Tausendachtunddreißig

Nein, ich habe nicht herumgeschnüffelt.
Ich habe nur – in Absprache mit Carsten – auf seinem alten Privatrechner eine bestimmte Datei gesucht. Und wie das so oft ist – wenn man etwas sucht, findet man stattdessen etwas ganz anderes.
Die Datei war auf Weihnachten 2012 datiert, also zu der Zeit, als Carsten und ich uns gerade getrennt hatten. Es handelt sich um den Beginn eines Briefes an mich, den ich im Folgenden zwar nicht ganz wortgetreu, aber sinngemäß und leicht gekürzt wiedergebe:

„Anne, meine Geliebte,
du weißt, dass meine Ehe mit Ingrid nicht sonderlich glücklich war. Trotzdem war es ein Einschnitt für mich, als sie starb. Die Mädchen waren kurz vor dem Abitur. Es war abzusehen, dass sie bald das Haus verlassen würden. Das Geschäft lief zwar stabil und gut, aber ohne hervorgehobene Ereignisse. Mir kam es vor, als läge der beste Teil meines Lebens bereits hinter mir. Ich hatte meine Lebensfreude verloren, und Verena’s zwanzigster Geburtstag erinnerte mich nur an mein Alter. Es gab nichts mehr, auf das ich mich noch freuen konnte – so erschien es mir damals.
Und plötzlich und unerwartet standest du auf einmal vor meinem Büro. Selbstbewusst. Unglaublich sexy. Herausfordernd.
Mir war klar, dass ich zu alt für dich bin. Aber dennoch hatte das Leben plötzlich wieder einen neuen Sinn und einen prickelnden Reiz. Es wurde mir auch schnell bewusst, dass du einen recht lockeren Umgang mit Männern pflegst, und ich wollte mich keinesfalls als eines von vielen Abenteuern in die Liste einreihen. Das wäre bestimmt passiert, wenn ich dich nur schnell in mein Bett hätte bringen wollen.
Stattdessen nutzte ich jede Gelegenheit, um Zeit mit dir zu verbringen. Dabei ging ich nicht immer völlig korrekt vor.
Ich war hin- und hergerissen. Einerseits wollte ich dich unbedingt haben. Andereseits war ich der festen Überzeugung, dass uns der Altersunterschied zu sehr trennte, und du warst offenbar auch gar nicht an einer ernsthaften Beziehung interessiert.
Wenn ich es manchmal doch nicht unterdrücken konnte, eine Andeutung zu machen, hast du das ignoriert. Zum Glück, denn ich wollte nichts überstürzen.
Du erinnerst dich bestimmt, als ich dich damals nach meiner Geburtstagsfeier herausklingelte, und du warst nur in ein Badetuch gehüllt. Am liebsten hätte ich dir das Ding einfach heruntergerissen und dich hier und jetzt genommen.“

Hier endet der Entwurf.
Ich habe länger gezögert, darüber zu bloggen, aber es hat mich nicht losgelassen, und .. ja .. jetzt habe ich ihn veröffentlicht. Schließlich haben wir uns heute vor genau vier Jahren kennengelernt. Da darf es schon einmal etwas besonderes sein.
Auch möchte ich selbst noch einiges dazu schreiben, aber der Informationsgehalt wird dann zu groß. Das verschiebe ich auf einen der nächsten Einträge.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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20 Antworten zu Tausendachtunddreißig

  1. ednong schreibt:

    … aber der Informationsgehalt wird dann zu groß. Das verschiebe ich auf einen der nächsten Einträge.

    Jaja, für wen zu groß? „auf einen der nächsten“ – pffft. In einem Jahr? 😉

    Gratulation – dir zu deinem Mann.

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  2. ednong schreibt:

    Das wäre übrigens der Permalink zu meinem obigen Kommentar -wenn es das ist, was du suchstest:
    https://breakpt.wordpress.com/2015/07/27/tausendachtunddreissig/comment-page-1/#comment-14245

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    • Danke für den Hinweis.
      Ich habe inzwischen gesehen, dass bei diesem Theme der Permalink hinter dem Datum/Uhrzeit des Kommentars steckt.

      Momentan nervt mich am meisten, dass meine Quotes, Apostrophe und Gedankenstriche, die ich absichtlich in ASCII schreibe, einfach in Unicode konvertiert werden.

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      • ednong schreibt:

        Ja, Permalink hinter Datum und/oder Uhrzeit finde ich auch immer ziemlich panne …
        Warum schreibst du die in ASCII?

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        • 1) aus Gewohnheit.
          2) damit es konsistent mit den Texten auf blog.de ist.
          Und 3) weil ich aufgrund von 1) und 2) meine Tools für ASCII-Text geschrieben habe. Die kommen zwar mit französischen Sonderzeichen und griechischen Buchstaben klar, aber nicht mit diesen doofen typographischen Quotes, und ich hab keine Lust, die jedesmal händisch replacen zu lassen.

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  3. Geeforce schreibt:

    Süss…. 😉

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  4. aliasnimue schreibt:

    Hach…seufz..

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  5. Molly L. schreibt:

    Ohhhh, wie süß!!!! Dennoch gibt es einen Rüffel: Du hättest den Brief – auch, wenn Du an den PC durftest! – nicht lesen dürfen, Fräulein Neugierig! Nee, nee, macht man nicht sowas!

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    • Wieso denn nicht? Der Brief war eindeutig an mich gerichtet.
      Sag nur, du hättest es bleiben lassen.

      Außerdem habe ich es später Carsten berichtet. Der hat nur kurz gebrummt, und dann gleich .. das Thema gewechselt. 😉

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      • Molly L. schreibt:

        Natürlich hätte ich es bleiben lassen. Wenn mein Mann mir etwas sagen/zeigen/geben will, dann soll er es tun, alles andere ist seine Privatssphäre!

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        • Ich bin seine Vertraute, und es ist ihm angenehm, dass ich mich um solche Angelegenheiten kümmere.

          Er hat schon mehrfach gesagt, dass ich Dateien auf seinem Rechner öffnen, und sogar seine Briefe lesen darf (mach ich aber normalerweise nicht – einmal habe ich einen Behördenbrief geöffnet, weil er verreist war, hätte ja dringender Handlungsbedarf bestehen können, und da hatte ich ihn live am Telefon).

          Außerdem soll ich seinen Rechner administrieren, und in seinem Auftrag manchmal Dokumente suchen.
          Solange das sein Wunsch ist, und er mir volle Zugriffsrechte gewährt, ist es sogar meine Pflicht, die eine oder andere Datei zu öffnen.

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  6. phil schreibt:

    Beim Nachlesen alter Beiträge ist mir aufgefallen, dass bei einem Eintrag (https://breakpt.wordpress.com/2012/10/24/zweihunderteinundsechzig-15052278/ )
    das Ende fehlt. Da ist wohl beim Umzug was mit der spitzen Klammer schiefgelaufen.

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  8. Pingback: Zwölfhundertdrei | breakpoint

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