Dreizehnhundertsechsundzwanzig

Ich blogge ja bei weitem nicht alles, was ich so erlebe. Vieles wiederholt sich in ähnlicher Form, oder ich halte es für zu banal, Zeit zum Schreiben dafür aufzuwenden.
Manchmal allerdings holt mich so eine Geschichte wieder ein.

Wieder einmal waren wir abends mit einem von Carsten’s Geschäftsfreunden und dessen Frau essen.
An das Essen erinnere ich mich gar nicht mehr, aber bei der Frau (die ich als Dagmar bezeichnen werde) blieb mir im Gedächtnis, dass sie das Gespräch immer wieder auf ihren Antiquitätenladen lenkte. Während später Carsten mit ihrem Mann Geschäftliches verhandelte, nervte mich Dagmar unsäglich damit, dass sie hartnäckig versuchte, mich in ihren Laden einzuladen: „Ich habe so schöne Stücke!“, „Die müssen Sie sich anschauen!“, „Da ist sicherlich auch etwas für Ihre Wohnung dabei.“ Und so weiter in diesem Stil.
Ich lege Wert auf Funktionalität, Ergonomie und Usability. Irgend so ein altes nutzloses Gerümpel, das nur rumsteht und Staub fängt, kommt mir ganz sicher nicht in die Wohnung!
Es fiel mir schwer, freundlich zu bleiben, aber irgendwann war der Abend überstanden, und ich konnte beginnen, ihn zu vergessen.

Bis mich Carsten wieder daran erinnerte: „Du, Samtpfötchen, wann schaust du dir denn endlich Dagmar’s Antiquitäten an?“
„Äh .. gar nicht. Solches altes Zeugs brauche ich nicht.“
„Solange du nicht dort warst, kann ich das Geschäft mit ihrem Mann nicht abschließen. Für ihn ist das Voraussetzung. Du hattest ihr doch versprochen, dir den Laden anzusehen.“
(Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, von Carsten’s Suppliern Aufträge zu erwarten. Und auch Carsten würde eine Auftragsvergabe keinesfalls davon abhängig machen, dass jene mit mir vorher ein Geschäft abschließen. Aber einige Leute scheinen das gerade so zu handhaben.)

„Nein. Versprochen hab‘ ich gar nichts. Ich habe lediglich vage angedeutet, dass ich es nicht ausschließe, gelegentlich mal vorbeizuschauen. Und das auch nur, damit sie endlich Ruhe gab.“
„Ich komme aber so mit meinen Geschäften nicht weiter. Also fahr‘ einfach mal hin, und kauf‘ dir dort irgendwas.“
„Ich will keinen alten Krempel in meiner Wohnung.“
„Dann verkauf‘ es weiter oder schmeiß‘ es auf den Müll. Aber kaufe etwas.“
„Für so einen Schrott gebe ich kein Geld aus.“

„Lass‘ es über die Firma laufen. Als ein repräsentatives Dekorationsstück für das Büro oder so. Dann kann ich es steuerlich absetzen.“
„Einschließlich Fahrt kostet mich das mindestens einen Nachmittag“, gab ich zu bedenken, denn ich hatte absolut keine Lust dazu, und bin außerdem so kurz vor dem Urlaub eh im hektischen Endspurt.
„Bitte, Anny, tu‘ mir den Gefallen“, bat er nachdrücklich, „Sonst kann ich das Geschäft vergessen.“
„Hm“, gab ich nach, denn er hat mir auch schon einiges Gutes getan, für das ich mich so revanchieren könnte, „aber nur dir zuliebe. Und ich kann nicht garantieren, dass ich mich überwinden kann, dort etwas zu kaufen.“

„Weißt du was, frag‘ Sonja, ob sie dich begleitet. Sie hat eher Sinn für solche alten Stücke, und müsste jetzt in den Ferien Zeit haben. Oder meinetwegen auch Yvonne.“
„Am besten auch noch Larissa“ [das ist Thomas‘ Freundin], ergänzte ich sarkastisch.
„Mach‘ das, wie du willst, bloß möglichst schnell – also gleich nach dem Urlaub – , damit ich das Geschäft endlich abschließen kann.“

Nun denn, so sei es. Mich würde es nicht wundern, wenn der Besuch dann noch einmal Stoff für einen Blogeintrag hergäbe.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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50 Antworten zu Dreizehnhundertsechsundzwanzig

  1. Molly L. schreibt:

    Ohhhh, Annie auf Mädels-Shoppingtour! Gnihihi! Sorry, aber ob des zu erwartenden Unterhaltungswertes stößt mein Mitleid rasch an seine Grenzen!

