Zwölfhundertsechsundvierzig

Fast philosophisch wird es diesmal beim Webmasterfriday, wenn es um die „Macht der (Un-)Wahrheit“ geht.

Ob eine Aussage wahr oder falsch ist, lässt sich nicht immer in ein Bit quetschen. Oft werden die Grenzen der Boole’schen Logik gesprengt. Jedes Ja oder Nein sollte kontext-sensitiv gelesen werden. Schließlich sind wir keine Maschinen, die nur Nullen und Einsen verstehen. Zwischen 0 und 1 befindet sich ein unendliches Kontinuum reeller Zahlen. Und selbst das ist nur eine einzige Dimension.

So ist es für geschickte Eristiker leicht möglich, einen Text aus lauter „wahren“ Aussagen zusammenzusetzen, dessen Gesamteindruck aber etwas völlig anderes und verzerrtes wiedergibt (ja, ich habe auch ein gewisses Talent dafür, nutze es aber nicht, um anderen zu schaden).

Beispielsweise nehme man einen extremen Ausnahmefall, beschreibe diese Randerscheinung ausführlichst, nenne eher en passant einen typischeren Fall, und vermenge beides auf eine Art und Weise, die den Eindruck hinterlässt, der Ausnahmefall sei repräsentativ, während der Normalfall kaum ein Gewicht habe (diese Woche erst wieder in einer renommierten Zeitung erlebt – meine Twitterfollower werden wissen, was ich meine).

Das bringt mich gleich zur Frage des WMF, ob ich mich über solche unwahren Dinge ärgere.
Ja, das tue ich manchmal schon, nämlich wenn mir das Thema wichtig ist (auch wenn das Ärgern nichts bringt).
Und die nächste Frage (die ich mir selbst stelle) ist die nach Hanlon’s Razor: Sind solche Verfälschungen nur die Folge einer gewissen Unwissenheit, Unerfahrenheit, Unbedarftheit und Naivität? Oder steckt eine böswillige Absicht dahinter, die die unvoreingenommenen Leser manipulieren und aufhetzen soll?
Das lässt sich häufig nicht eindeutig beantworten (und vermutlich ist ein Bit auch dafür zu wenig).

Aber was sicherlich sinnvoll ist, ist, nicht alles gutgläubig und unkritisch anzunehmen. Skepsis ist generell sinnvoll. Im Zweifel (und der ist meist von Nöten) sollte man die gegebenen Aussagen hinterfragen, und sich selbst informieren. Dank des Internets ist dies so einfach wie in noch keinem Zeitalter zuvor. Und man sollte sich nicht auf einzelne Quellen verlassen, sondern mehrere, von einander unabhängige finden, und miteinander abgleichen.

PS: Eine schöne Nacht euch allen, und nehmt den morgigen Tag der Arbeit nicht zu wörtlich.


Da es schon Samstag ist, wenn ich diesen Post veröffentliche, hatte ich diesmal mehr Zeit, mich mit den anderen Teilnahmebeiträgen des WMF zu beschäftigen.

ednong befürchtet, dass die persönliche Meinung eines Autors mehr polarisieren kann, aber auch als objektiv beabsichtigte Texte können übertrieben oder verzerrt sein. Er weist darauf hin, dass „das Internet [..] nur ein Abbild der Wirklichkeit“ ist.

Dass Lügen kurze Beine haben, daran erinnert Sabienes. Sie gibt zu, die Wahrheit gelegentlich ein bisschen umzumodeln, um die ihr wichtigen Menschen zu schützen und deren Vertrauen nicht zu missbrauchen.

Sabine Puttins betrachtet Wahrheit als „wandelbares Wesen“.

Als Blogger sollte man wahrhaftig sein, meint Henning Uhle. Denn am Ende kommt alles raus und fliegt auf.

Die Unsoziale bekennt ihre Leichtgläubigkeit, und platzt lieber mit der reinen Wahrheit heraus, als feinfühlig eine Notlüge zu verwenden.

Ludwig empört sich über Falschmeldungen, und formuliert seine subjektive Einstellung eher diplomatisch, auch wenn das Ergebnis vielleicht langweilig wird.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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12 Antworten zu Zwölfhundertsechsundvierzig

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Nichts ist so direkt als die echte Wahrheit. Interpretationen haben wir jeden Tag genug.

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  2. Molly L. schreibt:

    „Give us what we need, lies we can believe in, truth is not the key …“ *Sing*
    Würde ja jetzt auf den großartigen Peter Heppner und dessen Song verlinken, aber das ist mir am Handy zu frikkelig.
    Von Notlügen abgesehen bin ich die ehrlichste Person, die ich kenne. Bringt mur allerdings oft Ärger ein. Ach. 😦
    Wahrheit ist oft subjektiv, auch wenn das jetzt unlogisch klingt.
    Lügen kann ich so gut, das würde nie rauskommen.

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    • Es stimmt, dass zu viel Offenheit und Ehrlichkeit leicht Ärger bringen kann. Oft ist deshalb etwas Zurückhaltung nicht verkehrt, und ein flexibler Umgang mit der Wahrheit ist häufig sogar empfehlenswert.

      Wahrheit ist oft subjektiv, auch wenn das jetzt unlogisch klingt.

      Klingt gar nicht unlogisch. Jeder hat seine eigene Perspektive auf die „Wahrheit“.
      Lass‘ dir die gleiche Story von zwei verschiedenen Menschen erzählen – da wird es Inkonsistenzen geben, auch wenn beide überzeugt sind, richtig zu berichten.

      Deshalb sind z.B. Zeugenaussagen oft nicht zuverlässig.

      Gefällt 2 Personen

  3. idgie13 schreibt:

    Jeder hat wohl seine eigene Wahrheit. Manchmal frage ich mich schon, was man überhaupt noch glauben kann.

    Am Tag der Arbeit habe ich schon immer gearbeitet und werde mit der Tradition jetzt auch nicht brechen … 😉
    Heute vor 17 Jahren war mein 1. Arbeitstag in der Schweiz, prompt in einem Kanton, wo das kein Feiertag ist.

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    • Manchmal frage ich mich schon, was man überhaupt noch glauben kann.

      Im Zweifel lieber gar nichts. Je nach Sichtweise kann ein und dieselbe Sache völlig unterschiedlich erscheinen.
      Eine gesunde Skepsis ist meistens angebracht.

      Heuer fällt ja der 1. Mai eh auf einen Sonntag. Da arbeiten eh nur bestimmte Branchen (z.B. Gastronomie, ÖNV, Krankenpflege). Und selbstverständlich die Selbständigen.

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  4. Es stellt sich die Frage, wer die Geltung seiner Auffassung gegen andere bestimmen darf.

    Als Mindestanforderung gilt Relativismus, ein in sich widerspruchsfreies Gedankensystem.

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  5. Pingback: Getwittert, nicht gebloggt //1448 | breakpoint

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