Dreizehnhundertzehn

Jedem der länger in der Blogosphere aktiv ist, und häufig kommentiert, passiert es früher oder später, dass ein Kommentar auf eine Weise beantwortet wird, die offensichtlich dazu dienen soll, jenen zu diskreditieren oder lächerlich zu machen.
Gehen wir nicht gleich vom worst case eines Trolls aus, sondern einfach von jemanden, der einen aus unerfindlichen Gründen nicht mag.
Eine freundlich-sarkastische Replik wäre schnell formuliert, und in der Tat juckt es in den Fingern.
Aber soll man wirklich antworten?

Manchmal bin ich schon der Versuchung erlegen, und habe etwas erwidert.
Aber eigentlich muss man doch nicht jeder Provokation nachkommen. Ich arbeite an mir, so etwas zu ignorieren, und habe bisweilen auch durchaus Erfolge verzeichnet.
Eine Erwiderung hätte den Nachteil, dass man sich darauf einlässt, und zwar auf einem Niveau, das man nicht selbst vorgegeben hat. Die Person erhält Aufmerksamkeit. Die Angelegenheit könnte eskalieren. Das ist es meist nicht wert. Es mag auch bei späteren Lesern als unsympathisch und zänkisch rüberkommen, insbesondere, wenn die einen nicht kennen.
Auf der Vorteilsseite dagegen steht, dass sich die betreffende Person hoffentlich richtig ärgern würde, und das ist ja auch etwas wert!

Reagiert man jedoch nicht, besteht die Möglichkeit, dass sich die Person weiterhin bestätigt fühlt, und spätere Leser, die die Zusammenhänge nicht kennen, einen falschen, ungünstigen Eindruck gewinnen.
Positiv dagegen wäre, dass man dem Affen nicht noch Zucker gibt, und ihn so aushungert, was ihn vielleicht noch mehr ärgert – wer weiß. Und die anderen Leser auf diesem Blog nehmen diese Person ohnehin schon lange nicht mehr ernst, und wissen, was sie davon zu halten haben.

Als sinnvoll hat sich das Vorgehen erwiesen, erst einmal abzuwarten. Eine sofortige Reaktion erwartet ohnehin niemand.
Und siehe da, während ich bereits einen Antwortentwurf formuliert habe, und mich noch sehr zurückhalte, ihn nicht sofort abzusenden, wurden bereits Antworten von anderen Kommentatoren gegeben. Zurechtweisend, ironisch, entlarvend, agree-and-amplify.
Danach sehe ich keinen Handlungsbedarf mehr. Es ist manchmal erstaunlich, von wem man Rückhalt erhält.

Ein anderes Dilemma tritt auf, wenn auf dem eigenen Blog zwei Kommentatoren einen Konflikt austragen. Inwieweit soll man da eingreifen?
Natürlich sind persönliche Beleidigungen oder Beschimpfungen absolut inakzeptabel, aber so weit muss es ja gar nicht eskalieren. Unvereinbare Meinungen bei einer Nebensächlichkeit können schon für einen unkonstruktiven Dialog ausreichen.
Wenn man die betreffenden Kommentatoren schon länger kennt, vielleicht sogar sehr schätzt, so dass man davon ausgehen kann, dass sie eigentlich nicht auf Krawall aus sind, hängt man sich besser nicht hinein, und lässt es sie am besten selbst austragen.
Etwas anderes ist es bei neuen Kommentatoren, oder bei solchen, bei denen man weiß, dass sie gerne mal provozieren oder sticheln.

Wieder ein anderes Problem kann sich beim Kommentieren ergeben, wenn sich eine Person durch Einsichtsverweigerung und moralisierende Scheinheiligkeit auszeichnet, sich regelrecht in ihrer begriffsstutzigen Selbstherrlichkeit suhlt.
Wie geht man mit solchen Personen um, insbesondere wenn ihr intellektuelles Niveau es nicht zulässt, feinsinnig-hintergründige Sticheleien zu verstehen, aber bei sachlicher Kritik an konkreten Äußerungen gleich beleidigt ist, und sich angegriffen fühlt? Freundliche Erklärungen versteht sie nicht, bei verständlichen Erklärungen ist sie eingeschnappt.

Kommentieren und kommentiert werden ist also grundsätzlich mit Konfliktpotential verknüpft, das manchmal nur schwer zu handlen ist.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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40 Antworten zu Dreizehnhundertzehn

  1. claudius2016 schreibt:

    Dumme Kommentare haben mich dazu gebracht, keine Fotos mehr in der fotocommunity.de zu veröffentlichen und mich in anderen Foren weitgehend zu enthalten. Leserbriefschreiber und Forenkommentierer haben oft niedriges Stammtischniveau, das brauche ich nicht.
    Da sind hier die Kommentare (und natürlich die Beiträge) deutlich besser…

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  2. Molly L. schreibt:

    Ich steh auf solche Beiträge: Ich fühle mich dabei immer irgendwie angesprochen … Ist, wie wenn ich Auto fahre und jemand in der Nähe hupt, da denke ich auch immer sofort, ich wäre gemeint – und manchmal bin ich’s auch! 😉
    Zurück zum Thema: Abwarten ist oft das Beste, vor allem, wenn die Gefühle hochkochen. Früher habe ich Blödkommentare beantwortet, aber drinstehen lassen. Heute sehe ich das anders: Mein Blog, meine Regeln! Und wenn sich irgendwo in meinem schönen Blig Dreck ansammelt, wird er weggeputzt, ganz einfach. Spart Nerven und Lebenszeit.
    Mangelnder Beistand von Außen ist ätzend, ich mische mich da immer ein, wenn ich sowas sehe.

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  3. Dieter schreibt:

    Solche Überlegungen hatte ich auch einige Zeit, bis dahin zu überlegen das Bloggen aufzugeben. Nun entscheide ich aus dem Bauch und meiner Stimmung heraus zwischen Ignorieren, antworten oder löschen. Denn schließlich soll es mir und den Lesern meines Blogs Freude bereiten und keinen Stress.

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  4. sevens2 schreibt:

    Spezifischer Informationswert, Motivationswert, Unterhaltungswert, Kompetenzwert.

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  5. ednong schreibt:

    Oho,
    es ist also gefährlich, hier zu kommentieren? Da kenn ich noch einige andere Blogs, auf die das wohl eher zutrifft …

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  6. Plietsche Jung schreibt:

    Suchst du schon wieder Streit ? 🙂

    Der 🙂 macht wie immer die Musik. Wer der Smilies nicht Herr ist, kann gleich zuhause bleiben und im Keller lachen gehen.

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  7. Pingback: No Sweets, but Tweets //1502 | breakpoint

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