Zwölfhundertachtunddreißig

Das Thema Teilzeitarbeit kam schon ein paar Mal auf, so dass ich meine Meinung dazu jetzt in einem Blogeintrag auswälze.

Früher hatte ich als grobe Zielvorgabe, höchstens etwa 30 Stunden pro Woche zu arbeiten. Das dadurch erzielte Einkommen genügte mir locker zur Abdeckung meiner Lebenshaltungskosten, und um reichlich für Urlaub, Altersvorsorge oder unvorhersehbare Ausgaben anzusparen. Mehr brauchte ich gar nicht, und hatte keine weitergehenden Ambitionen.
Seit ich mich für Carsten’s Firma engagiere, arbeite ich tendenziell mehr, auch wenn ich ihm einen Teil meiner investierten Arbeitszeit nicht in Rechnung stelle, sondern als meinen Beitrag zu unserem gemeinsamen Leben ansehe.
Ich bin hier über Vertretungen in Führungstätigkeiten geschlittert, und hatte ursprünglich eigentlich die Absicht gehabt, nur vielleicht zweimal pro Woche im Büro vorbeizuschauen, und dann dort alles entsprechende zu erledigen.
Allein – das hat so nicht funktioniert. Es hat sich herausgestellt, dass meine Anwesenheit doch wesentlich häufiger nötig ist, und sei es nur, dass ich sofort reagieren kann, wenn unerwartet eine offene Frage auftritt, für die ich zuständig bin.
Also bin ich den größten Teil der Bürozeiten tatsächlich vor Ort, und nicht im Homeoffice (obwohl ich dort auch per Mail oder Telefon kurzfristig erreichbar wäre).
Das heißt jetzt aber nicht, dass ich in dieser Zeit tatsächlich nur für die Firma arbeite. Ich bin in der glücklichen Situation (die sich aber keinesfalls verallgemeinern lässt), dass ich mir meine Zeit und Arbeitsaufteilung so einrichten kann, wie ich mag, ohne dass mir jemand dazwischen redet. Aber quasi als Bereitschaft ist meine Anwesenheit trotzdem nötig.
Führungstätigkeiten und Teilzeit mag mal zeitweise für einige Monate zu vereinbaren sein, aber auf Dauer geht es nicht (einzelne Tage kann man schon mal fernbleiben, und mit Planung und Vertretung auch in den Urlaub).
Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass die Geschäftsleitung einen persönlich wirklich für diese Position will. Wenn es akzeptable Alternativen gibt, ist es zweckmäßiger eine Vollzeitkraft für Führungstätigkeiten einzusetzen.

Es gibt durchaus Tätigkeiten, die als Teilzeitjob geeignet sind. Bei manchen fallen nicht so viele Aufgaben an, dass es für einen Vollzeitjob reicht. Bei anderen existiert kaum ein Offset, so dass ein Mitarbeiter in Teilzeit genauso produktiv sein kann (auf seine Arbeitszeit bezogen) wie einer in Vollzeit.
Es mag sogar Aufgaben geben, bei denen z.B. die Konzentration nach ein paar Stunden nachlässt, so dass die Produktivität sinkt, und es deshalb sinnvoll ist, den Mitarbeiter durch einen anderen abzulösen.

In der Softwareentwicklung jedoch ist es eher umgekehrt. Ich beschreibe jetzt die Situation in der Softwareentwicklung, weil ich die am besten kenne. In den Engineering-Disziplinen dürfte es ähnlich sein, sowie in vielen anderen spezialisierten Stellen. Das schließt nicht aus, dass der Zeitablauf anderer Tätigkeiten ganz anders sein kann, und günstiger für Teilzeit.
Ein typischer Softwarentwickler kommt am Morgen ins Büro, und checkt erst mal seine Mails. Falls Handlungsbedarf besteht, tut er, was zu tun ist.
Danach beginnt er mit seiner eigentlichen Arbeit. Er öffnet Dateien, sucht bestimmte Code-Stellen, liest sich dort ein, setzt Breakpoints (!), lädt Tools, usw. Bis er soweit ist, dass er produktiv arbeiten kann, ist locker eine Stunde vorbei, und bis er so richtig im Flow ist, dauert es nochmal einige Zeit.
Bei Teilzeitkräften naht jetzt schon der Feierabend.
Eher denkbar – sofern sich das Aufgabenpensum passend einteilen lässt, was wohl nur selten möglich sein dürfte – wären volle Anwesenheit an – sagen wir – drei Tagen pro Woche. Aber nicht halbtags.

