Elfhundertvierundachtzig

Schon faszinierend, wie manchmal belanglose Bemerkungen wieder längst vergessene Erinnerungen heraufbeschwören können. Über mehrere Zwischenschritte werden Assoziationen getriggert, und dann fällt einem eine uralte Geschichte wieder ein ..

Ich muss in der ersten (oder höchstens zweiten?) Klasse gewesen sein.
Der Pausenhof der Schule war an einer Seite durch Dornbüsche eingegrenzt. Ohne dass ich einen Anlass gegeben hätte, und ohne Vorwarnung, schubste mich ein Klassenkamerad (der die erste Klasse wiederholen musste, also deutlich älter war als ich) in das Dorngestrüpp – nur weil ich gerade danebenstand, um ruhig mein Pausenbrot zu verzehren. Soweit ich mich erinnern kann, muss er wohl mehr oder weniger von hinten auf mich zugeprescht sein, so dass ich ihn nicht rechtzeitig kommen sah, um noch Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Ich war so tief in den Dornen gelandet, dass ich mich nicht so schnell aus eigener Kraft befreien konnte, aber Mitschüler und wohl auch Lehrer waren gleich zur Stelle, und halfen mir heraus.
Es muss Sommer gewesen sein, denn ich hatte an meinen nackten Armen und Beinen lange, blutige Kratzer.
Ich war wohl erschrocken, und vielleicht habe ich auch geweint, denn solche Kratzer tun ja weh.

Dieser Junge lebte allein bei seiner Großmutter, und hatte schon den Ruf, immer wieder solche Ärgernisse zu verursachen. Nicht lange danach musste er deshalb die Schule wechseln.
Auch wenn mir das vielleicht niemand glaubt, aber ich hege keinen Groll gegen ihn (doof hatte ich ihn schon vorher gefunden, und war ihm möglichst aus dem Weg gegangen). Auch hatte ich niemals Rachegelüste. Ich war damals schon so vernünftig, um einzusehen, dass er eigentlich ein bedauernswertes Kind ist, das seine Aggressionen nicht beherrschen kann.
Auf die Idee, ich könne ein „Opfer“ sein, bin ich nicht gekommen. Und ich war auch nicht so einfältig, um von diesem einmaligen Vorkommnis aus die „Tätergruppe“ zu verallgemeinern, oder in Zukunft Angst vor solchen Angriffen zu haben.

Die Kratzer verheilten schnell wieder, und ich habe seit etlichen Jahren nicht mehr daran gedacht. Keine Ahnung, was aus dem Jungen geworden ist.

Nach diesem Erlebnis gehöre ich wohl auch zu den statistischen 30% Frauen, die irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal Gewalt in irgendeiner Form erfahren.
Die gute Nachricht ist: Wenn man der propagierten Statistik glauben darf, kommen 70% aller Frauen – also bei weitem die Mehrheit – niemals in ihrem Leben mit Gewalt in Berührung.
Bei Männern sind es leider deutlich mehr, die Gewalterfahrungen machen müssen.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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37 Antworten zu Elfhundertvierundachtzig

  1. aliasnimue schreibt:

    Als Kind ist mir das glaub ich nicht passiert. Aber ich hab ja auch kaum Erinnerungen. Aber mit Anfang 20. Mein Ex hat mich im Streit grün und blau geschlagen. 25 Jahre später hat er sich entschuldigt und gemeint, er habe jeden Tag seines Lebens daran denken müssen und es bitter bereut.

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  2. Letti Scarletti schreibt:

    Ich fürchte, dass Schulhofrangeleien (wohl aber Schlägereien) in der Grundschule nicht gemeint sind, wenn es um die Gewalterfahrung geht, die 30 % der Frauen gemacht haben.
    Wenn man in Betracht zieht, dass die Kriegsgeneration noch hochbetagt unter uns weilt, und Schläge vor 20 Jahren bei zu häufig ein probates Mittel der Erziehung waren, sind 30 % vielleicht zu konservativ geschätzt – allerdings haben diese Art von Erfahrung Männer und Jungen ebenfalls machen müssen.
    Ich kenne die entsprechende Statistik, bzw. Untersuchung nicht, aber ich vermute, bei den angesprochenen 30 % geht es um Dinge wie z. B. unverschämte Klapse auf den Po bis hin zu schweren Körperverletzungen, Vergewaltigungen etc.

