Tausendzweiundachtzig

„Du kennst dich doch mit Software aus.“ Das habe ich in letzter Zeit von verschiedensten Seiten aus gehört.
Selten war Software so sehr im öffentlichen Bewusstsein. Leider im negativen Sinn.
Mit Software kann man eben vieles machen – auch manipulieren und fälschen.

Außer meinem Easteregg habe ich in meiner Software keine Hintertürchen.
Die von Novosyx produzierten Geräte sind an internationale Regelungen und gesetzliche Normen gebunden. Rein theoretisch könnte man da wohl auch etwas tricksen – falls es nötig wäre.

Aber ich wäre niemals auf die Idee gekommen, solche Täuschungsmechanismen zu spezifizieren (und gemacht wird, was in der Spec steht!). Sofern irgendwelche Grenzwerte oder Normen nicht eingehalten werden, muss das Produkt eben umdesignt werden, bis es passt. Ich weiß schon, dass das aufwändig, teuer, langwierig werden kann. Und im schlimmsten Fall sogar erfolglos.

Solche kriminellen Einfälle können eigentlich nur von Unternehmerberatern oder ähnlichem verantwortungslos-schmierigem Geschwärtel kommen.
Wer nerd-like denkt, wird es dagegen als Herausforderung betrachten, die entsprechenden Produkte rechtskonform hinzukriegen, ohne dass gesetzeswidrige Manipulationen nötig werden.

Dieselgate beeinträchtigt das allgemeine Image von German Engineering, nicht nur die Automobilindustrie. Und wenn dann noch irgendwo Software drin ist (wie fast überall bei Hightech), ist das Misstrauen besonders groß.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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23 Antworten zu Tausendzweiundachtzig

  1. Der Maskierte schreibt:

    Da hat sich VW einen Bärendienst erwiesen. Und nicht nur sich, nicht nur ihrer Branche, nein dem ganzen Entwicklungsstandort Deutschland, wie du richtig erkennst.

    So leid es mir um die Mitarbeiter tut, die jetzt einer sehr ungewissen Zeit entgegen sehen – und ich kenne einige von denen in unterschiedlichsten Bereichen persönlich und gut – so sehr gönne ich es VW als Unternehmen, dass die selbstgefällige Arroganz einmal eins zwischen die Hörner bekommen hat. Wer auf Zuliefererseite mit denen schon mal zu tun hatte, der wird innerlich auch ein wenig feiern, denn die Hochnäsigkeit, die einem von seiten VW entgegen weht, übersteigt jegliches vertretbare Maß und man wird zum Bittsteller degradiert, dem die große Firma VW einen Gefallen tut, dass sie überhaupt eine Audienz gewährt.

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    • Mit VW hatte ich noch nie zu tun.

      Wir bemerken hier verstärkt Fragen (potentieller) Kunden bzgl. der anzuwendenden Normen, Prüfverfahren, Zertifizierungen und eingebetteter Software.

      Bei Großunternehmen oder Konzernen ist eine gewisse „Arroganz der Größe“ vorhanden. Die können es sich als leisten (oder glauben das zumindest zu können), mit Lieferanten und Dienstleistern – aber auch der eigenen Belegschaft – ziemlich rabiat umzuspringen.
      Diese überhebliche Mentalität ist also wohl nicht allein auf VW beschränkt.

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  2. Nur ein Nerd, aber nicht von VW schreibt:

    Ich würde Dir insoweit widersprechen, dass die Challenge, das Prüfsystem auszutricksen, durchaus auch einen Nerd reizen kann.
    Solche Vorgaben werden nicht schriftlich fixiert werden (paper trail ist böse und so), aber durchaus von Chef zu Entwickler kommuniziert werden.
    Im Zweifelsfall ist es ein “Sie werden dafür sorgen, dass der Motor die Grenzwerte im Test einhält, mir scheißegal wie, Budget kriegen sie keines.” Möglicherweise noch mit einer mehr oder minder latenten Drohung, dass es berufliche Konsequenzen hat, wenn er keinen Weg findet, trotz Null-Budget.

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    • Das Austricksen könnte zwar eine interessante Aufgabe sein, aber wir reden hier doch nicht vom Hobbybereich oder irgendeiner kleinen unbedeutenden Klitsche.
      In kommerziellen, seriösen Unternehmen wird das gemacht, was in der Spec steht. Punkt.
      Zumindest kann ich das jedem Entwickler nur raten, denn wenn es hart auf hart kommt, bedeuten mündliche Absprachen gar nichts.

      Leider machen große Teile der Öffentlichkeit die Entwickler für Dieselgate verantwortlich (weshalb ich diesen Blogeintrag für nötig erachtete). Aber die Entwickler setzen nur das um, was ihnen von oben kommuniziert wird. Dafür gibt es die Spec.
      Und selbst wenn es dafür – ausnahmsweise – nur mündliche Anweisungen gab, sind die Manipulationen nicht den Entwicklern anzulasten, sondern denjenigen korrupten Managern, die es angeordnet haben.

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      • Der Maskierte schreibt:

        In ganz großen, börsennotierten Unternehmen wird gemacht, was in der Spec steht und vor allem dem Kostenplan des Controllers entspricht.

