Von japanischen Beeren und spanischen Bussen //1595

Nachdem wir einen Termin beim Steuerberater gehabt hatten, aßen wir noch gemeinsam in der Stadt zu Mittag. Wir waren danach noch gut in der Zeit, so dass wir in den Botanischen Garten gingen, um ein ungestörtes Plätzchen+ zu suchen.
Am Rand eines abgelegenen Weges fand ich ein paar Walderdbeeren. Im Wald esse ich keine Beeren, die niedriger als etwa Kniehöhe wachsen. Aber hier traute ich mich, pflückte welche, und wollte sie essen. Sie waren aber absolut ohne Geschmack, so dass ich sie wieder ausspuckte.
Carsten war inzwischen weitergegangen und außer Sicht. Also lief ich alleine weiter, hielt nach ihm Ausschau, aber fand ihn nicht mehr. Ich nutzte dann die Gelegenheit, und besuchte die Toilette im Gewächshaus. Dann setzte ich mich gemütlich draußen auf eine der Bänke, wo er früher oder später vorbeikommen musste.
Ich musste nicht lange warten, bis ich ihn sah. Ich erzählte ihm, dass ich Walderdbeeren gefunden hatte, die aber nach gar nichts geschmeckt hatten.
Er lachte, und meinte, das seien japanische, und als solche völlig geschmackfrei.
Die gelben Himbeeren waren dafür köstlich.

Inzwischen war es schon Zeit für den Rückweg.
Eigentlich hatte er mit dem Taxi (sofern es eine praktikable Alternative gibt, ist Taxifahren für mich der Gipfel der Dekadenz) fahren wollen, aber ich konnte ihn überzeugen, die kurze Strecke mit dem Bus, der eh gleich abfuhr, zurückzulegen.
Der Bus war gut halb voll, so dass wir einander gegenüber saßen. Stadtbusse sind enger als Bahnen, und so blieb uns gar nichts anderes übrig, als dass ich meine Knie zwischen seine schob.
„In Madrid dürftest du frei nicht so breitbeinig im Bus sitzen“, erklärte ich ihm.
„Wieso das nicht?“
„Weil es Männern dort verboten ist, die Beine so weit zu spreizen.“
„Nur Männern, oder dürfen auch Frauen die Beine nicht breit machen?“
Als reine Sitzposition würden Frauen das wohl kaum (längere Zeit) machen, da ihre Oberschenkelknochen nach innen geneigt sind. Ich setze mich bei Platzmangel vor mir sonst schräg hin, Cosinus sei Dank.
„Hm ..“, antwortete ich auf Carsten’s Frage, „weiß ich jetzt gar nicht sicher, aber ich glaube, nur Männern.“
„Aber doch auch nur, wenn es jemanden stört?“
„Soweit ich weiß, gibt es da so viele Personen, die sich davon grundsätzlich gestört fühlen, dass es gleich allgemein verboten wurde.“
„Ein Grund mehr, ein Taxi zu nehmen, wenn ich in Madrid bin.“


Immer wieder lustig, obwohl es natürlich Unsinn ist, denn Länge mal Länge ist Fläche, und keine Länge.

Quelle

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Von japanischen Beeren und spanischen Bussen //1595

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Schon die Meter in den USA sind suspekt.
    Tja, wer vergisst, die Einheiten zu multiplizieren, Macht am besten die siebte Klasse noch einmal 😁

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  2. Leser schreibt:

    Wirklich, es gibt Gegenden, da ist es Männern verboten, in ihrer natürlichen Körperhaltung zu sitzen, also mit auseinandergespreizten Beinen? Was muss Madrid (und damit wohl Spanien insgesamt) doch für ein männerfendliches Pflaster sein.
    Ich kann nicht mal die Beine für sonderlich lange „zusammen halten“ beim Sitzen, das ist eine unheimliche Anstrengung, außerdem wird alles dazwischen zerquetscht, kein schönes Gefühl… Solche Gesetze sind Menschenverachtend!

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  3. claudius2016 schreibt:

    Also ich finde Manspreading ziemlich eklig und muss immer an Maenner denken, die Platz fuer ihren Bierbauch brauchen… Alle anderen Teile finden schon ihren Platz.

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    • Wieso eklig?
      Mich erinnert das an meine Puppen, die auch mit so gespreizten Beinen saßen, weil das Drehgelenk schräg zum Rumpf war.
      Entsprechend haben Männer auch eine andere Beckenanatomie als Frauen, die dazu führt, dass beim Sitzen ein Winkel zwischen den Beinen entsteht. IMHO sind 45° bis 60° völlig OK.

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      • claudius2016 schreibt:

        Ich finde es eklig, weil damit (un)-bewußt der Blick auf das Geschlecht gelenkt wird. Das hat m. E. nicht mit Anatomie zu tun, schließlich sitze ich auch täglich (leider viel zu lange) und spreize die Beine nur dann, wenn ich irgendwo im Schneidersitz sitzen kann…
        Ich glaube, das ist ein Relikt aus der menschlichen Urzeit.

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  4. vagina > logic schreibt:

    Und somit haben wir dann am Ende dumme junge Hühner, die meinen man könnte gänzlich aufwandsfrei, mal ebenso in einem Videospiel die Animationen zwischen Mann und Frau austauschen.
    Gut, ich vermute auch nicht mehr, das bei Rückgratlosen ne Hüfte vorhanden ist.
    Nichtvorhandenes kann immer Geschlechtslos sein.
    Da ist dann auch kein logisches Problem mehr.

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  5. Pingback: Twittertime //1802 | breakpoint

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