Achthundertvierundachtzig

Wenn ich über meine Urlaubslektüre bloggen will, dann sollte ich das noch machen, solange der Eindruck noch einigermaßen frisch ist. Da ich derzeit nicht so recht fit bin, fasse ich mich kurz.

Ich habe „Der Circle“ von Dave Eggers gelesen.
Die ersten Seiten erinnerten mich vom Stil her schon etwas an die 50 Graustufen. Typisch amerikanisch halt. Allerdings mit weniger Sex. Die wohl „erotischte“ Stelle dürfte „ihn so tief aufnahm, dass sie seine geschwollene Spitze irgendwo nah an ihrem Herzen spüren konnte“ sein. Hm. Das ist wohl eher lächerlich als erregend.

Die Hauptperson, Mae, fällt vor allem durch das Fehlen einer eigenen Persönlichkeit auf. Sie ist extrem leicht zu beeinflussen, will es allen recht machen. Ihrer Beliebtheit ordnet sie nicht nur die eigene Privatsphäre unter, sondern auch die ihrer Eltern und Freunde.
Dass es (Vorsicht Spoileralarm!) sich bei ihrem mysteriösen „Kollegen“ (der mit der „geschwollenen Spritze„) um den Firmengründer, der inzwischen die Geister, die er rief, wieder loswerden will, handelt, war irgendwie vorauszusehen.

Ob ich den Roman empfehlen kann?
Wer genügend Zeit hat, kann ihn ruhig mal lesen. Ansonsten lohnt es sich wohl eher, sich 1984 zu Gemüte zu führen, und im Hinterkopf den Großen Bruder durch ein Konglomerat aus Google, Facebook und Twitter zu ersetzen, vielleicht noch mit einem passend dosierten Schuss NSA, und einer umfassenden Datenarchivierung in der für alle lesbaren, aber für niemanden löschbaren Cloud, gegen die die sog. Vorratsdatenspeicherung lediglich ein Klacks wäre.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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29 Antworten zu Achthundertvierundachtzig

  1. aliasnimue schreibt:

    Jetzt denke ich über die Stellung nach, wo das auch nur annähernd möglich wäre…:roll:

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  2. gammler67 schreibt:

    ich glaube wirklich,wir steuern in eine katastrophe.
    dagegen ist 1984 ein scheissdreck…

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    • breakpoint schreibt:

      Im Gegensatz zu 1984 lassen sich bei diesem Roman die Leute ja freiwillig und gern überwachen, und überlassen die Überwachung nicht der Staatsgewalt sondern überwachen sich gegenseitig.
      Wer dem skeptisch gegenübersteht, wird durch Gruppendruck dazu gebracht, mitzumachen, weil ja niemand etwas zu verbergen hat.

      Hoffen wir, dass es noch möglichst lange dauert, bis so etwas Realität wird. Technisch wäre es grundsätzlich bereits machbar.

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  3. Uschi-DWT schreibt:

    Das hört sich nicht gerade nach etwas wirklich Lesenswertem an, auch wenn der Klappentext mehr erwarten lässt.

    Zeigt aber recht deutlich, dass man nur genug Werbung machen muss, damit es auf die Bestsellerliste kommt.

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    • breakpoint schreibt:

      Von der Schreibweise her hat es mich auch nicht beeindruckt (im Gegensatz zu 1984).

      Bemerkenswert ist jedoch, dass so viele „User“ völlig auf Anonymität und den Schutz ihrer Daten verzichten, nur um „transparent“ zu sein, denn Geheimnisse sind ja immer „böse“.

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      • Uschi-DWT schreibt:

        Es wäre wirklich eine schöne Welt, wenn man keine Geheimnisse haben müsste, nur dann dürften es auch keine Menschen mit schlechten Absichten geben, denke ich mal.

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        • breakpoint schreibt:

          Ich glaube, dass Menschen mit üblen Absichten schon noch das eine oder andere Schlupfloch finden würden.
          Der vertrauensselige Rest wäre umso schutzloser.

          Und auch völlig ohne schlechte Absichten möchte ich doch selbst bestimmen, ob überhaupt, und wenn, dann inwieweit ich meine Privatsphäre mit der Öffentlichkeit teile.

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  4. House-of-mystery schreibt:

    Nun ja, ich kenne jetzt den Roman nicht, 1984 schon, aber die von dir erwähnte Stelle, ….bis zum Herzen……., bringt mich eher zum lachen. Fast schon ein wenig kitschig.

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  5. Leser schreibt:

    Nur 1984? Ich bin der Meinung, wir leben (spätestens seit dem 11.09.2001) in einer Mischwelt aus 1984, Fahrenheit 451 und Brave New World.

