Tausendzwei

Es war ein ziemlich normales, recht schönes Wochenende.
Für mich bedeutete das, kaum Arbeit, für Carsten dagegen schon. Schließlich hatten wir erst letztes Wochenende einen Kurzurlaub eingelegt.
Nun, ich machte das Beste aus der Situation und dem Wetter, indem ich die Schaukel mal wieder intensiv nutzte.

Warum gibt es in der Öffentlichkeit praktisch keine Chance für Erwachsene zu schaukeln?
Auf den Kinderspielplätzen steht meist ein Schild, dass die Nutzung nur für Kinder bis 12 oder 14 erlaubt ist. Und selbst wenn nicht, dann sind die Sitzbretter so schmal, dass eine erwachsene Frau ihr doch etwas breiteres Becken nicht dazwischenklemmen kann, ohne dass die Aufhängungsseile mehr oder weniger in ihre Hüften schneiden.
Dabei macht Schaukeln Spaß und ist gesund. Ein Bedarf für Erwachsenenschaukeln bestünde bestimmt, und im Gegensatz zu Sex ist es in der Öffentlichkeit ja auch nicht wegtabuisiert.

Ich mag es, dabei die Beschleunigungskräfte zu spüren. Wo kriegt man die physikalischen Gesetze sonst noch so hautnah mit?

Eine Schaukel ist eine Art Pendel. Mit den üblichen Näherungen erhält man für die Schwingungsdauer eine Proportionalität zur Quadratwurzel der Länge. Dabei ist nicht berücksichtigt, dass die Länge von der Masse abhängig sein kann.
Beim harmonischen Pendel (harmonisch bedeutet hier, dass die Bewegung des Auslenkwinkels in Abhängigkeit von der Zeit ein reiner Sinus ist, also ohne irgendwelche Oberschwingungen bzw. Klirrfaktor ) berücksichtigt man nur kleine Auslenkwinkel, bei denen der Sinus noch näherungsweise gleich dem Winkel ist. So macht das aber gar keinen richtigen Spaß.
Das mathematische Pendel dagegen erlaubt größere Auslenkungen. Entsprechend wird dann die Schwinkungsdauer in Abhängigkeit von der Maximalauslenkung größer, bis sie für 180°, also (@Plietschi – extra für dich) π, sogar unendlich wird. Für die Lösung bieten sich Fourierreihen an.
Während bisher eine punktförmige Masse angenommen wurde, berücksichtigt das physikalische Pendel auch das Trägheitsmoment. Das kommt der Realität schon sehr nahe, lässt sich dafür umso schwerer berechnen.

Die bisherigen Überlegungen gehen davon aus, dass die Schaukel bereits in Schwingung ist. Aber zuerst mal muss man ja eine gewisse Auslenkung schaffen, bis man dann mühelos nur noch hin und herschwingen kann (nur gebremst durch die Reibung).
Hierzu fange ich erst mit einem kleinen Impuls an (indem ich das Sitzbrett nach hinten hochhebe, mich draufsetze und die Beine vom Boden löse), und verlängere bzw. verkürze dann periodisch die Länge des Pendels, indem ich beim Vorschwingen die Beine ausstrecke, und sie beim Zurückschwingen wieder anziehe.
Mir fällt gerade ein, dass ich etwas ähnliches über erzwungene Schwingungen bereits beim Nühmphenblog geschrieben habe.
Immer diese Assoziationen!

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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22 Antworten zu Tausendzwei

  1. mkuh schreibt:

    Hallo
    das mit den 12 oder 14 kommt von ab dan Jugendlich
    Kinder Lärm muss man hinnehmen ist ja per Gestezt kein Lärm
    Sobald man Jugendlich wird gilt dieser Schutzt nicht und dan muss viele mehr Abstand zur nächste Wohung sein, daher gibt es immer nur Kinder spilepätze aber die Jugend hat es schwer

    Viele Grüße

    mkuh

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    • breakpoint schreibt:

      Schaukeln für Erwachsene müssten ja nicht unbedingt in Wohngebieten sein.
      Beispielsweise in Parks könnte man schon welche aufstellen.
      Wenn ich nicht meine Privatschaukel hätte, hätte ich keinerlei Gelegenheit, irgendwo zu schaukeln.
      Das finde ich einfach schade.

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  2. baerlinerinn schreibt:

    …herrlich. Manchmal denke ich, alle sind viel zu ernst und erwachsen, oder?! – Ich habe erst letzte Woche wieder auf dem Spielplatz auf einer gesessen, neben mir meine ebenso alt/junge Nachbarin und wir lieferten uns ein Wettschaukeln. Über die Größe der Schaukelbretter kann ich nicht klagen. Passt. Und es sind mir noch nie Hinweisschilder in und um Berlin aufgefallen, die das Alter der Nutzer eingrenzen. Dann ginge ich aber auf die Barrikaden… 😉 Ich haette auch so gern wieder eine, wie als Kind. *seufz* … Schaukeln ist irgendwie wie Kurzurlaub oder eine kleine Therapie. Man vergisst kurz die Welt und all` ihre Sorgen um sich herum und ist einfach nur im Moment gefangen und glücklich. 🙂 … Aehnliches ist beim Trampolin. Auch bei uns auf dem Spielplatz, aber DAS habe ich sogar daheim! 😉

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    • breakpoint schreibt:

      Dann geht’s nicht nur mir so.
      In Berlin scheint es da mehr Möglichkeiten zugeben. Na, sowieso. Hier ist halt doch Provinz. 🙄

      Die Kinderschaukeln sind meist zu schmal, und falls mal eine breit genug wäre, ist sie bestimmt viel zu niedrig aufgehängt. 😦

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  3. plietschejung schreibt:

    Ach, wie herrlich !

    Wenn man nun noch reibungsarme Lager im Drehpunkt verbauen würde und den Luftwiderstand verringern (Vakuum), wäre stundenlanges Schaukeln mit nur einem Schwung möglich.

    Danke für die Erinnerung an die Physik-Zeit.

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    • breakpoint schreibt:

      Die Beschleunigungsphase ist aber auch schön, wenn man mit jedem neuen Schwung wieder ein Stückchen höher kommt.
      Ohne Reibung würde man das nur einmal erleben.

      Oder man setzt sich auf ein Foucault’sches Pendel. :))

      PS: Schön, dass du noch hier bist.

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  4. aliasnimue schreibt:

    Du solltest darauf achten, regelmäßig die Aufhängung zu überprüfen. Ist hier schon zweimal passiert, dass die Stahlhaken gebrochen sind. Mitten im Aufschwung ist das kein Spaß.

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  5. ednong schreibt:

    Diese Spielkinder immer 😉

    Captcha hat Langeweile: dogs and cats living together

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  6. Siprecess schreibt:

    Ehrlich, da gibts Schilder? 😉
    Ich finde ja, diese kurze Flugphase am Ende toll, wenn man leicht hochhuepft und sich ein wenig schwerelos fuehlt bevor man von der Schaukelkette abgefangen wird – Bauchkribbeln wie in der Kindheit. Das mag aber an meiner *aehem* Koerpermasse liegen, die da reinspielt. Ne physikalische Erklaerung dafuer waere natuerlich netter… Da sind Kinder ganz praktisch – man hat einen Vorwand fuers Schaukeln auf oeffentlichen Spielplaetzen. Leider sind meine fast aus dem Alter raus. Also, es gibt noch mehr Erwachsene, die das moegen, als ich dachte…

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  7. Pingback: Elfhundertsechsundsiebzig | breakpoint

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