Männersolidarität //1525

Das halbgeschäftliche Essen letzte Woche hatte noch eine Nachgeschichte.
Ich hatte Carsten eröffnet, dass ich gedenke, zukünftig nicht mehr beim Damenkränzchen teilzunehmen, sondern als (zukünftige) Mitgeschäftsführerin wohl ein berechtigtes Interesse daran hätte, bei den Geschäftsführern zu bleiben.
Carsten war nicht begeistert. Ich versuchte ihm also meine Motivation zu erklären.

„Das ist sowas von langweilig bei den Damen.“
„Bei den Männern ist auch nicht alles interessant.“
Es besteht ja wohl noch ein Unterschied zwischen „alles uninteressant“ und „nicht alles interessant“.
„Reden die Männer auch über Wechseljahresbeschwerden?“
„Das nicht, aber manchmal zum Beispiel über Fussball.“
„Alles ist besser als diese eines denkbegabten Menschen unwürdigen neurotypischen Frauenthemen. Und ihr redet doch bestimmt auch über Geschäfte. Das sollte ich schon mitkriegen.“

„Das auch. Aber gelegentlich auch über Themen, die für Frauen nicht so geeignet sind.“
„Welche sollten das denn sein? Über was redet ihr denn so in der Männerrunde? Ich dachte, ihr seid Geschäftsleute, und dass es professionell zugeht.“
„Naja .. manchmal sind schon derbere Witze dabei, die Frauen nicht unbedingt hören sollten.“
Ich verdrehte die Augen. „Und du glaubst ernsthaft, dass mir das etwas ausmacht?“
„Dir nicht, Samtpfötchen, ich weiß. Aber die anderen Männer kennen dich nicht, wie ich es tue. Sie würden sich wohl in ihrer Rede einschränken, und nicht mehr so offen reden – zum Beispiel auch über persönliche Dinge, die ihre Ehefrau nicht mitkriegen soll – wie das nur in einer reinen Männerrunde möglich ist. Für manche Männersachen fehlt es den meisten Frauen an Verständnis.“

„Was soll denn die Ehefrau nicht mitkriegen? Irgendwelche Geheimnisse?“
„Süße, .. die anderen haben ja keine so tolle Ehefrau wie ich. Die halten sich zum Beispiel die eine oder andere Geliebte.“
„Das überrascht mich zwar inhaltlich nicht, aber dass dies bei Geschäftsessen thematisiert wird, schon. Nicht sehr professionell.“
„Das ist auch nur selten ein Thema. Aber hin und wieder kann es schon vorkommen, und für das allgemeine geschäftliche Vertrauensverhältnis ist es eben nötig, dass keine Außenstehenden oder Dritte anwesend sind, und zuhören.“

Es ist ja durchaus nachvollziehbar, wenn die Männer sich nicht dieses dämliche Gelaber antun wollen, und deshalb lieber unter sich bleiben. Ich will das ja genauso vermeiden. Was müssen diese Gattinnen auch auf einem Level kommunizieren, das gelinde gesagt nur noch .. nee, ich formuliere hier lieber nicht, was ich denke – auch wenn’s noch so wahr ist.
Die kennen sich teilweise seit Jahrzehnten, und sind alle deutlich älter als ich. Ich bin halt wieder mal die Außenseiterin, und war noch nie der gesellige Typ, der leicht freundschaftliche Kontakte knüpft. Und ich will das auch gar nicht sein. Nicht, wenn das darauf hinausläuft, dass ich mich mit fremden Leuten, zu denen ich so gar keinen Draht finde, abgeben muss.
Für mich als Nerd ist der Umgang mit den meisten emotional-extrovertierten Personen ohnehin anstrengend bis problematisch.

Ich erwiderte also nach kurzer Überlegung: „Diese – völlig unnötigen – Einschränkungen und Selbstzensur betreffen aber vermutlich keine geschäftlichen Themen. Insofern kann ich das wohl verantworten, euch mit meiner Gesellschaft zu erfreuen. Bei den Damen bleibe ich jedenfalls nicht mehr. Und wenn dir das nicht passt, dann bleibe ich eben ganz daheim.“
„Ach, Anny, .. Samtpfötchen, ..“

Ich blieb fest. Daran änderten seine Hände an meinen Brüsten auch nur vorübergehend etwas.
Bis zum nächsten solchen Abendessen dauert es zwar noch ein paar Wochen, aber ich werde hier nicht nachgeben.

