Vierzehnhundertdreiundzwanzig

Zu meinen Jugendsünden (mit Ende 20) gehört es, dass ich an ein paar Veranstaltungen für Gründerinnen teilgenommen habe. Das würde ich heute nicht mehr machen, ist das doch sexistische Diskriminierung von Männern, denen solche (öffentlich finanzierten oder bezuschussten) Veranstaltungen nicht offen stehen. An so etwas beteilige ich mich längst nicht mehr.
Damals war mir das nicht bewusst, und es erschien mir als frischgebackene Existenzgründerin sinnvoll, mein Wissen durch solche Vorträge und Seminare zu erweitern. Es ging da um Themen wie Businesspläne, Finanzierung, Steuerthemen und ähnliches mehr, das schon wichtig ist, wenn man sich beruflich selbständig macht.
Ich erinnere mich an einen Vortrag, bei dem es darum ging, wie man eine geschäftlich genutzte Website aufzieht.
Die Vortragende hatte einen klischeehaften Bürstenhaarschnitt, und schaute immer wieder in meine Richtung. Es waren etwa zwölf bis fünfzehn Frauen anwesend.
Zu der Zeit hatte ich meine geschäftliche Website schon online (wenn auch noch weniger umfangreich als heute), und so machte ich irgendwann einen Einwand, indem ich auf irgendeinen Sicherheitsaspekt hinwies.
Die Vortragende meinte, ich sei wohl sehr auf Sicherheit bedacht, und zwar in einem Ton, der mich von einem Mann kommend sofort in den Flirtmodus geschaltet hätte. Aber von einer Frau war mir das unangenehm, und ich antwortete irgendetwas belangloses.
Ich verzichtete im Anschluss auf die Möglichkeit zu „netzwerken“, und verbrachte den Rest des Abends lieber mit einem damaligen Spielgefährten.

Mehrere Jahre lang wohnte in der Wohnung unter meiner ein lesbisches Paar. Ich konnte die beiden äußerlich kaum unterscheiden, sondern nur im Verhalten mir gegenüber. Die eine war betont freundlich, und versuchte mich anzubaggern, während die andere mich angiftete und sich ablehnend verhielt. Im Laufe der Jahre habe ich mich irgendwie daran gewöhnt.

Im Swingerclub ist es mir ein paarmal passiert (während ich mich anderweitig vergnügte), dass ich von Frauen angegrabbelt wurde. Obwohl sie jedesmal sofort aufhörten, als ich sie darum bat, törnte mich das dennoch sofort ab, und ließ meine Erregung abstürzen.
Es ist schon irgendwie vermessen, einer anderen dort anwesenden Frau Bisexualität zu unterstellen, nur weil sie sich im Swingerclub befindet. Schließlich gibt es kaum Örtlichkeiten, wo eine unbemannte, heterosexuelle Frau (also 0 auf der Kinsey-Skala – und trotz zunehmender Heterophobie ist Heterosexualität immer noch der Default*, den niemand begründen oder rechtfertigen muss, auch wenn Bisexualität als noch so schick gilt) unverbindlich ihre Sexualität ausleben kann. Nur weil ich dann früher einige Male im Swingerclub war, heißt das nicht, dass ich mit Berührungen durch Frauen einverstanden wäre. Alleine schon überall halbnackte Frauen sehen, und ihr Stöhnen hören zu müssen, ist so etwas von lusttötend.

Da ist doch ein Mann ganz anders. Nicht nur das rein visuelle Erscheinungsbild mit primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, sondern auch die spürbare Stärke, der Druck großer, kräftiger Männerhände, fühlbare Körperbehaarung, der aphrodisierende Geruch von Männerschweiß, der niederfrequente Klang einer sonoren Stimme, .. hach .. das hat alles einen erotisierenden Effekt, der Frauen so völlig abgeht – aber bei dem ich abgehe.

Früher sah ich schwule Männer als Konkurrenz an. Aber inzwischen habe ich festgestellt, dass sie einen völlig anderen Männergeschmack haben als ich. In meine Twitter-TL werden von Schwulen, denen ich folge, manchmal Fotos mit Pin-up-Boys gespült. Die sind ausnahmslos der Typ hübsches „Jüngelchen“ oder „Schönling“, und für mich völlig unattraktiv und ohne jeglichen Sex-Appeal. Ich mag lebenserfahrene, gereifte Männer mit einer markanten Kantigkeit. Schwule Männer ziehen dagegen sehr junge, eher androgyn wirkende Männer vor. Seit ich also Schwule nicht mehr als Rivalen betrachte, habe ich ein paar recht nette Kontakte zu Schwulen. Schließlich gibt es grundsätzlich ähnliche Interessen, aber ohne deshalb Resourcenkonflikte befürchten zu müssen.

