Neunhundertneunzehn

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr über 50 Shades of Grey auslassen.
Nun ist dieser Film draußen, und der Hype ist absolut nervig. Einerseits will ich dem Thema nicht mehr Aufmerksamkeit schenken, andererseits jedoch auch nicht zweimal kurz hintereinander alte Tweets bloggen.
Außer etlichen Anspielungen, die hauptsächlich auf Aspekte der Bildbearbeitung (ich denke wohl zu RGB ) oder auch Energiedosis abzielen, hatte ich das Thema bereits angesprochen, bevor ich das Buch gelesen hatte, und nachdem in die zwei ersten Bände gelesen hatte.

Dabei ist es für mich völlig unnachvollziehbar, dass viele Frauen von diesem Hauptdarsteller angeblich so angetan sind. Dabei ist das ein psychisch gestörter, neurotischer, seelisch verkorkster Psychopath. Alles andere als attraktiv oder auch nur sympathisch, auch wenn er noch „so unglaublich gut aussieht“. Der Typ Mann, von dem man Abstand halten sollte.
Ich finde Männer attraktiv, die souverän und gelassen bleiben, zuverlässig sind, sowie über Humor mit einem Schuss Selbstironie verfügen. Bei diesem Gräuling merkt man davon keine Spur.

Die Story ist absolut unglaubhaft. Angeblich hat er mit Ende Zwanzig bereits ein milliardenschweres Imperium aufgebaut. Dabei habe ich im Buch nirgends entdecken können, dass er über irgendwelche besonderen Kompetenzen oder Qualifikationen verfügt. Sehr viel Zeit scheint er eh nicht in sein Geschäft zu stecken. Aber wer ein Unternehmen führen will, kommt nicht darum herum, Zeit – viel Zeit – dafür zu investieren. Jeder, der selbst unternehmerisch tätig ist, wird mir da zustimmen.
Ich habe keine Lust, SoG noch mal zu lesen, ob ich vielleicht Details überlesen oder vergessen habe, aber ich erinnere mich an keinerlei Einzelheiten, in denen der Hauptdarsteller irgendeinen Anschein machen würde, als hätte er irgendeine Ahnung vom operativen Geschäft, was immer das in diesem Fall sein soll.

Das ist alles so etwas von unplausibel und geht völlig an sämtlichen Erfahrungswerten vorbei, dass mich das direkt anwidert.
Wenn ich eine Geschichte lese, dann soll die wenigstens realistisch sein können.
Ich mag ja gerne Science Fiction. Jetzt könnte man einwenden, dass dies auch nicht realistisch ist. Aber gerade die SciFi-Stories, die ich mag, könnten zumindest irgendwann oder auf einem anderen Planeten realistisch sein. Außerdem ist da die Prämisse, dass es eben gerade nicht der erlebten Realität entspricht.
Bei Star Trek beispielsweise wird gleich beim Intro eindeutig darauf hingewiesen, dass es in ferner Zukunft spielt. Und der gute Mr. Spock (ach! – warum ist Pon Farr nur alle sieben Jahre?) stammt vom Planeten Vulkan.
Fantasy-Erzählungen kann ich auch nicht so viel abgewinnen. Das ganze Elfen- und Drachenzeugs .. pfff. Zwar habe ich den Hobbit und Herr der Ringe nicht gerade mit Begeisterung, aber doch zumindest Interesse gelesen, aber die Verfilmungen waren strunzlangweilig. Insbesondere aus dem entzückenden Hobbitbüchlein drei mehr als abendfüllende Spielfilme zu machen, bläht den Stoff zu sehr auf (rrrüllps!), um noch interessant zu sein, so dass es zur Qual wird, da zuzuschauen.

Womit wir beim Thema BDSM wären.
Sich gegenseitig weh zu tun, oder gar zu verletzen, kann im Eifer des Gefechtes schon mal leicht passieren. Ich habe fast ständig irgendwelche blaue Flecke. Und ihr solltet manchmal Carsten’s Rücken sehen!
Aber das macht man doch nicht mit Absicht! (höchstens vielleicht mal einen Knutschfleck)
Bondage haben wir früher ja gelegentlich praktiziert. Aber mit Weiterentwicklung unserer Beziehung und gewachsenem Vertrauen ist das eigentlich nicht mehr nötig. OK, das wäre ein Thema für einen eigenständigen Blogeintrag.
Was an einer Dom-Sub-Beziehung reizvoll sein soll .. keine Ahnung.
Auf Dauer ist es doch absolut langweilig, wenn die Sub immer widerspruchslos macht, was der Dom sagt. Hat der in seinem restlichen Leben nichts zu sagen, dass er auf solche Machtdemonstrationen abfährt?
Und dann die ständige Betonung von Freiwilligkeit und Einvernehmlichkeit. So etwas nimmt auch noch den letzten Reiz.
Für eine dauerhaft glückliche sexuelle Beziehung sind dagegen Überraschungen und Herausforderungen unverzichtbar.

