Elfhundertzweiundzwanzig

„Weihnachtszeit im Blog“ ist das neueste Thema des Webmasterfriday.

Äh .. tja .. Weihnachten (sowie alle religiös motivierten Feste) ist mir suspekt. Deshalb mache ich selbst da so wenig wie möglich, und versuche mich dem Brimborium zu entziehen. Leider ist dies in unserer christianisierten Welt so gut wie unmöglich.
Also feiere ich stattdessen die Wintersonnenwende, denn danach geht es wieder aufwärts.
Statt Weihnachtsfeier in der Firma gibt es eine Jahresabschlussfeier.

Da einige Verwandte es erwarten, beschenkt zu werden, gehe ich halt darauf ein, wenn auch ohne eigene Überzeugung. Aber ich will niemanden enttäuschen, der sich darauf freut.

Das ganze Dekozeugs mit Weihnachtsbaum, Adventskranz, Kerzen, Christbaumkugeln, Lametta, und was-weiß-ich mag ich nicht.
Was ich mag, sind Lebkuchen, Glühwein, Spekulatius, Dominosteine und einige Plätzchensorten – würde ich aber auch zu anderen Jahreszeiten essen (Glühwein nicht im Sommer, stattdessen Sangria).

Als Kind habe ich gerne mit Krippenfiguren gespielt. Da waren Schäfchen dabei, Hirten, Könige, Ochs und Esel. Da jedoch die Frauenquote der Figuren so gering war (nur eine einzige frisch entbundene Wöchnerin, über die exakt neun Monate zuvor der Erzengel Gabriel gekommen war), konnte ich leider keine interessante Dramaturgie inszenieren. Mit meinen anderen Püppchen waren sie nicht kompatibel.
Überhaupt musste ich als Kind in der (Vor-)Weihnachtszeit noch mehr religiöse Belästigung ertragen als während des restlichen Jahres. Wobei ich noch froh sein muss, keine irreversiblen Folgeschäden tragen zu müssen. Religionsfreiheit sieht anders aus. Wie kann man unmündigen Kindern einen Glauben und die damit verbundenen Rituale aufzwängen, ohne dass sie sich dagegen wehren können?
Unter Religionsfreiheit verstehe ich, dass jeder – möglichst unbeeinflusst von anderen Personen – ab einem gewissen Alter selbst auswählen kann, ob und welche Religion er verfolgt, und dass niemand, der das nicht aus eigenem Antrieb wünscht, von der Religionsausübung anderer Personen etwas mitkriegen muss, noch in irgendeiner anderen Form davon tangiert wird.
Zu viele Gräueltaten sind schon im Namen der Religion verübt worden. Es wird Zeit, dass wir uns davon frei machen.
Aber ich schweife ab.

Da ich also generell nichts mit Weihnachten am Hut habe, mache ich auch in meinem Blog keine entsprechenden Aktionen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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44 Antworten zu Elfhundertzweiundzwanzig

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Keine Zipfelmützenfotos dieses Jahr ?

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  2. Martin schreibt:

    Weihnachten wird sowieso überbewertet…Drei Tage und der ganze Aufwand beginnt schon in den Sommerferien wenn man Spekulatius und dergleichen kaufen kann…Ich kann deine Meinung vollkommen nachvollziehen. Manche Dinge (Schenken) macht man eben, weil es erwartet wird.

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  3. Der Maskierte schreibt:

    Das einzig Gute an Weihnachten ist die Völlerei! Eine meiner sieben Lieblingstodsünden. 😉

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  4. Molly L. schreibt:

    „Wie kann man unmündigen Kindern einen Glauben und die damit verbundenen Rituale aufzwängen, ohne dass sie sich dagegen wehren können?“
    Ich denke, das siehst Du etwas arg eng. Immerhin können Kinder bzw. Jugwendliche bereits ab dem Alter von 14 Jahren entscheiden, ob sie weiter am Religionsunterricht teilnehmen wollen, sind religionsmündig.
    Wenn Du mal Glauben und Religion durch andere Dinge ersetzt, wirst Du feststellen, dass wir unseren Kindern so ziemlich ALLE unserer Wertvorstellungen, Moralsysteme etc. „aufzwingen“. Geht ja auch erstmal nicht anders, klar.
    Frei übner sich und ihr Tun entscheiden und ihre (politische) Umgebung mitgestalten geht erst ab 16, bzw. voll erst ab 18. Wenn man das der Religionsmündigkeit gegenüberstellt, ist das doch recht erstaunlich.
    Ich finde es immer ein wenig befremdlich, wie ausgerechnet das Wort „Religion“ auf manche Menschen wie ein rotes Tuch wirken kann, die dann wiederum den selben Inhalt ohne Glaubensverpackung für völlig legitim halten. Oder erst gar nicht darüber nachdenken, was alles ähnlich ist.