    Bei den Po-Klapsen meine ich die offensichtlich unwillkommenen und deplazierten, die weniger durch den physischen Schmerz beeinträchtigen, sondern vielmehr in einer bewusst herabsetzenden Intention verteilt werden. Stellen Sie sich vor, der Herr Grau vom Standort 4 wäre Ihr Chef / Vorgesetzter / Kollege und würde nach einem sachlichen dienstlichen Disput mal eben beherzt zulangen, möglichst noch mit einem schmierigen Grinsen und einer entsprechenden Bemerkung…

    Letti Scarletti

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    • So wie ich die genannte Statistik verstehe, zählt da jede noch so harmlose Kleinigkeit dazu.
      Die wirklich schlimmen Fälle (schwierig, die Grenze zu ziehen – vielleicht da, wo eine ärztliche Behandlung angebracht ist) werden dadurch praktisch unter den Teppich gekehrt. Aber das betrifft viel weniger als diese ominösen 30%, die immer wieder genannt werden.

      Und für mich war das damals schlimm genug, auch wenn es mich nicht traumatisiert hat.

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    • George schreibt:

      Geschubst, gestoßen oder an den Haaren gezogen worden zu sein floss in der Studie mit ein. Und wem ist das in Kindergarten oder Schule bitte nicht passiert?
      http://www.huffingtonpost.de/dieter-scholl/gewalt-gegen-frauen-kritik-an-eu-studie_b_4930376.html

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      • Danke für diesen Link! Ich war mal wieder zu faul gewesen, da selbst eine passende Quelle zu suchen. 🙄

        Was mich jedoch erschüttert ist, wie kritiklos diese Ergebnisse von Medien und politischen Gestaltern akzeptiert werden

        Ja, diese Ergebnisse werden wirklich auf völlig unseriöse Weise ausgeschlachtet.

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    • Carnofis schreibt:

      „Ich kenne die entsprechende Statistik, bzw. Untersuchung nicht, aber ich vermute, bei den angesprochenen 30 % geht es um Dinge wie z. B. unverschämte Klapse auf den Po bis hin zu schweren Körperverletzungen, Vergewaltigungen etc.“

      Die 30% sind eher eine Sau, die die Medien nach der Veröffentlichung des Gewaltschutzberichts des BMfaaM unter Renate Schmidt 2004 oder 2005 durchs Dorf getrieben haben.
      Lt. dem Bericht hat jede 4. Frau, das Alter von etwa 15 bis 85 Jahren erfassend, Erfahrung in häuslicher Gewalt.
      Die Gewaltdefinition stammt aus dem Hause BIG (damals „Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt“, heute „Berliner Interventionszentrale gegen häusl….“) unter maßgeblicher Mitarbeit von Barbara Kavemann, die schon in den 80ern jedem 3. Vater unterstellte, seine eigenen Kinder sexuell zu missbrauchen (Kavemann/Lohstöter „Väter als Täter“).
      Danach zählt zur Gewalt nicht nur Prügel und Anschreien, sondern auch der böse Blick, der dem Mädchen Angst macht und – tatsächlich so im damaligen Katalog gelistet – das „nicht im Haushalt helfen“.
      Ein Väterrechtler hat das mal treffend so zusammengfasst: „Gewalt ist alles, was vom Mann kommt und bei einer Frau Unbehagen auslöst“.

      Wenn man die Albernheiten sieht, mit denen die Gewaltquote gepusht werden musste, dann muss man(n) wohl eher die paradiesischen Verhältnisse bewundern, in denen deutsche Frauen leben. Denn 75% der befragten Frauen mussten zugeben, dass ihre Partner ihnen im Haushalt helfen würden und sie nie in den Zustand des Unbehagens brachten.
      Ich bin sicher, dass Männer von solchen Verhältnissen nicht einmal träumen dürften.

