Tausenddreiundzwanzig

Natürlich habe ich mich abends mit Carsten über sein Gespräch mit Herrn Grau unterhalten.

„Was wollte denn Herr Grau von dir?“
„Hm .. ihm gefällt diese Softwareumstellung nicht.“
„Das hat er aber nicht zu entscheiden.“
„Nein, das nicht. Aber er hat mir einige Gründe genannt, seine Software beizubehalten.“
Dieser $UnflaetigesSchimpfwort! Bei mir hat er es nicht für nötig gehalten, irgendwelche Argumente zu liefern.

„Und die wären?“, fragte ich ganz ruhig.
Carsten nannte mir zwei oder drei Punkte, auf die ich auch schon selbst gekommen war, warum diese Greyware in einigen Aspekten der Novosyx-Software überlegen ist.
„Ja, schon. Dafür ist unsere Software in anderen Bereichen besser.“ (Das begründete ich etwas ausführlicher und konkreter, ist für diesen Blogeintrag aber unerheblich.)
„Und außerdem ist der Umstellungsaufwand in diese Richtung geringer ist als umgekehrt“, fügte ich hinzu, „so habe ich das auch mit Ulrich besprochen.“
„Ich weiß. Das habe ich Herrn Grau gesagt. Die Umstellung ist so beschlossen.“

„Dann war dein Gespräch mit ihm im Grunde überflüssig, denn genau das hatte ich ihm schon versucht klarzumachen.“
„Tja .. nicht ganz …“ Er schien zu zögern, so dass ich „Was noch?“ fragte.
„Offenbar hat er Probleme mit dir als seiner Vorgesetzten.“
„Er kennt mich doch noch gar nicht richtig. Und ich kenne mich nun wirklich genügend mit Softwareentwicklung und den Abläufen hier aus.“
„Es geht nicht um deine Kompetenz“, unterbrach er mich, „du weißt, da stehe ich voll hinter dir.“ Er legte den Arm um mich, und begann, mit meinen Haaren zu spielen.
„Sondern?“, fragte ich, und ließ seine Vorlage für ein Wortspiel ungenutzt verstreichen.

„Er kommt nicht klar damit, einer Frau unterstellt zu sein.“
„Sein Problem.“
„Im Grunde schon“, er seufzte, „aber wenn deshalb seine Arbeitsleistung darunter leidet, wird es auch zu unserem Problem.“ Inzwischen war sein Arm weiter nach unten gewandert, und seine Hand begann, meinen verlängerten Rücken zu betasten.
„Du meinst, wenn er meine Anweisungen unterläuft und sich querstellt.“
„Das könnte passieren.“
„Und wie gedenkst du, das Problem zu lösen?“
„Ich habe ihm nahegelegt, sich mit dir zu arrangieren, da du mein volles Vertrauen hast und die uneingeschränkte Weisungsbefugnis für Softwarebelange. Wenn er das nicht schafft, sollte er über Alternativen nachdenken. Da hat er zugegeben, dass ein Wechsel für ihn nicht in Frage kommt, da er aus diversen privaten Gründen an diesen Ort gebunden ist. Andere passende Unternehmen sind weit und breit nicht vorhanden. Ihm bleibt also gar nichts anderes übrig, als sich mit dir abzufinden.“
Während er dies erklärte, hatte er seine andere Hand zunächst auf meinen Oberschenkel gelegt, von wo aus sie sich dann weiter zur Innenseite und nach oben vortastete.

„Na, toll! Ich würde auch lieber mit jemand anderem arbeiten als mit diesem Kettenraucher.“
„Du weißt aber selbst, wie schwierig es ist, jemanden mit passender Qualifikation für so eine Stelle zu bekommen. Erst recht in dieser abgelegenen Gegend. Und persönlich wirst du nur selten mit ihm zu tun haben.“
„Ja, ja!“, gab ich zu, schloss die Augen, und tastete nach der Ausbeulung in seiner Hose.
Ich bin ja souverän genug, um trotz Differenzen professionell mit Herrn Grau zu arbeiten. Die Frage ist nur, ob der sich genügend zusammenreißt, um konstruktiv an den Aufgaben mitzuwirken.

