Zwölfhundertvierundfünfzig

In der Diözesen-Zeitschrift, die meine Eltern abonniert hatten, standen immer wieder Serien über Heilige oder Bibelfiguren.
Als Kind las ich ja so ziemlich alles, was mir in die Finger kam, und so las ich irgendwann auch die Geschichte von Judit und Holofernes.
Es kam mir äußerst befremdlich vor, dass Judit, nachdem sie Holofernes zuerst verführt und zum Beischlaf animiert hatte (heute würde man dies wohl #OrganisierteLiebe nennen), ihm danach einfach so den Kopf abschlug.
Trotzdem hätte ich die Sache wohl unter „bösartige, verrückte Verbrecherin“ abgehakt, wäre diese niederträchtige Mörderin nicht als Heldin glorifiziert worden.

Dass ich mit christlicher Ethik so meine Probleme habe, hatte ich ja erst bei meinem Eintrag über das Weinberggleichnis thematisiert. Wenn man solche Situationen rational angeht, ist vieles überhaupt nicht nachvollziehbar.

Nehmen wir auf der anderen Seite Xanthippe (nicht christlich sondern griechisch – ich weiß), die als Inbegriff der zänkischen Frau gilt.
Aber tut man ihr damit nicht vielleicht unrecht? Man muss sich mal in ihre Lage versetzen: Statt sich um sie zu kümmern, hängt ihr Mann lieber mit seinen Kumpanen rum (und macht mit denen sonstwas). Es ist doch absolut verständlich, dass sie in dieser Situation verärgert und frustriert wurde. Nur wer in ähnlicher Lage noch nie geschimpft hat, werfe den ersten Stein.

Wie auch immer – die Synthese von Xanthippe und Judit – nennen wir sie Xantit – ähnelt verblüffend der Mentalität der modernen Feministin.
Rumkeifen kann sie gut. Im Gegensatz zum griechischen Vorbild auch völlig ohne Grund. Und bei Judit gab’s wenigstens noch Sex vorher. Xantit will diesen Part überspringen, und gleich zur Enthauptung übergehen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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40 Antworten zu Zwölfhundertvierundfünfzig

  1. aliasnimue schreibt:

    Tja, liebe Männer, zu frühes einschlafen nach dem Sex kann unvorhersehbare Folgen haben. 😉

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  2. Claudius schreibt:

    Ich bin mir immer unsicher, ob solche Sagen und Mythen mit der Frage gesehen werden können, ob etwas Reales dran sein könnte. Das sind doch alles Geschichten, die mit der Absicht geschrieben wurden, das einfache Volk ruhig zu halten („Optium des Volkes“…).

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    • Inwieweit die Erzählung historisch ist, weiß ich nicht.
      Es werden ja oft irgendwelche Begebenheiten ausgeschmückt und weiterentwickelt, und dann so niedergeschrieben. Vieles hat durchaus einen wahren Kern.
      Ob das Endresultat glaubhaft ist, ist auch im heutigen Informationszeitalter nicht immer sicher zu erkennen.
      Manchmal Zufall oder Irrtum, manchmal auch gezielte Manipulation.

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    • sevens2 schreibt:

      Selbst in säkularer Betrachtung, ist Religion als Adaption zu fassen. Wo es sonst keine Rechtsordnung gibt, ist sie das. Sie schafft einen Zusammenhalt von Gruppen, und Hintergrund – Boden – von Kooperation. Wie alles andere, hat sie (korrespondierende) Nachteile.

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  3. Irenicus schreibt:

    Im Wikipedia steht Judith hätte Holofernes nur betrunken gemacht, und ihm dann den Kopf abgeschlagen. Also nix mit Beischlaf.

    Und die Xantit will die Männer ja nicht enthaupten, nur entmannen. Im körperlichen wie im geistig sozialen Sinne 😀

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Es war also damals schon immer so schlimm….

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  5. sevens2 schreibt:

    Ja, ich hatte eine Kinderbibel. Wobei die für mich keine religiöse Dimension hatte, sondern ein phantastisches Abenteuerbuch war. Wäre mir bis dato ein attraktives Exemplar ins Auge gefallen, hätte ich eine Bibel gekauft. Am Rande bemerkt steht es für mich in seltsamem Zusammenhang zu Gilgamesch.

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  6. sevens2 schreibt:

    Ein anderer Aspekt, die Welt wäre bedeutend ärmer, gäbe es keine Verführerinnen. Nicht dass ich dauernd mit Succubi kollidieren will, aber ihre Gegenwart hat etwas.

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    • Wenn die Verführung tatsächlich umgesetzt wird, und ohne dass es danach eine unangenehme Überraschung (wie „Kopf ab“) gibt, ist deine Einstellung nachvollziehbar.

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      • sevens2 schreibt:

        She gives head, you may lose yours. Seems about fair. — Zur Verführung, zumindest im weiteren Sinn, gehört die Möglichkeit, dass es keine Erfüllung gibt. Ich lehne das was du geschrieben hast nicht völlig ab. Du hast durchaus Recht. Es gibt nur auch die andere Seite. Unheil, und Heil. Ich bin nicht mal konsequent begeistert von dem gelegentlichen – notwendigen – Übel. Aber es macht andere Dinge besser. Wie dem auch sei – und biblisch – eine Hiobs-Dimension schwebt mir nicht vor. Das wäre dann zu viel des Schlechten.