      Ergänzend noch: die Gewaltdefinition wurde extern für die Befragung festgelegt. Die befragten Frauen durften nicht selbst bewerten, ob sie den abgefragten Tatbestand überhaupt als „Gewalt“ empfanden.

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      • Carnofis schreibt:

        Weitere Ergänzung:
        die Studie ist merkwürdigerweise nicht mehr auf der Website des BMfaaM zu finden und abzurufen (ich habe sie mir damals heruntergeladen).

        Es gab einige Zeit später noch eine kleine „Pilot“studie zur Gewalterfahrung von Männern.
        Das oberpeinliche Werk kam zu der Feststellung, dass Männer in erster Linie Gewalt im Rahmen der – für die Verfasser anscheinend obligatorischen – Wirtshausschlägerei erführen.
        Anders, als Frauen wurde den Männern auch freigestellt, ob sie die Ereignisse als Gewalt definieren würden, was sie bei Albernheiten natürlich nicht taten.
        Somit war das Fazit der (Telefon)umfrage „Männer erfahren wesentlich seltener Gewalt, als Frauen“.

        Auch dieses Machwerk ist aus der Liste der Publikationen des BVfaaM verschwunden.

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      • Danke für die ergänzenden Informationen.

        Gewalt ist ja nicht per se etwas schlechtes. Es gibt z.B. auch die Begriffe Staatliche oder Elterliche Gewalt.
        Wenn beispielsweise ein kleines Kind auf die Straße rennen will, ist es notwendig, es ggf. auch mit Gewalt zurückzuhalten.

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  3. Molly L. schreibt:

    Hm. Da frage ich mich gerade, wie man Gewalt definiert. Einfaches Beispiel: Ich habe mich als Mädchen gernde mal gerauft. Mit Jungs, versteht sich. OK, „gerauft“ ist der falsche Ausdruck, 😀 , wir haben uns durchaus geprügelt.
    Aber das war … wie soll ich sagen? „Gleichgestellt“. Und das nicht von den Geshclechtern her, sondern … Also, das war kein Mobbing im Spiel oder so. Einer ging irgendwie Streit an, ein Wort ergab das andere und schon rollte man sich raufend über den Boden. Man holt sich mal ein paar Kratzer, blaue Flecke oder auch mal eine blutige Lippe und klar gab es Geschrei und Geheult, aber … klingt vielleicht komisch, aber das würde ich nicht als „Gewalt“ deklarieren, sondern als – oha, hoffenltich steinigen mich jetzt nicht irgendwelche Pädagogen oder Kuschelmamis! – ganz normale Sache in der Entwicklung eines etwas wilderen Kindes, Punkt.
    Und nur weil ich mich zu 99,9% mit Jungs und nicht mit Mädchen gekloppt habe, würde ich der männlichern Seite der Menschheit nie einen Strick daraus drehen, das war in dem SInne für mich keine Gewalterfahrung, wir waren da alle gleich. Klingt komisch, ich hoffe, Du verstehst, was ich sagen will, 😀
    Ganz anders aber sieht es aus, wenn mir zB ein freundlicher (nichtverwandter) Onkel an den HIntern gegrabbelt hat. Das tat nicht weh wie ein Kratzer oder eine aufgeschlagene Lippe, das tat woanders weh und viel viel mehr. Und obwohl das keine sich sichtbaren Spuren hinterlassen hat, nenne ich so etwas Gewalt.
    Und ich denke, jede Frau, die so etwas nicht kennt (was in meinem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis vielleicht eine von 20 ist!) sollte froh sein, wenn sie so etwas nie erleben musste.