Zwei Halbtagskräfte verursachen dem Arbeitgeber mehr Kosten und Aufwand als eine Ganztagskraft, da sie mehr Resourcen binden, und sind im Allgemeinen in der Summe weniger produktiv (es sei denn, sie können wirklich ohne Offset sofort mit voller Leistung loslegen, was aber von Branche und Aufgabenstellung abhängt).

Die größte Nachfrage nach Halbtagsjobs kommt von Müttern, was nachvollziehbar ist. Allerdings nur für den Vormittag. Am Nachmittag sieht es mau aus. Deshalb ist es äußerst schwierig, den gleichen Job (auch wenn er grundsätzlich für Job-Sharing geeignet wäre, und sonst nichts dagegen spricht) auf zwei Halbtagskräfte aufzuteilen.

Gerade für Schlüsselpositionen will der Arbeitgeber jemanden, der sich ehrgeizig mit vollem Einsatz engagiert (erfahrungsgemäß tun sich dabei Familienväter besonders hervor). Das erfordert eben eine hohe Arbeitszeit. Nicht umsonst werden die meisten Führungspositionen und viele hochspezialisierten Fachpositionen übertariflich bezahlt (was impliziert, dass geleistete Überstunden im Gehalt inbegriffen sind).
Nur in sehr gut begründeten Ausnahmefällen wird sich ein Arbeitgeber darauf einlassen, seine wichtigsten Stellen mit Teilzeitmitarbeitern zu besetzen.

Wer also Teilzeit arbeiten möchte, um seinem Privatleben größere Priorität einzuräumen, sollte sich damit abfinden, dass eine berufliche Karriere dadurch nahezu ausgeschlossen wird.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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32 Antworten zu Zwölfhundertachtunddreißig

  1. Irenicus schreibt:

    Ich, als Projektleiter und Programmierer, brauche nur ne 1/4 Stunde bis ich morgens richtig mit Programmieren loslege, arbeite aber auch in einer Firma, in der wir nen richtig guten Support haben, der mir die Kunden vom Hals hält. So dass ich praktisch nie angerufen werde und auch kaum Mails von Ihnen bekomme. Außerdem bin ich auch nach der Arbeit, vor Ort, oft Abends noch einmal eine halbe Stunde online und beantworte Mails (das zählt natürlich auch als Arbeitszeit).

    Ansonsten ist bei mir nach ca. 6 Stunden intensiven Programmierens meistens irgendwann die Luft raus. Dann fällt es mir einfach richtig schwer nochmal in den Flow reinzukommen. Deswegen mache ich dann oft nur noch leichte Arbeit (Reporting, Dokumentation schreiben, Testen, …)
    Insofern wäre für mich eine Arbeitszeit von 6 Stunden durchaus gut. Aber das ist natürlich deutlich mehr als eine 4 Stunden-Teilzeit-Kraft.

    Ich denke aber, dass man bei den meisten qualifizierten Tätigkeiten gut Kräfte für 4*6 oder 3*8 Stunden einstellen kann. Gerade wenn sie davon Abends eine halbe Stunde online sind. Und das ist ja gerade mit kleinen Kindern sehr gut machbar.Die sind ja spätestens um 8 im Bett.

