Tausendachtundsiebzig

Am Standort 4 ging es so weiter:

Bei den Zuhörern gab es eine leichte Unruhe, aber niemand meldete sich.
Dann doch ein Zwischenruf: „Stimmt es, dass die Entwicklung nach Tschechien soll?“
Wie kommen die auf diese Idee? Außer irgendwelchen inkompetenten Unternehmensberatern hat daran noch niemand gedacht.
„Herr ..?“, erwiderte ich fragend, und schaute dabei in die Richtung des Rufers. Er sagte seinen Namen.
„Herr $Name, da kann ich Sie und Ihre Kollegen beruhigen. Die Firmenleitung wird die Entwicklung nicht verlegen, solange die Arbeitfortschritte und die Qualität hier den Vorgaben entsprechen.“ (Wenn hier allerdings weiter so geschludert wird, kann ich für nichts garantieren.)
Ein Raunen bei den Entwicklern. Dann wieder ein Zwischenruf: „Warum dürfen wir nicht mehr rauchen?“
„Sie dürfen weiterhin in der vergesehenen Raucherzone rauchen. Ich kenne die Örtlichkeiten hier noch nicht. Aber wir haben einen überdachten Unterstand auf dem Gelände errichten lassen. Der Standortleiter gibt Ihnen sicherlich weiter Auskunft.“
„Aber warum nicht mehr in den Büros?“, fragte wieder ein anderer.
„Um die Nichtraucher der Belegschaft zu schützen, und weil der Rauch und die Ablagerungen den Computern, Möbeln und anderem Inventar schaden.“ (Und vor allem ist es eklig und stinkt!) „Die Firmenleitung hat die Raucherregelung so mit dem Betriebsrat hier vereinbart.“
Die weiteren Fragen gingen dann in eine sachlichere Richtung: Eine neue Compiler-Version und spezielle Tools, die gewünscht wurden, geplante Weiterbildungsmaßnamen, irgendwann Zusammenlegen der Repositories, Urlaubsregelungen und so weiter.
Bei einigen konkreten Fragen zur Software-Entwicklung verwies ich auf die Einzelgespräche, die ich noch mit ihnen führen würde.
Dann schickte ich alle erst einmal an ihren Arbeitsplatz zurück.

Ich genehmigte mir noch einen Kaffee. Dann begann ich mit meiner Runde, wie ich sie sonst auch am heimischen Standort bei meinen Jungs mache.
Ich wechselte jeweils einige Worte, schaute kurz zu, was sie gerade machten, und vereinbarte mit jedem ein etwa halbstündiges Mitarbeitergespräch für den nächsten Vormittag.

Nach einem sehr kurzen Stadtbummel, dem Abendessen in einer Pizzeria, und einem ausführlichen Telefongespräch mit Carsten, verbrachte ich den Abend offline im Hotelzimmer, da es nicht viele Möglichkeiten gab, was ich sonst hätte machen können. Aber ich hatte genug Lesestoff auf meinem Notebook dabei, so dass es mir nicht langweilig wurde – soweit man sich alleine nicht langweilen kann. Zwischendurch schaute ich auch Simpsorama, was mich aber nicht übermäßig beeindruckt hat.

Am nächsten Morgen gab es keine Probleme mit dem Pförtner, der sich sogar als äußerst hilfsbereit zeigte.
Auf meine geschäftlichen Mails konnte ich einen kurzen Blick werfen. Zum Glück war nichts dringendes dabei.
Ich hatte ein kurzes Gespräch mit dem Standortleiter und dem Leiter der dortigen IT. Herr Grau lehnte mein Gesprächsangebot dagegen ab.
Ich unterhielt mich dann noch mit jedem einzelnen Software-Entwickler. Herr Grau hatte dafür (wenn auch offenbar ungern) sein Büro zur Verfügung gestellt (wo ich erst mal gründlich lüftete).
Es gelang mir, noch verschiedene offene Punkte zu klären, und ich denke schon, dass ich einige Vorbehalte mir gegenüber ausräumen konnte, was hoffentlich die Produktivität in Zukunft steigert. Ich bilde mir nicht ein, motivationsmäßig das Analogon zum Ballmer Peak (innerhalb der FWHM) getroffen zu haben, aber aus dem Minimum kurz davor dürften sie raus sein. Insofern war mein Besuch – so anstrengend er auch war – durchaus ein Erfolg.

