Achthundertneun

Klar, gerade wenn ich mal die alleinige Verantwortung habe, kracht prompt die CNC in der Fertigung ab.
Der Chef auf Gecheftsreise, sein Stellvertreter krank, und Jason, der sich da auch gut auskennt, in Urlaub.

Also blieb mir nur der Fertigungsleiter, der sich aber irgendwie nicht mehr so recht engagiert zeigte (vermutlich weil er uns Ende des Jahres verlässt), als Ansprechpartner.
Immerhin überzeugte er mich davon, dass gewisse Teile irreparabel kaputt seien und ausgetauscht werden müssten. Ersatzteile könnten innerhalb mehrerer Stunden beschafft werden, was aber die Unterschrift des Chefs voraussetzen würde, und bis zum Einbau der Teile stünde die Fertigung erst mal still.

Also rief ich Carsten an. Der war extrem im Stress und entsprechend gereizt und kurz angebunden. Die einzige Information, die ich von ihm erhielt, war: „Du machst das schon. Ich verlass‘ mich auf dich.“

Da somit die Entscheidung ausschließlich bei mir lag, unterschrieb ich (unter Hinweis auf meine Vollmacht) die verbindliche Bestellung.
Die Arbeiter in der Fertigung bat ich, den Rest des Tages frei zu nehmen, es sei denn, sie hätten noch andere Aufgaben zu erledigen, für die sie keine speziellen Maschinen benötigten.

Am frühen Abend wurden dann die Ersatzteile geliefert und von Servicetechnikern ausgetauscht. Also sollte jetzt wieder alles in der Fertigung laufen.

Ich hoffe nur, dass ich die Rechnung für die Ersatzteile und die Servicetechniker nie zu Gesicht kriege.

[Nachtrag]
Den obigen Text habe ich noch gestern Abend geschrieben. Nachdem ich darüber geschlafen habe, und ihn hier noch einmal so durchlese, scheint es, als sei die Entscheidung für den schnellstmöglichen Austausch der Teile eindeutig gewesen.
Dem war aber nicht so. Das war schon vorher ein ziemliches hin und her. Außerdem bin ich sicher, dass Carsten bessere Konditionen für den Austausch hätte erreichen können als ich.
Aber er soll froh sein, dass ich überhaupt etwas gemacht habe. Schließlich ist es schon ein kritisches, keinesfalls alltägliches Event, wenn die ganze Fertigung ausfällt. Falls ihm was nicht an meinen Aktionen passt, lasse ich mich nie mehr auf so ein Arrangement ein.

Auf Dauer wäre mir solch ein Job ohnehin zu stressig.
Hoffentlich geht es heute wieder einigermaßen „normal“ zu. Morgen ist ja Feiertag, und dann kommt auch Carsten wieder zurück und übernimmt.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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23 Antworten zu Achthundertneun

  1. Floh schreibt:

    Du hast sicher richtig entscheiden. Carsten konnte oder wollte nicht, Du warst die einzige und hattest die Vollmacht, daher „ran an die Maschinen“.

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  2. schaum schreibt:

    du hast durch blöden verkettung von ereignissen eine aufgabe zugeschustert bekommen, in der du keine übung hast und für die du eigentlich nicht verantwortlich bist. was immer du getan hast war also richtig oder steht gar nicht zur diskussion. nichts zu tun wäre sicher das falscheste gewesen….

    es schäumt kopfhoch

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  3. sweetsurrender schreibt:

    Nach meiner Erfahrung ist da kaum Verhandlungsspielraum.
    Die Firma weiß auch, dass ohne CNC die Produktion stillsteht.
    Wie sind denn die Teile überhaupt kaputt gegangen? Bedienerfehler?
    Ich war ja früher immer ziemlich angespannt bei den Codes. Wenn Du da aus Versehen z-400 in G0 reinschreibst kostet der neue Kopf sicher 40.000 €.

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  4. Lehrerin schreibt:

    Wenn es schon die ganze Zeit ein Hin und Her war, hast du mit dem Problem nichts zu tun. Wenn man mit dem Kauf der Waschmaschine so lange wartet, bis sie endgültig kaputt ist, dann braucht man SOFORT eine Neue. Sinnvoller ist es, nach 10 Jahren sich bei den ersten Mucken nach einer neuen Waschmaschine umzusehen. So oder so ähnlich ist das auch in einer Firma.
    Bestimmt hast du im Nachhinein nicht die optimale Lösung gefunden- wie denn auch?
    Aber bei der Entscheidungsfindung hattest du nunmal keine anderen Kriterien.

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    • breakpoint schreibt:

      Das „Hin und Her“ bezog sich auf den Zeitraum zwischen Auftreten des Fehlers und der Entscheidung.
      Der Ausfall der CNC war vorher nicht absehbar – zumindest für mich nicht.
      Und ich weiß auch nicht, ob in absehbarer Zeit ohnehin ein Austausch geplant gewesen wäre.

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  5. plietschejung schreibt:

    Alles richtig gemacht.
    Es gibt keine Negos bei Ersatzteilen in diesem Fall. Warum auch ?

    Gut gemacht.

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  6. ednong schreibt:

    Mädel,
    (verzeih die Anrede 😉 ) – es war eine Entscheidung zu treffen, da die Fertigung stand.
    Mag sein, dass Carsten da bessere Konditionen rausgeholt hätte – aber das hätte Zeit beim Verhandeln gekostet. Und du warst in der Sache nicht firm. Verhandeln – natürlich mit etwas weniger Erfolgsaussichten – kann man hinterher auch noch. Wenn nicht, dann ist das so. Aber die Fertigung läuft halt wieder.