    Trotzdem gibt es natürlich Dinge für die man einfach sofort vor Ort sein muss. Deswegen ist eine „echte“ Führungskaft einfach mind. 6 stunden vor Ort sein.(Natürlich ist sie dann auch mal in Meetings weg etc.) Außerdem ist die Arbeits-Zeit nicht gut planbar. Manchmal muss man unvorhergesehen mal 12 Stunden arbeiten, manchmal ist nach 3 Stunden tote Hose.

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    • aliasnimue schreibt:

      „Die sind ja spätestens um 8 im Bett.“…ich mußte so lachen…
      Bevor ich meine Tochter bekommen habe, hab ich u.a. konstruiert und mithilfe eines Programms die Daten für einen CNC-BAZ fertig gemacht.
      Also dachte ich: prima, das kannst Du ja zum Teil von zuhause machen. So kleine Babies schlafen ja viel.
      Heute muß ich über meine unglaubliche Naivität schmunzeln.
      Kinder schlafen NIE, wenn Du gerade Ruhe brauchst um was zu machen. Irgendwie haben sie dafür einen sechsten Sinn. 🙂

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      • Das kann ich mir vorstellen, dass (kleine) Kinder die Zeitplanbarkeit stark einschränken.
        Von Müttern habe ich gehört, dass deren Zeit stark fragmentiert ist, d.h. nur wenige Minuten am Stück und kaum längere Zeiträume (und wenn doch, dann völlig unerwartet).

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      • Irenicus schreibt:

        Also meine Tochter schläft spätestens um 20 Uhr und wacht dann erst morgens wieder auf. Als sie jünger war, musste sie halt zwischendurch mal gefüttert oder getröstet werden. Aber nach 20 Uhr ist man ja „normalerweise“ auch nicht alleine zu Hause. Da kann der Partner mal die eine oder andere Stunde der Betreuung übernehmen.
        Um mal seine Mails zu checken und andere „leichte Arbeit“ zu machen reicht das

        Natürlich kann man sich tagsüber abschminken irgendwas anderes (und schon gar nicht mit voller Kraft) zu machen, während man sein Kind betreut. Aber Nachts geht das allemal.

        Meine Erfahrung mit anderen Eltern ist aber, dass die einfach nicht ruhig bleiben können, wenn ihr Kind irgendeinen Laut von sich gibt, und gleich ins Zimmer stürzen, um nachzuschauen, was los ist. So kommen weder das Kind noch die Eltern zur Ruhe.

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        • aliasnimue schreibt:

          Gibt sicher immer ein zuviel oder zuwenig.
          Meine Tochter hatte und hat noch immer die Entscheidung, wann sie ins Bett geht. Das hat immer gut funktioniert.
          Ja, diese Helikoptereltern gibt es wirklich, glücklicherweise sind sie nicht häufig anzutreffen. Mir tun die Kinder immer so leid, die kaum eine Chance haben, selbstverantwortlich und unabhängig zu werden.

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      • imion schreibt:

        Hm, komisch, bei den 4 Kindern meiner Schwägerin absolut kein Thema……..

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    • Eine Viertelstunde oder eine Stunde .. das ist so Pi-mal-Daumen.
      Es kommt natürlich immer auf den individuellen Fall an. Wenn man genau dort weitermachen kann, wo man am Vortag aufgehört hat, kommt man schneller rein, als wenn man etwas neues anfängt.
      Beim Handlungsbedarf für Mails ist auch enthalten, z.B. Urlaubstermine festzulegen, etwas mit der Personalabteilung abzuklären oder irgendwelche Termine zu bestätigen. Manchmal dauert es auch, bis der Rechner bereit ist, weil er z.B. Updates installiert, oder eine erst eine Batch durchlaufen muss.
      Das gehört alles nicht zur produktiven Arbeit, fällt aber dennoch in mehr oder weniger großem Umfang an.

