Ein Dank an die Väter! //1553

Heute ist außer Handtuch-Tag auch Christi Himmelfahrt, was traditionell als Vatertag gefeiert wird.

Wenn ich mich an meiner Kindheit erinnere, so war der Muttertag das größere Ereignis. Für meine Mutter gab es Geschenke, und wir Kinder und mein Vater versuchten an diesem Tag, ihr möglichst viel Arbeit abzunehmen.
Beim Vatertag beschränkten wir uns dagegen darauf, meinem Vater zu gratulieren. Wenn das Wetter schön war, nahm unser Vater uns Kinder dann mit zu einem Ausflug. Manchmal kam auch unsere Mutter mit.

In meiner Wahrnehmung als Kind war es die Mutter, die ihre Arbeitskraft in die Fürsorge für ihre Kinder steckte. Sie war es, die für uns kochte, die dafür sorgte, dass immer saubere Kleidung und Handtücher (!) vorhanden waren, und die sich um alle sonstigen Belange von uns Kindern kümmerte.
Der Vater war normalerweise den ganzen Tag lang weg, und wenn er abends heim kam, war er müde. Auch am Wochenende war er meist mit anderen Dingen beschäftigt, wie Kleinreparaturen im Haus oder Formalitäten wie die Steuererklärung.

Mir war damals nicht bewusst – und ich gehe davon aus, dass es ziemlich allen Kindern und auch den meisten Erwachsenen genauso geht – dass er sich auf seine Art ebenso um seine Familie kümmerte und sorgte wie meine Mutter. Er verdiente das Geld, und konnte deshalb weniger anwesend sein. Seine Sorge war weniger präsent und direkt, aber trotzdem war sie ebenso vorhanden.

Es ist schon irgendwie widersinnig, wie in unserer Gesellschaft die – zweifellos notwendige und wichtige – Tätigkeit der Mutter so viel höher gewertschätzt wird als die des Vaters, nur weil letztere eher unsichtbar für die Kinder bleibt.
Es liegt wohl in der Natur der Menschen, denjenigen dankbarer zu sein, deren Hilfe und Unterstützung sie offensichtlich und unmittelbar erleben. Diejenigen, die dies durch ihren unermüdlichen Einsatz überhaupt erst ermöglichen und finanzieren, werden deutlich weniger beachten, und in Extremfällen nur noch als Geldesel benutzt.

Nicht nur heute am Vatertag sollten wir das würdigen, was unsere Väter für uns tun und getan haben.
Mein ausdrücklicher Dank geht deshalb an alle Väter, die sich uneigennützig für ihre Kinder engagieren und sich immer wieder bemühen, ihren Familien bestmögliche Lebensbedingungen zu schaffen, dabei ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückstellen und manche Opfer bringen, auch wenn sie sich dabei bescheiden im Hintergrund halten, und die Lorbeeren fast selbstverständlich den Müttern überlassen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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38 Antworten zu Ein Dank an die Väter! //1553

  1. wollesgeraffel schreibt:

    Du hast völlig Recht, was die Väter betrifft. Mein Vater war ein Mann. Er wurde mit 17 Panzerfahrer, den Führerschein für Kettenfahrzeuge erhielt er drei Wochen nach seinem 17. Geburtstag. Im gleichen Monat. Dann gings an die Westfront. Nach der Gefangenschaft arbeitete er in der Landwirtschaft, die Heimat hat er niemals wiedergesehen. Seine Mutter hatte das Gespann über das zugefrohrene Haff gelenkt, sein Vater starb auf der Flucht und wurde im Straßengraben notdürftig beerdigt, der Boden war hartgefroren und ein Grab ausheben war unmöglich. Als er erfuhr, daß im Ruhrgebiet Bergleute gesucht werden, zog er nach Oberhausen, hier lebten entfernte Verwandte und er heiratete Anfang der 50er meine Mutter. Ich entsinne mich, wie ich auf meiner Schiefertafel Hausaufgaben machte und er saß mir am Eßtisch gegenüber und büffelte für die Schießhauerprüfung. „Lerne soviel Du kannst, nur was Du im Kopf hast, gehört wirklich Dir. Sie können dir Alles nehmen, allein was Du weißt nicht.“ Leider hab ich nicht auf ihn gehört. Er hat in den 60ern ein Haus gebaut, mit viel Eigenleistung, mit meinen zehn Jahren konnte ich schon ein wenig mithelfen. Dann arbeitete er als Stahlkocher, weil im Bergbau zuviele Feierschichten anfielen und der Verdienst nicht mehr reichte. In den 80ern holten ihn die Spätfolgen zweier schwerer Grubenunfälle ein, er wurde arbeitsunfähig und erhielt nach langem Kampf Rente. Am Ende seines Lebens war er erblindet und pflegebedürftig. Ich habe ihn niemals klagen gehört. Er war ein Mann.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Handtuch? 42 ?