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    • Ich bin mir nicht sicher, ob man solche Schulhofrangeleien zählen sollte.
      Es macht einen Unterschied, ob jemand aus mehr oder weniger eigenem Antrieb da mit macht, oder von den anderen gezwungen wird. Letzter Fall ist sehr wohl Gewalt, und soweit ich mich zurückerinnere, wurde das meistens Jungen angetan.
      Du magst die Ausnahme sein (ein- oder zweimal hatte ich auch so eine handgreifliche Auseinandersetzung, aber da hatte ich zumindest eine Teilschuld).

      Po-Grabscher finde ich nicht schlimm. Wenn jedoch ein körperlicher Schaden entsteht, ist dies viel gravierender.

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      • Molly L. schreibt:

        MIt dem Beispiel wollte ich nur verdeutlichen, dass der Begriff „Gewalt“ leider recht subjektiv und sehr schwer definierbar ist.
        Wenn ich – nur mal angenommen – meinem Mann eine lange und er zurückschlägt, dann würde ich sagen, dass entweder ICH gewalttätig war, oder WIR, niemals aber würde ich einfach so sagen, dass ER gewalttätig war, es kommt mir dabei immer sehr auf den Kontext an. Schwierig eben.

        „Po-Grabscher finde ich nicht schlimm. Wenn jedoch ein körperlicher Schaden entsteht, ist dies viel gravierender.“ – Da sieht man deutlich die Unterschiede in der Wahrnehmung und Beurteilung. Ich finde „Pograbscher“ sehr schlimm. Mittlerweile komme ich mit denen zurecht und weiß mich zu wehren. Als junges Mädchen aber haben sie mir Angst gemacht. Und was schränkt das Leben eines jungen Menschen mehr, als Angst?
        Und genau das meine ich ja: Was für den einen gar nicht schlimm ist, kann für den anderen hochtraumatisierend sein. Daher sollte man vorsichtig sein und möglichst wenig pauschalisieren.

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        • Du hast absolut recht, dass jeder dies subjektiv anders empfindet.
          Genau deshalb ist es unredlich, solche Statistiken – die niemand recht nachvollziehen oder überprüfen kann – auszuschlachten, um Panik zu schüren, um Männer pauschal als Täter, Frauen als Opfer zu stilisieren, und die tatsächlich Leidtragenden für seine ideologischen Zwecke zu instrumentalisieren.

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        • SwA schreibt:

          Sorry, aber das ist Schwachsinn. Traumata entstehen nicht durch „Po-Grabscher“. Da muss schon erheblich mehr kommen. Das überhaupt in diese Kategorie schieben zu wollen finde ich infam.
          Und nochmal Verzeihung, aber Angst ist erstmal dein Problem. Denn diese Angst ist irrational. Wenn sie dich so einschränkt ist eventuell eine Therapie angeraten, denn es gibt weitaus schlimmeres, was das Leben einschränkt, wie zum Beispiel direkter Zwang.
          Für Hysterie habe ich nicht wirklich viel Verständnis.

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      • windmuehle schreibt:

        Du findest „Po-Grabscher“ nicht schlimm? Auch wenn es sich dabei um einen Wildfremden handelt? Du würdest dich also von Jedem am Hintern betätscheln lassen? Und wie sieht es eine Etage weiter oben aus? Fändest du auch nichts dabei, wenn dich ein fremder Mann am Busen begrabschen würde. Ist ja auch nichts anderes, eben nur ein anderer Körperteil.

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        • Es gibt nun wirklich wesentlich schlimmeres.
          Solange es nicht zu grob geschieht, sehe ich keinen Anlass, ein Drama daraus zu machen.

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          • Irenicus schreibt:

            Natürlich gibt es schlimmeres.
            Nichts destotrotz ist es absolut nicht okay. Und ich fände in diesem Zusammenhang eine Ohrfeige durchaus als angemessene Reaktion (körperliche Reaktion auf körperliche Aktion)

            Zur Schubserei: Das hätte auch (buchstäblich) böse ins Auge gehen können. Insofern wurde der Junge hoffentlich entsprechend bestraft (also ordentlich ausgeschimpft). Und es war sicherlich auch schlimm für dich, vor allem weil du als Mädchen genau mit dieser „grundlosen Gewalt“ wahrscheinlich eher selten (nie) konfrontiert wurdest.

