Zwölfhundertvierundsiebzig

[Eigentlich hatte ich in den nächsten Tagen vorgehabt, einen Eintrag über einige Aspekte der Annenühmität zu schreiben. Nun hat der Webmasterfriday ein ähnliches Thema vorgesehen, das andere Schwerpunkte setzt, aber dennoch einige Überlappungen hat.
Aber ich bin ja flexibel, und splitte meinen ursprünglichen Eintrag auf, bzw. ergänze beide Teile dann eben noch passend.]

Nachdem ich damals mit dem Bloggen angefangen hatte, schrieb ich schon bald eine Art „Impressum“, in dem ich begründete, warum ich anonym bleiben will.

Da war zum ersten die Möglichkeit, unerwünschte Stalker anzulocken, da ich kein Geheimnis daraus machte, dass ich .. äh .. Casual Sex nicht abgeneigt war. Es erschien mir einfach zu riskant, dies mit meinem realen Namen und Adresse zu verbinden.

Zum zweiten hatte ich Bedenken, dass meine berufliche Reputation darunter leiden könnte. Dies sehe ich inzwischen weitaus gelassener. Viele meiner Kunden verstehen ohnehin kein deutsch, und den anderen, die sich Zeit nehmen würden, in meinem Blog zu lesen, wäre ich vielleicht gar nicht so unsympathisch (und falls doch, möchte ich die auch gar nicht als Kunden).

Zum dritten befürchtete ich, dass die Enthüllungen mir nahe stehende Menschen verstören könnten. Ich dachte dabei in erster Linie an meine Eltern. Aber das sind überzeugte Offliner. Da müsste sie schon jemand mit der Nase auf mein Blog stoßen, und ob sie das dennoch mit mir in Verbindung brächten, ist fraglich.
Carsten habe ich inzwischen vom Blog erzählt. Ich konnte ihn davon überzeugen, dass er gar keine Details wissen will.

Während ich also von Anfang an vermeiden wollte, dass Personen, die mich offline kennen, mein Blog entdecken, kam irgendwann die Angst hinzu, dass Personen, die mich nur online kennen, irgendwann meine Identität aufdecken.
Ich habe mir ja durch das Bloggen nicht nur Freunde gemacht. Es gibt auch Personen, die mir alles andere als zugetan sind. Es wird mir wirklich angst und bange bei dem Gedanken, dass die mich im realen Leben aufspüren. Da könnte ich mich nie mehr sicher fühlen.

Wenn einer meiner Mitarbeiter oder sonst ein Bekannter mein Blog mit mir in Verbindung bringen würde, wäre mir das extrem unangenehm und peinlich.
Nur im Schutz der Anonymität kann ich offen und unzensiert schreiben.

[Bis hierher habe ich den Text nur gering verändert von meinem Entwurf übernommen. Es folgen jetzt noch ein paar Passagen die sich näher auf das WMF-Thema beziehen.]

Mein Blog-Pseudonym nutze ich ebenso auf Twitter. Sowohl Blogs als auch Twitter verschmelzen bei mir zu einer einzigen virtuellen Präsenz.
Ursprünglich genügte mir das Pseudonym „breakpoint“, aber irgendwann wurde es sinnvoll, auch einen Nickname zu haben, der wie ein bürgerlicher Name wirkte. „Anne Nühm“ erschien naheliegend, da es Anonymität implizierte.

Ich finde es auch bei anderen völlig OK, wenn sie unter einem Pseudonym auftreten, und sich nicht zu erkennen geben. Es wäre doppelmoralisch, von anderen einen Klarnamen zu erwarten, während ich selbst das für mich ablehne.
Von einigen meiner Leser oder Follower kenne ich dennoch den Realnamen, teilweise sogar die Adresse. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass ich diese Informationen strengstens vertraulich behandle.
Ich verstehe nicht so recht, wie man sich freiwillig in aller Öffentlichkeit mit seinem Klarnamen darstellen mag. Aber das muss letztlich ja jeder selbst wissen.

Vor einiger Zeit musste ich eine massive Spamattacke über mich ergehen lassen. Erst nach einigen Monaten war der Spuk ganz plötzlich wieder vorbei. Wäre ich unter meinem richtigen Namen bekannt gewesen, hätte das schlimme Auswirkungen haben können.
Ich kann deshalb die Gesetzgebung, die eine so strenge Impressumspflicht vorschreibt, nicht nachvollziehen.
Noch weniger verstehe ich, dass gerade Organisationen, die sich angeblich dem Einsatz gegen Online-Mobbing verschrieben haben, sich besonders durch Hassreden hervortun.

[Soweit zum Webmasterfriday. Den weiteren Annenühmitätstext gibt es demnächst, voraussichtlich irgendwann in der nächsten Woche.]