      Nicht jeder Arbeitstag ist voll der Programmierung gewidmet. Das kommt eben drauf an, ob ein Fehler dringend bereinigt werden muss, oder ob ein Release bald bevorsteht.
      Je nach dem, ist auch Dokumentation, Weiterbildung, etc. vorgesehen.
      Einen 7- oder 8-Stundentag kriegt man normalerweise leicht voll.
      In Flautenzeiten könnte man das schon reduzieren – klar. Aber manchmal ist der Arbeitsanfall eben enorm, so dass sogar Überstunden geleistet werden müssen.
      Da dies bei uns schon recht schwankt, ergäbe es keinen Sinn, für die Spitzenzeiten zusätzliche Leute einzustellen.
      Wenn wenig los ist, haben die Entwickler schon mal längere Zeit kaum etwas wichtiges zu tun. Aber ihnen wird trotzdem die volle Arbeitszeit bezahlt. Niemand erwartet von ihnen dann, Kurzarbeit zu leisten, oder temporär zwangsweise Teilzeit (wobei es natürlich schon gern gesehen wird, wenn sie dann Überstunden abbauen).

      Bei großen Abteilungen, bei denen viele Angestellte arbeiten, ist es einfacher, einzelnen Teilzeit zu bieten, weil es mehr gibt, auf die die Arbeit aufgeteilt werden kann, und die Schwankungen abfangen können.
      Bei eher kleinen Gruppen, insbesondere, wenn sich die Aufgaben der einzelnen Teammitglieder stark unterscheiden, ist das jedoch kaum möglich.

      Es liegt in der Natur der Sache, dass auch eine Vollzeit-Führungskraft nicht ständig verfügbar ist.
      Aber das ist nur sehr selten ein wirkliches Problem. Jedes Meeting geht mal zu Ende, und bei längerer Abwesenheit braucht man einen Vertreter.

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  2. Blublubla schreibt:

    „Wer also Teilzeit arbeiten möchte, um seinem Privatleben größere Priorität einzuräumen, sollte sich damit abfinden, dass eine berufliche Karriere dadurch nahezu ausgeschlossen wird.“

    Ich denke, hier ist der zweite Halbsatz entscheidend. Ich kenne Leute, die forschen in einem hoch theoretischen Bereich (und veröffentlichen auch viel). Die haben alle Vollzeitverträge, aber es ist gängige Praxis nur zu arbeiten, wenn man produktiv ist. D.h. es gibt Tage, da gehen die Leute nach einer Stunde einfach heim, weil „das wird heute nix mehr“ und genießen die Sonne in den Bergen, bis ihnen die Idee kommt. Dafür sind sie aber auch teilweise Sonntag nachts da.

    Vermutlich ist das aber auch die Ausnahme. Ich löse meine Probleme aber auch am besten unter der Dusche 😛

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    • Irenicus schreibt:

      Ich denke gerade als Wissenschaftler oder Kreativer (dazu zähle ich z.B.auch Softwareentwickler etc.) ist es oft so, dass man seine Probleme quasi im Alltag weiter „durchdenkt“. Einfach weil man sein Gehirn nicht einfach ausschalten kann. Ob ich das am Arbeitsplatz mache, beim Duschen oder beim Abwaschen, oder beim Joggen, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Im Prinzip nimmt man also die Arbeit mit nach Hause. Erst wenn die Idee dann da ist und zu Papier (in den Rechner geschrieben) wird, arbeitet man wirklich „produktiv“ am Arbeitsplatz. Davor hat man aber irgendwie auch gearbeitet. Nur dass das für jemanden der am Fließband steht, absolut nicht nachvollziehbar ist, was das denn mit Arbeit zu tun hat.

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      • Das stimmt.
        Es ist ja nicht so, dass die reine Anwesenheit am Arbeitsplatz etwas über die tatsächliche Arbeitsleistung (dW = P(t) dt) aussagt.
        Die Abrechnung über die Arbeitszeit ist aber eben die etablierte Methode zur Abrechnung. Alles andere verursacht wieder andere Probleme oder Inkonsistenzen.