            Bei mir, einem der kleinsten Jungs der Klasse (weil 1 Jahr jünger als der Rest) war es praktisch normal, dass sich jemand mal an mir abreagiert hat, und mich völlig grundlos einfach in den Schwitzkasten genommen hat, oder dergleichen. Und damit meine ich keine Prügelei, wie Molly sie beschrieben hat, wo man sich aus einem Streit heraus einfach mal körperlich weiterstreitet. Das wäre völlig normales Verhalten unter Jungs und ggf den Mädchen die da mitmachen. Sowas gabs auch. Und das sollte natürlich trotzdem von Erwachsenen unterbunden werden, weil man das in einer normalen Gesellschaft eben nicht tut, und Kinder Regeln udn grenzen lernen müssen.

            Ich meine wirklich völlig grundlose „übergriffe“ an mir. Allerdings gabs auch niemals nennenswerte Verletzungen. Das letzte mal war btw. in der 12. Klasse. Da hätte ich mich wahrscheinlich sogar problemlos wehren können, aber die Folgen davon wollte ich nciht in Kauf nehmen, also hab ich einfach stillgehalten, darauf bestanden losgelassen zu werden und abgewartet, und dann wars auch nach 1 Minute wieder vorbei. Dass das komplett spurlos an mir vorbei gegangen ist, würde ich trotzdem nicht behaupten. Ich würde aber uach nciht davon reden, dass ich traumatisiert bin.

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            • Eine Ohrfeige kann durchaus angemessen sein. Das muss jeder selbst entscheiden, oder im Affekt einfach so reagieren.
              Mein Stil ist es eher nicht. Ich würde das nicht eskalieren lassen wollen. (Ich hab aber mal – was mir jetzt plötzlich wieder einfällt! – einem älteren Mädchen, das sich wohl einbildete, ich sei ein geeigentes Mobbingopfer, reflexartig eine geschmiert).

              Damals hatte ich in der Tat Glück, dass die Sache noch einigermaßen glimpflich und insbesondere ohne bleibende Schäden ausgegangen ist.
              Der Junge galt ohnehin als „schwer erziehbar“. Insbesondere kam seine Großmutter nicht richtig mit ihm zurecht.
              Ich weiß nicht mehr, inwieweit er dafür bestraft wurde. Jedenfalls kam er dann auf eine spezielle Schule.

              Ja, leider sind Jungen von solchen Übergriffen weit stärker betroffen als Mädchen. Das thematisiert nur kaum jemand, weil es – bis zu einem gewissen Punkt – als normal gilt.
              Ich bezweifle, dass es irgendeinen Jungen gibt, der völlig von solchen Angriffen verschont geblieben ist.
              Wenigstens gibt es nur selten schlimmere Folgen. Die meisten stecken das einigermaßen gut weg.

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          • windmuehle schreibt:

            Ah ja. Dann darf dich also jeder befummeln und begrabschen, solange es nicht grob wird. Du bist sehr tolerant. Sieht dein Mann das auch so locker?
            Gilt das dann auch für lesbische Frauen? Dürfen die auch?

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            • Du scheinst dir da ein völlig unrealistisches Bild zu machen.
              Nur weil ich nicht hysterisch überreagiere, heißt das nicht, dass solche Vorfälle alltäglich wären.

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            • Irenicus schreibt:

              Sieht dein Mann das auch so locker?
              Gilt das dann auch für lesbische Frauen? Dürfen die auch?

