Neunhundertachtundsiebzig

Jetzt kann ich es ja zugeben, obwohl es mir jahrelang peinlich war, aber ich habe erst sehr spät meine Jungfernschaft verloren.
Ich bin sehr behütet in einem stockkatholischen Umfeld aufgewachsen, war in meiner (frühen) Jugend recht schüchtern und unsicher. Vor allem aber gab es in diesem Kaff auch gar keine Männer, die mich gereizt hätten, und ich beschäftigte mich (zwangsläufig) lieber mit Zahlen und anderem Nerdkram.
Als ich anfing zu studieren, änderte sich meine Situation schlagartig. Aber eine 180°-Wende konnte ich trotzdem nicht von heute auf morgen vollziehen.

Ich war etwa 22, als ich eines Sommertages am späten Vormittag auf einer etwas abgelegenen Bank auf dem Campus meine Brotzeit verzehrte.
Ein junger Mann – nennen wir ihn Felix – setzte sich neben mich, und wir begannen ein Gespräch. Er war Doktorand bei der Fakultät für Geowissenschaften oder so. Wir unterhielten uns also ein bisschen (ich weiß gar nicht mehr, über was), und kamen irgendwie auf die Idee, zusammen in der Stadt zu mittag zu essen.
Wir fuhren dann wohl mit dem Bus in die Stadt und kehrten in einer Pizzeria ein. Wir aßen, unterhielten uns dabei ganz nett, und zahlten schließlich getrennt.
Anschließend gingen wir noch zusammen in der Stadt spazieren, und legten uns schließlich in einem Park ins Gras, wo es zu erstem, aber noch ziemlich unverfänglichem Körperkontakt kam.
Ich hatte nicht geplant gehabt, mich längere Zeit am frühen Nachmittag im Freien aufzuhalten, und so begann meine Haut im Gesicht und an den Armen unangenehm zu spannen. Ein Sonnenbrand kündigte sich an. Ich musste dringend raus aus der Sonne.
Felix meinte, er wohne nicht weit, und hätte daheim ein Mittel gegen Sonnenbrand (nein, nicht was ihr schon wieder denkt, das war völlig harmlos und anspielungsfrei).
Also stimmte ich zu, mit ihm zu seiner Wohnung zu gehen. Es stellte sich heraus, dass wir doch ziemlich lange zu Fuß unterwegs waren.
Da ich so verschwitzt war, bot mir Felix an, bei ihm zu duschen, was ich annahm (hätte ich gewusst, dass kein sauberes Handtuch verfügbar ist, hätte ich es wohl gelassen).
Danach war wenigstens meine Haut so weit erfrischt und abgekühlt, dass ich nicht mehr mit einem (stärkeren) Sonnenbrand rechnen musste.
Naja, wir begannen danach auf seinem Bett zu fummeln, und ich war plötzlich so erregt, dass mir alles andere egal war. Ich wollte es endlich – endlich! – erleben.
Felix war äußerlich ganz ansprechend und überdurchschnittlich (was ich damals aber noch nicht beurteilen konnte) gebaut.
Da ich ihm nicht gesagt hatte, dass ich noch Jungfrau war, wunderte er sich ein wenig, dass er nicht so leicht reinkam. Aber nach einigen Ansätzen ging es dann.
Als ich wieder zurück in meiner Studentenbude war, entdeckte ich ein paar Tropfen Blut in meinem Slip. Das war alles.

Wir trafen uns später noch einige Male und hatten Sex.
Aber er konnte mein Bedürfnis nach nerdigen Fachsimpeleien nicht erfüllen. Außerdem war absehbar, dass er eine Beziehung suchte. Das kam aber schon damals nicht für mich in Frage.
Also beendete ich die Affäre nach mehreren Wochen.

Einen Orgasmus hatte ich AFAIR mit ihm nie gehabt. Trotzdem hatte mir der Sex gefallen. Bis ich jedoch so richtig auf den Geschmack kam, und aktiver wurde, dauerte es noch eine Weile.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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22 Antworten zu Neunhundertachtundsiebzig

  1. Molly schreibt:

    „obwohl es mir jahrelang peinlich war“
    Ach weißt Du … Lieber ein paar Jahre später, als sich schon in allzu jungen Jahren von einem A*schloch zu etwas überreden zu lassen, das man eigentlich noch gar nicht will. Ich habe ein paar Freundinnen, die auch erst „spät“ ihr erstes Mal hatten. So what?
    Schön, dass Dein erstes Mal so erfreulich war! 🙂

    Captcha sagt: „hot sauce“ A-ha … 😉

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  2. ednong schreibt:

    Na, mein Captcha ist wieder mathematisch: sin, cos, tan (hatten wir glaube ich auch schon mal).

    Ich verstehe die Aufregung ums erste Mal auch nicht so ganz. Bei dem einen halt früher, bei dem anderen eben spter. Ist doch nix dabei.

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    • breakpoint schreibt:

      Es herrscht aber paradoxerweise schon ein gesellschaftlicher Druck.
      Wenn man z.B. liest, dass die allermeisten es mit ca. 17 bereits hinter sich haben, kommt man sich als unberührte 18-Jährige schon komisch vor. Und je älter man wird, desto schwieriger wird es, das zuzugeben.

      Mag sein, dass man das auch ignorieren kann, wenn einem Sex ziemlich egal ist, aber wer auch noch mit einer starken Libido ausgestattet ist, für den ist diese unbefriedigende Zeit kaum erträglich.

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    • Molly schreibt:

      ednong, waren Sie nie jung? 😉
      Ich denke schon, dass das erste Mal wärend der Teeniejahre eine sehr große Rolle spielt. Zumindest war das bei meinen Freundinnen und mir so.
      Und dann immer die Frage aller Fragen: „Habt Ihr schon …? *kicher*“ 😀
      Mit den Jahren verliert sich das meist.