Damit beendeten wir dieses wenig erfreuliche Thema, und setzten die Unterhaltung non-verbal fort.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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16 Antworten zu Tausenddreiundzwanzig

  1. ednong schreibt:

    LOL – genau so hatte ich mir das vorgestellt. Und es wird nicht das einzige Mal bleiben, dass er dir Argumente vorhält. Ich vermute mal sogar, er wird seine Untergebenen auf sich und „seine“ Software einschwören – und dann wirst du arg zu kämpfen haben. Denn auch er weiß, dass er quasi eine Schlüsselposition im Unternehmen hat und so schnell kein adäquater Ersatz möglich sein wird …

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    • breakpoint schreibt:

      Du bist aber heute früh auf!

      Tja, ich werde jetzt erst mal abwarten, wie sich das weiter entwickelt.
      Es mag schwer sein, Ersatz zu finden, aber wenn er tatsächlich opponiert, ist das vielleicht das kleinere Übel.

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      • ednong schreibt:

        Meine persönliche Meinung dazu?
        Ihr hattet einen Sche*ß-Start – und habt gleich eure gegensätzlichen Punkte rausgeholt und euch dran gerieben.

        Er fühlt sich seiner Macht beraucht (berechtigt oder nicht ist egal), du „grantelst“, weil er dir „nicht gehorchen“ will. Und schon seid ihr auf der emotionalen Ebene, auf der ihr aufeinander prallt.

        Du bist doch die Klügere – also such nach einer Lösung. Einer, die sein Ego befriedigt, die zeigt, dass du Sachverstand und Kompetenz hast, dass du ihm seine Führungsrolle nicht nehmen willst und ihm Freiheiten läßt – aber dass ihr ein gemeinsames Ziel habt, nicht gegeneinander arbeitet.

        Bring ihm Respekt für seine (wird sicher zum großen Teil seine Entwicklung/programmierung sein) Programme entgegen. Schau sie dir noch mal genauer an. Mach nochmal einen Termin mit ihm, wo du ihm zeigst, dass du (einen Teil) seine/r Programme gut findest. Wie bestimmte Dinge umgesetzt sind.

        Vielleicht findest du – wenn du etwas objektiver rangehst – ja eine Lösung, zumindest einen Teil in eure und letztlich alle Programme zu übernehmen. Begründe ihm, warum du bestimmte Dinge ändern möchtest, höre seine Meinung dazu an.

        Sprich das Problem des Rauch-Geruchs an. Sag ihm, dass du damit Probleme hast, ob er das etwsa eindämmen kann (Minzbonbon, Kleiderspray, …). Mach Rauchpausen für ihn.

        Ergo: zeige ihm, dass dir schon an ihm bzw. seinem Sachverstand liegt. Dass du ihn diesbzgl. schätzt. Zeige ihm auch deine Kompetenzen. Sucht gemeinsam nach Lösungen – beteilige ihn daran. Ich denke, das ist vielleicht so ein Kernproblem.

        Mag sein, dass du das alles allein zu entscheiden hast. Bringt dir doch aber nichts, wenn du ihn nicht im Boot hast. Ist doch viel effektiver, wenn auch er und seine Mannschaft mitziehen und ihr einen gemeinsamen Strick habt, an dem ihr zieht.

        Hat ja schon fast Email-Länge hier …

        Captcha: gordon bennett

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        • breakpoint schreibt:

          „Er fühlt sich seiner Macht beraucht“
          Er hat unverändert seine Mitarbeiter. Statt dem früheren GF seines Standorts ist er jetzt halt mir unterstellt. So etwas passiert bei Firmenübernahmen.

          Ich „grantle“ gar nicht, verhalte mich lediglich professionell, und ohne in die „emotionale Ebene“ hineinzuschlittern.

          Seine Führungsrolle innerhalb seines Teams habe ich gar nicht angetastet (noch nicht!). Und ich meine auch, dass meine Kompetenz in dem Gespräch ganz gut rausgekommen ist. Er hat nur immer abgeblockt.
          Ich habe mehrfach betont, dass mir an einer guten Zusammenarbeit liegt, und die Software nicht umgestellt wird, weil seine zu schlecht sei, sondern aus übergeordneten Gründen. Schließlich muss ich das Gesamtpaket betrachten, und kann nicht auf solche Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, auch wenn ich durchaus Verständnis dafür habe.
          Einige Features aus seiner Software werden wir sicher versuchen zu übernehmen. Das habe ich ihm auch gesagt – hat er wohl eher als Plagiatsversuch gewertet.