              1. von Dürfen war ja wohl überhaupt nie die Rede.
              2. Wie ihr Mann das sieht, spielt eigentlich keine Rolle dabei, wie sie selbst das verarbeitet. Höchstens indirekt, weil seine Gefühle für Anne sicherlich wichtig sind.
              3. Ob Lesbe oder Mann? Wo soll da der Unterschied sein? Entweder die Berührung ist ungewollt, dann spielt es keine Rolle von wem sie kommt. Oder sie ist gewollt. Dann spielt es auch keine Rolle.
              Die einzige Ausnahme wäre wohl, wenn ihr Mann das macht und sie gerade nicht in Stimmung ist (ob das bei Anne jemals vorkommt?), dann ist es aber auch eine andere Form des „nicht-wollens“

              Nichts destotrotz gibt es selbstverständlich Schlimmeres (das wirst du ja sicher nicht bestreiten) und man muss/kann/darf je nach Situation unterschiedlich reagieren. Und nur weil Anne deswegen nicht auf die Barrikaden geht, und dafür sorgt, dass die ganze Welt erfährt, wie schlimm ihr mitgespielt wurde, und sei ein achso schlimmes Opfer ist, heißt das auch nicht, dass sie das völlig okay findet. Und es heißt auch nicht, dass sie anderen Frauen verbietet darauf anders zu reagieren als sie selbst.

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            • Blublubla schreibt:

              Die Frage ist doch: Wie oft kommt sowas wirklich vor?

              Mehr oder weniger einmal im Jahr in der Disco? Dann sollte das eigentlich kein Trauma auslösen, oder? Dann ist es eine Beleidigung und man kann sich entsprechend der Notwehr wehren oder auch nicht – was einem sinnvoller erscheint. Man muss in der Tat nicht jeden Konflikt austragen, man darf es aber.

              Wöchentlich/täglich im Büro? Dann ist doch auch der Grapscher ansich nicht das Problem, sondern das Mobbing. Das sehe ich in der Tat als Problem, aber nicht den körperlichen Vorgang an sich, sondern das Mobbing – das sprengt jetzt aber den Platz im Kommentar.

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  4. Jezek1 schreibt:

    Gewalt gehört zum menschlichen Dasein; leider ist das so. Im ´Grunde sind wir alle nichts anderes als biertrinkende und autofahrende Affen.

    Im Prinzip geht es doch darum, was jeder von uns daraus macht. Wenn man sich bewusst ist, dass jeder Gewalt erfährt aber auch selber Gewalt ausübt bekommt die Sache eine ganz andere Drehung.

    Ich bin im Sinne eines friedlichen Menschen erzogen worden, was grundsätzlich nicht falsch ist. Allerdings wurde ich dann in der Schule oft gehänselt, vulgo gemoppt und habe einiges einstecken müssen; sicherlich zuviel des Guten, ich hätte mich öfters wehren sollen. Aber so kam ich eben in eine Negativspirale, war der Klassen-Außenseiter und Nerd vom Dienst. Dann aber passierte mir etwas im Sportunterricht, dass mich bis heute beschäftigt: Der Klassenbully und Hauptpeiniger konnte mich beim Fußball ausdribbeln; er war ja auch die Nummer 1 im Sport und bei den Mädels hoch im Kurs. Als er an mir vorbeizog kam es dann über mich: Ich trat ich vom hinten mit aller Kraft im die Beine, dass er mehrere Meter über den Rasen segelte, Es war ein böses, hinterhältiges, gemeines Foul von mir; gottseidank ohne weitere Verletzungen; obwohl mein Kontrahent am Boden lag und sich die Beine vor Schmerzen hielt. Natürlich bekam ich ordentlich Klassenkeile; aber irgendwie war es mir das Wert.

    Das wirklich erschreckend war aber; In der Foulsituation habe ich mich großartig gefühlt! Es war großartig meinem Peiniger geradezu genüsslich die Beine wegzuziehen; zu spüren wie er den Boden unter sich verliert; zu merken, dass gerade blaue Flecken auf seinen Schienbeinen sich bilden, er im Zeitlupe auf den Boden knallte und vor Schmerzen sich krümmte und wimmerte. Es war ein Gefühl der Genugtuung; der Macht; der äußersten Befriedigung; der Beherrschung der Situation und dem Geschehen meinen Stempel aufzudrücken.

