Zwölfhundertachtundfünfzig

Bisher habe ich noch nicht viel über die Stadt geschrieben, in der ich wohne. Aber zumindest jedem halbwegs Ortskundigen dürfte inzwischen klar sein, dass ich mein Heil nicht im Sauerland zu erlangen suche.

Als Kind hatte ich überhaupt nichts mit dieser Stadt zu tun, und war nie dort gewesen. Mein Vater erwähnte sie ganz selten mal, weil er irgendwann mal (muss vor meiner Zeit gewesen sein) dort eine Schulungsmaßnahme mitgemacht hatte.

Das erste Mal, das ich in diese Stadt kam, war nach dem Vordiplom.
Da ich dieses mit Auszeichnung bestanden hatte, war ich in die engere Auswahl für ein Stipendium gekommen, und war von einer Stiftung eingeladen worden, ein Wochenende lang an einer Art Assessment Center (hieß damals noch nicht so) teilzunehmen. Das Assessment Center fand aber nicht in meiner Studienstadt statt, sondern in der nächstgrößeren (gemessen an der Studentenanzahl) Universitätsstadt.

Also fuhr ich mit drei oder vier Kommilitonen, die ebenfalls die Kriterien erfüllten, an einem Samstag Morgen in meine zukünftige Stadt.
Wenn ich mich an meine ersten Eindrücke erinnere, so war mein Koordinatensystem damals um 90° gegenüber meinem jetzigen verdreht, und auch der Ursprung um einige hundert Meter verschoben.

Wir Studenten mussten dann in Gruppen reihum Vorträge halten, und hatten Einzelgespräche mit den beurteilenden Professoren.

Um es kurz zu machen – ich bekam das Stipendium nicht.
Meine Fachleistungen waren nicht das Problem, sonst wäre ich gar nicht erst eingeladen worden. Aber die Verantwortlichen wollten einfach einen anderen Typ dafür. Ich bin eben recht zurückhaltend und abwartend – damals noch deutlich mehr als heute. Und die wollten jemanden, der viele Aktivitäten neben dem Studium pflegt. Da war meine Chorteilnahme zu wenig. Dass ich keine Tageszeitung abonniert hatte (weil das mein studentisches Budget überstrapaziert hätte, wo ich doch am Wochenende bei meinen Eltern und unter der Woche in der Universitätsbücherei lesen konnte) wurde mir ebenfalls sehr negativ ausgelegt, da ich angeblich zu wenig allgemein interessiert wäre.
Diese Ablehnung ging schon auf mein Ego, und das Geld hätte ich auch brauchen können, da ich ja kein BAFöG bekam. Aber andererseits war mir dieser betont elitäre Verein irgendwie unsympathisch, und es wäre auch erwartet worden, dass ich mich an bestimmten Projekten beteilige, zu denen ich keinerlei Neigung verspürte. (Und außerdem waren die Trauben eh viel zu sauer.)

Mein zweiter Kontakt mit meiner Stadt war, als ich zum Bewerbungsgespräch antrat für die Stelle, die ich später zwei Jahre lang ausübte.
Ich reiste mit dem Zug an. Vorher kam ich noch durch einen kleineren Ort mit größerem Bahnhof, so dass es mich recht verwunderte, dass der hiesige Bahnhof doch recht klein ist. Zwar ist hier ICE-Haltestelle, aber keine Umsteigemöglichkeit in andere Richtungen.
Ach, diese Geschichte hatte ich schon mal irgendwo verbloggt. Ist nicht weiter wichtig.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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14 Antworten zu Zwölfhundertachtundfünfzig

  1. Jezek1 schreibt:

    Tja, diese Ecke in Deutschland scheint generell einen sehr hohen Anspruch an den Tag zu legen um einen besonderen Ruf zu erlangen. Ich hatte vor Jahrzehnten ein Interview an einem bekannten Institut einer überregional Einrichtung der industrienahe Forschung; wohl auch Dank meiner sehr weit über dem Median liegenden Studienabschlüsse.

    Nun saß also der berühmte und hochdekorierte Prof. zusammen mit seinen Satelliten-Stab am Tisch und exerzierter meinen Lebenslauf. Als finale conclusio lies dann der honorige Herr Professor die Bemerkung fallen: „Herr Jezek1, jemand mit ihren Lebenslauf und ihren Noten neigt zu theoretisieren. Ich bin mit nicht sicher, ob mein Institut das richtige Umfeld für Sie ist“.

    Meine Antwort darauf: „Mir war nicht bewusst, dass Sie für Ihr Institut einen Maschinenschlosser suchen der gerade so seinen Abschluss hinbekommen hat. Ich denke, ich kann dann wohl Ihren hohen Erwartungen aufgrund meines Lebenslauf und meiner Abschlussnoten nicht gerecht werden. Offensichtlich liegt hier wohl ein Missverständnis von beiden Seiten vor“.

    Nun ja, die Absage war beinahe schneller in meinem Briefkasten als ich heimfahren konnte. Und es war auch besser so. Aber immerhin habe ich mich nicht verbogen; auch wenn ich damals arbeitslos gewesen war und dringend einen Job suchte. Aber besser aufrecht in Stiefel sterben als barfuß am Boden kriechend vor sich hinvegetieren..