Advertisements

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

51 Antworten zu Männersolidarität //1525

  1. claudius2016 schreibt:

    Was für ein Glück, dass mir solche Runden erspart bleiben… Weder meine Frau noch ich könnten mit den jeweiligen Themen etwas anfangen.

    Gefällt mir

  2. rano64 schreibt:

    Komisch… ich hatte (als Mann) noch nie den Eindruck, dass es einen Unterschied macht, ob bei geschäftlichen Terminen Frauen anwesend waren oder nicht

    Gefällt mir

  3. ednong schreibt:

    Ich bin gespannt.

    Gefällt mir

  4. Miria schreibt:

    „„Alles ist besser als diese eines denkbegabten Menschen unwürdigen neurotypischen Frauenthemen. Und ihr redet doch bestimmt auch über Geschäfte. Das sollte ich schon mitkriegen.““

    Oh man, ich kann dich wirklich gut verstehen! Aber es scheint wohl auch Männer zu geben, die solche Themen toll finden. Dazu mal eine kleine Anekdote:
    Wir waren nach einem Seminar damals in der Uni noch mit einigen Studenten (ca. 20 Leute) was trinken. Die Runde löste sich langsam auf und außer mir und einer Freundin bleiben am anderen Ende des Tisches noch ca. 5 – 6 männliche Studenten, die sich angeregt unterhielten.
    Wir zwei tauschten uns über neue Systeme in der Elektromobilität aus, als einer der andren Studenten sich zu uns setzte und nach ein paar Minuten enttäuscht feststellte: „Jetzt setze ich mich schon zu den Frauen und hier wird auch nur über Technik geredet!“

    Fand ich damals sehr amüsant. Muss für den wohl genauso nervtötend sein, sich über technische Systeme zu unterhalten wie für uns Themen wie Schminke oder Königshäuser…

    Gefällt mir

    • Das „neurotypisch“ hatte ich zugegebenermaßen bei dir aufgeschnappt. 😎

      Es gibt durchaus auch viele Männer, die nichts mit Technik anfangen können. Deshalb verwundert mich das Verhalten deines Kommilitonen nicht (ich nehme aber schon an, dass er ein ganz anderes Fach studierte – oder?).
      Naja, vielleicht wollte er ja auch nur mal zeitweise – quasi als Denkpause – das Thema wechseln.

      Gefällt mir

  5. PfefferundSalz schreibt:

    Kann ich voll verstehen. Auch in meiner Branche fängt das eigentliche Netzwerken erst an, wenn die Damen und die Gutmenschen weg sind.
    Alkohol, schlechte Witze, Frauengeschichten – all das schafft Vertrauen. Das mag nicht „professionell“ sein aber das ist die Realität. Und mit dem Vertrauen macht man dann am nächsten Tag ganz professionell Geschäft.

    Gefällt mir

    • Ja, ich sehe das ja auch ein, aber befinde mich mal wieder in einer Zwickmühle.
      Einerseits möchte ich mich nicht bei den Herren aufdrängen, wenn ich nicht willkommen bin, andererseits ist das Damenkränzchen eine Qual für mich, die ich mir wirklich nicht mehr antun möchte.
      Wenn also die Herren meine Anwesenheit nicht akzeptieren, bleibe ich solchen Essen und ähnlichen Veranstaltungen in Zukunft fern.

      Gefällt mir

      • PfefferundSalz schreibt:

        Tja – das ist dann Pech. Sieh es einfach so – nicht jeder kann alles. Genauso wie ich nicht wirklich programmieren kann so kannst du halt nicht mit den Männern schäckern – muss man akzeptieren.

        Gefällt mir

        • Es geht nicht um Rumgeschäkere (was ich wohl noch hinkriegen würde), sondern um das Aufrechterhalten und Pflegen von Geschäftsfreundschaften, was ich für meine Pflicht halte *seufz*.
          Anfangs werde ich mich ganz ruhig dazusetzen, und nur zuhören, bis ich die Gepflogenheiten kenne.
          Wenn die Herren merken, dass ich wegen eines „Herrenwitzes“ keinen #aufschrei mache, sondern mich darüber amüsiere, werden sie mich allmählich in ihrer Runde schon schätzen lernen.

          Gefällt mir

          • PfefferundSalz schreibt:

            Ich wünsche dir viel Glück dabei aber ich bezweifle, dass es so klappen wird. Still dazu setzen bringt nix, denn in einer solchen Runde musst du ein „Partner in Crime“ sein, das heißt du musst deine eigenen Geschichten erzählen. So wie bei einer Verbrecherbande wo du erst dazu gehörst wenn du eine Art initiationritual durchgeführt hast.