    Diese Selbsterfahrung bewegt mich bis heute; und zeigte mir wie schnell sich Menschen unter bestimmtem Situationen entgegen allen Konventionen verhalten können. Ich denke, wir alle leben auf einem sehr schmalen Grat; und je nach Lage und Situation können wir uns so oder anders verhalten.

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    • Hm .. das ist keine schöne Geschichte ..

      Ich glaube dir ja, dass der Bully das verdient hat.
      Vermutlich hat er dich wirklich so sehr drangsaliert, dass du keinen Ausweg mehr wusstest, und dann in einer Art Kurzschlussreaktion und ohne nachzudenken einfach so gehandelt hast.

      Hm .. nun, du hast das Geschehene reflektiert. Und niemand, der nicht schon in ähnlicher Situation war, kann beurteilen, ob er selbst nicht ähnlich handeln würde.

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    • sagichnicht schreibt:

      Ich war auch der Daueraussenseiter in der Schule. Eine Gelegenheit mich wie Jezek1 zu rächen, gab es allerdings nie.
      Nach dem Abitur kam ich in eine Art „Trotzphase“; ich sagte mir „Nie wieder Opfer“ und „Jetzt erst recht!“. Allerdings konnten diese „Vorsätze“ nicht wirklich die inneren Verletzungen übertünchen.
      Nun, fast 20 Jahre später funktionieren diese Durchhalteparolen nicht mehr und ich erlebe fast täglich wie die Mobbingerfahrungen meinen Umgang mit fremden Menschen beeinträchtigen.
      Scheiße! 😦

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      • Mobbing ist ein Riesenproblem, das sich auf den Gemobbten wohl dauerhaft negativ auswirken kann.
        Ich hatte das Glück, dass mich niemand ernsthaft auf dem Kieker hatte. Ein paarmal wurde es versucht, aber ich konnte es solange ignorieren, bis es den Mobbern zu langweilig wurde.

        Was geht in Leuten vor, die so etwas machen? Es ist wohl ihre einzige Möglichkeit, ihr eigenes Ego mal so zu pushen, dass sie sich gut fühlen, indem sie andere niedermachen.

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    • Irenicus schreibt:

      Hmm ich würde sagen, du hast in die Abgründe deiner eigenen Pysche geschaut. Ich würde aber behaupten, der Fakt, dass sich da so lange Wut in dir aufgestaut hat, hatte massgeblichen Einfluss auf die Gefühle die du bei deiner Aktion erlebt hast.

      Ich glaube, dass in einer normalen Situation die wenigsten Menschen wirklich Befriedigung aus bloßer körperlicher Macht bzw. Beherrschung über andere beziehen. Die meisten Menschen haben diese erhebliche Hemmschwelle und die ist nicht nur anerzogen, die steckt tief in uns drin. Und der normale Mensch hat auch ein Gewissen, das ihn dann hinterher peinigt, wenn er diese Hemmschwelle kurzzeitig überwunden hat

      Das Problem ist, dass die Leute,die diese Hemmschwelle nciht besitzen, natürlich genau dort hingehen, wo sie das ausleben können. Also zum Beispiel bei der Polizei arbeiten, oder als Türsteher oder was weiß ich.
      Das andere Problem besteht darin, dass keine Grenzen mehr existieren, wenn die Hemmschwelle einmal überwunden ist. Ich denke dadurch sind Grausamkeiten wie unter den Nazis möglich.geworden. Die anderen waren halt keine Menschen sondern Untermenschen, und damit nicht mehr „geschützt“.

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      • Lügenpresse schreibt:

        @ Irenicus

        Lies mal das Buch „Am Anfang war Erziehung“ (Alice Miller). Dann verstehst du wesentlich besser, wie es zu Verbrechen wie dem Holocaust kommen konnte. Die wenigsten realisieren, daß Kinder um 1900 in der Erziehung regelrecht gefoltert wurden. Natürlich auch früher schon. Wenn man als Kind wie ein Untermensch behandelt wird, kann es schon mal passieren, daß es einen tiefen inneren Drang gibt, diese Demütigungen an anderen zu wiederholen und sich dadurch nicht mehr als Opfer zu fühlen.

