Vierzehnhundertsechsundsiebzig

Ob es sich um einen Zufall handelte, oder mit Vorbedacht so gelegt, weiß ich nicht. Jedenfalls fand Carsten’s und meine Folgebesprechung gestern an einem in zweifacher Hinsicht denkwürdigem Tag statt, worauf ich allerdings keine Rücksicht nahm.

Auf Dauer hätte ich wohl keine andere Wahl gehabt, hätte nur die Umsetzung verzögern können. Also willigte ich ein, Teilhaberin von Novosyx zu werden, und nach und nach die Geschäftsführung zunächst mit-, später dann ganz zu übernehmen.
Die ganzen juristischen Details stehen noch nicht fest. Es würde wohl auch zu weit führen, sie hier im Einzelnen auszubreiten. Wir werden in dieser Hinsicht erfahrene Anwälte hinzuziehen müssen. Aber über das Grobgerüst sind wir uns zumindest einig geworden.

Ich werde einen Großteil meiner Ersparnisse (aber nicht alles, eine Sicherheitsreserve behalte ich) als Einlage einbringen. Dazu kommt eine großzügige Schenkung von Carsten, die den Freibetrag für Schenkungen zwischen Eheleuten ausschöpft. Damit fühle ich mich zwar nicht so richtig wohl, aber Carsten argumentiert (wie sonst meine Eltern), dass ich das ja eh mal erbe. Und dass es steuerlich günstiger ist, einen Teil vorzuziehen.
Also ist das wohl OK. Es erhöht aber auf mich den Druck, so zu agieren, dass er es nicht bereut, und ich ihn nicht enttäusche, wenn ich mich schon sonst nicht angemessen revanchieren kann.

Außerdem werden wir eine – recht komplizierte – Regelung in den Vertrag mitaufnehmen, die es regelt, inwieweit die Gewinne zwischen uns aufgeteilt werden. Dabei gehen einerseits die Firmenanteile, andererseits die geleistete Arbeit ein.
Wenn nicht die ganzen Steuer- und sonstigen Gesetze wären, könnten wir auf diese spezielle vertragliche Klausel verzichten, denn im Grunde haben wir ohnehin eine gemeinsame Kasse.

Nur für den Fall, dass wir uns irgendwann einmal zerstreiten oder uns trennen, bestehe ich darauf, hartkodiert in den Vertrag aufzunehmen, wie wir das am einfachsten wieder sauber auseinanderdividieren. Nicht weil ich dies für nötig halte, sondern weil es naiv wäre, es nicht zu tun.

Carsten hat mir zugesagt, dass wir es ganz langsam angehen werden, und sich für mich erst einmal nichts wesentlich ändert. Ich soll mich halt einarbeiten, lernen, und öfters bei Verhandlungsgesprächen mit Geschäftspartnern dabei sein.
Er dagegen hat noch einige Expansions- und Verbesserungspläne, die er in den nächsten fünf Jahren noch umsetzen will. Einiges davon könnte schon bald konkret werden.
Vorläufig werde ich noch keine größeren Entscheidungen alleine treffen. Vertreten hatte ich Carsten schon einige Male, wenn er auf Geschäftsreise war. Da wir unseren Urlaub aber gemeinsam verbringen wollen, können wir uns gerade dann nicht gegenseitig vertreten, sondern müssen dies anders arrangieren.

Nachdem wir uns soweit einig waren, hatten wir uns ein opulentes gemeinsames Mittagessen redlich verdient (für das wir ja ohnehin auch noch anderen Anlass hatten). Und abends bekräftigten wir unsere Vereinbarung noch einmal auf eindringlichere Weise.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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12 Antworten zu Vierzehnhundertsechsundsiebzig

  1. Pendolino70 schreibt:

    Wieso gehst du davon aus, dass uns die juristischen Details langweilen würden bei der Geschichte 😉

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  2. Pluvia schreibt:

    Bei Euren Plänen juckt es mir geradezu in den Fingern, dazu zu beraten. Über das Internet sind und mit den wenigen Informationen, die ich zu den konkreten Details Eurer Ehe und Eures Unternehmens habe, wäre das allerdings nicht zu empfehlen. Deshalb hier nur ein paar Hinweise:

    1. Ihr werdet mit großer Wahrscheinlichkeit einen Notar benötigen, da vermutlich beurkundungsbedürftige Rechtsgeschäfte notwendig sind (abhängig davon, ob auch eine ehevertragliche/erbrechtliche Regelung getroffen wird und welche Rechtsform das Unternehmen hat). Notare sind qualifizierte und unparteiische Berater im Bereich der Unternehmensnachfolge, sie können (und sollen!) Euch auch bei der Gestaltung helfen.

    2. Ihr solltet Euren Steuerberater einschalten; Ihr benötigt eine integrierte Lösung und Rechtsanwälte/Notare beratern i.d.R. nicht umfassend zum Steuerrecht, auch wenn sie gewisse Grundregeln auf dem Schirm haben.

    3. Zu den Freibeträgen für Ehegatten: 500.000 € alle 10 Jahre können steuerfrei übertragen werden. Ich gehe sehr stark davon aus, dass das Unternehmen mehr wert ist. Ggf. kann das zumindest doppelt ausgenutzt werden, indem heute (ein) Anteil(e) im Wert von 500.000 € und in 10 Jahren wieder 500.000 € übertragen werden.

    4. § 13b und § 13c ErbStG wurden erst kürzlich geändert und könnten bei Euch zu einer ordentlichen Steuerverschonung führen (ich nehme mal an, das Unternehmen ist nicht signifikant mehr als 26 Mio. wert, jedenfalls nicht jenseits der 90 Mio.). Hier sind einige Formalitäten zu beachten, wenn man in den Genuss der Steuererleichterung kommen will (Erhalt gewisser Lohnsummen, Fristen,…)

    5. Bei Scheitern der Ehe: Stichwort „ehebedingte Zuwendung“

    6. Die Pflichtteilsrechte der Töchter sind unbedingt im Blick zu behalten, ebenso die Erbfolge nach Dir und nach Karsten. Pflichtteilsansprüche können zu sehr empfindlichen, bis zu existenzbedrohenden Kapitalabflüssen führen. Der Erbfall kann immer einmal früher eintreten, als erwartet. Vermutlich möchtest Du nicht gemeinsam mit einer oder beiden Töchtern Teilhaberin sein, wenn Karsten z.B. in einigen Jahren überraschend einem Herzinfarkt erliegt. Ebenso solltet Ihr berücksichtigen, dass auch Du einen Verkehrsunfall haben und so unerwartet vor Karsten versterben kannst. Vermutlich möchte er sich nicht im Fall der Fälle mit Deinen Eltern oder Sabine als Teilhaberin wiederhinden. Ob das passieren kann, hängt freilich nicht zuletzt von der Unternehmensform ab, die mir nicht bekannt ist.

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    • Vielen Dank für deine Hinweise, Pluvia.

      1. Ist uns bewusst.
      2. Klar.
      3. Über die Freibeträge hatten wir uns bereits informiert, und beabsichtigen auch, dies in 10 Jahren zu wiederholen (falls die Gesetze dann noch genauso gelten).
      4. Fachkundige Berater werden sich um Details kümmern.
      5. Soweit ohne größere Verluste möglich, schwebt mir dann eine Rückabwicklung vor.
      6. Das hat Carsten schon vor ein paar Jahren geregelt. Wir werden aber ein paar Anpassungen machen müssen.
      Wir werden versuchen, für alle Eventualitäten einigermaßen gerüstet zu sein.
      Die anzuwendenden Gesetze können sich halt auch immer wieder ändern. Was heute als sinnvoll erscheint, könnte sich in ein paar Jahren unvorhersehbar als Irrweg herausstellen.

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  3. Prof schreibt:

    Vernünftig 🙂
    & richtig..

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