        Zusätzliche Erfolgsprämien oder ähnliches sind eine Möglichkeit, eignen sich aber auch nicht für jeden Job.

        Im AT-Bereich wird dagegen normalerweise auf die Erfassung der Arbeitszeit ganz verzichtet. Da kommt es darauf an, das Arbeitspensum zu erledigen. Wie lange der Mitarbeiter dazu braucht, ist nebensächlich.

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    • Wenn der Arbeitgeber mitmacht, geht das schon.
      Gerade bei kreativen Tätigkeiten (dazu zähle ich Forschung) ist zeitliche Flexibilität wesentlich.

      forschen in einem hoch theoretischen Bereich

      Das hört sich nicht nach einem privaten Unternehmen an, sondern nach Forschungsinstutut, Uni, oder ähnlichem.
      Da sieht die Sache wieder etwas anders aus, wenn man nicht profitabel wirtschaften muss.

      Auch ist für Forschungstätigkeit eine äußerst hohe fachliche Qualifikation Voraussetzung, so dass sich dieses Modell nicht allgemein übertragen lässt (auf die teilzeitwillige Mutter mit Abitur oder kaufmännischer Ausbildung schon ganz und gar nicht).

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  3. Jezek1 schreibt:

    Völlig richtig; man macht als Teilzeitmanager keine Karriere. Auch wenn uns gerne die Medien immer wieder mal Beispiele zeigen und glaubhaft machen wollen, dass sich ein Entscheidungsträger-Posten von zwei Teilzeit-Frauen besetzen lässt. Alles krampf; so läuft das nicht und kann es auch nicht laufen. Leider sind bei diesem Thema in der Politik zu viele unterwegs, die selber noch nie in der Privatwirtschaft eine entsprechende Stelle inne hatten. Und diese Leute entwickeln dann solch unsinnige Gesetze und wundern sich dann, warum dies in praxi nicht funzt.

    Im öffentlichen Dienst ist dies natürlich anders; dort muss aber auch am Jahresende kein Gewinn ausgewiesen werden; nicht mal ne schwarze Null.

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    • Genau so ist es.

      Unter ganz bestimmten Bedingungen (insbesondere, wenn der Arbeitgeber ein spezielles Interesse daran hat) kommt eine Teilzeitkarriere schon mal vor.
      Solche seltenen Ausnahmen werden dann in den Medien hochgepusht. Dabei sind sie keinesfalls auf die Mehrheit der Arbeitnehmer übertragbar.

      Es ist halt nicht damit getan, eine Vollzeitstelle fifty-fifty aufzuteilen, um zwei entsprechende Halbtagsstellen zu erhalten.

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  4. ednong schreibt:

    Hm,
    also ich denke schon, dass man einige Arbeiten sicher auf „Halbzeitkräfte“ verteilen kann – mit ca. 30 h pro Woche (wenn das noch Halbzeit ist). Und dass man bestimmte Aufgaben auch so aufsplitten kann, dass es eindeutige Verantwortlichkeiten/Zuständigkeiten gibt. Das dürfte wichtig sein.
    Und klar – manche mögen lieber 3x oder 4x 8 h arbeiten, andere – ich zähle mich dazu – max 6 h am Stück. Danach ist bei mirdie Luft raus, da brauch ich Ablenkung. Bringt ja nix, sich nur der Arbeitszeit wegen unbedingt an etwas ranzusetzen, wenn es nicht produktiv ist. Und da gibt es halt die unterschiedlichsten Charaktere – und das ist eben das Problem der Abrechnung. Wenn ich gehe, bin ich fü rdie Firma nicht mehr anwesend – kann aber sein, dass ich während der Bahnfahrt oder nächsten Dusche das Problem nochmals durchdenke und ruckzuck die Lösung habe (ging mir schon mehrfach so, muß halt beim Autofahren dann immer aufpassen [sofern ich mal fahre], dass ich noch auf den Verkehr achte). Wie will man das erfassen, wie will man es bezahlen? Prämien halte ich da für suboptimal – auch Leistungsziele finde ich doof. Wer definiert das Ziel? Und wie soll man abschätzen können, ob das wirklich machbar ist? Also quasi: was sind die individuellen 100 % und wie sind die mit anderen vergleichbar (die meisten MA erhalten ja ein ähnliches Gehlat). Da wird man schnell mal übervorteilt, finde ich. Und dann die fehlende Transparenz.

