehen. Leider haben viele andere Passagiere die gleiche Idee, so dass bei der Damentoilette eine lange Schlange entsteht.
Ich erwog nicht zum ersten Mal, die Herrentoilette aufzusuchen, da dort wundersamerweise fast nie eine Schlange ist, traute mich aber dann doch nicht (und der Druck noch aushaltbar).
Warum gibt es dort nicht einfach Unisex-Toiletten, wie es auch z.B. in Zügen üblich ist. Warum muss man das unbedingt trennen? Für die Herren könnte es ja ein paar separate Pissoirs geben, und ansonsten Einzelkabinen. So wäre jeder zufrieden.

Dies war das erste Mal, dass ich keine Ansichtskarten an Verwandte verschickt habe. Es gibt kaum noch welche. Als ich an den Läden und Verkaufsständen vorbeigeschlendert bin, sind mir nirgends welche aufgefallen, und ich hatte auch keine Lust, Karten zu suchen.
Überhaupt habe ich praktisch kein Geld ausgegeben, da ja alles inklusive war.
Wenn wir im Berufsalltag schon so viel Stress und Verantwortung haben, ist es erholsam, sich wenigstens im Urlaub um nichts kümmern zu müssen, und keine wichtigen Entscheidungen treffen zu müssen.

Eine etwas längere Urlaubsgeschichte werde ich irgendwann nachreichen (hat was mit Oliven zu tun).
Falls mir sonst noch etwas zum Urlaub einfällt, so läuft das unter „index out of bounds“.


Ich am Strand ohne Bikini:

Lichtreflektionen am Wasser:

Die Wellengleichung:

Beim Besteigen der Fähre:

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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16 Antworten zu 3 * 23 * 29 – A Space Oddity (pars ultima) //1634

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    Wieso sprecht ihr nicht einfach darüber, wer was machen möchte?
    Dieses sture Vorauslaufen (ich weiß sicher, wo es langgeht) erinnert mich an meine pubertierende Tochter. Einfach machen lassen, den richtigen Weg nehmen und sich bei der Ankunft entspannt in ein Cafe setzen und warten. Macht er dann nur das eine Mal und nicht wieder.
    Ich hab ja auch so einen Holzklotz. Der braucht auch ab und an eine deutliche Ansage. Er würde es einfach sonst nicht bemerken.

    Wieso schickst Du Dir die Bilder nicht selbst per Mail?

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    • Wieso sprecht ihr nicht einfach darüber, wer was machen möchte?

      Machen wir normalerweise schon, aber manchmal ist zu wenig Zeit, oder es passiert etwas außerplanmäßiges, so dass wir schnell umdisponieren müssen.

      Dieses sture Vorauslaufen (ich weiß sicher, wo es langgeht) erinnert mich an meine pubertierende Tochter.

      War hier eine ganz andere Situation.

      Einfach machen lassen, den richtigen Weg nehmen und sich bei der Ankunft entspannt in ein Cafe setzen und warten. Macht er dann nur das eine Mal und nicht wieder.

      Innerhalb weniger Minuten? Und Cafés gibt es auch nicht überall in der Nähe.

      Ich hab ja auch so einen Holzklotz. Der braucht auch ab und an eine deutliche Ansage. Er würde es einfach sonst nicht bemerken.

      Wenn du meinst, ihn erziehen zu können, dann tu das. Ich für meinen Teil halte nichts von Betaisierungsversuchen.

      Wieso schickst Du Dir die Bilder nicht selbst per Mail?

      Mit dem Smartphone geh‘ ich nicht online. Das benutze ich sonst – wenn überhaupt – nur zum Telefonieren.
      Fotografieren habe ich halt mal ausprobiert, aber die Fotos sind so uninteressant, dass ich sie gar nicht unbedingt haben will.

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  2. bpmkuh schreibt:

    Hallo,
    hoffe der Urlaub war schön,
    bei mein Handy habe ich fest gestellt, wenn es in Flugmodus ins WLan geht
    Synchronisiert es sich nicht, auch kein Push

    Jetzt auch mit WordPress account

    Mkuh

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  3. martintriker schreibt:

    Bilder übertragen geht am Einfachsten mit dem USB-Kabel. Am Schnellsten sowieso.

    PS: Oh, hab ja ein WP-Konto. Wusste ich gar nicht mehr.

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  5. Pingback: Ich weiß noch, was ich letzten Sommer getwittert habe //1835 | breakpoint

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