Inzwischen ist BDSM so sehr Mainstream, dass man schon fast als unnormal gilt, wenn man nichts damit anfangen kann.
Und aus mir Wildkatze wird bestimmt kein brav-devotes Hündchen. Auch als anschmiegsame Schmusekatze behalte ich doch meine Krallen.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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19 Antworten zu Neunhundertneunzehn

  1. sweetsurrender schreibt:

    Ich glaube, dass Buch hat Dir ein paar völlig falsche Vorstellungen vermittelt. 😉

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  2. ednong schreibt:

    Oh man,
    heute mal richtig lang – dein Post. Scheint dir ja wirklich auf den Senkel zu gehen 😉

    Ich vermute mal, aufgesprungen auf einen Mainstream-Zug und künstlich hochgepuscht zum Hype – damit sich das alles gut verkauft. Dürfte wohl damals das erste Buch seiner Art gewesen sein. Und der Film puscht den Verkauf sicher auch noch mal ganz gut.

    Sowas müßte mir mal einfallen …

    Captcha: road less travelled

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  3. idgie13 schreibt:

    Mich nervt der Hype auch.

    Nachdem ich gerne einen Partner auf Augenhöhe habe und weder ein Hündchen will noch eines sein will, geht das alles an mir vorbei.

    Die Bilder, die ich vom Hauptdarsteller gesehen hab, überzeugen mich nicht – nicht mein Typ Mann.

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    • breakpoint schreibt:

      Das sehe ich ähnlich.

      Was ich eben überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist, dass so viele Frauen von diesem ganzen Schund so begeistert sind.

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      • idgie13 schreibt:

        Das kann ich bei Titanic und Co. auch nicht verstehen …

        Hab ich übrigens auch nie gesehen – Filme, bei denen ich das Ende vorher schon kenne, finde ich uninteressant.

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        • breakpoint schreibt:

          Titanic fand ich ja noch einigermaßen OK, halt recht kitschig. Aber ist natürlich Geschmackssache.
          Im Vergleich zu SoG hat es jedenfalls ein wesentlich höheres Niveau.

          Gefällt mir

        • engywuck schreibt:

          manchmal kommt es ja auch darauf an, *wie* etwas dargestellt wird. Trotz bekanntem Ende können Filme durchaus unterhaltend und/oder zum Nachdenken anregend sein. Letztlich ist bei vielen Filmen das Ende spätestens recht früh absehbar (wenn nicht schon nach dem Trailer), aber auch bei weltbekanntem Ende („Der Untergang“ – Deutschland verliert den Krieg, „Passion Christi“ – Jesus wird am Ende ans Kreuz genagelt, „Tora! Tora! Tora!“ – Pearl Harbor wird angegriffen, „Der Baader Meinhof Komplex“ – die RAF (1. Generation) überlebt Stammheim nicht…) kann der Film selber interessant sein. Bzw. fast identisch: wer schaut einen Film schon *zweimal* an, wenn *NUR* das unerwartete Ende ihn interessant macht.

          Titanic gehört zugegebenermaßen nicht in diese Kategorie – jedenfalls für mich. Ich war auch nur drin, weil meine Schwester mich (wie nur Schwestern das können) genötigt hat, mitzukommen. Nur, weil sie und ihre Freundinnen damals noch keinen Führerschein hatten… Gut, eingeschlafen bin ich nicht, aber letztlich zu schnulzig. Die einzig potentiell interessante Szene war die im Auto – und da sind ja die Scheiben beschlagen 🙂 (BTW: Wurden 1912 *wirklich* Autos von Europa in die USA exportiert?)

          Apropos: kennt ihr den „Trailer“ zur „Fortsetzung“ „Titanic: Two the Surface?“ https://www.youtube.com/watch?v=vD4OnHCRd_4

          Würde ich evtl. sogar anschauen 🙂

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  4. Molly schreibt:

    Ich verstehe den Hype nicht und kann der Sache eigentlich nur einen positiven Aspekt abgewinnen: Der Porno für (Haus-)Frauen ist gesellschaftsfähig geworden! 😉

    Captcha: Boomerang – na hoffentlich nicht!

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  5. Pingback: Elfhundertfünfzehn | breakpoint

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