            Gefällt mir

    • Pluvia schreibt:

      Deckt sich mit meinen Erfahrungen. Mir wurde schon früh erklärt, dass man keinesfalls um halb zwölf die Veranstaltung verlassen darf, weil das richtige Netzwerken erst danach losgeht. Leider wird es dann oft genug später mit Zoten, Anbaggerversuchen bei den wenigen verbliebenen Frauen/Kellnerinnen irgendwann unangenehm, zumal wenn man Parties noch nie viel abgewinnen konnte. Die feucht-fröhliche Verbrüderung ist nicht so meins… entspannend ist sie jedenfalls nicht.

      Gefällt mir

      • PfefferundSalz schreibt:

        Nein, ist sie nicht denn du musst auch trotz Alkohol noch immer Herr deiner Lage bleiben. Andere sehen das nicht unbedingt so und da kann es manchmal schon echt peinlich werden wenn der Geschäftspartner zum Schießbock wird und jeder Frau hinterherguckt.
        Einfach an das liebe Geld denken das man am nächsten Tag verdient, dann erträgt man es leichter.

        Gefällt mir

      • Zum Vergnügen würde ich mich ja auch nicht an der Männerrunde beteiligen.
        Aber es ist halt Netzwerken, das Vertrauen aufbauen soll. Also bleibt mir kaum etwas anderes übrig, wenn ich in Zukunft mehr geschäftliche Verantwortung übernehme.
        Ich bin ja an Männergesellschaft gewöhnt, habe selbst also keine Probleme, und die Herren werden sich auch an mich gewöhnen, selbst wenn ich am Anfang vielleicht noch als Fremdkörper in der Runde erscheine.

        Gefällt mir

        • Leser schreibt:

          Ich gehe mal davon aus, dass Carsten mit diesen Geschäftsfreunden auch außerhalb der besagten Treffen zum Abendessen Kontakt hat. Also ist er in der perfekten Situation, sämtliche Unklarheiten im Vorhinein vor einem erneuten derartigen Treffen zu beseitigen, indem er seinen Geschäftsfreunden klar macht, dass Du nichts gegen „Männer-Zoten“ oder auch nur die Thematik des Nutzens nicht-angeheirateter weiblicher Reize hast, dass Du als Mit-Geschäftsführerin mit ihm (Carsten) auf einer Stufe stehst, und dass die „Damenrunde“ für Dich bereits bisher jedes mal eine völlige Qual war, und dass die Herren Dich deshalb als einen der Ihren in ihren Reihen akzeptieren sollten. Wenn Carsten auch nur ein bisschen Autorität/Durchsetzungskraft hat, werden sie das akzeptieren und Dir eine Chance geben. In wieweit sich deren Gattinnen dan darüber das Maul zerreißen, kann Dir ja egal sein.

          Gefällt mir

        • Carnofis schreibt:

          @ Anne

          Bedank Dich bei Deinen Geschlechtsgenossinnen. Sie haben alles Weibliche erfolgreich aus den „Männerrunden“ herausgekegelt, indem sie matronenhaft auf die strikte Einhaltung der PC achteten, bei thematischen Abschweifungen gekonnt genervt die Augen verdrehten und ihre Gegenüber herablassend behandelten. Dabei aber mimosenhaft reagierten, wenn pfiffig gekontert wurde.

          Als R&D-Ing hab ich ständig mit dem mittleren Management zu tun und muss sagen, dass mir dort zotige Sprüche eher fremd sind. Mir fällt über einen Zeitraum von fast 30 Jahren eigentlich nur ein Typ ein, der auch gern Frauen für ihre optischen Reize Komplimente – falsche und echte – machte. Das wurde aber von beiden Geschlechtern eher als unpassend und peinlich empfungen.
          Und den Puffgang kenne ich auch nur aus Hörensagen.

          Im Allgemeinen geht es eher sachlich zu, wobei es aber auch passieren kann, dass einer der Beteiligten beim Rauchen vor der Tür stolz seine neu erworbene Kettensäge aus dem Kofferraum zerrt und von den anderen bewundern lässt.

          Du hast durchaus Chancen, in einer solchen Runde aufgenommen zu werden. Aber es ist ein harter Job, denn Du musst tief sitzendes Misstrauen abbauen. Und Du darfst auch dann nicht das Weibchen raushängen lassen, wenn es Dir mal dreckig geht und Dich die Runde richtig nervt, weil es ewig um Kaminholz geht und nicht um IT-Probleme.