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  2. Jezek1 schreibt:

    Ist doch prima, dann wäre das erste Weihnachtsgeschenk für die 2016er-Saison schon erledigt; und der Beschenkte gleich mit dazu…

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    • Nee! Solchen alten Kram, den ich selbst nicht geschenkt haben möchte, verschenke ich nicht.
      Außerdem geht das auf Firmenkosten. Wenigstens etwas.

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      • Jezek1 schreibt:

        Naja, so wie der Wurm dem Fisch schmecken soll sollte das Geschenk dem Beschenkten gefallen und nicht einem selber. Und es gibt immer wieder Leute mit „bad taste der Extraklasse“; da findet sich bestimmt auch jemand der alten Plunder großartig findet.

        Also ich verschenke oft einen „richtigen Müll“; aber nur, weil ich es nicht verstehen kann wie man an bestimmten Dinge Freude haben kann. Wenn’s dem anderen aber gefällt, ist dies für mich in Ordnung; mission accomplished.

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        • sevens2 schreibt:

          Interessante Frage. Es spricht einiges dafür, beides zu verbinden. Etwas zu schenken, dass man selber gerne gehabt hätte bedeutet einen Verzicht/Opfer, zu Gunsten der anderen Person.

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        • Aber woher weißt du, dass es dem Empfänger gefällt?
          Wenn ich etwas verschenke, das ich selbst überhaupt nicht gut finde, hat das einen fad-säuerlichen Beigeschmack.

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          • Jezek1 schreibt:

            In der Regel kennt man ja den anderen/zu Beschenkenden; kennt seine Vorlieben, Interessen, Hobbies usw. Wenn also jemand eher modern eingerichtet ist wird eine Biedermeierkommode wohl kaum auf Begeisterung stoßen; einen Vegetarier zum Überraschungsdinner ins Steakhouse einzuladen zeugt auch nicht gerade von ausgeprägten Einfühlungsvermögen usw.

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            • Bei Leuten, die ich gut kenne, mache ich mir schon die Mühe, etwas zu finden, bei dem ich davon ausgehe, dass es ihnen gefällt.
              Zu wissen, dass ihnen etwas nicht gefallen wird, ist aber wesentlich einfacher, als zu erahnen, was ihnen wirklich eine Freude macht.

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  3. aliasnimue schreibt:

    Vielleicht findest Du interessante Bilder oder Drucke?

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  4. idgie13 schreibt:

    Dass man Geschäfte von einem Gegengeschäft des Partners abhängig macht, hab ich auch noch nicht erlebt. Das finde ich hochgradig unprofessionell.

    Letzthin war ich auch in so einem Laden, weil ich beim Vorbeifahren einen wirklich schönen Holzsekretär mit ganz vielen kleinen Schubladen gesehen hatte. Leider war der wohl schon weg – der ganze andere Krempel hat furchtbar vor sich hin gemuffelt. Ich war schnell wieder draussen.

    Einkaufen ist auch nicht so meins – das ist für mich lästige Pflicht. Selbst Lebensmittel kaufe ich mit optimiertem Zettel und wenn’s geht, nur 1x pro Woche.

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    • Ja, unprofessionell ist der richtige Ausdruck dafür. In dieser Form hatte ich das auch noch nicht erlebt.
      Kann ich nur leider nicht beeinflussen.

      Mit dem Einkaufen von Lebensmitteln oder Dingen des täglichen Bedarfs habe ich mich einigermaßen arrangiert. Es muss halt sein.
      Was darüber hinausgeht, shoppe ich ungern, weil das meist nur Frust bedeutet.

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      • idgie13 schreibt:

        Wenn ich gezielt etwas suche, finde ich das meist auch nicht. Generell bin ich beim Einkaufen eher wie ein Mann: z.B. sehe ich nur schwarze Hosen, wenn ich eine schwarze Hose suche und die muss genau so sein, wie ich mir das vorstelle. Mehr als 3 probiere ich nicht an. Wenn da keine dabei ist, kaufe ich halt nix.