          Was sein Rauchen angeht, werde ich das wohl nicht ansprechen. Viele Raucher reagieren da extrem empfindlich oder pampig, wenn man sie darauf anspricht, dass man ein Problem mit dem Rauch oder Geruch hat.
          Mir hat schon damals das Gespräch wegen übermäßiger Parfümierung gereicht. Und das habe ich mit einem meiner Mitarbeiter geführt, mit dem ich sehr gut auskomme.
          Meist ist Herr Grau ja weit weg, und wenn er seine Gesundheit ruiniert und sein Geld verpulvert, ist das seine Sache.

          Rauchpausen kommen keinesfalls in Frage.
          Nachdem Carsten vor ein paar Wochen bei Standort 4 war, hat er mir erzählt, dass dort viel mehr geraucht wird als bei uns. Wir haben hier (in Absprache mit dem Betriebsrat) ja nur draußen einen überdachten Unterstand, der nur mäßig genutzt wird.
          Aber dort wird teilweise sogar in den Büros geraucht. Carsten prüft noch, wie sich das rechtskonform reduzieren lässt.

          Ich bin mit gutem Willen an das Gespräch rangegangen. Wenn ein neues Management ein Unternehmen übernimmt, gibt es nun mal Veränderungen.
          Eine der Veränderungen ist, die Software umzustellen. Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing. Daran hat er sich zu halten.

          Huch, meine Antwort auch schon wieder viel zu lang geworden. Die Arbeit ruft ..

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          • ednong schreibt:

            „beraucht“ sollte natürlich „beraubt“ heißen.

            Ja, das ist genau das, was ich mein: du läßt „den Gewinner der Übernahme“ raushängen. Natürlich hast du ihm gesagt, dass einige Dinge gut sind. Natürlich hast du ihm aber auch klargemacht, es kommt nur eure Software in Betracht. Natürlich hast du ihm gesagt, dass er dir unterstellt ist. Natürlich bist du mit gutem Willen rangegangen.

            Aber hey, ist natürlich nur deine Sichtweise. Ich war nicht dabei. Ich gehe einfach davon aus, er fühlt sich gekränkt und nicht entsprechend gewürdigt. Da kannst du zig-mal im Recht sein und dich entsprechend verhalten haben – er ist getroffen. Und das, und nur das ist der Punkt.

            Wenn du ihn davon nicht wegbekommst, dann wird er sich querstellen. Natürlich auch vollkommen rechtskonform und seinen Möglichkeiten entsprechend – aber das bringt weder dich, noch euch, noch das neue Unternehmen insgesamt weiter.

            Das „uns“, das du verwendet hast, klingt für ihn wie „die auf der Seite, nicht auf meiner Seite“. Du hast ihn wahrscheinlich nicht abgeholt und zum „Wir“ gebracht. Er sieht nur ein „die neuen, die jetzt die Führung haben“ und „wir alten, die sich jetzt unterordnen sollen“.

            Betrachte die Rollen doch mal vertauscht. Wie hättest du an seiner Stelle reagiert – wenn es zum Beispiel um deine Software gegangen wäre, an der dein Herzblut gehangen hätte?

            Und mit Rauchpausen bezog ich mich lediglich auf ein Gespräch bei dir. Natürlich kann man das Rauchen in Büroräumen verbieten – NIchtraucher haben Anspruch auf rauchfreie Räume und deren Gesundheit muß durch die GF geschützt werden. Damit bekommt man so etwas hin. Ihr solltet dann dort aber vorher einen überdachten Raum zum Rauchen draußen schaffen …

            Und ggf. kann man mit dem Betriebsrat eine gewissen Anzahl von Raucher-/Teepausen abstimmen. Und festlegen, dass sich dafür ausgestempelt werden soll. Wenn man so etwas „sanft“ einführt, wird das im Allgemeinen auch akzeptiert. Meiner Erfahrung nach.

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            • breakpoint schreibt:

              Ich kann nur noch mal wiederholen, dass ich alles, was du ansprichst, durchaus versucht habe im Gespräch umzusetzen.
              Aber wenn da überhaupt kein positives Signal zurückkommt, muss ich mich darauf berufen, dass ich jetzt die Legitimation habe, die Entscheidungen zu treffen. Ich mache das schließlich auch nicht zum Vergnügen, sondern um dem Unternehmen insgesamt zu nützen.