Nach dem Mittagessen in der Kantine machte ich mich wieder auf den Rückweg nach Hause.
Am Bahnhof holte mich Carsten ab. Ich war nicht nur froh, ihn zu sehen, sondern es war auch nötig, dass er mich heimbrachte, denn im Zug hatte ich mich zunehmend unwohl gefühlt. Alleine hätte ich vermutlich den Heimweg nicht mehr geschafft.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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29 Antworten zu Tausendachtundsiebzig

  1. verbalkanone schreibt:

    Interessanter Bericht, meine Liebe …

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  2. Claudius schreibt:

    Die Raucher gehen auf den Keks, auch wenn sie draußen rauchen. Allein ihre Bekleidung stinkt, so dass bei mir die Augen brennen und die Nase dicht wird (Büro mit 8 AP und 4 Rauchern). Das ist eine sehr merkwürdige Angewohnheit/Sucht, die ich weder nachvollziehen noch verstehen kann…

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    • Der Maskierte schreibt:

      Leben und leben lassen.

      Wer nie geraucht hat, kann diese dämliche Sucht nicht verstehen. Ich habe auch Jahre gebraucht, um die Glimmstengel endlich loszuwerden.

      Aber eigentlich müssen wir den Rauchern dankbar sein. Die zahlen freiwillig Unsummen an Steuern. Dafür geringfügige olfaktorische Belästigungen sind doch ein guter Deal.

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      • Tja, ohne Tabaksteuer bräche ein ziemlicher Batzen der Steuereinnahmen weg.
        Und das Gesundheits- und Rentensystem würde crashen, wenn niemand mehr rauchen würde, weil die Leute älter würden, und teurere Krankheiten bekommen, anstatt kostensparend schon früh in Folge des Rauchens zu versterben.
        Könnten wir uns gar nicht leisten.

        Was jetzt „geringfügig“ ist, darüber kann man geteilter Meinung sein.

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      • ednong schreibt:

        Aslo „geringfügige … Belastung“ – nein, definitiv nicht. Manche Leute sind da ganz ungewollt recht sensibel. Auch bei mir brennen dann Schleimhäute und Augen. Und klar, kommt immer drauf an, was die Leute rauchen – aber es ist immer so. Nur unterschiedlich starkt ausgeprägt. Und dafür muß ich nicht wissen, ob die Person raucht oder nicht – ich rieche es. Und dann wird einem dabei auch schon mal übel. Ich glaub, das kann sich eben ein Raucher nicht vorstellen.

        Und ja, die Raucher zahlen eine Menge Steuern. Allerdings sollte man auch mal genauer gucken, wie hoch denn – im Vergleich zum Längeren Leben – die Krankenkosten sind, die für Krebs etc. aufgewendet werden, wenn man es richtig vergleichen will. Meiner Meinung nach gibt es da irgendwie keine aussagekräftigen Zahlen, ich vermute aber, die Kosten für die Behandlungen sich auch recht hoch.

        Und wenn ein Staat nur dadurch überlebt, dass er auf den Verzehr/Genuß von Schädlichem aufbaut, dann stimmt da irgendetwas am System nicht.

        Undzum Besuch: so eine persönliche Vorstellung ist immer recht sinnvoll – man hat dann einfach einen besseren Bezug zueinander. Und dass Hr Grau das Angebot abgelehnt hat – oha, das find ich ja ziemlich dumm von ihm.

