Dreizehnhundertachtzehn

In der Fertigung werden gerade neue Maschinen eingebaut und installiert. Als ich vom Mittagessen zurückkam, fiel mir ein, dass ich ja einmal schauen könnte, wie es dort voran geht.

Ich betrat also den entsprechenden Raum, wo zwei Monteure in Arbeitsanzügen mehr oder weniger eifrig vor sich hinwerkelten. Der Ältere hatte eine Halbglatze, der Jüngere eine Frisur, die mich halb an Trump, halb an Milo erinnerte, nur etwas dunkler.
„Mahlzeit“, begrüßte ich die Monteure, „klappt alles? Kommen Sie gut voran?“
„Hm“, murmelte der Ältere.

Mit einem mürrischen „Hm“ wollte ich mich nicht zufriedengeben. Deshalb versuchte ich es mit einem anderen Ansatz.
Aus einer Einlassung im Boden standen mehrere etwa daumendicke Schrauben ungefähr 20 Zentimeter empor.
„Oh, das sind aber große Schrauben!“, rief ich bewundernd, „dafür brauchen Sie doch bestimmt auch großes Werkzeug!“
Milo-Donald setzte zu einer Antwort an, aber der Ältere schnitt ihm das Wort ab, und meinte: „Wir müssen hier arbeiten, Gnädigste.“

Gnädig bin ich schon mal gar nicht. Und die Chance, dass ich ihnen einen Kaffee oder sonst ein Getränk bringe, haben sie spätestens jetzt auch verspielt.
Also erwiderte ich hold lächelnd, aber sehr bestimmt: „Selbstverständlich. Und ich möchte mich jetzt nach Ihren Arbeitsfortschritten erkundigen.“

Offensichtlich nicht gerne, aber immerhin, erklärte mir der Ältere nun doch kurz, was sie bisher geschafft hatten, und was noch zu tun ist. Na, also.

Ich bedankte mich freundlich für die Auskunft, verabschiedete mich, und machte mich wieder selbst an meine Arbeit.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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27 Antworten zu Dreizehnhundertachtzehn

  1. plietschejung schreibt:

    Tja, die beiden hatten ein Problem und du hast sie vielleicht beim Grübeln über die Lösung gestört.

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  2. Dieter schreibt:

    Da hattest du noch Glück, das sie dir dann doch sagten, was sie machen bzw. wo sie mit ihrer Arbeit sind.
    Mir hatte vor Jahren mal ein Handwerker auf meine Frage wie es denn so Laufe geantwortet „Wenn sie mich weiterhin stören packe ich meine Werkzeuge ein und gehe“.
    Um so mehr habe ich ihm anschließend auf die Finger geschaut 🙂

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    • Dass es stört, wenn jemand ständig im Weg steht, oder nervt, wenn jemand Unbeteiligtes zuguckt, kann ich noch verstehen.
      Ich wollte halt mal schnell schauen, wie der aktuelle Status ist. Wenn es sich ergeben hätte, ein kurzer Plausch.

      Hätten sie gedroht, aufgrund meiner Anwesenheit zu gehen, und dieses sogar umgesetzt, hätte ich mich wohl bei ihrem Arbeitgeber beschwert, der vertraglich zu dieser Einbauleistung verpflichtet ist, und dafür ja auch Geld sehen will.

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  3. claudius2016 schreibt:

    Ich könnte mir vorstellen, dass der Ältere genervt war, weil Du als junge Frau ihn nach seiner ach so schwierigen Arbeit gefragt hast.
    Erstens bist Du jung, zweitens eine Frau…
    Die Vorurteile stecken leider noch in vielen Köpfen.

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  4. su schreibt:

    Als Akademiker mit reichlich Baustellenerfahrung und Verwandter einer Mathematikerin kann ich das Problem (als Ferndiagnose) relativ klar erfassen: Du bist in die klassische Snobismus-Falle getappt:

    Die meisten Handwerker halten nichts von Akademikern, schon gar nicht auf ihrem Handwerksplatz. Diese grundlegende Abneigung muss erst durchbrochen werden bevor eine normale und funktionierende Kommunikation aufgebaut werden kann.
    Dazu muss man sich vor Augen halten, dass jeder der da dazukommt und Fragen stellt erst mal ein Störfaktor ist und dementsprechend nach dem Kriterium „Wird er mir helfen meine Arbeit schneller zu machen oder wird er mich Zeit kosten?“ Es ist also wichtig klar zu machen, dass man:

    1: Man das Gegenüber als Erwachsenen Menschen ernst nimmt.
    also: Das Gespräch nicht mit einem blöden Spruch über etwas ganz normales und richtiges beginnen. Die Grösse der Schraube ist eine technische Notwendigkeit und kein geeigneter Eisbrecher (erst später bei einem interessierten Nachfragen möglich um das Gespräch thematisch auszuweiten und die Expertise des Gegenübers durchklingen zu lassen). Normaler Smaltalk ist besser, der Ansprechpartner ist ein erwachsener Mensch auch wenn er aussieht wie ein Handwerker. Wahrscheinlich ist er sogar ein relativ intelligenter und vernünftiger Zeitgenosse (gerade von einem Maschinenmechaniker kann man heutzutage eine ganze Menge erwarten) so sollte er auch behandelt werden.