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    • Die Absage nach einem Vorstellungsgespräch sollte man nicht als Niederlage sehen, sondern lediglich als Zeichen, dass man nicht zueinander passt.
      Es ist besser, dies frühzeitig zu merken, als später in einem Umfeld zu landen, in dem man sich nicht wohlfühlt, und über- oder auch unterfordert ist.
      Eine Einladung besagt ja schon, dass ein grundsätzliches Interesse besteht. Kein Unternehmen macht sich den Aufwand, jemanden einzuladen, den es keinesfalls einstellen will (öffentliche Stellen dagegen ggf. schon).

      Das Notenoptimum für eine Einstellung dürfte so um die 2 liegen. Nur wenige Verantwortliche stellen Leute ein, die bessere Noten haben, als sie selbst.

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      • Jezek1 schreibt:

        Also im konkreten Fall wollte ich nach dem Gesprächsverlauf dort eh nicht hin; ich konnte mit der selbstgerechten Art der Anwesenden nichts anfangen und würde dort eh nicht hin passen. Somit hätte ich wahrscheinlich von mir aus abgesagt. Und ich habe in den letzten Jahren relativ oft eine Absage von meiner Seite an potentielle AG gesendet; das ging soweit, dass der Vertrag schon im Prinzip schon fertig war, aber für mich zentrale Abmachungen nicht aufgenommen wurden. Dann hieß es jedesmal „bye-bye“, hat mich sehr gefreut und besten Dank für die Zeit.

        Dass mit dem Notenschnitt mag ein Argument sein. Da ich mehrere Uni-Abschlüsse (irgendwo zwischen „mit Auszeichnung“ und 1,5) mag das aber nur die Personen abschrecken, die selber kein entsprechendes Selbstbewusstsein haben. Ich selber habe nur eher beiläufig Examensnoten geschaut; eher nur kurz drübergeflogen ob es drop outs nach oben oder unten gab (Noten-Harmonie ist wichtig!!). Entscheidend war immer die Person hinter den Noten; kann ich mit diesem Menschen jeden tag viel Stunden zusammen im Büro sitzen?

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        • Das hat also auf Gegenseitigkeit beruht. Ist wohl oft so.
          Bei den fünf oder sechs Vortellungsgesprächen, die ich als Bewerberin hatte, ging es mir auch einige Male so, dass ich gar nicht hinwollte.
          Die Stelle, die mir am meisten zusagte, wo ich wirklich motiviert war, und meine Begeisterung wohl auch zeigte, habe ich damals dann auch gekriegt.

          aber nur die Personen abschrecken, die selber kein entsprechendes Selbstbewusstsein haben

          Das sollte man nicht unterschätzen. Viele Personen bringen nicht die Größe auf, mit jemandem, der „besser“ ist, zusammenzuarbeiten.

          Aber insgesamt müssen Person und Umfeld zusammenpassen, damit alle auf Dauer dort zufrieden sein können.

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          • Jezek1 schreibt:

            „Das sollte man nicht unterschätzen. Viele Personen bringen nicht die Größe auf, mit jemandem, der „besser“ ist, zusammenzuarbeiten.“

            Da hast Du vollkommen Recht; dies ist so. Ich habe im meinen Teams/Gruppen/Abteilungen immer wieder hochkaratige Mitarbeiter gehabt die mir intellektuell überlegen waren; mit magna cum laude Promotion und allen zipp und zapp. Und ich habe (fast) immer alle sehr geschätzt aufgrund ihres enormen Wissens und ihren analytischen Fähigkeiten die Dinge zu sezieren. Leider können solchen Menschen oft ihre Fähigkeiten nicht gewinnbringend „verkaufen“; die Kombination „hochintelligent“ und „soziale Kompatibilität“ ist nicht so oft anzutreffen. Dies sind dann aber die wahren Helden; vor diesen Menschen habe ich meine Hochachtung; und ich konnte auch schon ein paar kennenlernen. Und es war auch immer eine Stern- und Lehrstunde für mich.

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            • Da stimme ich dir grundsätzlich zu.
              Bei hochintelligenten Menschen gibt es halt auch sympathische und weniger sympathische.
              Diese „soziale Kompatibilität“ ist für viele durchaus ein Problem, was aber auch daran liegt, dass die Normalbevölkerung oft nicht mit ihren Besonderheiten umgehen kann.

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            • ednong schreibt:

              Oh ja,
              hochintelligent und sozial kompetent zugleich – das klappt eher selten. Ich vermute dann immer, dass das irgendeinem Gleichgewicht geschuldet ist – hat man soviel Intelligenz, muß es halt an anderer Stelle mangeln …

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            • Und nicht zu vergessen die große Anzahl von Menschen, die von beidem ein Defizit haben.

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  2. ednong schreibt:

    „Ist nicht weiter wichtig.“
    Nein, überhaupt nicht 😉

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  3. floh_wien schreibt:

    Da fällt mir nur ein:
    Erstklassige Chefs suchen erstklassige Mitarbeiter, zweitklassige hingegen dritt oder viertklassige!

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  4. Pingback: Getwittert, nicht gebloggt //1448 | breakpoint

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