    Und den Gedanken mit der Ursachensuche würde ich auch noch mal aufgreifen wollen: Ich würde bei der Firma nachhaken, was die über den Schaden denken. Und dann mal schauen, was wann an der Maschine getauscht wurde. Ich könnte mir da auch Sabotage/Frustabbau eines Mitarbeiters vorstellen …
    … so nach dem Motto: Cheffe ist nicht da, seine Frau hat da sowieso keine Ahnung, dann hauen wir da noch mal einen rein.

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    • breakpoint schreibt:

      Ich verzeihe. In meinem Alter ist das schon ein Kompliment (die Tatsache, dass du eine Mittdreißigerin als „Mädel“ bezeichnest, bestärkt mich in meiner Vermutung über dein Alter).

      Ja, heute läuft wieder alles glatt (zumindest in der Fertigung). Das ist das wichtigste. Im Rückblick lässt sich eh nichts ändern, und ich glaube, ich habe mich schon ganz gut geschlagen.

      An Sabotage glaube ich nicht. Ich habe die Teile gesehen.
      Aber es liegt an Carsten, inwieweit er der Sache noch auf den Grund gehen will.

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  7. Murgs schreibt:

    Du hast genau das gemacht, was Dein Mann von Dir erwartet.

    Die Beschädigung eines Gerätes, für das keine Redundanz besteht, erfordert sofortiges Eingreifen. Genau dafür hast Du die Vollmacht. Carsten zu benachrichtigen ist in Ordnung, aber eher symbolisch.
    Du hast die richtige Entscheidung getroffen. Punkt.
    Überlegungen über die Kosten sind eher zweitrangig, betriebswirtschaftlich kann man die Kosten der Stillstandszeit hochrechnen, z.B. Personalkosten laufen weiter UND die Arbeit muß wieder aufgeholt werden eventuell mit noch teureren Überstunden.

    Carsten kann sich dann um die langfristigen Überlegungen kümmern:
    Wie kann die Abhängigkeit von einer Maschine reduziert werden? Wie hoch ist die Auslastung? Redundanz ist teuer, erweitert aber auch Kapazitäten usw.

    Und es gilt immer Murphy’s Law in der Ableitung:
    Größere Pannen passieren immer wenn der Chef weit weg ist.
    Ist bei uns nicht anders. 😦

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    • breakpoint schreibt:

      OK, Ok, ihr habt wohl alle recht.
      Ich habe das ganz toll gemacht und sollte mich als Heldin feiern lassen.
      Jubilate! Laudate! Gaudete!

      Vorhin habe ich übrigens etwas ausführlicher mit Carsten telefoniert.
      Er hat mir auch bestätigt, dass es „so passt“.

      Den heutigen Tag habe ich auch ohne größeren Schaden überstanden, und morgen ist dann Feiertag und Carsten kommt wieder heim.

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  8. engywuck schreibt:

    bei uns in der Firma gibt es explizit eine Anweisung: alles was bestellt wird *muss* über den Einkauf gehen – *außer* es ist dringend wie Produktionsstillstand und niemand zu erreichen, dann darf jeder (Zuständige) bestellen.

    Hier war offensichtlich niemand verfügbar, der entscheiden konnte oder wollte – also blieb’s an dir hängen. Da es (fast) nichts teureres als Produktionsausfall gibt korrekte Entscheidung.
    Bei uns ist schon vorgekommen, dass ein eiliges Ersatzteil durch halb Deutschland per Taxi gebracht wurde – nur um dann festzustellen, dass noch was fehlt und ein weiteres Taxi losgeschickt werden musste. Hubschrauber standen wohl grad nicht zur Verfügung 🙂

    Wenn der Ausfall *einer* Produktionsmaschine aber Größenordnung zehn Kiloeuronen pro Stunde kostet… (weitere werden billiger, ein gewisser Teil der Zusatzkosten ist ja durch Extra-Schichten bedingt, und ob dann eine oder zehn Maschinen laufen ist egal). Ja, es sind nicht immer alle Maschinen im Einsatz, aber nicht jedes Produktionswerkzeug passt überall, Umbauten sind aufwendig etc.

    Mich irritiert nur manchmal die Nonchalance mancher nicht-sofort-produktionsgefährdender Abteilungen. Wenn Messmaschine X ausfällt kann der Werkzeugbau quasi nicht mehr arbeiten – aber ein klappriger Altrechner mit W2k (oder gar Win95) kann nicht ausgetauscht werden: zehn Kiloeuronen sind dem Abteilungsleiter zu teuer. Und wenns doch passiert heissts „aber das ist doch ein PC, das muss die IT doch reparieren können“. Ja, ein PC mit Spezialkarten, die explizit eine ganz bestimmte PCI-Revision benötigen, dazu Treiber die wir nicht haben (und die Karten können selber ausfallen). Do kommt man echt in Versuchung, BOFH zu spielen und sich ne Schaufel, ungelöschten Kalk und einige Meter billigen Teppich zu organisieren.

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    • breakpoint schreibt:

      Hi engywuck,
      schon lange nichts mehr von dir gehört.

      Die Ersatzteile wurden uns durch einen Kurier gebracht. Die Servicetechniker kamen aus einer völlig anderen Gegend.
      Zum Glück lief der Austausch glatt. Keine Ahnung, was ich gemacht hätte, wenn es sonst noch irgendwelche Probleme damit gegeben hätte.

      Ja, Produktionsausfall dürfte ziemlich der Worst Case sein.
      Die paar Stunden lassen sich vielleicht sogar wieder hereinholen, ohne dass unbedingt Überstunden fällig werden.

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