Zwölfhundertzweiundfünfzig

Mein heutiger Blogeintrag befasst sich mit der Typografie, also wie man am besten Inhalte auf Druckwerken darstellt.
Die Typografie hat sich aus Zeiten herüber gerettet, als noch Schriftsetzer Letter für Letter händisch setzen mussten. Heutzutage übernehmen das Textverarbeitungsprogramme und Druckertreiber.
Angeblich soll man jedoch einiges beachten, um ein schöneres Schriftbild zu bekommen.

Da sind zum einen die Serifen, von denen behauptet wird, sie würden den Text besser lesbar machen. Das kann ich nicht bestätigen. Mag vielleicht auf gedrucktem Papier seine Berechtigung haben, aber sicher nicht auf einem Computermonitor. Und ich finde Serifen einfach häßlich und unnötig.

Als nächstes die typografischen Quotes, die in ihrer schiefen Symmetrie einfach unästhetisch wirken. AFAIK gibt es die untigen Gänsefüßchen auch nur im Deutschen. Ähnliches gilt für Apostrophe (bzw. single quotes). Die typographischen Äquivalente sind einfach widerlich.

Warum soll ich für Bindestrich, Gedankenstrich und Minus verschiedene Zeichen nutzen? Dank des NUM-Blocks (den ich aber eigentlich nie nutze) habe ich zwei Minus-Zeichen auf meiner Tastatur. Was erdreistet sich die Textverarbeitungssoftware, einfach aus meinem ASCII-Zeichen 2D einen Halbgeviertstrich zu machen?
Wenn ich später den Text automatisch auswerten will, muss ich mich mit Unicode herumplagen, was sehr nervig ist, weil ich nicht meine bewährten ansistring-Routinen nehmen kann.

Bis hierher hatte ich diesen Text bereits vor einigen Wochen aufgesetzt. Als wäre dies nicht genug, hat WordPress das Verhalten der Quotes und Apostrophe – soweit ich es mitgekriegt habe – seit Anfang Mai wieder verändert.
Wer Deutsch als Blogsprache eingestellt, erhält jetzt ungefragt diese hässlichen typographischen Anführungsstrichleich unten. Ich habe keine Möglichkeit gefunden, dieses Verhalten auszuschalten, außer auf Englisch umzuschalten (was ich zeitweise getan habe, das hatte aber wieder andere negative Auswirkungen).
Ich hatte mir ja sowieso ein Progrämmchen geschrieben, das die Gedankenstriche etc. in Minuszeichen umwandelt. Dieses Programm musste ich jetzt ergänzen mit diesen blöden unteren Quotes und Apostrophen.
Wenn man ab und zu eine Codezeile im Blog schreiben will, sind diese unteren Zeichen einfach Schwachsinn. WordPress sollte eine Möglichkeit vorsehen, dies auszuschalten und dieses Verhalten nicht nur an die Sprache binden.

Als Programmierschlampe empfinde ich es als lästig und nervig, wenn ich Texte parsen muss, die solche absolut unnötigen Zeichen enthalten. Habe schon genug mit mathematischen Symbolen, griechischen Buchstaben, französischen Accents, u. dgl. zu tun. Auch die deutschen Umlaute und das scharfe ß bedeuten übrigens Zusatzaufwand. Da kann ich auf die typographischen Sonderzeichen wirklich verzichten.


OT möchte ich heute einmal auf Christian’s Blog „Alles Evolution“ hinweisen, das kürzlich sein sechsjähriges Bestehen feiern konnte.
Christian veröffentlich jeden Tag mindestens einen Eintrag rund um Geschlechterthemen, die dann meist lebhaft und ausführlich diskutiert werden. Mehrere hundert Kommentare am Tag sind keine Seltenheit. Allerdings geht es in den Diskussionen nicht immer zimperlich zu. Man sollte schon einigermaßen robust sein, und nicht jede Gegenreaktion persönlich nehmen.
Seit ich vor gut zwei Jahren auf AllesEvolution aufmerksam wurde, habe ich dort viel Interessantes und Neues erfahren, das meinen eigenen Horizont erweiterte. Ich lese dort praktisch täglich, verfolge die Diskussionen teilweise (für mehr reicht meine Zeit nicht), und beteilige mich selbst gelegentlich mit Kommentaren.
Wer eine anspruchsvolle Bloglektüre samt Diskussionsplatform zu Geschlechterthemen sucht, dem kann ich AllesEvolution nur empfehlen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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17 Antworten zu Zwölfhundertzweiundfünfzig

  1. sevens2 schreibt:

    Kalligraphie, statt der Gemälde.

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  2. Leser schreibt:

    Da hätte ich noch einen passenden Link zum Thema:
    http://practicaltypography.com/
    Hmmm, vielleicht sollte man das auch zur verpflichtenden Lektüre für Marketingmitarbeiter machen (so sie des Englischen mächtig sind) – zumindest wenn sie gelegentlich durch vermasselte Typographie auffallen… (Und die Zeichenersetzungen haben eigentlich nur entfernt was mit Typographie zu tun – auch wenn sie mich zuweilen auch manchmal nerven, in anderen Situationen begrüße ich sie sogar gelegentlich, z.B. dass der Gedankenstrich etwa 1,5x so lang ist wie ein Minus oder Bindestrich finde ich ästhetisch schön, Anführungszeichen geschrägt und unten gehen aber garnicht – denn da geht es eher um die Nutzung der korrekten Zeichen. Das ist fast so schlimm, wie Leute, die mit einem Accent aigu oder grave ein Apostroph bzw. Hochkomma zu ersetzen versuchen…)

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    • Ist es denn zu viel verlangt, dass ein Text genau die Zeichen enthält, die ich angegeben habe? Ich mag es nicht, wenn z.B. meine Quotes durch etwas anderes ersetzt werden, ohne dass ich das beeinflussen kann.

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      • Leser schreibt:

        Natürlich – das ist das Prinzip des sich nicht vom Computer überstimmen lassen wollens. Geht mir genauso, deshalb schalte ich jegliche Form von Autokorrektur grundsätzlich meist aus. Das ist halt was generelles. Ich kenne allerdings nicht den Shortcut für den extralangen Gedankenstrich, und da war es mir ein einziges mal angenehm, als der LibreOffice Writer das ersetzt hat. Bei den nächsten Anführungsstrichen ist die Freude aber bereits wieder vorbei. Ganz schlimm sind die Handys, wo man oft ohne das Ausschalten der Autokorrektur gar keine Chance hat, genau das zu schreiben, was man schreiben will, weil es immer wieder automatisch verschlimmbessert wird…

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        • Ja, Autokorrektur muss auch manchmal nervig sein.
          Ich komme ja meist drum rum, weil ich mein Smartphone nur selten in Betrieb habe.

          Lästig ist auch, wenn die Textverarbeitung nach Abkürzungen wie z.B. oder u.a. danach den nächsten Buchstabe automatisch groß schreibt.

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  3. idgie13 schreibt:

    Nix geht über LaTeX … 🙂
    Ich mag es auch nicht, wenn mir der Rechner (oder das Smartphone) irgendwas automatisch korrigiert.

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  4. Pingback: Getwittert, nicht gebloggt //1448 | breakpoint

  5. wollesgeraffel schreibt:

    Als gelernter Schriftsetzer, der noch einzelne Bleilettern zu Texten setzte, ist mir die Rechnertypographie ziemlich zuwider.

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