Manche Leute essen gerne Rosinen, obwohl diese braunen Dinger so schrumpelig und eklig süß sind. Ich finde Rosinen einfach nur widerlich, aber meinetwegen darf jeder so viele davon essen, wie er mag, solange er sie mir nicht aufdrängt (und mich nicht über eventuelle Unverträglichkeiten oder Blähungen volljammert).
Es ist gut, dass die Geschmäcker verschieden sind, auch wenn manche Personen – sehr frei nach Kant – gerade argumentieren, dass Handlungsweisen nur dann in Ordnung seien, wenn alle so handeln könnten. Glücklicherweise handeln unterschiedliche ´Menschen normalerweise auch unterschiedlich, Extreme mitteln sich meist heraus.
Chacun à son goût.

Fußnoten**:
* i.e. der Standardwert, der aufgrund der statistischen Häufung gefälligst anzunehmen ist, solange keine gegenteiligen Daten vorliegen.
** Wozu man Asterices alles ver(sch)wenden kann!

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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32 Antworten zu Vierzehnhundertdreiundzwanzig

  1. sevens2 schreibt:

    „Im Swingerclub ist es mir ein paarmal passiert (…).“

    Yeah, Verleser des Tages: Swingerclub.und Swingclub. Not a good day.

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  2. Pendolino70 schreibt:

    Da fehlt doch ein Link zu deinem Artikel über deine Swingerzeit 😉

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  3. ednong schreibt:

    Ah,
    wieder ein paar FAcetten mehr …

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  4. N.N. schreibt:

    Ist das Dein Artkel zu dem Link den ich Dir neulich geschickt habe?

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    • Nein, nicht direkt. Zu dem Thema wollte ich schon länger schreiben, habe allerdings aufgrund deines Links noch einige Aspekte ausführlicher dargestellt, bzw. ergänzt.

      Dort wird Beziehungswunsch mit sexuellem Begehren gleichgesetzt.
      Wenn man diese Definition von Bisexualität weiterspinnt, wären wohl alle Leute, die überhaupt keine Beziehung wollen, asexuell. 🙄

      PS: Danke, dass du in deinen Kommentaren auf Namen und Links verzichtest.

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  5. Engywuck schreibt:

    um etwas Adventsschwung reinzubekommen: will jemand eine Scheibe frisches Früchtebrot? Grad fertiggeworden.

    @Anne: d²z/dt² = -k * z ist doch nur so ein langweiliger Sinus. OK, auch als „harmonisch“ verbrämt, aber dennoch langweilig – unrealistisch in diesem Zusammenhang. Versuch mal, eine Sägezahnschwingung (oder asymmetrische Dreieckschwingung) hinzubekommen 🙂

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  6. Imion schreibt:

    Frage: Warum findest du das Gründerinnen treffen sexistisch, aber nicht, das in einem Swingerclub die Männer alles zahlen müssen, auch die Getränke für die Frauen und deren Eintritt?

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    • Ein Swingerclb ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, und als solches selbst für seine Preisgestaltung verantwortlich.
      Der Betreiber wird die Eintrittspreise so festlegen, wie sie den maximalen Gewinn versprechen (und wenn’s schief geht, so ist das sein eigenes Risiko).

      Diese Gründerinnenseminare dagegen wurden größtenteils durch öffentliche Gelder – also unsere Steuern – finanziert.
      Das ist staatlich gelenkter Sexismus, für den wir alle bezahlen müssen – insbesondere auch Männer, die den Großteil des Steueraufkommens leisten.

      Niemand wird gezwungen, einen Swingerclub zu besuchen (und somit zu finanzieren). Den Steuerzahlngen kann man sich dagegen nicht entziehen, auch wenn sie für Ziele ausgegeben werden, die man ablehnt.

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      • Imion schreibt:

        Ist vom Prinzip her aber genau dasselbe. Und maximaler Gewinn, schau mal, wer meistens als Geschäftsführer eingetragen ist, eine Frau, auch bei den ersten clubs, die Ladies nights angeboten haben. Diese bekommen dann aber Frauenförderung, auch vom Steuerzahle finanziert. die Restlichen, meist von Männern geführten Betriebe, müssen dann aber nachziehen, um die Kundschaft zu halten, ohne das sie gefördert werden. Immer noch so frei, die Preisgestaltung?

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        • Diese Diskussion hatten wir doch schon öfter.
          Wer bei Swingerclubs als GF eingetragen ist, kann ich jetzt auf die Schnelle nicht nachprüfen.

          Die unternehmerische Freiheit halte ich für sehr wichtig. Die Kunden haben ja die Wahl, ob sie zahlen, oder eben auf einen Besuch verzichten.

