Siebenhundertdreiundneunzig

Es nervt einfach, wenn ein Mann versucht, einem in die Jacke oder den Mantel zu helfen!
Alleine bin ich da viel schneller, und ich muss nicht den Arm so weit nach oben heben, und erst nach der Öffnung tasten, nur weil der denkt, die beiden Armlöcher sollten auf gleicher Höhe sein.

Nicht ganz so viel stört es, wenn ein Mann mir unbedingt beim Hinsetzen den Stuhl zurechtschieben will. Jungs, das kann ich selbst. Und ich weiß am besten, welche Stuhlposition mir am angenehmsten ist.
Auch die Autotür kann ich alleine öffnen. Insbesondere beim Aussteigen bin ich da einfach schneller, als zu warten, bis der Fahrer außen herum kommt.

Zum Glück steht kaum noch ein Mann auf, nur weil eine Frau den Raum betritt oder beim Essen aufsteht. Das war auch so etwas von unnötig.
Neben diesen sinnlosen bis lästigen Gesten gibt es jedoch auch welche, die ich schätze.

Klar, eine normale Zimmertür kann ich auch alleine öffnen, und bin zufrieden, solange sie mir niemand vor der Nase zuknallt. Aber es gibt auch so richtig schwere Türen, bei denen ich mich schon anstrengen muss, um sie aufzukriegen. (Wie muss das dann erst für eine kleine, zierliche Frau sein?) Die meisten Männer dagegen schaffen das ganz locker. Bei solchen Türen freue ich dann schon, wenn ein Mann (falls gerade einer da ist) mir die Tür aufhält.

Oder das Tragen meiner Tasche. Meine Notebooktasche etwa kann mit dem ganzen Kram, den ich drin habe, locker über 5 Kilogramm schwer sein. Wenn ich die eine längere Strecke tragen muss, so merke ich das schon. Männern scheint ihr Gewicht dagegen gar nichts auszumachen. Deshalb lasse ich mir ganz gerne die Tasche tragen, wenn es sich so ergibt.

Schraubgläser muss ich zum Glück nur selten öffnen. Ich probiere es grundsätzlich erst mal selbst, habe auch den einen oder anderen Trick, um widerspenstige Gläser doch noch aufzukriegen. Aber es kommt auch der Punkt, an dem ich kapituliere, und mich nicht weiter anstrenge. Dann ist es schön, einen Mann in Reichweite zu haben, der das (von mir vorbereitete) Schraubglas ganz souverän öffnen kann. Meine Bewunderung und Dankbarkeit sind ihm sicher. Und welcher Mann hilft da nicht gern?

Dann gibt es noch die Konvention, Frauen den Vortritt zu lassen.
Nun ja, wenn mehrere Personen z.B. gleichzeitig durch eine Tür wollen, kann es Kollisionen geben. Da ist es durchaus sinnvoll, ein einfaches Kriterium zu haben, wer zuerst durch darf. Da hat es sich halt eingebürgert, dass Frauen zuerst gehen (außer eine Treppe hinauf, damit er ihr nicht unter den Rock schauen kann, oder in eine Gaststätte hinein, denn drinnen könnte ja eine Gefahr lauern).
Allerdings wird diese Sitte auch gerne zweckentfremdet.
Beispielsweise erinnere ich mich, dass es an der Uni häufig hieß, „Ladies first“, wenn es um die Vergabe von Terminen für Seminarvorträge ging, oder um ähnliche eher unangenehme Themen, die jeder eigentlich lieber weit hinausschieben wollte.
Die spezielle Relativitätstheorie lehrt uns, dass es keine (universelle) Gleichzeitigkeit geben kann. Folglich muss jemand den Anfang machen, und jemand den Schluss.
Beim Sex ist es jedenphalls empfehlenswert, die Frau zuerst kommen zu lassen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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50 Antworten zu Siebenhundertdreiundneunzig

  1. sweetsurrender schreibt:

    „Beim Sex ist es jedenphalls empfehlenswert, die Frau zuerst kommen zu lassen.“
    Falls man hinterher gerne schlafen möchte auch besser mehrmals.

    Bei den „Manieren“ ist es so, dass ich diese Dinge schon alle registriere und ihnen Wertigkeit beimesse, aber bei manchen Dingen auch finde, dass sie verzichtbar sind. (Autotür beim Aussteigen z.B. halte ich für übertrieben)

    Eine Sache mit Vorteil möchte ich noch hinzufügen. Die Dame bekommt im Restaurant immer den Platz mit dem Rücken zur Wand.

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    • gammler67 schreibt:

      also ich sitze auch heute noch in restaurants mit dem gesicht zur tür.
      das kommt aus einer zeit,als man die tür unbedingt im auge haben mußte,weil einfach zu viel passiert ist.
      auch parke ich das auto immer so,dass ich sofort losfahren kann.
      alte gewohnheiten kann man schlecht ablegen…

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    • breakpoint schreibt:

      Danke für deine Ergänzungen.

      Das mit dem Platz im Restaurant war mir jetzt gar nicht so bewusst.
      Aber wenn ich drüber nachdenke, überlässt der Herr der Dame wohl meistens die Wahl des Platzes.

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  2. gammler67 schreibt:

    also ich bin mit diesen benimmregeln aufgewachsen und vollziehe sie auch teilweise heute noch.
    gutes benehmen ist durch nichts zu ersetzen.

    was den sex angeht,frauen können öfter kommen,warum sollte ich da erster sein wollen?

