Dreizehnhundertdreiundfünfzig

Solange ich den Azimut der Sonnenposition und die Uhrzeit ungefähr kenne, habe ich normalerweise einen eingebauten Kompass, und kann die Himmelsrichtung einigermaßen genau bestimmen.
Das ist manchmal ganz nützlich, um mich zu orientieren. Der Bezug auf Straßen, Wege, Bahnschienen, Gewässer, u.ä. hilft mir zusätzlich.
Und nachts suche ich den Polarstern, sofern der Himmel nicht von Wolken bedeckt ist (wobei ich zugegeben muss, dass mir das im Urlaub deutlich schwerer fällt, weil ich den Polarstern auf einer bestimmten Höhe erwarte, aber er im Süden eben wesentlich tiefer steht).

Insbesondere wenn ich irgendwo noch nie war, finde ich mich schneller zurecht als Carsten, weil ich auch Wegweiser und andere Landmarken deutlich schneller entdecke. Wenn wir dann das nächste Mal dort sind, sind wir etwa gleich schnell, und bei späteren Besuchen der gleicher Gegend kennt sich dann Carsten besser aus, der sich örtliche Gegebenheiten offenbar besser merken kann als ich.

Vor einiger Zeit hatte er sich für ein Freizeit-Navigationsgerät interessiert, das für Wanderer und Fahrradfahrer optimiert ist, es dann aber wieder vergessen.
Ich wollte ihm eine Freude machen, und schenkte ihm so ein Gerät (auch wenn es ihm überhaupt nicht recht ist, wenn ich Geld für ihn ausgebe, aber mit meinem eigenen Geld kann ich schließlich tun und lassen, was ich will).

An einem Wochenende wollten wir das Navigerät bei einem Spaziergang in bekanntem Terrain ausprobieren.
Zunächst versuchten wir durch das Laufen von Zickzack- und Sinuslinien herauszufinden, welche Ortsauflösung das Gerät hat, und kamen auf etwa zwei Meter. Das ist schon recht beeindruckend.
Unsere Versuche, Buchstaben zu laufen, damit die dann im Display angezeigt werden, missrieten aber.
Auch unwichtige Wege zeigte das Gerät zuverlässig an. Es lädt die Karten über Openstreetmap, und da scheint wirklich so ziemlich jeder halbwegs relevante Punkt erfasst zu sein.
Im Wald war das Satellitensignal schlechter, weil die Baumkronen die direkte Sicht zu den Satelliten verhindern.
Wir stellten fest, dass unsere übliche Gehgeschwindigkeit sich zwischen 4.5 und 4.7 Kilometer pro Stunde bewegt. Für einen „gemütlichen“ Spaziergang ist das schon beachtlich, und ich halte das auch nur bei einigermaßen ebenen Strecken durch.

Carsten ist also begeistert von diesem Gerät. Bloß die Kompassfunktionalität ist buggy, denn der Kompass zeigt nur dann die richtige Richtung an, wenn man eine Zeitlang geradeaus gegangen ist. Wenn man stehen bleibt, oder die Richtung wechselt, zeigt er einen veralteten Wert. Wir dachten erst, dies sei ein Aktualisierungsproblem, aber ich vermute inzwischen, dass es einen Algorithmus nutzt, der auf der letzten Wegstrecke beruht. Es holt sich also die genaue Position per GPS, und kurz danach noch einmal. Durch Differenzbildung erhält es den Richtungsvektor, und stellt daraufhin den Kompass dar. Bei langsamen Fußgängern ist das natürlich bei weitem nicht so praktikabel und weniger genau als bei Objekten, die sich deutlich schneller bewegen.
Die Akku-Laufzeit von höchstens 10 Stunden ist auch recht knapp bemessen, wenn man einen ganzen Tag lang unterwegs sein will.

Während Carsten sonst bei unseren Spaziergang gerne an mir herumtatscht, bearbeitete er jetzt stattdessen den Touchscreen, und das gefällt mir gar nicht. Den Blick nur noch auf das Display gerichtet, trat er einmal in halbvertrocknete Pferdeäpfel, und wäre einmal fast gegen einen Baum gelaufen.
Ich kann nur hoffen, dass dies nur der Reiz des Neuen war, und er in Zukunft seine Finger wieder dort hat, wo sie hingehören.