    2: Nicht einfach so gekommen ist um sich die Zeit zu vertreiben, sondern das man ein konkretes Anliegen hat.
    also: eine klare Frage stellen und nicht zuviel sinnlosen Smaltalk anwenden, kein Mensch wird gerne während der Arbeit gestört um über Unwichtigkeiten zu plaudern. Dabei ein wichtiger Rat: eine Pause nicht zu schnell unterbrechen, erst mal warten bis das Loch gebohrt, der Sack getragen,… ist und dann erkundigen wer hier vor Ort der Chef ist. Quatschen mit Externen ist Chefsache, alles andere bringt die Strukturen durcheinander.

    3: Das man in seinem Bereich dieses Anliegens kompetent ist.
    Das ist eine Kommunikationskompetenz die erlernt werden kann. Der Habitus eines Menschen der nie (richtig) handwerklich gearbeitet hat ist ein anderer als der eines Handwerkers und das sehen die Leute. Dieser Graben ist ungleich wichtiger als die Kriterien zu jung/Frau (die erhöhen nur die Wahrscheinlichkeit das ersteres eintrifft). Das heisst nicht das man den Habitus des Gegenübers kopieren soll, sondern man muss nur das kleine extra finden das die Brücke von einer Welt in die Andere schlagen kann.

    Fazit: eigentlich ist nichts anders passiert als das ein Störefried die Arbeit unnötigerweise unterbrochen hat und und mit dementsprechend wenig Enthusiasmus abgefertigt wurde.

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    • Danke für deinen ausführlichen Kommentar.
      Ich werde mir das mal in Ruhe zu Gemüte führen.

      Dass ich Akademikerin bin, wussten die Monteure gar nicht.

      Meine Absicht war keineswegs, den Arbeitsablauf zu stören.
      Aber ich habe das Recht, eigentlich sogar die Pflicht, mich auf dem Laufenden zu halten.

      Wenn ich mich bei Kunden aufhalte, bin ich aufgeschlossen, wenn mich dortige Mitarbeiter ansprechen, und ich bemühe mich dann, eventuelle arbeitsbezogene Fragen zu klären.
      Von dieser Einstellung war ich auch bei den beiden Monteuren ausgegangen, denn schließlich sollten auch diese bestrebt sein, zahlende Kunden nicht zu verprellen.

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  5. su schreibt:

    Ich möchte natürlich niemandem etwas schlechtes unterstellen, die Situation liest sich für mich allerdings relativ typisch für das grundlegende Problem.
    Die Hauptursache für solche Konflikte ist eine doppelte.

    1. Das was ich in meinem ersten Beitrag erklärt habe: Ein Kommunikationsproblem
    Ein einfaches “ ich bin und würde mich gerne über den Fortschritt der Arbeiten erkundigen.“ Im Idealfall noch angereichert mit “ hat versprochen das alles bis erledigt sein sollte. Kommen sie gut voran oder gibt es Probleme? Gibt es etwas das ich für sie tun kann?“ (oder so ähnlich) ist inhaltlich absolut tauglich, der Rest ist auf der nonverbalen Ebene beheimatet.

    2. Snobismus (it works both ways): in diesem Fall Klassenabgrenzung der Handwerkenden Bevölkerung gegenüber jenen die (wahrgenommenerweise) nix richtiges tun. Das ist zwar ein reines Vorurteil, es gibt auch faule und inkompetente Handwerker, aber das Vorurteil das in einem Büro zu sitzen gleichbedeutend mit nix tun ist hält sich unter Handwerkern grosszügig. Wenn man etwas von Ihnen will muss man die Brücke schliessen und rüberkommen. Es hilft natürlich breite Schultern und einen kräftigen Händedruck zu haben, aber es werden auch andere Formen von Kompetenzbeweisen akzeptiert.

    1 ist nachvollziehbar und liegt in der Natur des Menschen, damit muss man leben, 2 ist zwar auch allgemein verbreitet, sollte aber eigenltich zu überwinden sein.

