Vierzehnhundertvierundneunzig

Im Laufe des Lebens erlebt man einiges, macht verschiedene Erfahrungen, lernt, ..
Vor allem in der Kindheit und Jugend wird man dabei stark von Eltern und Lehrern, später von anderen Personen und Medien beeinflusst.
Anfangs nimmt man das noch kritiklos auf, aber bei vielen Menschen (leider bei weitem nicht bei allen) kommt irgendwann der Punkt, an dem sie diese Aussagen anderer hinterfragen.
Vieles wird man bestätigen können, aber einiges auch nicht. Eine gewisse Skepsis ist aber eigentlich nie verkehrt.
So bilden sich nach und nach eigene Meinungen, Ansichten und Überzeugungen.
Manche Erlebnisse verstärken diese wieder, andere können Zweifel wecken, und in einzelnen Fällen kann es auch dazu kommen, dass man seine eigene Meinung grundlegend überdenken muss und sogar revidiert.

Wenn jemand grundlegend anderer Ansicht ist, als alle anderen, muss er da grundsätzlich falsch liegen? Die Mehrheit hat nicht immer recht. Über Naturgesetze kann man nicht abstimmen, und es ist der Natur wurscht, ob man ihre Gesetze gut findet oder nicht.
Inwieweit ist das Stehen zu den eigenen Überzeugungen Beharrlichkeit und Konsequenz, oder nur noch Starrsinn, Unbelehrbarkeit und Unflexibilität?

Personen, die keine Tatsachen und sachlichen Argumente akzeptieren, darf man ohnehin nicht ernstnehmen. Ein konstruktiver Dialog ist mit ihnen nicht möglich, da sie bei abweichenden Ansichten nicht versuchen, diese zu widerlegen, sondern einen stattdessen persönlich angreifen.
Solche Leute glauben das, was sie glauben wollen. Und das entspricht nicht immer den realen Gegebenheiten.
Aber auch bei rationalen Menschen entstehen durch unterschiedliche Erfahrungen und Hintergründe verschiedene Gewichtungen, Bewertungen und Deutungen des gleichen Sachverhalts. Mit diesen lässt sich zumindest diskutieren, auch wenn man nicht immer einen Konsens findet.

Oft überlege ich, ob meine – über die Jahre gefestigten – Überzeugungen tatsächlich so zutreffen, wie ich das glaube (und wie es meine Filterbubble zu bestätigen scheint). Manchmal verunsichert es mich schon, wenn mir andere mit nachvollziehbaren Argumenten widersprechen, und ich bekomme Zweifel.
Aber wenn ich mir dann die Fakten ins Gedächtnis rufe, dann bestätigen die wieder genau das, was ich vertrete. Oder habe ich mich inzwischen nur so verrannt, dass ich andere Sichtweisen gar nicht mehr wahrnehmen kann?

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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7 Antworten zu Vierzehnhundertvierundneunzig

  1. Leser schreibt:

    Tja, dazu fällt mir nur ein, dass bis auf (relativ!) wenige naturwissenschaftlich belegbare Fakten, „Wahrheit“ im weitesten Sinne subjektiv ist. Das ist so lange kein Problem, wie man trotzdem „leben und leben lassen“ praktiziert, sowie nach der Goldenen Regel „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ lebt. Man kann sich austauschen, aber in dem Moment, wo die Motivation dahinter ist „ich hab recht und deshalb hast Du unrecht und ich muss Dich überzeugen“, ist eine Diskussion schon wieder fruchtlos, bzw. wird zu einem „Kampf“ – selbst wenn mit rationalen Mitteln ausgeführt. Denn natürlich sieht der andere das ebenso, und wenn er darauf eingeht, dann bedeutet das, dass man miteinander kämpft. Die „Wahl der Waffen“, also ob Ratio oder Beleidigungen, ist dabei dann auf dieser Ebene nur noch ein quantitativer, kein qualitativer Unterschied.
    Es gab hier in den letzten Monaten so manchen Blogpost, als auch so manchen Kommentar, wo ich gerne opponiert hätte, aber mir dann gedacht habe: „Ach, das hat doch keinen Sinn“ und habe es dann sein gelassen. Soll halt jeder seine Meinung haben – solange die „Extremen“ Meinungen, die das Potential hätten, Menschen zu schaden (und damit meine ich nicht mal gesellschaftlichen oder „unsubstanziellen“ finanziellen Schaden sondern tatsächlichen körperlichen oder seelischen Schaden), nicht überhand nehmen, bewegt sich alles in einem relativ stabilen Status Quo. Den kippen zu wollen mag manchem zwar attraktiv erscheinen, aber unsere Gesellschaft ist zu komplex, als dass ein einziger (oder auch nur eine relativ kleine Gruppe von Menschen) sämtliche Folgen einer solchen Veränderung absehen könnten, deshalb ist es glaube ich besser, wenn da niemand dran rumspielt.
    Also hat jeder weiterhin seine eigenen Wahrheiten, und wir können uns nur darüber austauschen, indem wir entweder die Expertise eines anderen in einem Themengebiet akzeptieren, dann ist das ein Lernprozess, oder, wenn eine solche nicht gegeben ist, dann ist so ein Austausch in erster Linie hilfreich, um sich selbst besser kennen zu lernen („was macht das, was der andere mir da als [seine] Wahrheit präsentiert, mit mir, warum reagiere ich so darauf?“), was irgendwie auch ein Lernprozess ist, aber ein etwas anderer 🙂
    Die Frage, ob man sich verrannt hat und andere Sichtweisen nicht mehr wahrnehmen kann, ist gut als Startpunkt dafür (läuft ja auf dasselbe raus, wie die Frage oben in Klammern, wenn man sie hinreichend konsequent verfolgt).

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    • Problematisch ist, dass viele Personen keine anderen Meinungen als ihre eigene ertragen können.
      Etwas mehr Gelassenheit und Kompromissbereitschaft wäre oft gut. Stattdessen wird ausgeblendet, was nicht ins eigene Weltbild passt, und die „wer das nicht teilt, ist mein Feind“-Mentalität ist weitverbreitet.

      Die Gedankenpolizei ist nicht fern, und das Wahrheitsministerium wird immer mächtiger.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Fakten sind Fakten, aber Interpretationen können abweichen.
    Im Laufe von Jahren ändern viele Menschen ihre Einstellung zu ihrem Leben, was ja auch ganz normal ist. Zum Meinungsprozess tragen auf einmal Dinge bei, die früher unwichtig waren.

    Veränderungen sind Fortschritt. Immer irgendwie anders. Selbst die Natur verändert sich. Ihre Gesetze jedoch seltenst.

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  3. Pingback: Re: „Ist die Förderung von Frauen männerfeindlich?“ | ☨auschfrei

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