    Unsere Gesellschaft ist Mutter fixiert. Ein Prozeß von vielen Jahrzehnten. Sei es drum. Heute ist Himmelfahrt und der konstruierte Vatertag nur ein Gegenmoment zur Götzenverehrung.

    Dass in Wirklichkeit beiden Geschlechtern Ehre gebührt, ist vielen anscheinend noch nicht aufgegangen.

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  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Also dem Eindruck muß ich doch widersprechen. Der Muttertag war deswegen wichtiger, weil eben die Arbeit der Hausfrau nicht so gewürdigt wurde wie die des Mannes. (falls er nicht zuhause bleibt) Und das ist auch heute noch so. Da gibt es diese Werbung, die darauf abzielt: „ich führe ein sehr erfolgreiches kleines Familienunternehmen“

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  4. idgie13 schreibt:

    Naja. Ich weiss ja net.

    Für Väter ändert sich in der Regel mit Kindern nichts, für Mütter alles. Ich finde nicht, dass man das 1:1 so vergleichen kann.

    Allerdings bin ich da als Kind von Alkoholiker und Co-Abhängiger mit den üblichen Suchtstrukturen und zahlreichen Vorwürfen in alle Richtungen vermutlich auch voreingenommen.

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  5. ednong schreibt:

    Pauschalieren kann man es sicherlich, ich tendiere allerdings auch in die Richtung, dass die Arbeit der Väter eher nicht so stark gewürdigt wird wie die der Mutter.

    Und nie das HandTuch vergessen … 🙂

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    • Hm .. die Mama kocht, putzt, wäscht, .. der Papa schläft, isst und arbeitet.

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      • uepsilonniks schreibt:

        Die Schuld für diese Sichtweise liegt nicht bei den Kindern sondern bei den Müttern, die nicht vermitteln, dass der ganze Laden nur läuft, weil der Vater jeden Werktag morgens um 6:00 das Haus verlässt.

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        • Tja, die Mütter könnten in dieser Hinsicht schon mehr tun. Allerdings würde ich das Unterlassen nicht als „Schuld“ ansehen.
          Ich beobachte doch immer wieder (z.B. bei meiner Schwester), wie Mütter in ihre Routine und ihren Alltag eingebunden sind, um einen einigermaßen glatten Tagesablauf hinzukriegen.

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          • Fiete schreibt:

            Wenn man schon von Schuld sprechen will, dann liegt dieselbe doch eher bei jenen, die dafür sorgen, daß die Väter ( ihre Anteile am Aufwachsen der Kinder ) gesellschaftlich unsichtbar gemacht werden.
            Wie stark das wirkt, belegt Idgie weiter oben in erschreckendem Maße.
            „Für Väter ändert sich in der Regel mit Kindern nichts, für Mütter alles.“
            Da wird Weltbild in cm/h ( Distanz durch Zeit ) gemessen.
            Also von Quantität auf Qualität ( rück-)geschlossen.

            Es ändert sich für Väter im Schnitt sicher genau so viel, wie für Mütter.
            Beide geben endgültig ihre letzten Freiheiten auf!

            Ein Mann in einer kinderlosen Partnerschaft kann locker einmal Fünf gerade sein lassen. Ist die Partnerschaft gut, wird die Frau sogar ggf. kompensierend einwirken.
            Ein Vater kann das normalerweise nicht. Er hat das permanente Bewußtsein ( im Hinterkopf ), daß er gerade wenn er viel abwesend ist, für die Stabilität der Familie besonders verantwortlich ist und sich in dem Punkte keinen Fehler leisten kann.
            Man könnte die Sache also auch in vielen Fällen ( vermutlich sogar den allermeisten ) genau umgekehrt sehen, nämlich:
            Je länger und weiter er von der Familie getrennt ist, desto mehr Sorgen muß er sich machen ( und macht er sich – mindestens unterschwellig – auch ).

            Das ist ein uraltes biologisches Programm, welches wesentlich mehr Relevanz für uns hat, als sämtliche ideologischen Fort- u. Rückschritte der letzten paar tausend Jahre.

            Dieses ganze wertende Gelaber, wer von beiden denn nun der bessere ist, ist ( hoffentlich und extrem wahrscheinlich ), ein winziger Wimpernschlag in der Geschichte der höheren Säugetiere, der schnell wieder vergessen ( oder höchstens als Mahnung vor katastrophaler Dummheit erhalten ) sein wird.