        Das gleiche hat übrigens auch der Schubser aus dem Artikel getan, nur in einer wesentlich schwächeren Weise. Die Gesellschaft und die Erwachsenen stellen sich aber leider immer noch zwanghaft dumm und sehen nicht die Hilferufe, die in solchen Taten stecken.

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  5. Lügenpresse schreibt:

    Gewalt gehört zum menschlichen Dasein; leider ist das so. Im ´Grunde sind wir alle nichts anderes als biertrinkende und autofahrende Affen.

    Im Prinzip geht es doch darum, was jeder von uns daraus macht. Wenn man sich bewusst ist, dass jeder Gewalt erfährt aber auch selber Gewalt ausübt bekommt die Sache eine ganz andere Drehung.

    Also ich habe noch nie Gewalt ausgeübt im Ü14-Alter, und vorher waren das halt Rangeleien, wobei ich da auch nicht sonderlich auffiel.

    In den letzten Jahren mußte ich leider mehrfach Gewalt durch Frauen erfahren. Einmal richtig kraß, sodaß ich die Polizei rief. Selbst habe ich Frauen noch nie geschlagen.

    Da ich selbst als Kind nie geschlagen wurde, neige ich auch nicht im geringsten zu Gewalt. Es ist immer wieder ärgerlich, wenn Leute die Ursachen von Gewalt in der autoritären Erziehung relativieren. Gewalt gehört überhaupt nicht zum menschlichen Dasein.

    http://alice-miller.com

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    • Dass die elterliche Erziehung Einfluss auf die spätere Gewaltbereitschaft hat, wird niemand bestreiten.
      Es gibt jedoch auch noch andere Faktoren.

      Der Junge, über den ich geschrieben hatte, wuchs ohne Eltern auf.
      Seine Großmutter war eine harmlos-freundliche Frau, die es nicht schaffte, ihm Grenzen zu setzen, und sich gegenüber ihm durchzusetzen.

      Zu häuslicher Gewalt sh. https://auschfrei.wordpress.com/2016/02/10/rechte-9-haeusliche-gewalt/

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    • Lügenpresse schreibt:

      Das Problem ist also das „Böse“ im Jungen, dem die Oma keine Grenzen setzte?

      Du bist offenbar auch eine Anhängerin der Schwarzen Pädagogik. Du blendest aus, was der Junge erlitten haben mag in der Konstellation, in der er gelandet ist. Welches Kind möchte denn bei seiner Oma aufwachsen?

      Die Ursachen der kindlichen Aggressionen sind doch interessant – und hier landet man immer bei Versäumnissen der Eltern.

      Es sei denn, man ist Anhänger der Schwarzen Pädagogik. Dann wird man immer etwas angeblich Böses im Kinde finden und die Eltern verteidigen. 🙂

      Oder anders ausgedrückt: Du tust dem Jungen womöglich großes Unrecht. Die Sensibilität für das Leid von Kindern ist allgemein stark reduziert, wobei es natürlich auch Fortschritte in den letzten 60 Jahren gab.

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      • Ich weiß nicht, warum der Junge bei seiner Großmutter lebte, und wo seine Eltern waren, noch sonst etwas zu seiner Vorgeschichte.
        Dazu habe ich keine Aussage gemacht.
        Überlegungen zu den Ursachen seiner Aggressivität wären reine Spekulation, an der ich mich nicht beteilige.

        Du tust dem Jungen womöglich großes Unrecht.

        Vielleicht hast du recht, und ich sollte hier viel mehr über ihn schimpfen. Schließlich hat er mich grundlos und absichtlich verletzt, und mir als kleinem Mädchen schlimmes Leid zugefügt.

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  6. Pingback: Dreizehnhundertsechsundneunzig | breakpoint

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