Achthundertdreiundvierzig

Es ist nicht reiner Zufall, dass der Standort der neuen Firmenniederlassung nur etwa zwanzig Kilometer von meinem Heimatort entfernt ist.
Als es sich ergab, dass Carsten zur Klärung einiger Fragen hinfahren musste, nahm er mich mit und setzte mich unterwegs bei meinen Eltern ab. Das hat den Vorteil, dass sie nicht erwarten werden, dass ich Weihnachten schon wieder hinfahre.

Ich verbrachte also einige Zeit bei ihnen, und nahm auch das Mittagessen ein. Sie erzählten mir halt das allerneueste, was bei den Nachbarn los ist, und dass die Kirche nächstes Jahr renoviert wird und so weiter.
Meine Eltern meinten, dass ich so blass und schmal aussehe. Kein Wunder, der Mandelabszess hängt mir noch nach. Da begann meine Mutter dann zu erzählen, als sie damals „auch“ schwanger war, wäre sie „auch“ immer so blass gewesen, und es sei ihr oft schlecht geworden, so dass sie gerade am Anfang „auch“ abgenommen hätte, und was sie sonst noch für Schwangerschaftsbeschwerden gehabt hatte.
Mein Vater bestätigte all ihre Worte laut nickend, und erwähnte dann nebenbei, dass ich ja inszwischen weit über ein Jahr verheiratet sei.

Nach dem Essen ging ich dann zu Sabine.
Da David gerade einen Becher Joghurt unter der Küchenbank ausgeschüttet hatte, und mit seinen Spielzeugautos durchgefahren war, war sie damit beschäftigt, wieder sauber zu machen, und bat mich, David ein Buch vorzulesen, um ihn abzulenken.
Da las ich ihm dann so ein Buch vor über einen Biber, der sich einen Werkzeugkasten bauen wollte, was David aber schon fast auswendig zu kennen schien.
Während Sabine und ich zusammen Kaffee tranken, erzählte sie mir, dass Kathrin schwanger sei (Memo an mich: Kathrin mal anrufen, um den Kontakt nicht ganz abreißen zu lassen).
Bald kamen dann auch schon Robin und Heidi heim. Sabine setzte ihnen etwas zum Essen vor, vorüber sie aber nur herummoserten und kaum etwas aßen.

Danach war Sabine so damit beschäftigt, beiden bei den Hausaufgaben (grauenhaft, wie die Kinder heutzutage subtrahieren müssen – mit Moduli und negativen Überträgen, statt die seit Jahrhunderten bewährte Methode zu nehmen – und, nein, obwohl ich „doch immer so gut in Mathe“ war, kann ich das nicht erklären) zu helfen, dass ich vorschlug, mit David in seinem Buggy einen kleinen Spaziergang zu machen.
Das war eine der schlechtesten Ideen, die ich jemals gehabt habe. Denn statt ruhig in seinem Buggy zu sitzen und einen Mittagsschlaf zu halten, kletterte David immer wieder heraus und musste mühsam wieder eingefangen werden.
Also verkürzte ich den Spaziergang, und fuhr stattdessen mit ihm nur zu meinen Eltern und seinen Großeltern. Dort wurde er nach allen Regeln der Kunst verwöhnt.

Meine Eltern hatten inzwischen einen Anruf von Carsten erhalten, dass er nach drei Uhr wieder zurück sein würde. Also wartete ich dann auf ihn.
Wir tranken dann noch einen Kaffee bei meinen Eltern, lieferten David wieder zuhause ab, wo Sabine inzwischen recht genervt wirkte, packten dann noch einige meiner Bücherkisten in den Kofferraum des Autos, und fuhren schließlich wieder heim.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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19 Antworten zu Achthundertdreiundvierzig

  1. Windmuehle schreibt:

    Ein besonders inniges Verhältnis zu deinen Eltern scheinst du ja nicht zu haben. Weshalb sollte man auch ausgerechnet zu Weihnachten seine Eltern besuchen?!
    Über deinen jüngsten KH-Aufenthalt wissen sie anscheinend auch nichts, sonst würden sie nicht ob deines kränklichen Aussehens über eine Schwangerschaft spekulieren.

    Reden soll bekanntlich helfen.

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  2. Uschi-DWT schreibt:

    So ist das oft mit der lieben Verwandtschaft, wenn man dort ist, ist man froh bald wieder weg zu sein.

    Aber so ganz möchte man den gelegentlichen Kontakt auch nicht misse, oder. :yes:

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  3. plietschejung schreibt:

    Na, Hauptsache Kinder werden irgendwann möglich.
    Was für ein unterschwelliger Druck !

    Was Kinder in der Schule an Methodik vermittelt bekommen, ist schon etwas seltsam, das geht schon seit 15 Jahren so. Ich hab’s meine Nichte anders erklärt und sie hat es sofort geschnallt. Nicht alles, was neu ist, ist besser.

    Verwöhn Dich ein wenig mehr. Etwas Sonne, gutes Essen, etc.
    Es schreit nach einem Urlaub …

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  4. ednong schreibt:

    Du klingst echt hochmotiviert gerade 😉

    Und das Captcha passt: on-off

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  5. Pingback: Tausendsechsundfünfzig | breakpoint

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