    Also ich glaube, das wäre mal wirklich was für eine Forschungsarbeit. Wie schaffe ich ein gerechtes, faires und transparentes Entlohnungssystem, das auf die Individuen eingeht?

    Bzgl. Teilzeitarbeit ist aber mMn die Bereitschaft der Arbeitgeber – es muß ja nicht um Führungskräfte gehen – generell nicht so hoch, was ich persönlich schade finde. Klar macht das mehr administrativen Aufwand und erhöht die Lohnkosten – doch wenn man dadurch zufriedenere Mitarbeiter und vor allen Dingen motiviertere MA hat, wiegt das das doch allemal auf. Und außerdem sehen die meisten dann immer noch einen Imageverlust darin – nur Teilzeit zu arbeiten. Aber der Mensch definiert sich nun mal nicht ausschließlich über seine Arbeit – also sollte es nicht tun -, sondern über sein Gesamtes. Und dazu gehört auch das Leben neben der Arbeit, was mMn mindestens 50 % ausmachen sollte.

    Aber das ist wie mit dem Auto: manche Leute definieren sich über die Größe und die KW des Autos …

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    • Dass manche Tätigkeiten per Teilzeit ausgeübt werden können, bestreite ich ja gar nicht.
      Aber eben (bei weitem) nicht alle. Da spielen viele Aspekte mit hinein, von denen ich nur einige – aus Sicht eines mittelständischen Industrieunternehmens – genannt habe.
      Ich wollte klar machen, dass es gute Gründe gibt, manche Stellen nicht auf Teilzeitbasis anzubieten, und dass das nicht nur die Unflexibilität oder gar Böswilligkeit des Arbeitgebers ist.

      Wie schaffe ich ein gerechtes, faires und transparentes Entlohnungssystem, das auf die Individuen eingeht?

      Du wirst nie ein System finden, das wirklich für jeden Einzelfall fair und gerecht ist.
      Die Arbeitszeit ist halt noch am einfachsten und eindeutig zu messen. Wobei das Ergebnis trotzdem stark differieren kann, je nach dem, ob der Mitarbeiter flott und zügig arbeitet, oder nur rumtrödelt.
      Für manche Verzögerungen ist der Arbeitnehmer selbst gar nicht verantwortlich (z.B. stundenlanges OS-Update). Der Arbeitgeber zahlt trotzdem für diese Zeit.

      Ein glatter, reibungsloser Betriebsablauf ist umso besser gewährleistet, je weniger Mitarbeiter beteiligt sind.
      Mag ja sein, dass viele gerne weniger arbeiten würden. Nach Möglichkeit wird der Arbeitgeber dem auch entsprechen. Jedoch ist diese Möglichkeit eben gar nicht so oft gegeben, wie es vielleicht wünschenswert wäre.

      und die KW des Autos

      „KW“ – Kalenderwoche?

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      • ednong schreibt:

        “KW” – Kalenderwoche?

        Das ist ein kleines „K“, ganz eindeutig
        *rumradier*

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      • ednong schreibt:

        Und bzgl. des Entlohnungssystems:
        Vermutlich suchen die AG auch gar nicht nach einem solchen, zunmindest kommt es mir vor, dass daran kein allzu großes Interesse besteht.