Eigentlich wollten wir am Wochenende eine kleine Tour mit dem Gerät machen, aber nicht nur das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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23 Antworten zu Dreizehnhundertdreiundfünfzig

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Vielleicht solltest du beim nächsten mal Carsten ein Gerät kaufen, welches in erster Linie dir mehr Freuden bereitet. Ob diese 10 Stunden Akkulaufzeit bieten, kann ich nicht sagen.

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  2. Leser schreibt:

    Ja, digitale Kompassfunktionalität ist so eine Sache, auch in Smartphones, die dafür sogar einen eingebauten Magnetsensor haben. Einerseits ist immer wieder eine Kalibrierung notwendig (das Gerät langsam nacheinander um alle 3 Achsen jeweils um 360° drehen), andererseits ist es dann oft trotzdem oft noch ungenau – ich weiß nicht, ob dies an der Menge von Neodym-Magneten liegt, die ich zum Spielen und Basteln hier habe, aber vermute mal, dass da, auch wenn N52er dabei sind, wenige Meter als Abstand ausreichen sollten, um das Erdmagnetfeld nicht mehr zu stören – trotzdem funktioniert der Kompass nicht so wirklich. Ich vermute einfach, diese Bauteile in hoher Qualität und Genauigkeit herzustellen ist zu teuer für einfache „Consumer Electronics“. Somit ist die GPS-basierte Kompassfunktion wahrscheinlich trotz ihrer Unzulänglichkeiten immer noch die genaueste Art, einen Kompass zu haben – und solange die Richtung egal ist, in die man sich bewegt, und es auch nur ca. 4m sein müssen (wovon ich bei einer Auflösung von 2m einfach mal ausgehe), hält sich das ja noch in Grenzen.

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    • Man muss sich halt darüber im Klaren sein, dass man diesem Kompass nicht blind vertrauen darf.

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      • Leser schreibt:

        Doch, vertrauen kann man ihm, wenn man weiß, wie man ihn zu benutzen hat, d.h. erst ein paar Meter in eine Richtung gehen, und dann drauf schauen. Ist halt eine andere Bedienung, als gewöhnlich. Andererseits habe ich selbst bei (billigen) mechanischen Kompanten (wo es wirklich nur darum geht, dass die Nadel ausreichend magnetisiert ist und genügend Freilauf hat) bemerkt, dass die nicht richtig funktionieren, weil z.B. die Nadel sich mitdreht, wenn man den Kompass dreht, selbst wenn er flach auf einem Tisch liegt. Für einen anständigen Kompass muss man also heutzutage immer etwas Geld in die Hand nehmen und darf nicht davon ausgehen, für 10€ oder so etwas Anständiges zu bekommen.

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  3. Leser schreibt:

    Achja: Schön, ein neues Bannerbild! 🙂

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  4. ednong schreibt:

    Tja,
    da hast du dir selbst mit dem Spielzeug für ihn Konkurrenz geschaffen 😉

    Und hey – die Differenz soll leben!

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  5. Pendolino70 schreibt:

    Ist die Auflösung des Gerätes besser als bei aktuellen Smartphones der a

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    • Ich nehme es an, habe aber keinen Vergleich.
      Smartphones haben ja in freien Natur nicht immer Funkkontakt, so dass ein Gerät, das von Mobilfunk unabhängig ist, und auch für spezielle Aufgaben optimiert ist, für Wanderungen und Spaziergänge besser geeignet ist.

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      • Leser schreibt:

        Bei Smartphones hängt die Genauigkeit tatsächlich von der Umgebung ab – wenn mehr als 1 Mobilfunkmast (oder WLAN-Access-Point) zur Triangulation zur Verfügung stehen (und das Gerät eine Internetverbindung hat, da die Triangulationsdaten in der „cloud“ = auf jemand anderes‘ Computer liegen), dann ist dieses genauer. Ansonsten haben Smartphones aber auch immer einen reinen GPS Empfänger (viele zusätzlich auch noch GLONASS – das ist die russische Version von GPS – nur Galileo habe ich noch nicht gesehen, aber ich glaube, das ist auch noch gar nicht aktiv), damit dürfte dann höchstens dieselbe Genauigkeit wie mit dem „Fußgängernavi“ möglich sein.

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      • Leser schreibt:

        Avchso, und: Es gibt natürlich auch Navigations-Anwendungen für Smartphones, welche auf den OpenStreetMap Daten basieren, die man sich für den Offline-Betrieb herunterladen kann, so dass sich diese Funktionalität prinzipiell ziemlich gut nachrüsten lässt (über die Usability solcher Anwendungen im Vergleich zum dedizierten Gerät kann ich nichts sagen).

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