Vierzehnhundertvierundsechzig

In der Einladung für das Gespräch war gestanden: „Nicht dringend, aber sehr wichtig. Wir sollten beide Zeit und Ruhe dafür haben.“
Es war nicht anzunehmen, dass es sich um ein Projekt handelte, wie ich es einst ähnlich geplant hatte. Ich war neugierig gewesen, aber er hatte mir vorab nichts angedeutet.
So saß ich ihm schließlich in seinem Büro gegenüber. Er ließ uns erst von der Sekretärin Kaffee bringen, bevor er zur Sache kam.

„Ich möchte“, begann er, „dich stärker in die Firma einbinden. Ich habe dir schon öfter einen Arbeitsvertrag angeboten, aber du hast jedesmal abgelehnt. Da du gerade die technische Standortleitung übernommen hast, wäre es aus formalen und rechtlichen Gründen sinnvoll, wenn du tatsächlich zur Firma gehören würdest. Dann gäbe es weniger entsprechende Probleme, und wir müssten uns auch um Scheinselbständigkeit keine Gedanken mehr machen. Ich würde gerne mit dir einen entsprechenden Vertrag aufsetzen, der die jeweiligen Vollmachten für dich enthält. Ob wir eine feste Stundenzahl einsetzen, oder dies offenlassen, überlasse ich dir. Natürlich kannst du dir weiterhin deine Zeit frei einteilen, und auch genauso wie bisher für andere Kunden arbeiten. Es handelt sich lediglich um einen formellen Vertrag, der ansonsten nichts ändern wird.“
Das Thema gärt ja zwischen uns schon seit langem herum, und er bringt das immer wieder auf’s Tapet. Eigentlich kein Grund für eine offizielle Besprechung.
Also antwortete ich: „Danke für das Angebot, aber eine Anstellung als Arbeitnehmerin kommt für mich nicht mehr in Frage. Ich will selbständig und unabhängig bleiben. Mit unserem Beratervertrag bin ich sehr zufrieden.“

„Ich habe erwartet, dass du so reagierst. Nun, es gäbe auch die Alternative, dass du dich als Anteilsinhaber an der Firma beteiligst, und im Rahmen dieser Teilhaberschaft als zweite Geschäftsführerin agierst.“
Ich war überrascht. Mit so etwas hatte ich nicht gerechnet. Bisher war die Firma sein Ein und Alles gewesen, und er hatte niemals angedeutet, die Inhaberschaft teilen zu wollen.
„Oh, dein Vertrauen ehrt mich, obwohl ich dies noch nie beabsichtigt hatte“, oder so ähnlich stammelte ich irritiert.
„Du wirst ja ohnehin irgendwann die Firma übernehmen. Da wäre dies nur der konsequent erste Schritt.“
„So, werde ich das? Ich habe dir das nie versprochen.“
„Ich wünsche es mir, Anne.“

„Nur mal – rein hypothetisch angenommen – ich wäre zu dieser Teilhaberschaft bereit: Wie soll das gehen? Meine gesamten Ersparnisse würden nur für einen Anteil von wenigen Prozent reichen.“ Und außerdem habe ich diese Ersparnisse immer als Fallback und Alterssicherung gesehen.
„Da gibt es schon Möglichkeiten. Allerdings haben die alle Nachteile, wenn man sich streng an die gesetzlichen Bestimmungen hält. Aber wir brauchen nichts zu überstürzen. Überleg‘ dir, was ich dir vorgeschlagen habe. Dann können wir uns immer noch über die Details unterhalten.“
„Hm ..“, summte ich unverbindlich.
„Wirst du dir meinen Vorschlag ergebnisoffen durch den Kopf gehen lassen?“
„Mal sehen“, erwiderte ich kurz.
„Die Sache ist nicht eilig, aber es ist mir wichtig, dass wir dabei zu einer Einigung kommen.“

Dies ist ein guter Haltepunkt (!) für einen Cliffhanger.
Fortsetzung folgt.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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22 Antworten zu Vierzehnhundertvierundsechzig

  1. claudius2016 schreibt:

    Die Möglichkeit hat doch etwas, Du bleibst selbständig und bekommst quasi ein zweites Standbein. Ich würde da wohlwollend drüber nachdenken.