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        • Das kommt drauf an.
          Es gibt beispielsweise Akkordlohn, wo nach Stückzahl abgerechnet wird, oder Festpreise.
          Es ist halt auch schwierig, den Wert des Ergebnisses der geleisteten Arbeit genau abzuschätzen und zu bewerten.

          Anwesenheit am Arbeitsplatz ist ganz sicher nicht gleichzusetzen mit produktiver Arbeit.
          Ich sitze auch im Büro zeitweise nur rum (und surfe), während ich dahienm oder unterwegs berufliche Probleme überdenke und teilweise löse.
          So etwas lässt sich einfach nicht richtig erfassen.

          Oder nimm unsere Bürohilfe. Die meiste Zeit macht sie gar nichts, und wartet, dass ihr jemand eine Aufgabe gibt (dabei kommt sie schon manchmal ins Rotieren), oder das Telefon klingelt.
          Abrechnen lässt sich so etwas trotzdem nur nach Zeit. Oder wir entwickeln ein ganz kompliziertes und detailliertes Bewertungssystem, bei dem die Dokumentation und Erfassung dann mehr Zeit kostet, als die eigentlich geleistete Arbeit.

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          • ednong schreibt:

            Also klar, Stückzahl und Akkord mögen nicht verkehrt sein. Aber auch hier die Frage: wer legt die 100 % fest (also wieviel Stück das sind)? Und nach welchen Kriterien? Das war bei meinen bisherigen Stellen in dem Bereich nie transparent, geschweige denn erfuhr man, wieviel 100 % sind.
            Genauso natürlich bei Stellen, auf denen du von anderen abhängig bist – also davon, dass sie Aufgaben für dich haben oder das Kunden anrufen (und Aufgaben/Aufträge vergeben).
            Es ging mir ja um homogene Bereiche, und da insbesondere um den Bereich (Software-)Entwicklung. Oder so generell Bereiche, in denen du viel denkst/denken mußt. Da gibt es dann Betrag X – und mit dem ist dann womöglich alles abgegolten. Aber wie beurteile ich, ob das gerecht, fair, angemessen ist? Und wenn dann nur der Vergleich mit anderen gleicher Coleur auftaucht – ja, dann ist es doch meist ein Streben nach mehr. Beantwortet aber eben immer noch nicht obige Fragen.

            Und letztlich führt es dann auch dazu, dass die Leute mehr arbeiten, meist, weil sie sich dann moralisch dazu verpflichtet fühlen. Macht unsere Gesellschaft nicht besser. Und ja, ich bin der Meinung, der Mensch lebt nun mal nicht hauptsächlich, um zu arbeiten.

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            • Jezek1 schreibt:

              Also die Fragenstellung „Der gerechte Lohn“ stellt an einigen Unis für die BWL/VWL-Studenten eine eigene Vorlesung dar; über ein komplettes Semester.

              Und was ist das Ergebnis? Im Prinzip nichts konkretes; somit wird es nie einen gerechten Lohn; nicht mal einen leistungsgerechten Lohn geben. Grundproblem ist, dass es für den Begriff „Gerechtigkeit“ keine eindeutige normative Vereinbarung in der Gesellschaft gibt. Zwar gibt es hierzu theoretische Konzepte von Pareto, Mill, Adams usw. mit dem Ziel die Entropie zu senken; aber kein Konzept ist/war bisher umsetzungsfähig.

              Vielleicht haben am Ende die Neoklassiker Recht wenn sie sagen, ein Lohn ist dann gerecht wenn der Zahlende maximal bereit ist auf sein eigenes Einkommen/Gewinn des Unternehmens zu verzichten um die erbrachte Leistung des Mitarbeiter zu entlohnen ohne den MA substituieren zu können?

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            • Ja, du siehst selbst, welche Probleme andere Abrechnungsmodalitäten bringen würden.
              Eine fest vereinbarte Arbeitszeit und ein fixes Gehalt lassen sich relativ leicht festlegen.
              Alles andere ist in irgendeine Richtung dann doch wieder Willkür.

