Kunde droht mit Auftrag //1521

Ein Kunde, der früher mal einige Lizenzen meiner Standard-Softwareprodukte erworben hatte, kontaktierte mich, weil er die Nutzung meiner Software in seinem Unternehmen ausweiten wollte. Dafür wünschte er allerdings ein anderes Lizenzmodell.
Das ist verständlich, und kann man machen.
Ich gehe davon aus, dass ich mich finanziell mit ihm schon einigen würde, bloß ..

Meine eigene SW-Entwicklung ist mehr oder weniger auf dem Rückzug. Mir fehlt einfach die Zeit. Leider. Ein paar kleinere Änderungen an der Software, um das Lizenzmodell anzupassen, wäre nicht das eigentlich Problem. So viel Zeit finde ich schon.
Ich habe aber andere Bedenken, weil dieses Produkt nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand ist. Naja, es ist es schon noch. Gerade so. Aber zunehmend gibt es gerade bei den neueren Betriebssystemen Probleme, die die Funktionalität drastisch beeinträchtigen können. Ich weiß also nicht, wie lange diese Software überhaupt noch vernünftig funktioniert. Wie sich das weiterentwickelt, ist unvorhersehbar.

Früher hätte ich mich natürlich reingehängt, um solche Probleme zu lösen. Aber inzwischen habe ich so viel anderes zu tun, dass solche Angelegenheiten halt das Nachsehen haben müssen.
Ich könnte jetzt also die Software gerade minimal modifizieren, so dass der Kunde momentan zufrieden ist, weiß aber nicht, ob er das in ein oder zwei Jahren auch noch wäre, und muss leider davon ausgehen, dass ich in ein paar Jahren keinen Support mehr leisten kann, da ich die Maintenance mehr oder weniger einstellen werde, und höchstens das nötigste tun will.
Einen Neukunden würde ich für das Produkt gar nicht mehr annehmen (habe vor einigen Wochen erst einem Interessenten abgesagt), aber hier dreht es sich um einen Bestandskunden, den ich eigentlich nicht ganz enttäuschen will.

Wieviel Aufwand will ich überhaupt noch für meine Software treiben? Mach‘ ich gar nichts, ist sie in ein paar Jahren veraltet. Aber wenn ich zuviel Zeit hineinstecke, bekomme ich voraussichtlich nie mehr einen angemessenen ROI. Und soviel Zeit habe ich schlicht gar nicht, ohne andere Pflichten zu vernachlässigen.
Ich würde das Geschäft mit (Standard-)Software gerne weiter so nebenher laufen lassen, befürchte aber, dass das auf Dauer nicht funktionieren wird.

Bei kostenlosen Programmen ist es einfach, weil die irgendwann sowieso ablaufen, und ich dann halt nur eine neue Version baue, solange die SW noch einigermaßen zeitgemäß ist.
Aber Kunden, die bezahlt haben, steht es meines Erachtens schon zu, dass sie diese Software mehrere Jahre (theoretisch unbegrenzt, aber praktisch ändern sich die Voraussetzungen und Anforderungen immer so schnell, dass zehn Jahre eigentlich das realistische Maximum sind) lang laufen lassen können. Wenn das z.B. aufgrund von Betriebssystemänderungen nicht mehr geht, sehe ich mich in der Pflicht, dies zu ermöglichen. Der Aufwand dafür ist leider unkalkulierbar, und für ein Nebengeschäft nicht mehr wirklich tragbar.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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36 Antworten zu Kunde droht mit Auftrag //1521

  1. RAID schreibt:

    Ist es eine Möglichkeit, das dem Kunden so offen zu kommunizieren und entsprechende Preise zu nehmen?

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  2. keloph schreibt:

    ich würde das recht verkaufen ohne maintenance (ausdrücklich), damit bekäme er das recht, die software zu ändern, müsste dich bei weiterverkauf aber auch entsprechend mitbeteiligen……..so bekämst du geld und er das recht an der software an sich….

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  3. heubergen schreibt:

    Die Source freigeben willst du ja nicht oder? Das wäre nämlich noch eine andere Lösung 🙂

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  4. claudius2016 schreibt:

    Kannst Du nicht die Sourcen an Carstens Firma verkaufen? Dann haettest Du weiter den Finger drauf und koenntest die Wartung delegieren…

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  5. Pendolino70 schreibt:

    Der Vorschlag mit der Einbringung der Software in Carstens Firma ist doch nicht schlecht. Du kriegst im Gegenzug Eigentumsanteile, deren Wert nicht nur vom Stand deiner Software abhängt.

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  6. Pingback: In den April getwittert //1714 | breakpoint

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