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  2. keloph schreibt:

    du bist scheinbar sehr zielstrebig……..ich mag das, aber ich denke, es ist wirklich eine gelegenheit…….denk doch einfach wirklich ergebnisoffen

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  3. tom174 schreibt:

    Der Unterschied zwischen einem angestellten Geschäftsführer und einer selbstständigen Tätigkeit ist soo groß imho nicht. Ein Teil der Entlohnung können Anteile sein, da brauchst dein Erspartes gar nicht anzugreifen. Deine Rolle ändert sich vermutlich auch nur gefühlt…
    Scheint mir mehr ein psychologisches als ein logisches Problem 😉

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  4. Pendolino70 schreibt:

    Du kannst dich auch ohne Eigenkapital an der Firma beteiligen sofern gewisse Mindestverzinsungen für Darlehen eingehalten werden. Kein Problem.

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  5. ednong schreibt:

    War ja klar – sowohl deine Einstellung dazu als auch das Angebot ebendieses. Herrlich.

    „Eigentlich soll alles so bleiben wie es ist – so habe ich das geplant, so ist das gut! “ (mal als Quasi-Zitat). Tja. Guck doch mal, ob du es nicht als Verbesserung sehen kannst bzw. wie du es als solche sehen kannst. Was du mMn vermeiden willst, dürfte sein, mehr in der Firma zu arbeiten als momentan. Das wolltest du ja sowohl bei Carsten als auch dir reduzieren. Und Carsten will wahrscheinlich Sicherheit für die Zukunft. Versucht euer beider Ziele herauszuarbeiten und sucht dann gemeinsam nach einer akzeptablen Lösung unter Beteiligung eines Juristen.

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    • Das „mehr“ zu arbeiten, ist nicht der springende Punkt, der mich zögern lässt, sondern die Unterschiedlichkeit der Aufgaben.
      Ich will doch nur ein wenig programmierschlampen, aber als Geschäftsführerin hätte ich ganz andere Aufgaben zu bewältigen, die mir nicht unbedingt liegen, und auf die ich keine Lust habe.

      Zwar kann ich Carsten durchaus verstehen, aber das macht mich trotzdem nicht glücklich über diese Aussicht.

      Wenn Carsten und ich uns grundsätzlich einig sind, werden wir wohl spezialisierte Anwälte hinzuziehen müssen.

      OT: Wie geht es deinem Blog jetzt?

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  6. Der Maskierte schreibt:

    Carsten möchte also die Firma, die er mühsam aufgebaut hat, in guten und vertrauenswürdigen Händen wissen. Absolut legitimer Wunsch und sehr nachvollziehbar.

    Wie wäre eine vorerst stille Teilhaberschaft, die dir aber jederzeit ermöglicht die Geschäfte zu übernehmen? Dafür werden sich von einem versierten Juristen sicher geeignete Regelungen ausarbeiten lassen.

    Vorteil wäre, dass du deiner geliebten Programmierschlamperei erstmal die Stange halten kannst, aber auch Carsten für die Zukunft abgesichert ist, dass alles seinen Wünschen entspricht.

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  7. Pingback: Success or Successor, Teil 2 //1465 | breakpoint

    • Es ist nicht so, dass ich kein Verständnis für Carsten’s Situation hätte. Aber seine Wünsche decken sich hier nicht mit meinen.
      Er hat schon recht konkrete Vorstellungen (sh. neuester Blogpost), wie es weitergehen soll. Eine stille Teilhaberschaft passt da nicht dazu, zumal ich auch bisher schon mehr als nur „still“ involviert war.

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  8. Pingback: Tweets Aplenty //1651 | breakpoint

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