              Du kannst aber das Pferd auch andersrum aufzäumen, und fragen: „Was ist dem [Arbeit|Auftrags]geber meine Leistung wert?“
              Oft pendelt sich dann ein angemessenes Entgelt durch Angebot und Nachfrage ein.

              Ich habe beispielsweise bei bestimmten Portalen einen Stundensatz angegeben, von dem ich annehme, dass er mir optimalen Umsatz bringt.
              Gehe ich damit runter, bin ich zu billig, kriege dann vielleicht mehr Aufträge, aber in der Summe zahle ich drauf.
              Wähle ich den Stundensatz zu hoch, bekomme ich keine Aufträge mehr.

              Tja, .. niemand hat behauptet, das Leben sei einfach.

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            • Irenicus schreibt:

              Vielleicht haben am Ende die Neoklassiker Recht wenn sie sagen, ein Lohn ist dann gerecht wenn der Zahlende maximal bereit ist auf sein eigenes Einkommen/Gewinn des Unternehmens zu verzichten um die erbrachte Leistung des Mitarbeiter zu entlohnen ohne den MA substituieren zu können?

              Ich denke das ist durchaus der prinzipiell richtige Weg. Oder anders ausgedrückt: „Man sollte seinen Mitarbeitern so viel wie möglich zahlen, ohne dabei drauf zu zahlen (und dabei selbst einen soliden Gewinn erwirtschaften)“
              Das führt aber natürlcih dazu, dass Leute mit der gleichen Tätigkeit in unterschiedlichen Unternehmen eben nicht gleich bezahlt werden. Was irgendwie eine eigene Form der „Ungerechtigkeit“ ist. But that’s life.

              Die andere Idee, wäre die von flächendeckenden Tariflöhnen. Die nicht unterschritten werden dürfen. Und, was selten dazu gesagt wird, auch möglichst nicht überschritten (!) werden sollen. Allerdings ist es schwer die Tarife festzulegen (immer währender Prozess der Neuaushandlung) und bei sehr vielen Tätigkeiten ist einfach schwer zu sagen, welcher Tarif gilt, bzw. welche Lohngruppe im Tarif.

              Letztendlich gibt es unmöglich eine lösung zu finden, die im Detail für jeden Angestellten in Deutschland, alles „fair“ und umfassend regelt.

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            • Das führt aber natürlcih dazu, dass Leute mit der gleichen Tätigkeit in unterschiedlichen Unternehmen eben nicht gleich bezahlt werden.

              Auch das kann der Markt richten.
              Wer glaubt, zu schlecht bezahlt zu werden, kann einen besser bezahlenden Arbeitgeber suchen.

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  5. Irenicus schreibt:

    ich glaube er meint die Leistung des Autos, also kW, altmodisch (nichtmetrisch) auch mit PS bezeichnet 😉

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  6. idgie13 schreibt:

    Ich habe eine Zeitlang „Teilzeit“ gearbeitet: 90% von 42 Stunden an 4 Tagen. Mir sind 4 lange Arbeitstage lieber als 5 normal lange. Da bin ich richtig schön im Thema.

    An meiner 1. Stelle bei Siemens war ich auf nur 35 Stunden angestellt – die hab ich auch an 4 Tagen abgearbeitet und am 5. Tag E-Technik-Vorlesungen gehört.

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    • Es kommt auf die jeweiligen Gegebenheiten an. Da ist vieles denkbar, wie man sich die Zeit einteilt.
      Und die paar Stunden, die du früher eingespart hast, hast du seither längst aufgeholt.
      Unter 35 Stunden reguläre Arbeitszeit bist du ja nie gekommen. Das zähle ich schon als Vollzeit, auch wenn du sie auf 4 statt 5 Tage verteilt hast.

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