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        • Wenn ich Rauch ausgesetzt bin, dann reagiere ich auch mit brennenden bis tränenden Augen, Husten-/Würgereiz und Übelkeit. Von möglichen langfristigen Gesundheitsschäden mal ganz zu schweigen.
          Kalter Rauch, der sich in die Kleider, Haare, Haut, Möbel, etc. gehängt hat, ist schlicht widerlich und abstoßend.

          In der Tat ist es so, dass Raucher, die früh an irgendwelchen Krebsgeschwüren oder sonstigen durch das Rauchen verursachten Krankheiten sterben, dem Gesundheits- und Rentensystem weniger Kosten verursachen, als wenn sie lange leben würden, und dafür – wenn auch erst im höheren Alter – andere Krankheiten bekommen würden.

          Ich denke auch, dass mein Besuch dort eine gute Idee war.

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    • Mir geht es ganz genauso.
      Bis vor kurzem durfte in Standort 4 sogar noch in den Büros geraucht werden, was wir aber jetzt unterbunden haben.
      Zum Glück gibt es im heimischen Standort nur relativ wenige Raucher, und die rauchen auch nicht übermäßig.

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      • Leser schreibt:

        Dass es überhaupt Firmen gibt, in denen innerhalb der Räumlichkeiten (solange der einzelne Raum nicht Hangar-Größe hat und/oder dort sowieso anderweitige Luftbelastungen vorherrschen, z.B. in einer Stahlgießerei) geraucht werden darf, hat mich schon stark gewundert. Ich hätte gedacht, dass das inzwischen – spätestens, seit es praktisch überall außer in den eigenen vier Wänden verboten ist, indoors zu rauchen – komplett verboten wäre. Erst recht, wenn es einen Betriebsrat gibt, der die Vorschriften zur Sicherheit am Arbeitsplatz (oder wie das heißt, Gesundheitsschutz halt) überwachen muss, weil das zu seinen Aufgaben gehört. Dann gibts da sicher auch noch Brandschutzvorschriften, die dem auch entgegen stehen, und bestimmt noch mehr.

        Das sage ich übrigens als Raucher (der seit mind. einem Jahr gerne aufhören würde). Blöde Sucht…

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        • Molly L. schreibt:

          Ja, das hat mich auch gewundert. Was die eigenen vier Wände angeht … schwieriges Thema. Irgendwo – ich habe vergessen, wo, war es vielleicht GB? – ist es jetzt verboten, im Auto zu rauchen, wenn Kinder darin sitzen. Traurig, SEHR traurig, dass es für so ein Gesetz überhaupt Notwendigkeit gibt.
          Was die Belästigung am AP angeht: Klar, wenn einer grad geraucht hat und reinkommt, riecht man das, der schiebt eine Qualmwolke vor sich her. Aber das ist doch mit Fenster auf schnell behoben, da muss man sich auch nicht so anstellen, finde ich. Auch Nichtraucher tragen manchmal unfeine Gerüche (Schweiß / zu viel Aftershave oder Parfüm / Frittenfett / Knobi) mit sich rum. That`s life.
          Ich drücke Dir die Daumen, dass Du es schaffst! 🙂
          Bin grad bei stolzen 13 Wochen und 2 Tagen Rauchfreiheit! *Strahl*

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        • Alle Einzelheiten wie Brandschutz kenne ich nicht, war früher auch nicht dort, um zu sehen, welches Ausmaß das Rauchen dort tatsächlich hatte.
          Jedenfalls scheint sich niemand aus der Belegschaft beschwert zu haben, und so waren die Raucherregelungen dort halt sehr lasch, und Verstöße wurden nicht geahndet.

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  3. CoffeeGrinder schreibt:

    Dein Besuch scheint erfolgreich gewesen zu sein. Wer weiß da vorher für Gerüchte wegen der Übernahme unterwegs waren, jetzt konnte sich zumindest jeder sein eigenes Bild machen und auch ein paar organisatorische Frage los werden.

