Achthundertzwanzig

Heute Nachmittag muss ich wegfahren, um bei einer Veranstaltung in einer anderen Stadt ein Grußwort zu halten. Carsten hatte schon vor längerem zugesagt, dass er dort sprechen würde, ist aber dann durch andere Termine davon abgehalten worden. Also fragte er mich.

„Anny, ich möchte, dass du nach Anderestadt fährst, und dort das Grußwort übernimmst. Ich habe so viel wichtigere Angelegenheiten zu erledigen, so dass ich es selbst nicht schaffe.“
„Kann das nicht dein Stellvertreter übernehmen? Oder Jason?“
„Der ist gerade auf einer Geschäftsreise. Und Jason brauche ich hier.“

„Wie kommst du darauf, dass ich nicht auch etwas dringenderes zu tun habe?“
„Und – hast du? Du kannst dir deine Zeit doch frei einteilen. Falls du irgendwelche Termine mit meinen Mitarbeitern hast, dann verschieb‘ die einfach.“
„Gerade jetzt, wo ich eben erst mit der neuen Software für die Bedienung deiner Geräte angefangen habe, passt mir das nicht so gut. Ich wollte hier vorerst immer für Gespräche mit meinen Softies anwesend sein.“
„Es geht doch nur um ein paar Stunden. Das werden deine Mitarbeiter schon überbrücken können.“

„OK, OK, ich könnte das zeitlich vielleicht einrichten“, erwiderte ich zögerlich.
„Aber?“
„Ich bin doch überhaupt nicht darauf vorbereitet, weiß nicht, was ich sagen soll.“
„Das schaffst du schon. Ich gebe dir meine Notizen mit Stichpunkten. Du musst vor allem klar machen, dass du meine Firma repräsentierst. Dann erzählst du noch etwas allgemeines zur Veranstaltung und wünscht allen informative und lohnende Vorträge.“

Ich hatte eigentlich keine Lust, dorthin zu fahren – schließlich bin ich mit Hin- und Rückfahrt mehrere Stunden unterwegs – sah allerdings auch keinen hinreichenden Grund, ihm seinen Wunsch abzuschlagen.
„Nur weil deine Frau ständig rumnörgelt, du sollst weniger arbeiten, muss ich das ausbaden“, meinte ich also.
„Ach Süße, du würdest mich damit wirklich sehr unterstützen und mich entlasten.“
„Hm“, erwiderte ich ohne besondere Begeisterung.

„Vielleicht solltest du mal mit meiner Frau sprechen. Eventuell kannst du sie ja überreden, dass sie mir mehr Zeit bewilligt.“
„Ich? Von mir lässt die sich doch nichts sagen.“
„Wer weiß. Du kannst sehr überzeugend sein.“
„Pah! Da wäre es erfolgsversprechender, sie mit meinem Mann zu verkuppeln.“
„Für deinen Mann habe ich eher meine Geliebte vorgesehen. Meiner Frau möchte ich ihn lieber ersparen.“

Er nahm mich einfach in die Arme und hielt mich fest.
Und ich muss heute Vormittag noch einiges zusätzlich arbeiten, was ich eigentlich auf den ganzen Tag verteilen wollte.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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6 Antworten zu Achthundertzwanzig

  1. sweetsurrender schreibt:

    Das kostet aber was. Ich würde mal mit einem gemeinsamen freien Freitag nachmittag in die Verhandlung einsteigen. 😉

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  2. ednong schreibt:

    In zwei Wochen? Wieder so ein Feiertag, den man hier nicht kennt (bin grad ohne Kalender)?

    Und ein Grußwort – das wirst du doch als Nutzerin und Gestalterin mehrdeutiger Aussagen locker schaffen … 😉

    LOL – was für ein Captcha: good night 😉

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