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          • Imion schreibt:

            Es ist aber doch bezeichnend, das Frauen, wenn nur frauen anwensend sind, auch in Swingerclubs ordentlich eintritt und die Getränke bezahlen (siehe skirt club) aber sobald Männer anwesend sind, sollen diese für alles aufkommen. Das hat nichts mehr mit Unternehmerischer Freiheit zu tun, sondern hat methode. Überall dort, wo Frauen das Sagen haben, werden Frauen bevorzugt, siehe auch Yahoo. So auch bei den Clubs und anderen Ausgehmöglichkeiten.

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            • Ich habe nicht geschrieben, dass ich das so befürworte, sondern die Gründe erklärt.

              Versuch mal, einen Swingerclub rentabel zu leiten, wenn du gleiche Eintrittspreise für Männer und Frauen festsetzt.
              Dann bleiben zuerst die Frauen weg, dadurch wird es uninteressant für Männer, also kommen die auch nicht mehr.

              Da hättest du bessere Chancen, einen profitablen Gay-Club zu führen.
              Und – wer weiß – vielleicht stellt sich heraus, dass du mehr Gewinn machst, wenn du Unter-25-Jährige deutlich billiger reinlässt.

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            • Imion schreibt:

              @anne
              Komisch, wenn nur Frauen da sind, dann bezahlen Frauen auch, siehe die Skirt clubs. Es liegt also allein an den Frauen, siehe auch hier: http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2016/gleichberechtigung-2/, Frauen sehen Männer allein als Nutzvieh an, und das kann nicht sein. Es kann nicht sein, das Männer permanent die Frauen durchfüttern müssen und Frauen sich wie Parasiten benehmen. Und genau das passiert eben auch im Swingerclub.

              Und ja, ginge auch anders. Denn anstatt das der Mann 80 Euro bezahlt, wäre es für Mann und Frau jeweils nur 40. Und wenn sich da Frauen schon weigern…….es stellt sich für mich sowieso die Frage, warum 90% der Frauen Sex einzig und allein als Ware ansehen um sich ein schönes Leben zu machen.

              Es wird daher definitiv zeit, Frauen von unseren Kindern fernzuhalten, sei es im Privaten oder in der Schule, damit diese scheis Erziehung der Jungen zum Sklaven der Frau endlich ein Ende hat. Dann wäre es auch vorbei, das Männer mit Sex erpressbar und ausbeutbar sind. Wie auch zu nutten, gehen in Swingerclubs hauptsächlich Sexsüchtige oder Psychisch kranke Männer(depressionen).

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            • Imion schreibt:

              @anne
              Und wenn der Swingerclub pleite geht, na und? was ist daran toll, das in unserer Gesellschaft die Männer lauter Parasiten mitdurchfüttern müssen? Weist du, wenn das Unernehmen ja diese Geschenke an die Frauen bezahlen würden, wäre es halb so schlimm, aber diese wälzen die Kosten für Frauen ja auch Männer ab, und das ist auch von den Frauen so gewollt, und das kann nicht sein.

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      • Imion schreibt:

        Oh, und was mir noch einfällt: Eigentlich verstösst diese Praxis gegen Art. 3 GG, und nur weil wir gerade in einer Phase leben, in der Frauen als das benachteiligte Geschlecht angesehen wird, wird dies geduldet bzw. wurde die Verfassung mit dem AGG durch die SPD und Grüne ausgehebelt, mit dem Taschenspielertrick, das alles, wo Frauen mal mehrbezahlen musste, als Massengeschäft tituliert worden ist.

        Desweiteren sehen es auch Frauen als Diskriminierung an, aber nur, wenn sie selbst zahlen müssen, siehe die Kritik an einer Kreativmesse, wo sich gleich der Bürgermeister und die Frauenbeauftragte mit eingaschalten haben.

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        • Dann wollen wir auch nicht vergessen, dass viele Frauenprodukte teuer sind, als entsprechende für Männer.
          Und auch da gilt, keine Frau wird gezwungen, die teuren zu kaufen.

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          • Imion schreibt:

            Nein, das hängt einfach mit der Farbe zusammen. Produkte die weniger Produziert werden, sind nunmal teurer. In einem club oder Swingerclub bekommt aber der Mann weniger Leistung für mehr Geld, das er Bezahlen muss. Auch in Fitnessstudios. Und nochmal, wehe Frauen müssen mehr bezahlen, dann ist es auf einmal keine Unternehmerische Freiheit mehr, sondern diskriminierung, komisch oder?

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  7. Pingback: Advent, Advent – was Twitter kennt //1604 | breakpoint

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