    Zum Thema Rauchen. Bei uns gibt es auf jeder Etage im Gebäude Balkone, dort darf geraucht werden. Den Geruch der Raucher finde ich auch unangenehm, aber ein Großteil meiner rauchenden Kollegen ist mittlerweile auf E-Zigaretten umgestiegen. Das stinkt dann wenigstens nicht mehr so. Jetzt gehe ich sogar hin und wieder mit auf den Balkon und genieße die frische Luft und die kurze Pause 🙂

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    • Ja, ich denke auch, dass es gut war, dort einmal persönlich vorbeizuschauen, und einige Fragen zu klären.
      Hoffentlich läuft es in Zukunft dort besser. Da muss ich aber erst einmal abwarten.

      Mit dem Rauchen kann es von mir aus jeder halten, wie er mag. Und es wird ja auch überall unterschiedlich gehandhabt.
      Bloß ich persönlich möchte nicht von Rauch oder Rauchgeruch in meiner Nähe belästigt werden.

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Alles richtig gemacht.
    Rauchen ist ok, aber nicht Ausatmen !

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  5. idgie13 schreibt:

    Raucher stinken. Ich bekomm davon schreckliche Kopfschmerzen. Bei uns im Büro raucht nur 1 recht wenig und selbstverständlich nur draussen. Meine Mädels rauchen nicht mehr seit ein paar Jahren. An der Uni raucht nur 1 Kollege – logischerweise auch nur draussen. Die Büros sind in der Schweiz alle rauchfrei – gottseidank!

    An meiner 1. Arbeitsstelle in der Schweiz vor 16 Jahren hatten wir einen Kettenraucher um die 60. Der hatte Einzelhaft (äh ein Einzelbüro), weil er so gestunken hat, dass das keiner ausgehalten hätte. Wenn der eine Stunde vor Dir Aufzug gefahren ist, hat man das noch gerochen. Wi-der-lich. Bäh.

    Ansonsten schliesse ich mich an: der persönliche Besuch war sicher eine gute Idee!

    Und: Gute Besserung! (kann nicht schaden ;))

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    • ednong schreibt:

      Und wenn ich mir jezt vorstelle, dass die Putzfrau (jaja, REinigungsfachkraft) da auch nach Feierabend reinmuß, um sauber zu machen – ich wäre wohl nach 2, 3 Atemzügen bewußtlos umgeklappt 😉

      Und seine Akten dürften auch entsprechend ausdünsten …

      Früher habe ich das Behördenbriefen immer gerochen, wenn das ein Raucher war, der das geschrieben hat. Ich bin da ziemlich sensibel. Und kalter Rauch – uaaarg. Ganz besonders am nächsten Morgen und wenn über Nacht nicht gelüftet wurde …

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      • idgie13 schreibt:

        Das war echt übel, wie der gestunken hat. Aber der dürfte schon lange pensioniert sein.

        Mein gehasster Englisch-Raucher war auch so ein Stinker, der zwischen jeder Stunde qualmen musste und während den Stunden Pfefferminz-Bonbons gelutscht hat. Ekelhafte Mischung. Der ist schon lange unter der Erde.

        Ich bin echt froh, dass sich da die Richtlinien geändert haben.

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    • Tja, ich hab’s ja jetzt schon mehrfach wiederholt, dass ich Rauchen widerlich finde.
      Aber ich hab das Glück, dass es in meiner normalen Umgebung kaum vorkommt.
      Kaum noch vorstellbar, dass Rauchen in Büros, Restaurants, Zugabteilen, etc. vor wenigen Jahrzehnten noch ganz normal war.

      Verbessern kann man sich immer noch. Aber gesundheitlich geht’s mir inzwischen wieder gut. Trotzdem danke!

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  6. Engywuck schreibt:

    If God had intended man to smoke he would have set him on fire (alternativ: put chimneys in our heads)

    jaja, uralt. schon klar. 🙂

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  7. Pingback: Zwölfhundertsechsundfünfzig | breakpoint

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