              „er fühlt sich gekränkt“, „er ist getroffen“
              Das mag schon sein, obwohl es dafür keinen rationalen Grund gibt. Trotzdem kann man von ihm verlangen, dass er ordentlich die ihm übertragenen Aufgaben übernimmt.

              Je nach Kontext meine ich mit „wir“ Carsten und mich, oder die Gesamtbelegschaft am hiesigen Standort.

              „Betrachte die Rollen doch mal vertauscht. Wie hättest du an seiner Stelle reagiert – wenn es zum Beispiel um deine Software gegangen wäre, an der dein Herzblut gehangen hätte?“
              Dass er er über die Umstellung nicht erfreut ist, verstehe ich durchaus. Das ändert aber nichts am Endergebnis.
              Meine Software hab ich immer in selbständiger Arbeit erstellt, und nicht für einen Arbeitgeber, wäre also gar nicht erst in eine solche Situation geraten.
              Das Berufsleben läuft eben so, dass Arbeitnehmer das machen, was ihnen der Arbeitgeber aufträgt. Dafür bekommen sie ihren Lohn bzw. ihr Gehalt.
              Wem das nicht passt, muss halt auf eigene Verantwortung arbeiten.

              „Und mit Rauchpausen bezog ich mich lediglich auf ein Gespräch bei dir.“
              Ich werde sicherlich nicht unterstützen, die Gesamtzeit noch länger auszudehnen, und ich drehe inzwischen Däumchen, und warte, bis er gnädigerweise geruht, fertig zu sein.
              Aber so schnell wird es eh kein derartiges Gespräch mehr geben.

              Um die Bestimmungen bezüglich Rauchens am neuen Standort kümmert sich Carsten, und es ist Aufgabe des dortigen Standortleiters, die Einhaltung dann durchzusetzen. Meinetwegen auch „sanft“.

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            • ednong schreibt:

              LOL – du klingst richtig entzückt!

              Ich würd dich ja zu gern mal persönlich treffen, ganz besonders, wenn du in solch einer Laune bist. 😉

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            • ednong schreibt:

              Ich glaub, ich hätte den ganzen Tag was davon 😛

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            • breakpoint schreibt:

              Eieiei, edi, du weißt ja nicht, auf was du dich da einlassen würdest. :))

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            • ednong schreibt:

              Wann weiß man das schon zu 100 %? Aber Spaß-versprechend klingt es schon … 😉

              until tonight meint das Captcha. Na dann …

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  2. idgie13 schreibt:

    Ach diese Männchen immer. Ich hab auch keine Lust auf solche Wehwehchen und Kinkerlitzchen einzugehen. Wenn ihm das nicht passt, muss er sich selbständig machen.

    Und so einen Stinkerraucher hatten wir mal als Externen. Schrecklich.

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    • breakpoint schreibt:

      Wenn ich auf solche Befindlichkeiten Rücksicht nehmen würde, kämen wir nirgends hin. Da bliebe nur Chaos.

      Mit Rauchern hatte ich im Laufe der Jahre immer mal wieder Probleme. Wenn man sie bittet, das Rauchen zu unterlassen, meinen sie, dass man ihnen den Spaß verderben will. Aber ich bin halt so empfindlich, dass mir vom Geruch übel wird, der Rauch mir Atemnot und Hustenreiz verursacht, und meine Augen brennen und tränen.

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      • ednong schreibt:

        „Aber ich bin halt so empfindlich, dass mir vom Geruch übel wird, der Rauch mir Atemnot und Hustenreiz verursacht, und meine Augen brennen und tränen.“

        Kann ich nur bestätigen – ist bei mir genauso.

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        • breakpoint schreibt:

          Tja, darüber könnte ich noch viel mehr schreiben…

          Jedenfalls machen viele Gaststätten hier deutlich mehr Umsatz, seit in öffentlichen Gaststätten nicht mehr geraucht werden darf.
          Schließlich können erst dadurch Nichtraucher ihr Essen richtig genießen, weil es ihnen nicht durch Rauchschwaden vom Nachbartisch oder auch aus einem Nebenraum vermiest wird.

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  3. Pingback: Elfhunderteinundneunzig | breakpoint

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