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    • Dass man mit 14 religionsmündig ist, hört sich zwar in der Theorie gut an, in der Praxis aber ist das untauglich.
      Als Katholik hat man in diesem Alter Taufe, Erstkommunion und Firmung bereits hinter sich, ohne eine Chance, sich dagegen zu entscheiden.
      Familiäre Rücksichtnahmen haben z.B. in meinem Fall dazu geführt, dass ich erst mit Mitte 20 aus der Kirche ausgetreten bin (und meine Eltern wissen das bis heute nicht).

      In anderen Religionen (die ich gar nicht namentlich benennen mag) erhalten Jungen bereits in viel früherem Alter irreversible Schäden, die sie für ihr ganzes Leben einschränken.
      Alles nur im Namen der Religion. (Wobei andere Ideologien genauso schlimm sein können – da stimme ich dir zu.)

      Ich habe nichts dagegen, wenn jeder für sich im stillen Kämmerlein seine Religion ausübt, und auch nicht, wenn sich Gläubige zusammentun, und dies gemeinsam tun.
      Aber andere dadurch zu schädigen, zu beeinträchtigen oder auch nur zu stören, ist IMHO nicht gerechtfertigt.

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      • Molly L. schreibt:

        Na, alles, was Du anmeckerst und kritisierst, könnte ich zB auf geselleschaftliche Normen wie etwa Benimmregeln anwenden!
        Und jetzt entschuldige mich bitte, äh, wir wollten doch über meine Bewerbung reden? 😉

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        • Benimmregeln, liebe Molly, dienen dem Zweck (wenn auch mehr oder weniger sinnvoll), das Zusammenleben der Menschen untereinander zu erleichtern.
          Denn es ist klar, dass die Freiheit eines jeden da endet (bzw. enden sollte), wo die Belange eines anderen beginnen.
          Klar gibt es da hin und wieder Konflikte, und gesellschaftliche Konventionen helfen dabei (wennauch nicht immer erfolgreich oder „gerecht“), diese aufzulösen.

          Eine Religion dagegen stülpt das eigene Weltbild anderen über, unter dem Vorwand, das „Seelenheil“ o.ä. der anderen zu wollen.

          Ach so, ja, deine Bewerbung .. leider sind deine Unterlagen noch nicht bei uns eingegangen.
          Du darfst Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse an meine dir bekannte Mail-Adresse mailen.
          Aber aus Ablöse, Gehaltsvorschuss o. dgl. wird nichts. Das kann ich dir jetzt schon mitteilen.

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          • Molly L. schreibt:

            Bite unterbrich mich nciht dauernd, während ich grade mit Dir rede, ahrg! 😉
            Ad Gesellschaft) Da gibt es auch Rituale und Riten, Traditionen, zu denen man als Kind gezwungen wird. Und natürlich impliziert das auch immer ein Weltbild. Nicht unter dem „Vorwand“ des Seelenfriedens zugegeben, aber unter dem der funktionierenden Gesellschaft!

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            • Was meinst du konkret?

              Natürlich sind (z.B. zur Erstkommunion) die Aussicht auf Geschenke, schöne Kleider, Besuch von Verwandten, eine Feier verlockende Köder, denen ein Kind in diesem Alter wohl kaum widerstehen wird.
              Aber das Ziel ist weniger die Aufnahme in die Gemeinschaft, sondern vielmehr, das Kind bis in alle Ewigkeit zu indoktrinieren.

              Warum gibt es überhaupt Religionsunterricht in öffentlichen Schulen? Das sollte – wenn überhaupt – privat organisiert und finanziert werden.
              Vor mehreren Jahren gab es hier in Bayern einige Aufregung wegen der Kruzifixe in den Klassenzimmern. Geschenkt. Wer nicht hinschauen will, muss das ja nicht.
              Den morgentlichen Gebeten sowie den Schuljahresanfangs- und schlussgottesdienste dagegen konnte sich niemand entziehen.

              Jetzt frage ich dich: Was trägt das zu einer „funktionierenden Gesellschaft“ bei?