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    • claudius2016 schreibt:

      @Su: finde ich sehr gut beschrieben!

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    • OK, mit Handwerkern habe ich nicht oft zu tun.
      Trotzdem kann ich ja das nächste Mal versuchen, meine Kommunikation zu verbessern.

      Ich sehe jetzt auch keinen so großen Unterschied zwischen der von dir vorgeschlagenen Formulierung und meinem „Mahlzeit, klappt alles? Kommen Sie gut voran?“
      Halt etwas kürzer gefasst, da ich mich ja gar nicht lange dort aufhalten wollte.
      Bei geäußerten Problemen hätte ich sie selbstverständlich beim Finden einer Lösung unterstützt.

      Schade, dass die Monteure heute schon fertig sind, sonst hätte ich den GF gebeten, zu checken, ob sie ihm gegenüber ähnlich reagieren.

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      • claudius2016 schreibt:

        Wußten die denn wer und was Du bist?

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        • Nein, ich habe mich nicht ausdrücklich vorgestellt, weil ich auf unnötige Formalien verzichten wollte.
          Allerdings war es IMHO klar, dass nur autorisierte Personen überhaupt Zutritt hatten.

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          • Claudius2016 schreibt:

            Dir war das klar, mir auch. Aber Du hastmal geschrieben, dass Ihr keine Firmenausweise habt, also werdet Ihr auch kein Besucherbuch haben. Woher soll er also wissen, dass bei Euch irgend etwas sensibel ist und nicht jeder ueberall hin darf? Auf Deinen Fotos jedenfaĺls wirkst Du nicht wie eine typische Fuehrungskraft…

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            • Doch, es gibt schon Firmenausweise. Ich hatte nur lange keinen – inzwischen aber schon.
              Und es gibt auch einen Pförtner, der darauf achtet, dass nur befugte Personen das Gebäude betreten.

              Vielleicht hielten sie mich für eine Sekretärin, oder sonst was. Kann sein.
              Aber warum hätte jemand, ohne berechtigtes Interesse sich nach den Arbeitsfortschritten erkundigen sollen? Das ist den meisten Angestellten doch egal.

              Du kannst davon ausgehen, dass ich im Büro halbwegs dezent und professionell gekleidet bin. Nicht so wie bei den Dessousfotos.

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      • Alex ii schreibt:

        Mahlzeit ist eine vertraute Anrede.

        Ihr seid offensichtlich nicht vertraut, aber du nimmst Dir heraus, diese zu verwenden.
        Damit stellst Du Dich über die Handwerker.

        Dadurch geht die Chance für
        * Klasseneinstufung
        * Abwehrhaltung
        gewaltig nach oben.

        „Schönen Guten Tag, wie kommen Sie voran?“ ist inhaltlich kein Unterschied, hätte aber (auch wenn eigentlich übertrieben) die Bauchpinsellei des Respekts gegenüber der anderen Person transportiert, und damit auch die Chance auf einen leichteren Einstieg erhöht.

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        • Es mag regional unterschiedlich sein, aber hierzulande ist „Mahlzeit“ der absolut übliche hierarchieübergreifende Gruß zwischen sämtlichen Berufstätigen um die Mittagszeit herum.
          Dazu muss man sich nicht persönlich kennen, noch nicht mal beim selben Arbeitgeber beschäftigt sein. Diesen Gruß habe ich schon über sämtliche Schichten hinweg gehört. Er wird überall akzeptiert.

          Mit einem „Guten Tag“ dagegen wird man hier sofort schief angesehen.
          „Hallo“ wäre zu vertraut, „Grüß Gott“ recht förmlich.

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    • Jezek1 schreibt:

      In diesem Post ist viel Wahrheit enthalten; ich kenne beide Seiten sehr gut aus eigener Erfahrung. Gerade als „Nur“-Akademiker hat man es nicht immer leicht bei den blue collar Kollegen. Da muss man sich erst seine Sporen verdienen und wird gerne mal auf die Probe gestellt.

      Mir wollte mal ein älterer Handwerksmeister in einem längeren Monolog erklären warum etwas nicht funktioniert wie ich es vorgeschlagen habe. Als sein Redeschwall erschöpft war (und er wohl auch; er war sich seiner Sache sicher) habe ich Ihn gebeten doch mit an die Drehmaschine zu kommen und das besagte Bauteil mir zu geben. Dann habe ich eben kurz das Bauteil selber abgedreht bis es gepasst hat. He was not amused…

      Fazit: Lieber Kinder, es ist nie ein Fehler erst etwas „Anständiges“ zu lernen!

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  6. Pingback: Tweets trotz Grabesruhe //1517 | breakpoint

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