Fort-zur-Bildung (Teil 1) //1541

Der Kurs war wirklich anstrengend gewesen. Nicht nur, dass ich den umfangreichen Lernstoff, der mir nicht so richtig liegt, mental in mich aufnehmen musste, sondern auch zwei Tage unbekannte Umgebung und fremde Menschen (auch wenn teilweise durchaus sympathisch). Das ist mir doch recht viel geworden, und ich bin froh, dass ich auf die Teilnahme beim Genderkongress verzichtet habe, und stattdessen das ganze Wochenende regenerieren und Kräfte auftanken kann.

Reise und Hotel waren OK, darüber gibt es nicht besonderes zu erzählen.

Am Donnerstag Morgen saß ich etwas früher bereits im Seminarraum, checkte Mails und beantwortete Blogkommentare. Das WLAN war hier schneller als im Hotel, so dass ich zwischendurch auch immer wieder dazukam, nach meinem Blog und Twitter zu schauen.
Ich war also an meinem Notebook und offensichtlich beschäftigt. Einige der anderen Plätze waren ebenfalls schon besetzt, aber die meisten noch leer.
Es gab also noch genügend freie Plätze, und somit überhaupt keine Veranlassung, sich ausgerechnet neben mich zu setzen.
Nicole sah das offensichtlich anders, ließ ihre Tasche direkt neben meinem Notebook niederkrachen. „Hallo ich bin die Nicole. Nimmst du auch am Seminar teil?“
In meinen Gedanken gestört sah ich auf. An ihr war einzig und allein bemerkenswert, dass die Spitzen ihrer Wimpern eigenartig hell waren, ansonsten völlig unauffälliger Durchschnitt. Ich schätze es nicht, wenn ich IRL einfach geduzt werde, im beruflichen Kontext gleich gar nicht. Und dass ich nicht im Seminarraum saß, weil ich hier Party machen wollte, war wohl auch evident.
Ich nickte ihr also kühl und knapp zu, und wandte mich wieder meinem Notebook zu.
Sie packte geräuschvoll ihre Tasche aus, sagte aber vorläufig nichts mehr. Währenddessen füllte sich der Raum mit weiteren Teilnehmern, und auch der Seminarleiter traf ein.

Es stellte sich heraus, dass Nicole und ich die einzigen Frauen waren. Und ausgerechnet neben mich musste sie sich hingesetzt haben.
Während der Seminarleiter sich vorstellte und einige allgemeine Erklärungen gab, frage mich Nicole: „Aus welcher Stadt bist du gekommen?“
„$NichtImSauerland“, antwortete ich kurz, denn schließlich wollte ich dem Seminarleiter zuhören. Sie quasselte weiter, was mich überhaupt nicht interessierte. Ich wollte lieber das allgemeine Seminargespräch mitkriegen. Schließlich war ich extra deswegen hierher gereist, und es war dafür einiges an Kosten aufgelaufen.
Der Seminarleiter ließ die Teilnehmer reihum sich vorstellen. Ich hielt meine Vorstellung so kurz wie möglich, nannte lediglich Namen, Firma und Ort, und beschrieb knapp meine Motivation für dieses Seminar. Aber Nicole ließ sich ausführlich über Einzelheiten aus, die das Thema nur sehr marginal tangierten.
Endlich war die Vorstellungsrunde vorbei, und der Kursleiter begann mit der Theorie. Ich konnte einigermaßen konzentriert zuhören.

Nach einer Weile war Kaffeepause. Obwohl ich nach einem Kaffee lechzte, beschloss ich, erst einmal die Toilette aufzusuchen, weil Nicole wie eine Klette an mir klebte. Erst als sie Anstalten machte, mir auf die Toilette zu folgen, disponierte ich wieder um, und ging schnell die Treppe hinauf, wodurch es mir gelang, sie abzuhängen.
Da ich schon mal oben war, besuchte ich die Toilette dieses Stockwerks, bevor ich in einem anderen Treppenhaus wieder hinunterging, um mir endlich einen Kaffee und etwas Gebäck zu holen.
Nach der Pause ging es ziemlich schnell mit praktischen Übungen weiter. Das bedeutete, dass ich mir mit Nicole als meiner Sitznachbarin einen Rechner teilen musste, auf dem eine spezielle Anwendersoftware lief, die es zu bedienen hieß. Ich sage mal besser nichts dazu.

Irgendwie brachte ich den Rest des Vormittags herum, und ging danach gemeinsam mit den anderen Kursteilnehmern zum Mittagessen in einer Kantine der Bildungsstätte. Da es mir gelang, ein paar Plätze von Nicole entfernt zu sitzen, war das Essen ganz angenehm, und ich konnte mich an der Unterhaltung einiger anderer Kursteilnehmer beteiligen.
Nach dem Essen nutzte ich die Gelegenheit, meinen Platz im Seminarraum zu wechseln. Es mag unhöflich gewirkt haben, aber Gregor saß allein, und wir hatten beim Essen ausgemacht, dass ich mich zu ihm setze.

Bevor es mit dem Kurs weiterging, hatte ich noch ein wenig Zeit.
Es gab dann wieder erst theoretische Erklärungen, bevor es nach einer Pause zu einem zweiten Praxisblock kam.
Nicole schien mit der Aufgabenstellung alleine überfordert zu sein, so dass der Seminarleiter ihr Hilfestellung gab. Offenbar nahm sie es mir übel, dass ich mich von ihr weggesetzt hatte, denn sie sprach das ganze restliche Seminar über kein Wort mehr mit mir. Das war mir ganz recht.
Nach Abschluss des ersten Kurstages machten Gregor, vier andere Teilnehmer und ich aus, uns später zu treffen und gemeinsam in einem Restaurant zu abend essen.

An diesem Punkt mach‘ ich einen Break. Der zweite Teil folgt ausnahmsweise morgen (da ich ja erst gestern einen Wayback-Post hatte).

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Fort-zur-Bildung (Teil 1) //1541

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Alles richtig gemacht.

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  2. idgie13 schreibt:

    Solche (weiblichen) Kletten scheint es auf jedem Seminar zu geben. Ich nerve mich über die auch immer.

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  3. claudius2016 schreibt:

    Solche Dauerschwaetzer gibt es in beiden Geschlechtern. Da entferne ich mich auch moeglichst…

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