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        • Versteh‘ ich dich recht, dass dich die Gefahr reizt? Vielleicht sogar einen Kick gibt?

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          • sevens2 schreibt:

            Gefahr resultiert zu einem großen Teil aus Komplexität, Fähigkeit, und Außergewöhnlichkeit (einer Frau). Die Dinge haben einen gewissen Reiz — Begehren, Herausforderung, Gewinn, Mysterium. Das Spiel ist anziehend, oft ausziehend. Was Gefahr unmittelbar anbelangt, die hat auch was.

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            • Bis zu einem gewissen Punkt – d’accord.
              Aber die Gefahr einer Enthauptung geht schon deutlich zu weit. Meinst du nicht?

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            • sevens2 schreibt:

              Es gibt einen Spruch mit der Aussage, dass Frauen die verrückt sind gut im Bett sind. Kommt darauf an wie gut. Balance. Ein Chance von 1:1000, dass ich geköpft werde, und „dafür“ außerordentlicher Sex? Erwägenswert. Verrücktheit wäre dabei eine notwendige Bedingung. Ein lebensnäheres Beispiel wäre der bewusste Verzicht einer Frau auf ein safeword.

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            • Naja, es gibt auch den Spruch: „Don’t stick it in crazy“.

              Und eine Korrelation zwischen Verrücktheit und sexuellen Qualitäten erscheint mir wenig plausibel.

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            • sevens2 schreibt:

              Had it in mind. Es scheint eine Korrelation zwischen Wahnsinn und Genie zu geben. Unter der Annahme, dass Eigenschaften auf mehreren Genen (und/oder „Erfahrungen“) beruhen, und diese Gene mehr als eine Eigenschaft beeinflussen, legt eine extreme Eigenschaft andere extreme Eigenschaften nahe. Bedenke auch, dass Sex aus dem davor und dem (erwarteten) danach schöpft. Flirten oder Eroberung sind also Teil. Does crazy flirt well? It may seduce well. And it’s bound to transgress, to be uncommon.

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            • Tja, selbst wenn du deine Enthauptung billigend in Kauf nimmst .. was ist mit dem Risiko einer Falschbeschuldigung oder einer unerwünschten Vaterschaft?
              Bei einer Verrückten ist so ziemlich alles möglich.

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            • sevens2 schreibt:

              Sag ich doch, Enthauptung ist gar nicht so schlecht. Das „Risiko“ einer Vaterschaft… Eine Vasektomie kommt für nicht in Betracht. Rational gesehen wäre ein Kind (mit der Falschen) ein Problem. Ich halte es für naheliegend, dass die Möglichkeit – das Risiko – ein Kind zu zeugen zumindest unterbewusst sexy ist.

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            • Wie auch immer – ich wünsche dir viel Spaß dabei, und verlier‘ nicht gleich den Kopf!

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  7. ednong schreibt:

    Du und deine Gleichnisse … 😉

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  8. Molly L. schreibt:

    Wie Du die Bibel „liest“, ist immer wieder witzig, 😀

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  9. Mike schreibt:

    also mal im Ernst, die Judith & Holofernes Story ist eine typische Assassination. Der feindliche Feldherr (=legitimes Kriegsziel) wird von einer Agentin umgebracht. Bei den damaligen Methoden der Kriegführung ist das auch durchaus legitim, denn mit dem Tod des Feldherrn wurde die Armee führerlos und ein leichtes Ziel. (Deshalb hat man dann sowas wie „doppelte Befehlsstränge“ aufgebaut)
    Mit dem Geschlecht des H. hat das nur insofern was zu tun, weil dadurch der Modus Operandi bestimmt wurde. Irgendwelche feministischen Dinger kann man daraus wohl eher nicht ableiten.

    Ausserdem hat H. gegen Regel 27 des bösen Weltherrschers verstossen:
    „Egal, wie attraktiv manche Mitglieder der Rebellion sind, es gibt bestimmt auch andere Attraktive, die mich nicht umbringen wollen. Deshalb werde ich es mir zweimal überlegen, bevor ich eine(n) Gefangene(n) in mein Schlafzimmer bringen lasse.“
    Habe ich eigentlich erwähnt, das Holofernes ein Depp war?

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  10. Danny schreibt:

    Also ich finde die Geschichte durchaus heldenhaft und moralisch vollkommen OK, schliesslich hat sie einen Krieg verhindert unter Inkaufnahme grösserer Gefahren, als eine Art Doppelagentin.

    Klar, in einer längeren Beziehung wär so eine enge Verbindung zw. Sex und Tod eher störend, aber es geht ja hier um die Rettung des Volkes Israel und nicht um Gute Zeiten Schlechte Zeiten..

    Da hat wohl jemand den eigentlichen Inhalt überlesen; vermutlich durch Vorblättern zu den Sexstellen :]

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  11. Pingback: Getwittert, nicht gebloggt //1448 | breakpoint

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