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    • DerMaskierte schreibt:

      ednong, gerade als Vertreter des männlichen Geschlechts ist doch in der Regel ab der Pubertät das Denken nur noch vom ersten bzw. nächsten Sexualkontakt bestimmt. Sobald die Libido erwacht, ist sie ein unersättliches Monster. Zumindest habe ich das so bei mir und in meinem Freundeskreis wahrgenommen.

      Bei mir hat sich das auch erst so langsam gelegt, als ich die 3 vorne bei den Lebensjahren anschreiben durfte. Und selbst da ist der Hunger nur ein wenig schwächer geworden, aber immer noch auf hohem Niveau.

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  3. DerMaskierte schreibt:

    Ach, spät ist erst jenseits der 30, wie ein mir bekannter Fall. Aber bei dem lag es wohl daran, dass er seinen katholischen Glauben voller Inbrunst lebte und die dürfen ja im Grunde nur nach dem Ring zum Zwecke der Fortpflanzung. Spaß darf es ja nicht machen. 😀

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    • breakpoint schreibt:

      Na, wenn man aus Überzeugung in freiwilliger Askese lebt, ist das natürlich wieder etwas anderes.

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    • engywuck schreibt:

      das ist bei den Ultra-Evangelischen („Pietkong“ für Pietisten ist nur leicht übertrieben…) aber auch nicht anders… nur auch im Rest des Lebens. zwei (ältere) Witze darüber: „die ham au a Harmonium [Musikinstrument] im Keller“ bzw. „Warum haben Pietisten keinen Sex im stehen? – Man könnte es mit Tanzen verwechseln“

      Heutzutage darfs nach katholischer Lehre übrigens Spaß machen – die Möglichkeit der Zeugung muss dabei aber immer gegeben sein. Also kein rein anal, oral, mit Kondom (außer die mit Löchern :-)), …

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  4. DerMaskierte schreibt:

    Oh, ich dachte du erkennst die leichte Ironie in meinen Buchstaben. Naja, er ist zwar sehr katholisch, aber so katholisch auch wieder nicht. Nur drauf angesprochen (ich böser Mensch ich :D), hat er halt immer seinen Glauben meiner Meinung nach vorgeschoben.

    Insofern auch kein Wunder, dass Nr. 1 ohne den kirchlichen Segen erfolgte.

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    • breakpoint schreibt:

      Tja, mit der Ironie ist das so eine Sache ..
      Ich kenne halt tatsächlich ein paar Leute, die genau diese Mentalität haben/hatten.
      Darüber wundere ich mich nicht. Soll das jeder so machen, wie er es für richtig hält – solange er nicht anderen seine Ansichten aufdrängen will.

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      • DerMaskierte schreibt:

        Solche Katholiban sind mir auch bekannt, aber mit Religioten gebe ich mich einfach nicht mehr ab. Zum Glück werden es gefühlt immer weniger, die da wirklich noch einen Bezug zu haben – und auch die Zahler von Kirchensteuer werden weniger, so dass ich hoffe, dass in diesem Staat eines Tages wirklich eine Säkularisierung erfolgt und vor allem wir nicht Bischöfe etc. bezahlen.

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        • breakpoint schreibt:

          Fanatiker sämtlicher couleur sind mir suspekt.

          Aber ich mache das nicht an einem konkreten Glauben oder so fest, denn da gibt es schon viel individuellen Spielraum.

          Ich habe z.B. eine Tante, die Klosterschwester ist. Trotzdem habe ich mich mit ihr immer prima verstanden, wenn sie ihren jährlichen Urlaub bei uns verbracht hat.
          Es gibt so viele andere Themen, da muss man sich nicht bei kontroversen Punkten in die Haare geraten.

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          • DerMaskierte schreibt:

            Wie in allen Bereichen gibt es solche und solche. Die mit totaler geistiger Umnachtung, die du als Fanatiker bezeichnest und die jedweder Couleur absolut suspekt sind, und die Gemäßigteren, mit denen man außerhalb der Reibungspunkte durchaus angenehme Gespräche führen kann.

            Und solange mir nicht jemand ungefragt seines Geisteshaltung auf die Nase bindet, konfrontiere ich denjenigen auch nicht mit meiner Meinung zu diesem Thema. Nennt sich, glaube ich, Toleranz.

            Wie dem auch sei, das Thema war ja, dass du dachtest, dass du unheimlich spät deine Jungfernschaft verloren hast und ich wollte dir nur sagen: Nö, alles noch im Rahmen.

            Übrigens, flacher Witz mit ein bisschen Wahrheitsgehalt hierzu:
            Wenn du früher eine 16-jährige gefragt hast, wie ihr erstes Mal war, wurde sie rot und du bekamst ein verlegenes Kichern als Antwort. Wenn du sie heute fragst, bekommst als Antwort: „Och, kann ich mich gar nicht mehr so genau dran erinnern.“

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            • breakpoint schreibt:

              Was heißt schon „im Rahmen“?
              Wenn man den Statistiken, die man dazu findet, Glauben schenken darf, dann war das schon sehr spät.
              Aber was soll’s. Schließlich schere ich mich sonst auch nicht darum, wenn ich mal wieder der statistische Ausreißer bin.

              Und im Endeffekt zählt ja nur die Gegenwart, und da leide ich normalerweise keinen Mangel.

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            • engywuck schreibt:

              du bist kein Ausreißer. Da gibt’s welche mit *viel* höherem Multiplikator vor dem Sigma.

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            • breakpoint schreibt:

              Alles außerhalb von 1σ ist nicht mehr im „Normal“bereich. Und das war es wohl schon bei mir. Belastbare Statistiken sind halt kaum zu finden.

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