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            • Molly L. schreibt:

              Ob man sich entziehen kann oder nicht, darüber lässt sich bei fast allen Dinge streiten.
              Aber da es um Weihnachten ging eine einfache frage: Was trägt es zu einer „funktionierenden Gesellschaft“ bei, dass wir unsere Geburtstage feiern?
              Es gibt verschiedene Modelle bis hin zu Kulturen, in denen Geburtstage gar nicht gefeiert werden, ja nicht einmal bekannt sind. Also warum feiern wir sie noch?

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            • Für Kinder ist es schön, Geschenke und eine Feier zu haben. Dies trägt zu ihrer Zufriedenheit bei, und langfristig zu gelassenen Erwachsenen und deshalb indirekt zu einer stabilen Gesellschaft.

              Ansonsten bräuchte ich auch keine sonderliche Behandlung von Geburtstagen, und begehe die kaum noch.

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            • Molly L. schreibt:

              Was genau wie Deine Weihnachtsbeschreibung klingt, 😀
              … nur dass da irritierender Weise das Geburtstagskind (fast) leer ausgeht und alle anderen Geschenke bekommen, verrückten Welt! 😉
              Ich meine ja nur, dass Vieles, was man einer Religion „ankreidet“ auch außerhalb jeglicher Glaubenssysteme existiert, in Sinn und Unsinn, im Guten wie im Schlechten.

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            • Oft sind ja solche Feste im Grunde Fortführung heidnischer Traditionen (Wintersonnenwende -> Weihnachten, Frühlingsbeginn -> Ostern).

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  5. Pingback: Bei Anne inna Firma – Tacheles (2/2) | Von der Uni an den Herd

  6. ronin schreibt:

    „über die exakt neun Monate zuvor der Erzengel Gabriel gekommen war“

    Über?

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  7. verbalkanone schreibt:

    Ich stehe Weihnachten nicht so ablehnend gegenüber wie du, weil ich mich freue, den Heiligabend innerhalb unserer kleinen Familie und vor allem mit den Kindern meines Bruder zusammen zu verbringen. Ich freue mich jedes Jahr aufs neue auf das leckere Fleischfondue, das wir dann zusammen genießen werden, nachdem die Kinder ihre Geschenke ausgepackt haben und mit glühenden Wangen am Esstisch sitzen. Die Religion dahinter blende ich vollkommen aus, da ich nicht gläubig bin und aus der Kirche ausgetreten bin. (Im Namen der Kirche sind die schlimmsten Kriege geführt worden. Das war einer der Gründe dafür, das ich dieser Institution den Rücken gekehrt habe.) Mir geht es beim Weihnachtsfest nur um den Familienzusammenhalt und eine entspannte Zeit zusammen. Und die genieße ich sehr.

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    • Wenn der Webmasterfriday das Thema nicht gestellt hätte, hätte ich Weihnachten gar nicht (ausführlich) behandelt.
      Aber so habe ich mich wohl etwas in Rage geschrieben.
      Ich will bestimmt niemandem Weihnachten verleiden, möchte selbst aber am liebsten gar nichts damit zu tun haben.

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      • verbalkanone schreibt:

        Ich habe mich durch deinen Blogeintrag auch nicht angegriffen gefühlt. Du lehnst Weihnachten komplett ab, ich nur bestimmte Dinge, die mit dem Weihnachtsfest zu tun haben. Wir haben schließlich alle ein Recht auf unsere individuelle Meinung.
        Was mich aber interessieren würde: Ist dein Mann auch so ein Weihnachtsgegener wie du? Ergänzt ihr beide euch da?

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  8. remi1a schreibt:

    Weihnachten im Blog.. Bei mir immer eine harte Zeit. Das Los der Geliebten… 😉

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  9. Horst Schulte schreibt:

    Ich bin meinerseits glücklich darüber, dass ich mich von kopfgesteuerten Vorbehalten wie Frauenquote oder mangelhafter dramaturgischer Ansätze für Krippenspiele und den allgemeinen Verfehlungen der Weltreligionen nicht habe beeinflussen lassen. Du musst im Gegensatz zu mir eine schwere Jugend gehabt haben. Zuviel Kopf ist halt auch nicht immer nur gut.

    Doch, ich mag die Weihnachtszeit immer noch. Nur der offenbar immer noch steigerungsfähig Kommerz nervt. Aber dem kann man sich schon entziehen. Jedenfalls haben wir das in unserer Familie endlich mal fertig gebracht. Keine Geschenke unterm Weihnachtsbaum.

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