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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28 Antworten zu Zwölfhundertvierundsiebzig

  1. Pingback: Webmaster Friday - It's all about masquerade

  2. Sci Fanboi schreibt:

    Schön geschrieben.
    Exakt die gleichen Überlegungen habe ich mir für meinen Account bei Twitter gemacht. In der Pseudonymität habe ich die Freiheit relativ viel von mir preiszugeben, ohne negative Auswirkungen auf mein Reallife befürchten zu müssen.
    So kann ich ausschliessen, daß Fans oder Hater bei mir vor der Türe stehen (falls diese sich drau’n und zu mir kommen!) oder Kunden Dinge über mein Privatleben erfahren, die sie nichts angehen.
    Bei allen persönlichen Sachen, die ich poste, nehme ich kurz den Blickwinkel eines hypothetischen größten Feindes ein und überlege, was dieser für maximalen Schaden für mich damit anstellen könnte. Das nehme ich dann in Kauf oder auch nicht. Und manchmal reizt mich diese Gefahr so sehr, daß ich vielleicht ein bisschen zu übermütig auf dem Seil tanze! 😉

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    • ACK.
      Mit Klarnamen stellt man sich völlig schutzlos in die Öffentlichkeit. Das geht nur, wenn man im Grunde nur Allerweltsbanalitäten zu verkünden hat.
      Wer wirklich auch offen über sehr persönliche Einzelheiten schreiben will, oder auch unkonventionelle Gedanken abseits des Mainstreams äußert, für den birgt ein Klarname viele Risiken, die ich zumindest nicht eingehen möchte.

      Ein Klarnamenzwang wird ja häufig damit begründet, dass man seinen Namen ja ruhig nennen könne, wenn man „nichts zu verbergen“ hat.
      Aber das schützt niemanden vor militanten oder kriminellen Personen, die abweichende Meinungen vertreten und durchsetzen wollen.

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  3. Pingback: Klarheit mit Klarnamen oder anonym hinter Pseudonym « Putzlowitscher Zeitung

  4. Leser schreibt:

    Vor vielen Jahren, lange bevor ich Dein Blog kannte, bzw. bevor dies überhaupt existierte, hatte ich einmal beruflich Zugriff auf einen Datenbestand, mit dem ich Deine reale Identität herausfinden hätte können: Einfach E-Mail-Adresse eingeben, und ping! alle möglichen persönlichen Daten, Name, Adresse, Telefonnummer und so weiter.
    Nicht, dass es erlaubt gewesen wäre, das zu tun, aber zugleich gab es keine (offensichtliche) Möglichkeit für den Arbeitgeber, zu überwachen, welche Abfrage legitim war, und welche nicht – somit hat niemand, der sowas mal eben schnell getan hat, dafür eine Abmahnung bekommen.
    Will sagen: Wenn Du mit den Leuten, die nur Deine Online-Identität kennen sollen, auch per E-Mail kommunizierst, wäre es mitunter sinnvoll, dafür eine Adresse zu wählen, die nicht unweigerlich mit Deinem realen Namen verknüpft sein muss. Dass dem bei der Adresse, die ich von Dir kenne, so ist, weiß ich aber natürlich auch nur aufgrund dieses Jobs (der mich ansonsten in eine „nette“ Depression gestürzt hat, aber das ist hier OT). Natürlich kenne ich die E-Mail-Adresse auch nur wegen des gehäkelten (oder war es gestrickt?) Möbiusbandes, aber solche Zufälle liegen eben im Bereich des Möglichen. Nicht, dass ich unbedingt wissen wollte, wer sich hinter Deinem Pseudonym verbirgt, oder diese Information, wenn ich sie hätte, weitergeben würde – aber dies ist eben ein SPOF Deiner Annenühmität. Wie groß diese Gefahr ist (ich schätze ca. 0,005% der deutschen Bevölkerung hat einen Beruf mit Zugriff auf diesen Datenbestand – nicht, das alle davon auch darum wüssten), kannst Du selbst einschätzen, anhand von Zugriffszahlen, und mit wie vielen davon Du per E-Mail kommunizierst usw. (damit ließe sich sogar eine statistische Wahrscheinlichkeit berechnen, wie groß die Gefahr einer „Enttarnung“ tatsächlich ist).

    Bei der Impressumspflicht muss ich jedoch widersprechen: Eine rein private, nicht in irgend einer Weise gewinnorientierte Website wie dieses Blog braucht nach deutschem Gesetz kein Impressum, aber davon hatten wir es ja schon mal zur Genüge 🙂

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    • Falls jemand, wie auch immer, meine reale Identität herausfinden würde, hieße das ja noch nicht zwingend, dass er dies auch publik machen würde.
      Von dir etwa kenne ich deine ganze Adresse, und die ist bei mir sicher.

      Dass die Mail-Adresse eine Schwachstelle sein könnte, ist mir bewusst.
      Allerdings läuft der ihr zugeordnete Kundenaccount womöglich gar nicht auf mich selbst.
      Dennoch bin ich sehr zurückhaltend mit Mails, und kommuniziere lieber online oder über Twitter.

