Zwölfhundertachtundsiebzig

Kürzlich hatte ich wieder mal diese Situation:

Eine Mitarbeiterin eines amerikanischen Unternehmens, von dem ich noch nie gehört hatte, kontaktierte mich, und fragte mich nach einer Liste bestimmter technischer Daten.
Also suchte ich (obwohl gerade Feiertag war) in der Dokumentation nach diesen Daten. Es gab sie aber nicht als Liste, sondern als Teil einer Tabelle. Um eine Liste daraus zu machen, hätte ich erst umständlich die Daten manuell umkopieren müssen – und zwar aufgrund der Tabellenstruktur und Formatierung jedes Item einzeln.
Wenn sie die Daten will, soll sie die gefälligst selbst rauskopieren. Ich mache nicht ihre Arbeit.
Deshalb schickte ich ihr einen Link auf das Dokument, und schrieb ihr, in welchem Kapitel die Daten zu finden seien. Eigentlich ein idiotensicheres Vorgehen.

Einige Stunden später kam die denkbar knappe Antwort, dass sie keine Liste gefunden hätte.
Am liebsten hätte ich es dabei belassen, denn sie ist keine zahlende Kundin, und mich kostet es trotzdem Zeit.
Da jedoch nicht ausgeschlossen ist, dass sie oder ihre Kollegen irgendwann einmal meine Dienste zahlend in Anspruch nehmen, oder mich an andere potentiellen Kunden weiterempfehlen, schrieb ich halt am nächsten Morgen doch noch zurück, wie die von ihr gesuchten Daten in der Tabelle eingebunden sind.

Immerhin hat sie sich dann später bedankt.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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20 Antworten zu Zwölfhundertachtundsiebzig

  1. Claudius schreibt:

    Ich halte es für normal, dass auf potentielle Kunden sorgfälltig eingegangen wird. Immerhin könnte es sich einmal, im wahrsten Sinn des Wortes, auszahlen…

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  2. Dieter schreibt:

    Tja so ist es mit möglichen Kunden … erinnert mich daran, das Bill Gades sein DOS auch nur an IBM verkaufen konnte, weil ein größeres Unternehmen keine Zeit fand, eine Demoversion vorzuführen, sondern der zuständige lieber ein Wochenende mit Angeln verbringen wollte.

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  3. Leser schreibt:

    Dazu kommt noch, dass Amerikaner sehr auf leere Höflichkeitsfloskeln bedacht sind. So sehr, dass sie unsere klare, direkte Art zu kommunizieren als „rude“ empfinden. Eine Einleitung wie „Hi Sarah, I hope you’re having a great day/week. I’m sorry I didn’t explain to you better how you can find the info you need in the document I linked to so, yo here’s how to get to the list: …“ und dann erst die Erklärung (+ eine entsprechende Ausgangsfloskel wie „I hope I could help you this time and wish you a great week + best regards from Germany, Anne Nühm“ am Ende) kann einen weiten Weg gehen (can go a long way) in die Richtung, einen Kunden aus Amerika zu gewinnen. Man kann sich das zu einem gewissen Grade angewöhnen, ist zwar manchmal etwas umständlich/anstrengend, aber oft werden dort eben solche Geschäftsentscheidungen auch von der „Freundlichkeit“ des Geschäftspartners abhängig gemacht. Ist halt die Frage, in wie weit man das als ein „sich verbiegen“ empfindet, oder eben bloß „die gesellschaftlichen Konventionen des Anderen achtend“…

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    • Solche Mails beantworte ich mit einer professionellen Freundlichkeit (z.B. bedanke ich mich für die Nachricht, und biete meist ausdrüclich an, sich bei weiteren Fragen wieder bei mir zu melden), aber ohne zu schleimen.

      Wem dies zu direkt ist, soll sich andere Dienstleister suchen. Ich habe keine Zeit, mit Noch-nicht-Kunden so lange herumzuschäkern.
      Bei Bestandskunden nehme ich mir eher die Zeit, um die Kundenbindung zu stärken.

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      • Leser schreibt:

        OK, verständlich. Und vermutlich ist das dann auch schon mal gar nicht so „schlecht“ im Vergleich zwischen unterschiedlichen Dienstleistern aus Deutschland – die Amerikaner sind halt eine übertriebene Höflichkeit/Smalltalk/“verbale Bloatware“ gewöhnt. Wenn man dann einfach nur schreibt „Hier finden Sie das und das“, ohne jegliche Floskeln (was bei uns eigentlich ausreichen würde), dann wird das dort halt schon als unfreundlich angesehen.

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        • Moment mal, sie hat – ohne irgendeine Anrede, Einleitung oder sonstiger Erklärung – nur geschrieben, dass sie diese Liste braucht. Noch ihr Name und Firma als Gruß. Das war’s.
          Ich habe sie wenigstens direkt angesprochen, geschrieben, wo die Daten zu finden sind, komplette Signatur samt best regards.
          Darauf ein Einzeiler, dass sie die Liste nicht findet.
          Soll ich da wirklich Romane zurückschreiben, wenn sie so kurzangebunden ist, dass ich ihr Kommunikationsverhalten eigentlich als unhöflich empfinde, zumal sie ja etwas von mir wollte.

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        • Irenicus schreibt:

          „was bei uns eigentlich ausreichen würde“
          Nicht nur das, ich finde es sogar ausgesprochen nervig, wenn ich mich erst durch zig Zeilen Small-talk lesen muss, um an die eine Zeile Information ranzukommen, die ich eigentlich will. Für mich ist das tatsächlich ein klares Negativ-Kriterium.
          Insofern ist das ein Fall von Kultureigenheit die beide Seiten unbedingt beachten sollten. Und man sollte sich, als Deutscher, auch nicht angewöhnen, immer auf die amerikanische Weise zu antworten, sondern eben genau nur dann.

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          • Von übermäßig ausschweifenden Kundenmails bin ich bisher verschont geblieben. Das würde mich auch nerven.

            Als störend empfinde ich aber übertrieben viele Kommentare im Source Code. Der Code sollte eigentlich selbsterklärend sein, und nicht durch unnötiges Blabla aufgebläht sein.

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  4. Pendolino70 schreibt:

    Meine tägliche Erfahrung im Umgang mit Amerikanern ist, das sie äusserst pragmatisch sind und generell eine freundliche Ansprache haben. Small Talk ist ein Muss, sie sind aber nachsichtig mit ungeübten Europäern 😊

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  5. Pingback: Tweets zur Überbrückung //1475 | breakpoint

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