Vierzehnhundertachtundachtzig

Schon aus einiger Entfernung hatte ich gesehen, dass jemand auf dem Firmen-Parkplatz die dort gehenden Personen ansprach.
Als ich näher kam, erkannte ich Corinna (obwohl sie eine hässliche gehäkelte Mütze mit zwei unförmigen Zipfeln trug, in fast dem gleichen Rotton wie mein Kopftuch).
Ich trat also auf sie zu, und fragte, was sie hier zu suchen hätte.

„Ich weise auf den Weltfrauentag hin“, erwiderte sie, wollte mir ein Flugblatt in die Hand drücken, und laberte weiter: „.. um gegen die Ausbeutung durch neoliberale patriarchale Herrschaftsstrukturen zu protestieren, und gegen männliche Gewalt ..“
Den Zettel ignorierend, unterbrach ich sie, und erklärte ihr unmissverständlich: „Sie befinden sich hier auf Privatgrund. Ich fordere Sie hiermit auf, dieses Gelände unverzüglich zu verlassen.“
„Mit welcher Berechtigung?“, fragte sie aufsässig zurück.

Offiziell habe ich zwar irgendwelche Vollmachten, aber (noch) kein Hausrecht. So genau kann sie das aber nicht wissen. Also bluffte ich (in der Gewissheit, im Sinne des Inhabers zu handeln): „Mit dem Recht des Hausherren spreche ich ein Hausverbot aus.“
Sie schien zu überlegen, entschied sich dann offensichtlich, meiner Aufforderung Folge zu leisten, und platzierte sich stattdessen weiter vorne auf dem öffentlichen Gehsteig neben der Parkplatzeinfahrt.

Ich ging dann in das Gebäude hinein, betrat aber zuerst die Pförtnerloge, wo außer dem Pförtner auch Verena anwesend war, die an einem kleinen Schreibtisch saß.
„Da ist draußen so eine Frau auf dem Parkplatz“, begrüßte sie mich, „die alle Mitarbeiter anspricht.“
Ich verschwieg ihr, dass es sich dabei um die Flamme ihrer Schwester handelte (verzichtete sogar auf einen Hinweis, dass sie keine „Mitarbeiter“ sondern höchstens „Kollegen“ habe) und erzählte, dass ich sie bereits vom Grundstück verwiesen hätte. Sie solle ein Auge darauf haben, dass sie den Parkplatz nicht wieder betrete, und keinesfalls in das Gebäude gelange. Im Zweifel solle sie sich nicht scheuen, die Polizei zu rufen.

Als ich nach oben in mein Büro ging, sah ich Corinna noch durch ein Gangfenster unten an der Straße stehen. Spätestens mittags war sie dann aber verschwunden.

Ich kam erst abends dazu, den Geschäftsführer über den Vorgang zu informieren (da er den ganzen Tag geschäftlich unterwegs gewesen war, während ich hier die Stellung hielt). Er nahm die Angelegenheit stirnrunzelnd zur Kenntnis, und bestätigte die Gültigkeit des Hausverbots (das – sofern meine juristischen Kenntnisse zutreffen – dadurch endgültig wirksam wurde).

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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29 Antworten zu Vierzehnhundertachtundachtzig

  1. mkuh schreibt:

    Feier es das du ‚Hausherren‘ gesagt hast

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  2. kakohari schreibt:

    Ich kenne zwar nicht Wortlaut und Tonfall von Verena, aber es ist der Parkplatz der Firma und es sind eben auch die Mitarbeiter der Firma. So, wie es hier steht, erscheint mir Dein verschwiegener Hinweis als untypisch zickig. Nanu?
    Abgesehen davon hatte Corinna doch schon Hausverbot – daher könnte ihr der Herr Geschlechtsführer doch auch jetzt schon das Leben schwermachen. Oder habe ich das falsch in Erinnerung?

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  3. idgie13 schreibt:

    Die doofe Kuh sollte ihre Energie lieber drauf verwenden, sich eine Arbeitsstelle zu suchen.

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  4. ednong schreibt:

    Jaja, ich sagte ja, bei der muß man aufpassen …

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  5. Jezek1 schreibt:

    Finde ich prima; gesellschaftlich schwer engagierte junge Power-Frauen, die sich selbstlos auch für die marginalsten Themen einsetzen.

    Also wenn die Dame bei euch die Welt erst mal gerettet hat kannste sie gerne bei mir vorbei schicken. Ich hätte da noch ein Problem mit einem renitenten Nachbarn, das Garagentor klemmt immer wieder mal; meine Hausbank gibt mir nicht die Zinsen die mir zustehen, und und und

    Viel zu tun für Gutmenschen; und die sind dann auch weg von der Straße.

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  6. Pingback: Gezwitschertes //1681 | breakpoint

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