      Ein rechtsgültiges Impressum habe ich auf meiner geschäftlichen Website. Meine Daten dort sind auch über das Whois abrufbar.
      Für meinen geschäftlichen Leistungen stehe ich mit meinem Namen ein, aber sehr persönliche Details über mich, wie ich sie bisweilen blogge, müssen meine Kunden wirklich nicht wissen.

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      • Leser schreibt:

        …kommuniziere lieber online…

        Was ist damit gemeint? Das ist so eine vage Umschreibung, da könnte man sogar E-Mail darunter einordnen. Geradezu nichtssagend (außer, dass Du ungerne über Telefon, Fax oder Schneckenpost kommunizierst) 😉

        Und was das Impressum angeht: Da ich nur Deine privaten Blogs kenne, war mein Kommentar natürlich nur darauf zu beziehen. Bei geschäftlichen Webseiten ist das Impressum natürlich Pflicht, und es ist auch ziemlich logisch, dass man, wenn man geschäftlich mit Realname auftritt, dann eine anonyme Online-Persönlichkeit braucht, wenn man private Dinge im Netz teilen muss.

        Ich wollte jetzt noch eine bissige Bemerkung in die Richtung machen, dass Du ja Windows benutzt, und deshalb gar nicht wissen kannst, ob meine Daten bei Dir sicher sind, da fiel mir ein, dass dort ja momentan solcherlei Schadsoftware „Hip“ ist, welche die Daten komplett verschlüsselt, anstatt sie zu „klauen“ – na gut, damit kann ich leben 😉

        (Aber weil in meinem Bekanntenkreis leider viel zu viele Leute auch Windows benutzen oder gezwungen sind, es zu benutzen, wäre das doch auch mal ein Thema für einen Blogeintrag: Wie sichert man sein Heim-Windows ab? Genügt ein beliebiger kostenloser Virenscanner? Muss man unbedingt Geld für eine Schutzlösung ausgeben, wenn schon das Betruebssystem beim PC kostenlos dabei war? Oder so was halt… – Gut, der Werbeblocker ist natürlich eine zentrale Komponente im Schutzkonzept … aber halt, moment mal, Du surfst ja sogar mit dem IE [oder inzwischen evtl Edge?] im Web, und als ich das letzte Mal das zweifelhafte Vergnügen hatte, den nutzen zu müssen, gab es dort keine Möglichkeit, einen Werbeblocker einzubinden….und dann gilt dieses Ding auch so noch als inhärent unsicher, weil es von einer Firma kommt, die einfach keine sonderlich hohe fachliche kompetenz darin hat, Software vom Fundament ausgehend sicher zu konzipieren)
        Hmm, OK, ich hoffe, Du hast meine Daten irgendwo auf Papier 😉

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  5. Sci Fanboi schreibt:

    Ich vermute, wenn man nur stark genug will, und bereit ist einen gewissen Aufwand zu treiben, würde man wohl meine, als auch Annes Identität herausfinden können. Und das ganz ohne privilegierte Arbeitsposition und rechtlich mehr als dunkelgraue Methoden.
    Ich werde zwar keine konkreten Hinweise auf mögliche Herangehensweisen nennen, aber ich fühle mich dennoch recht sicher, daß diesen Aufwand bei mir weder aktuelle noch potentielle Kunden treiben werden. Feministinnen und white knights schon gleich garnicht. Die haben nämlich meist eh nur ein großes Maul. 😛
    (Ich vermute weiterhin, daß es bei Anne ähnlich sein wird)

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  6. sevens2 schreibt:

    „Viele meiner Kunden verstehen ohnehin kein deutsch (…).“ Ich kenne das Gefühl. Wir gehen unter.

    Ist dein pseudonymer zweiter Vorname Maria?

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  7. Pingback: Gesicht zeigen: Gegen Anonymität » 2bier.de

  8. Sabienes schreibt:

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du Anne Nühm bleiben willst (was schreibst du aber auch immer für ein Zeug tsss! 😉 )
    Gut, dass du deinen Mann davon überzeugen hast können, dass ihn deine Artikel nicht interessieren werden. Meiner nöselt immer gerne mal rum (wir sind ganz oft nicht einer Meinung). Ich hätte doch nix sagen sollen ….
    LG
    Sabienes

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    • Tja, dafür ist ein Blog doch da, dass man auch ungewöhnlichen Gedanken mal freien Lauf lassen kann.
      Ich nehme halt auch Rücksicht auf mein Umfeld, und ziehe es nicht mit hinein, indem ich reale Namen verwende.

      Glücklicherweise interessiert sich mein Mann so überhaupt nicht für Geblogge. 😈

      Schönes Wochenende und lg
      Anne

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  9. Pingback: Zwölfhundertsiebenundsiebzig | breakpoint

  10. Pingback: Pseudonym oder Klarname | You Big Blog Erfahrungsberichte

  11. Pingback: Tweets zur Überbrückung //1475 | breakpoint

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