          Gefällt mir

          • Der Umgang innerhalb einer Firma mit Kollegen ist ja wieder eine ganz andere Situation, mit der ich eigentlich noch nie nennenswerte Probleme hatte.

            Aber hier geht es um einen Kreis von Geschäftsführern, die sich schon seit anno dazumal kennen, und sich sporadisch, aber immer wieder, eigentlich privat treffen, und dazu auch üblicherweise eine Begleiterin mitbringen.
            Von der Begleiterin zur Teilnehmerin des „inneren Kreises“ zu werden, das ist die Herausforderung.

            Ich muss auch nicht unbedingt jedesmal teilnehmen. Wenn ich keine Lust dazu habe, kann ich so ein Treffen auch mal ausfallen lassen.

            Gefällt mir

  6. blindfoldedwoman schreibt:

    Wie hab ich mir das vorzustellen? Die Männer ziehen sich nach dem Essen ins Herrenzimmer zurück? Und mit welcher Begründung?

    Gefällt mir

  7. Alex ii schreibt:

    Gefahr der lose-lose Situation

    Im wirst case wollen die anderen Frauen dann auch nicht mehr am Frauentisch bleiben, und an Geschäftstisch werden dann auch die Frauenthemen ‚besprochen‘

    Gefällt mir

    • Kann schon sein. Was würdest du denn in meiner Situation tun?
      Weiter bei den Frauen ausharren? Gar nicht mehr hingehen? Oder zumindest versuchen, beim „Old-Boys-Club“ mitzumachen?
      Siehst du noch eine andere Option?

      Gefällt mir

      • Alex ii schreibt:

        Xtrem schwierig.

        Ohne formale u faktische Mitführung sehe ich keine Alternative zum ausharren.
        Da gibt es dann nur das Risiko dass eine der anderen Frauen auch GF werden will.

        Ggf könnte man den Rahmen formaler werden lassen. Also nicht mehr daheim bzw in geselliger Runde, das ist aber auch nachteilig..
        Fangen wir an Golf zu spielen?

        Gefällt mir

      • Alex ii schreibt:

        Nur um klar zu sein:

        Ich sehe kaum Probleme beim ‚mitmachen‘, das kostet mit Sicherheit Zeit, ist aber kein Problem. Ich sehe die Schwierigkeiten beim beibehalten der Spezialisierung zwischen den beiden lagern

        Gefällt mir

        • Die Grenzen zwischen den beiden „Lagern“ zu verwischen, wäre ja mal ein Anfang.

          Gefällt mir

          • Gr3if schreibt:

            0o

            Viel Erfolg. Männer und Anwesenheit von Frauen verhalten sich anders als wenn nur Männer da sind.
            Kann klappen muss nicht, eine dieser berühmten Entscheidungen.
            Beide Seiten haben Nachteile.

            Gefällt mir

          • Carnofis schreibt:

            „Die Grenzen zwischen den beiden „Lagern“ zu verwischen, wäre ja mal ein Anfang.“

            Vergiss es. Das hat in den letzten 5.000 Jahren nie geklappt.
            Jedenfalls ist mir kein erfolgreicher Versuch bekannt.

            Besser wäre es, wenn Carsten Dich als Expertin auf bestimmten Gebieten einführt, auf deren Rat er nicht verzichten möchte. Und dass die Herren Dir voll vertrauen könnten.

            Kann klappen, muss aber nicht. Ihr kennt die Runde besser.

            Gefällt mir

            • „Grenzen verwischen“ nur in dieser Runde, nicht allgemein.
              Wenn ich Verantwortung für die Firma übernehmen soll, bleibt mir ja auch gar nicht anderes übrig, als mit den Geschäftspartnern ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Dazu brauche ich den Zugang zu dieser Runde.

              Mit einigen Themen kenne ich mich schon besser aus als die Herren. Ist nur die Frage, inwieweit diese Themen von Belang sind.

              Gefällt mir

  8. heubergen schreibt:

    Früher oder später wirst du ihn ja sowieso bei diesen Runden ersetzen werden weil du ja dann die Verhandlungen etc. führst. Von daher ist es, auch wenn es anfangs für beide Seiten ungewohnt sein mag, wohl richtig dass du mehr und mehr auch dabei bist.

    Gefällt mir

  9. Matze schreibt:

    Das mit den Händen an den Brüsten hat nicht funktioniert? Seltsam…

    Gefällt mir

  10. Pingback: Wenigstens ein gelöstes Problem //1603 | breakpoint

  11. Pingback: Lenztweets //1735 | breakpoint

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s