        Ganz selten sehe ich im Vorbeigehen was, das mir gefällt – das kaufe ich dann auch grad so.

        Aber shoppen gehen: ein absoluter Graus.

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        • aliasnimue schreibt:

          Lebensmittel gehe ich gerne einkaufen. Aber Klamotten shoppen mache ich auch nicht gerne. Das geht soweit, dass ich online bestelle, da habe ich was gefunden, wo man sich die Sachen sogar von Modellen vorführen lassen kann.

          Ich finde diesen Tauschhandel sehr suspekt und ganz schön dreist.

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          • idgie13 schreibt:

            Ich kaufe fast nur Grund-Lebensmittel, weil ich alles selber koche und backe. Der Einkaufszettel ist orientiert am Laden schon so geschrieben, dass ich von vorne nach hinten durchlaufen kann, ohne noch einmal einen Gang wiederholen zu müssen. Ich mag Ineffizienz nicht.

            Online bestelle ich nichts mehr, weil alles nur noch aus China u.ä. kommt. Das Zurückschicken nervt mich. Ich kaufe lieber Stoff und nähe selber – dann weiss ich, wo und wie es produziert wurde. Stoff kauf ich wenn möglich direkt ab Fabrik.

            Ich hoffe, die weitere Zusammenarbeit erfolgt dann ohne weitere Erpressungen.

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        • sevens2 schreibt:

          Noch nicht ganz wie ein Mann. Ein Mann kauft dann 3 Exemplare der selben Gattung. … Was mich an Konkubinen erinnert.

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        • Bei gezielter Suche kann das bei mir lange dauern, und endet meist erfolglos.
          Deshalb gehe ich – wenn überhaupt – ergebnisoffener ran.
          Etwa: „Ich könnte mal wieder eine neue Sommerbluse für’s Büro gebrauchen.Also halte ich die Augen offen, ob ich etwas geeignetes finde.“
          Wenn ich dann stattdessen ein Freizeittop finde, bin ich zufrieden.

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    • sevens2 schreibt:

      Besonders abwegig ist das nicht (obgleich nervtötend, in gewissen Fällen). Das ist eine Sache der Vertrauensbildung.

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  5. Alex ii schreibt:

    Liebe Anne – nun sei doch nicht so negativ.

    Vielleicht findest Du ja eine kommentierte Ausgabe von Euklid’s Elementen oder etwas ähnlich Lesens- und Besitzenswertes 🙂

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  6. sevens2 schreibt:

    Nimm das Ponyhof-Mädchen mit, und kauf eine Pferdestatue. Falls es Pferdebüsten gibt, nimm ein paar davon.

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  7. ednong schreibt:

    LOL – ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

    Ja, mache Geschäftspartner sind einfach schrecklich. Aber wenn man es denn mit allem Drum und Dran – Fahrt, dein Aufwand, etc. – steuerlich absetzen kann, kann man es nur achselzuckend hinnehmen. Dann gibt die arme Seele (des Geschäftspartners) endlich Ruh‘!

    Und ich stimme dir bzgl. altem Krempel absolut zu – fängt nur Staub ein …

    Ach ja, und ein neuer Avatar? Nur heute? Oder dauerhaft?

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  8. Engywuck schreibt:

    such was scheussliches für Herrn Grau (?) aus :-p

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  9. Vesperzeit schreibt:

    Die Dame ging Dir wohl schon aus nicht genannten Umständen nicht wirklich nah.
    Weshalb der „Druck“ ihr etwas abzukaufen?
    Du bist in Gedanken die „1“ sie die „0“.
    Lösche sie auf der Stelle!!!!
    Da muss deren Partner deinem aber was unbschreibliches mitgeteilt haben, dass er sich einen Vorteil verspricht, umsich daraus durch Deine Anteilnahme einen Profit zu erhoffen.

    Wieso machst Du denn ab so! einem Moment mal nicht einen „wirklichen“ BreakPoint?

    GOTO store, GET coffee, CLR all, RETURN home, SLEEP well 🙂

    Schönen Urlaub 🙂

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