Zwölfhundertsechsundsiebzig

Zwar trauten wir dem Wetter nicht so ganz, dennoch machten wir einen ausgedehnten Spaziergang.
Wir hatten diesmal den Weg zu einem schönen Biergarten gewählt, der nur leider den Nachteil hat, dass er über eine recht lange Strecke ziemlich steil bergauf geht.
Carsten scheint die Steigung überhaupt nichts auszumachen, während es mir schon schwer fällt, meine Masse nach oben entgegen der Schwerkraft zu beschleunigen. Männer schaffen es aufgrund des hören Muskelanteils i.A. leichter, die nötige mechanische Leistung aufzubringen.
In der Horizontalen können wir unsere individuellen Geschwindigkeiten ja viel besser aneinander anpassen, aber bei Steigungen bin ich langsamer, weil die Überwindung der Höhendifferenz anstrengt.
So zog er mich teilweise hinter sich her, weil mir seine Geschwindigkeit einfach zu hoch war, um auf Dauer mithalten zu können.

Nachdem wir trotzdem eine Familie mit Kinderwagen sowie ein übermästetes Paar überholt hatten, ereilte ihn irgendwann ein gewisses Bedürfnis, dem er nachgehen wollte. „Geh schon mal voraus. Ich hol dich sowieso gleich wieder ein“, meinte er.
Also ging ich in aller Ruhe alleine langsam weiter.

Nach einer Wegbiegung sah ich einen alten Mann mir entgegenkommen, neben ihm ein größerer Hund. Der Hund stürmte los in meine Richtung, und ließ sich von den Rufen des Mannes kaum beeindrucken.
Die Amygdalaaktivität stieg steil an. Adrenalin strömte aus. Mein Herz pochte. Beklemmung. Panik. Ich zwang mich trotzdem, meine Geschwindigkeit unverändert beizubehalten, und den Hund nicht direkt anzuschauen.
Der Mann rief weiterhin hinter seinem Hund her. Was nimmt er ihn auch nicht an die Leine, wenn der Köter nicht gehorcht?

Als der Hund an mir vorbeigerannt war, fiel die Angst von mir ab, und ich war erleichtert.
Kurz darauf lief auch sein Besitzer an mir vorbei, und versuchte weiterhin, seinen Hund zu sich her zu rufen.
Ich ging etwas schneller weiter, froh, dass die Gefahr an mir vorrüber gegangen war.
Als ich nach der nächsten Abzweigung eine Bank entdeckte, setzte ich mich hin, um auf Carsten zu warten.

Der kam ein paar Minuten später. Seine helle Leinenhose war verschmutzt, weil der Hund an ihm hochgesprungen war. Der alte Mann hätte es noch nicht einmal nötig gehabt, sich für das Verhalten seines Hundes zu entschuldigen.

Wir kehrten beim Biergarten ein, und machten uns danach wieder auf den Heimweg.
Auf dem Rückweg kamen wir doch noch in einen ganz kleinen Regen, der aber nicht störte, sondern einen Regenbogen an den Himmel zauberte. Das gebrochene Licht inspirierte uns zur Unterhaltung über Dispersion, Streustrahlung, Omega hoch vier, die Wasserstropfen zum Thema weißes Rauschen.

Daheim widmeten wir uns zunächst einer ausgiebigen Kurvendiskussion einschließlich Entwicklung nach Potenzen, anschließend gingen wir wieder zur Tagesordnung über.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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14 Antworten zu Zwölfhundertsechsundsiebzig

  1. sevens2 schreibt:

    Gravitation, Berge, und Hunde. Regenbogen sind das Mittel der Natur, darüber hinwegzutäuschen wie menschenfeindlich sie ist.
    Das gesagt, wer sich in die Natur begibt, sollte das Ringen ums Überleben schätzen. Gasthäuser sind bedeutungslos, wenn man auf dem Weg dorthin nicht einen Berg runterfällt, von einem Hund angefallen, und von Gewissheit befallen wird. Zimperliese.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Tu mehr für deine Kondition. Da ist mehr drin.

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  3. Pingback: Tweets zur Überbrückung //1475 | breakpoint

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