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        • Nur ein Nerd, aber nicht von VW schreibt:

          Im Zweifelsfall wird die Spec auch so schwammig geschrieben, dass „Muss … XYZ-Test bestehen“ als Forderung darin steht, aber eben nicht, dass die Werte über das ganze Spektrum passen müssen. Plausible Deniabilität für die Verfasser, die dann hinterher sagen „ja aber natürlich haben wir das ganz anders gemeint“.

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  3. Leser schreibt:

    „an Internationale Regelungen und gesetzliche Normen gebunden“ sind die Autos ja auch. Nur hier ist „International“ eben EU-weit, und da haben sich die Lobbyisten der Automobilindustrie bereits vor längerem die entsprechenden gesetzlichen Normen gekauft, die es erlauben, auf dem Prüfstand völlig unrealistische Testzyklen zu fahren, um mit geschönten Werten dazustehen. In den USA gibt es keine solchen gekauften Gesetze, deshalb ist man auf die Idee mit dem Betrug gekommen. Ob die sich wirklich gedacht haben „merkt ja eh keiner“, oder ob sie einfach überhaupt nicht an die Zukunft gedacht haben, sondern nur den kurzfristigen Umsatz gesehen haben, ist nicht überliefert.
    Ja, sowas passiert, wenn im Management Wirtschafts“wissenschaftler“ sitzen, anstatt echte (Natur-)Wissenschaftler bzw. Ingenieure…

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    • In mancher Hinsicht gehen die USA viel rigider vor als die EU, weshalb dieser Betrug auch dort aufgeflogen ist.

      Wenn Entscheidungsträger nur durch Geld (Provisionen, kurzfristiger Profit, Gewinnbeteiligung, ..) an ein Unternehmen gebunden sind, haben die kaum Hemmungen, zu solchen Methoden zu greifen, weil ihnen die langfristigen Auswirkungen egal sind.

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  4. ednong schreibt:

    Traurig, dass es überhaupt umgesetzt wurde in Software.

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  5. Jezek1 schreibt:

    Ich habe selber jahrelang in der Dieselentwicklung gearbeitet und kenne die Möglichkeiten der ECU sehr gut da ich selber Motorsteuergeräte bedatet habe. Dass was die verhörten Ingenieure beschreiben haben ist völlig nachvollziehbar: Kein Budget, aber die gesetzlichen Vorgaben müssen eingehalten werden. Daher war diese Lösung vorhersehbar; die dafür notwendige Erkennungssoftware für die Lastkollektive ist im Prinzip ein alter Hut und wird auch bei anderen Dingen eingesetzt. Nahezu jedes Motorsteuergerät hat diese Software schon drauf; ob sie aktiviert wird bestimmt der OEM/Fahrzeughersteller.

    Was aber an der gesamten Diskussion heuchlerisch ist:
    1. Beim Otto-Motor gibt es ähnliche Softwarelösungen die den 3-Wege-Kat immer wieder im Fahrbetrieb deaktiviert. Hierzu sagt die EPA aber nichts; und auch die anderen Behörden schweigen hierzu.
    2. Man muss wissen, dass der Dieselmotor in den USA eine Spezialität von deutschen Autobauern ist und somit auch nur die deutschen Hersteller trifft.
    3. Und die in den USA gebauten und beliebten Pick-up Trucks mit US-Dieselmotoren unterliegen nicht den PKW-Abgasgrenzwerte sondern den deutlich einfacher einzuhaltenden TIERx-Grenzwerte. Daher rußen diese Autos auch entsprechend und werden mit diesen Motoren nicht nach Europa exportiert, da hier eine Zulassung nicht möglich wäre.
    4. Im gleichen Zeitraum hat GM Probleme mit Zündschlössern; es gab je nach Quelle zwischen 80 und über 100 Todesfälle.

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    • Mit der Automobilbranche kenne ich mich zugegebenermaßen nicht aus.
      Die Branche, in der ich arbeite, ist stark reglementiert, und hier merkt man bereits die allgemeinen Auswirkungen von Dieselgate.

      Mich hat es sehr gestört, wenn die Medien in dem Zusammenhang „kriminelle Ingenieure“ oder „betrügerische Entwickler“ nannten.
      Denn die Ursachen sind ganz andere.
      Entwickeln kann sehr teuer sein, und dann muss man eben ausreichend Budget zur Verfügung stellen.
      Die eigentlich Schuldigen sind die, die Entwickler in eine solche Notlage bringen, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, als zu tricksen.

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  6. Leser schreibt:

    Da habe ich doch gerade einen interessanten Text zum Thema gefunden, den ich hier verbreiten möchte: http://if-blog.de/guestauthor/mein-freund-der-softwarebetrueger/

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    • Ja, auch bei Normen besteht oft noch Interpretationsspielraum.

      Mir ist da mal folgender Fall zu Ohren gekommen:

      Ein Gerät sollte für die Zulassung abgenommen werden. In der Norm war vorgeschrieben, dass ein gewisser Messwert mit dem linear interpolierten Wert aus zwei Referenzpunkten verglichen werden soll.
      Da der Prüfer nicht wusste, wie man linear interpoliert, nahm er einfach den Mittelwert.
      Als irgendwann ein externer Auditor anwesend war, wäre diese Vereinfachung fast aufgeflogen. Der Prüfer hatte nur Glück, dass der gemessene Wert tatsächlich fast in der Mitte war, und der Auditor auch nichts mit Interpolation anfangen konnte.

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  7. Pingback: Zwölfhundertsiebenundsechzig | breakpoint

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