Achthunderteinunddreißig

Offenbar ist die Klinik zur Zeit überfüllt, so dass weder Carsten’s noch Norbert’s Einfluss mich davor bewahrten, doch noch eine Zimmergenossin zu bekommen.

Eigentlich würde mich das ja gar nicht so sehr stören, aber diese Frau hat nonstop irgendwelchen lauten Besuch, und ausnahmslos jeder bringt ihr einen riesigen Blumenstrauß mit. Die Krankenschwester meinte schon, wenn das so weiterginge, würden ihnen bald die Vasen ausgehen. Nach und nach wurde fast jedes freie Plätzchen mit Blumen vollgestellt, auch der Esstisch. Aber das macht ja nichts, da sie von diesem ausklappbaren Tablett an ihrem Nachtschränkchen isst. Dass ich bei mir mein Notebook (selbstverständlich Kensington-gesichert) darauf ausgebreitet habe, ist ja egal.

Mittags war Carsten nur kurz dagewesen, weil sie zu der Zeit Besuch von mehreren Personen hatte, und wir uns dabei einfach nicht ruhig unterhalten konnten. Aber abends kam er dann wieder, um länger mit mir zu sprechen (d.h. hauptsächlich spricht er, weil ich es besser noch vermeide).
Prompt meckerte sie, dass die Besuchszeit bereits vorüber sei, sie jetzt müde sei und Ruhe haben wolle, um zu schlafen. Carsten antwortete, dass wir ganz leise wären, und sie nicht stören würden.
Also klingelte sie nach der Krankenschwester.

Die Krankenschwester druckste etwas herum, dass sie Carsten bitten müsse, zu gehen, da jetzt abends die Patienten ruhen sollten.
„Ich kläre das,“ meinte Carsten ganz ruhig, und verließ mit der Krankenschwester den Raum. Etwa eine Viertelstunde später kam er wieder zurück. Ich weiß nicht, mit wem er gesprochen hat. Jedenfalls blieb er noch länger, und hat auch veranlasst, dass nach und nach die allermisten Blumen aus dem Zimmer entfernt wurden.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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30 Antworten zu Achthunderteinunddreißig

  1. aliasnimue schreibt:

    Ich finde diese Besucheranstürme grauslich.
    Wenn mehrere Leute kommen dann geht man mit ihnen nach draußen. In jedem Krankenhaus gibt es Besucherzimmer oder Ecken.
    Man teilt sich schließlich ein Zimmer und da hat man eben Rücksicht zu nehmen.

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    • breakpoint schreibt:

      Es fällt ihr wohl noch schwer, das Bett zu verlassen.

      Sonst hätte ich sie wohl schon gebeten, zumindest zeitweise mit ihrem Besuch raus zu gehen. Ich habe ja auch Verständnis, wenn man mal Besuch hat.
      Da ich schon den ganzen Tag über (fast) keinen Besuch hatte, wollte ich dagegen wenigstens Abends etwas Zeit mit Carsten verbringen, und wenn’s nur ein bisschen Händchenhalten ist.

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  2. plietschejung schreibt:

    Ein Abbild der Egomanen unserer Gesellschaft*kopfschüttel*

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  3. Molly schreibt:

    Oh! Kam heute erst zum Lesen hier! Liebe Breakpoint, ich wünsche Dir gute und schnelle Genesung! Und eine andere Bettnachbarin – solche kenne ich auch: Sich selbst alles herausnehmen, aber dann bei anderen über jede Kleinigkeit mäkeln und meckern, *kopfschütteln*. Lass Dir davon nicht die Laune verderben; umso schöner wird sicher Dein „Empfang“, wenn Du wieder daheim bei Deinem Liebsten bist! 😉

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  4. ednong schreibt:

    LOL – ich kläre das. Köstlich. Gefällt mir. Ich kann auch so freundlich sein zu anderen.

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  5. Windmuehle schreibt:

    Wie jetzt? Kein Privileg auf ein Einzelzimmer?
    War wenigstens die Chefarztbehandlung inklusive?

    Egal. Hoffen wir mal auf mehr Isolation und Komfort beim nächsten Aufenthalt. Ich drück‘ schon mal die Daumen.

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  6. bonobo schreibt:

    Das ist ja wohl unglaublich, lol. Die empfängt den ganzen Tag ihren Hofstaat und dann möchte Frau Prinzessin ab 20.00 Uhr schlafen. Ich kann solche Nombrilisten nicht ab. Gut, dass Dein Partner da so cool geblieben ist.

    LG bo

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  7. Bellona schreibt:

    ich finde die vielen besuche und blumen nicht so schlimm wie die person, die dann selber rummeckert wegen irgednwelcher besuchszeiten. würde mir nie einfallen.

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  8. Horstl schreibt:

    Wo ist hier der „Like“-Button?

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  9. Vielleicht hat Norbert seine Arztmillionen genommen und die Krankenschwester bestochen?
    Ärzte sind doch so reich. Sagt man.
    Geht Norbert eigentlich immer noch fremd?

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  10. Pingback: Tausendsiebenundvierzig | breakpoint

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