            Warum gibt es denn überhaupt so etwas wie Ehrentage für Personengruppen, die gar nichts besonderes leisten? Ganz einfach um daran zu erinnern, daß gerade ganz normale Alltagstätigkeiten einen hohen Wert haben.
            Aber warum sollen ausgerechnet Kinder ihre Eltern ehren?
            Auch eigentlich ganz einfach, weil sie so lernen, die Aufgaben, die sie als Erwachsene zu erfüllen haben ( besonders ggü. den eigenen Kindern, aber auch ggü. fremden und auch gesamtgesellschaftliche ), positiv zu konnotieren.
            Es soll ihnen später wichtigste und ehrenvollste Aufgabe sein, das beste für ihre Familie und besonders natürlich die Kinder zu leisten zu versuchen, ganz unabhängig von ihrer individuellen situationsabhängigen Motivation.
            Somit ist die Ehrung der Eltern die erste ( und hoffentlich so ziemlich die einzige ) gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Kindern – quasi testeshalber und zur Übung – übertragen wird ( weshalb gerade die so geehrten wiederum die Aufgabe haben, sie dabei nach Kräften zu unterstützen ).

            Somit ist das Ehren der Eltern vermutlich eine der ältsten und wichtigsten kulturellen Erkenntnisse/Erfindungen überhaupt.

            So, liebe Mitleser, jetzt vergleicht diese paar simplen Weisheiten mal mit dem, was man heute in Ratgebern, Parteiprogrammen, soziologischen Abhandlungen u.s.w. über geschlechtsspezifische und familiäre Rollenbilder lesen sehen und hören kann und muß ( „aufbrechen“, „Alternativen fördern“, „verändern“ u.s.w. ).

            Nein! Über den individuellen Altag hinaus, wo sich jeder seine „Alternative“ vom Idealbild suchen muß, da niemand pauschal perfekt leben kann, gibt es überhaupt keinen Grund irgendetwas mit der Brechstange zu verbiegen o. gar zu zerstören!
            Schon allein aufgrund der zu befürchtenden Auswirkungen auf die gesamtgesellschaftliche, aber auch die elterliche Aufgabe ggü. den Kindern.

            Oder, wie einer der größten desbez. Experten in D., Wolfgang Bergmann, im Hospiz, also quasi auf dem Totenbett noch sagte:
            „Lasst die Kinder in Ruhe“
            ( eine pauschale Kurzformel, deren Sinn sich ( bewußt ) erst erschließt, wenn man intensiv und mehrere Schritte weitergehend darüber reflektiert )
            Kinder sind die einzigen Lebewesen, die für einige Zeit ein relativ hohes Maß an Freiheit erleben können. Und das müssen sie auch, denn sie brauchen es für ihre Entwicklung ( ergebnisoffenes Spielen z.B. ).
            Ihnen das zu ermöglichen ist zum größten Teil Aufgabe der Eltern ( und keineswegs irgendwelcher „Erzieher“, deren Verantwortung mit der der Eltern nicht mal annähernd verglichen werden kann, sie sind insofern lediglich als Teil der Gesamtgesellschaft zu betrachten, bestenfalls )

            Deshalb ist die Ehrung der Eltern, egal in welcher Form ( das müssen keine speziellen Feiertage sein ), eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Sie macht Eltern ganz real ( wenn auch mit einem gewissen zeitlichen Verzug und sozusagen „über Bande“ ) zu besseren Eltern.

            Da gibt es nix zu relativieren!

            ( und eben deshalb kriege ich das Kotzen, wenn ich die „Schau genau hin“-Kampagnen der Kinder-u. Sorgehandelsvertreter sehe. Denn dabei geht es hauptsächlich darum, Eltern zu entehren und als kaputte Roboter hinzustellen, die auszutauschen wären ( weil angebl. relativ unwichtig und instabil ).
            Eltern sind aber nicht austauschbar, wie schon allein durch die Betrachtung der Qualitäten der jeweiligen Motivationssystematiken m.E. unabweisbar belegt ist )

            Gefällt 1 Person

  6. uepsi schreibt:

    Guck mal bitte in den Spam.

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  7. Emannzer schreibt:

    Vielen Dank für deinen behutsam durchdachten Text. Als kleine Ergänzung dazu ein Spot von Dove: „Is’nt it time to cellebrate Dads?“

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  8. Pingback: Maiengetwitter //1754 | breakpoint

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