    Aber davon abgesehen: Ich habe den Circle auch schon seit Wochen auf dem Handy, habe das Buch angefangen, etwa bis zum ersten Drittel (oder Viertel, so genau weiß ich das nicht), und dann seitdem erst mal nicht mehr weitergelesen. Ist irgendwie etwas dröge. Ich weiß auch nicht, ob die Übersetzung besser ist, aber die war nicht so leicht erhältlich.

    Aber, ein Buch (bzw. eigentlich zwei, die aber zusammen gehören), was ich hier jedem empfehlen kann (auch wenn mein Kommentar wohl schon etwas spät dafür ist), ist „Daemon“ und „Darknet“ von Daniel Suarez. Ich habe beide gelesen (Wichtig ist, dass man Daemon zuerst liest, und dann erst Darknet – das zweite heißt im Original „Freedom“), und auch sowohl in deutsch, als auch im Original. Während das Original natürlich besser ist, so ist die deutsche Übersetzung nicht ganz so schlecht.
    Jedenfalls handelt es sich hierbei um einen „Cyber-Thriller“ aller erster Güteklasse, der auch noch wirklich Hoffnung gibt in unserer heutigen Welt, denn wenn wir das mit der totalen Überwachung so weitermachen wollen, dann wäre das wohl die einzige/beste Methode, wie es funktionieren könnte. Aber mehr kann und will ich dazu nicht schreiben, um eben nicht zu „spoilern“. Jedoch: Ganz klare Leseempfehlung! (Kill Decision, den dritten Roman von Suarez, habe ich noch nicht gelesen, ich habe nicht so viel gutes darüber gehört – es scheint wohl, wie bei dem vorherigen Zweiteiler, etwas die Hoffnung zu fehlen, kann ich aber nicht beurteilen, und weiß auch nicht, ob ich den in nächster Zeit irgendwann mal anfangen werde.)

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    • breakpoint schreibt:

      Zu deiner Aufzählung möchte ich noch Wir von J. Samjatin ergänzen.

      Ich werde deine Empfehlungen mal im Hinterkopf behalten, glaube aber nicht, dass ich so bald dazu komme, diese Bücher zu lesen, höchstens mal im Urlaub.

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      • Leser schreibt:

        Ohje, „im Hinterkopf behalten“, das klingt nicht so gut…

        Ich helfe lieber nach, soweit ich kann 😉

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        • breakpoint schreibt:

          Danke, danke.
          Deine nachhaltige Erinnerung habe ich erhalten.
          Aktuell fehlt mir aber einfach der Sinn dafür, ein neues Buch zu beginnen (zumal ich dann nicht mehr mit Lesen aufhören könnte).
          Aber es kommen auch wieder andere Zeiten. Früher oder später werde ich mich langweilen, und dann ..

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          • Leser schreibt:

            Und ich habe Deinen Blogpost zum Anlass genommen, das Buch „The Circle“ endlich einmal weiterzulesen. Grausam, diese totale Überwachungswelt, die da gezeichnet wird. Man könnte glatt paranoid werden. Irgendwie ironisch, dass ich das Ganze dann auch noch auf einem Mobilgerät lese, dessen Software von Google stammt, zu denen ich mehr Parallelen bei der in dem Roman beschriebenen Firma erkenne, als zu allen anderen Unternehmen (wie Facebook, Twitter usw)…

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            • breakpoint schreibt:

              Tja .. Google is watching you.

              Ich habe übrigens mal einen Blick in „DAEMON“ geworfen.
              Ist das ein Krimi? Zumindest fängt es gleich so blutig an. Dieses Genre ist eigentlich nicht mein Geschamck. Ich glaube nicht, dass ich das weiter lese.

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            • Leser schreibt:

              Es ist ein Thriller. „Krimi“ ist zu eng dafür, aber Teile könnte man so bezeichnen. Man könnte aber sicher einen tollen, mehrteiligen Actionfilm aus jedem der beiden Bücher machen.
              Ja, leider ist es ziemlich blutig an manchen Stellen, aber die „Haupthandlung“, um die es „im Großen und Ganzen“ geht, ist es mMn wert, sich da durchzulesen. Denn die technologische Vision, die dahinter steckt, ist einfach schön. Wobei solche Änderungen der Welt auch in der Realität sicher nicht unblutig ablaufen könnten, leider.
              Naja, hoffen wir weiter auf eine unblutige Verbesserung der Welt 🙂

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            • breakpoint schreibt:

              Jetzt bin ich schon etwas hin- und hergerissen.
              Aber ich lese eigentlich lieber entspannend-harmlose Bücher zur Unterhaltung. Außerdem habe ich eh wenig Zeit, so dass ich die freie Zeit, die mir bleibt lieber anderweitig investiere.
              Nochmals danke.

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            • Leser schreibt:

              Dass ich Dir keinen Groschenroman ans Herz legen würde, hättest Du Dir ja auch gleich denken können! 😉

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            • breakpoint schreibt:

              Schon OK. Die Geschmäcker sind halt verschieden.

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