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    • breakpoint schreibt:

      Teilweise sind diese Konventionen ja durchaus sinnvoll, aber manche sind unnötig.

      Wenn der Mann beim Sex Erster ist, dann gibt’s nicht unbedingt eine Zweite.
      Aber wenn er Letzter ist, kann sie Erste, Zweite, Dritte .. gewesen sein.

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  3. plietschejung schreibt:

    Benimmregeln sind schön und gut und einige sind sicher sinnvoll und auch schlüssig. Allerdings empfinde ich dieses Prinzessinnengetue, die Mädchen schon aus ihrer Kindheit eingeimpft bekommen, für ziemlich überholt.

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    • breakpoint schreibt:

      Da stimme ich dir zu.

      Aber du würdest doch sicherlich einer Frau ein Schraubglas öffen, wenn sie dich freundlich darum bittet.

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      • plietschejung schreibt:

        Na klar, bevor sie sich verletzt.

        Ach … dazu ein einfacher Trick: mit dem Messerrücken (der stumpfen Seite) mäßig auf den Rand des Deckels schlagen. Das Vakuum entweicht und sogar ein Kind kann das Glas öffnen.

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        • breakpoint schreibt:

          Den Trick kenne ich auch, und dabei langsam und gleichmäßig das Glas drehen.
          Er funktioniert trotzdem nicht immer. Wie sollte auch Luft hinein, wenn der Deckel wirklich dicht ist?

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          • plietschejung schreibt:

            Neee … mit dem Messer schlagen und gleichzeitg drehen geht nicht. Das Glas in die eine Hand, das (große) Messer in die andere. Dann so schlagen, dass eine kleine Delle am Deckelrand entsteht. Schon entwicht das Vakuum und das Glas lässt sich leicht öffnen.

            Nicht so doll schlagen, dass vom Glas etwas abplatzt !

            Ist nicht so schwer 🙂

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            • breakpoint schreibt:

              Das Glas auf den Tisch stellen. Mit der linken Hand seitlich anfassen und drehen, mit der rechten Hand klopfen. Das geht schon.

              Eigentlich will ich das Glas zerstörungsfrei öffnen (die leeren Gläser kriegt meine Mutter irgendwann zum Einkochen). Da soll keine Delle entstehen.
              Nur wenn gar nichts mehr hilft, dann mit einem spitzen Messer oder einem Dosenöffner von oben ein Loch in den Deckel hauen.
              Dann strömt Luft hinein, und der Druck gleicht sich aus.

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            • plietschejung schreibt:

              Du bist ja Grobmotoriker 😉

              Na gut, wenn der Deckel intakt bleiben soll, muss du ihn herkömmlich öffnen. Da ich aber nicht sammle, ist es mir recht gleich 🙂

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            • breakpoint schreibt:

              Also, kaputt machen könnte ich so ein Glas auch selber.
              Dazu bräuchte ich keinen Mann.

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            • plietschejung schreibt:

              „dann mit einem spitzen Messer oder einem Dosenöffner von oben ein Loch in den Deckel hauen“

              Stimmt !

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            • Leser schreibt:

              Was auch geht: Mit einem (stabilen) Messer unter den Rand des Deckels fahren, und diesen durch Drehen des Messers um die Längsachse ganz leicht anheben. So kommt auch Luft ins Glas und die Deformierung des Deckels ist dabei nur temporär, wenn man es richtig macht.

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            • Leser schreibt:

              Noch ein Nachtrag: Mit stabil meinte ich ein Messer, womit man sich auch Butterbrote schmiert und so, die Rundung anstelle der Spitze ist dabei sogar noch hilfreich, das Glas nicht zu zerstören. Zudem sind diese Messer bereits flach genug, und für gewöhnlich auch recht stabil.

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            • breakpoint schreibt:

              Das verbiegt den Deckel zu sehr, könnte auch das Gewinde beschädigen, als dass man damit noch zuverlässig einkochen könnte.

              Was soll’s?
              Ich habe vielleicht einmal im Monat (wenn’s hoch kommt) ein Schraubglas zu öffnen.
              Etwa 1/3 schaffe ich auf Anhieb, ein weiteres Drittel mit etwas Aufwand, beim letzten Drittel überlasse ich es Carsten. Schlimmstenfalls ist der Deckel eben doch hin.

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            • Leser schreibt:

              Deshalb schrieb ich „wenn man es richtig macht“. Die Faktoren dabei sind: Das Messer muss breit genug sein, darf aber nicht zu breit sein. Und dann muss man die Drehbewegung, um das Glas zu belüften, sehr vorsichtig durchführen. Es genügen dabei wirklich Bruchteile eines Millimeters, es muss ja nur das Vakuumsiegel gebrochen sein. Immer, wenn ich diese Methode angewandt habe, war die Deformierung des Deckels nicht mit dem Auge sichtbar, und in den meisten Fällen auch nicht mit den Fingerspitzen fühlbar.

              Aber vielleicht bist Du auch einfach zu grobmotorisch drauf für solche Tätigkeiten…

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            • breakpoint schreibt:

              „Grobmotorisch drauf“, weil ich nicht mit brutaler Gewalt gegen ein Schraubglas vorgehe?
              Auch wenn du selbst die Verformung nicht siehst und fühlst, ist sie dennoch da. Deine Sensoren sind nur nicht empfindlich genug.
              Zum Einkochen muss der Deckel perfekt radialsymmetrisch sein, sonst bleibt das Glas nicht zu, und zieht Luft.

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            • Leser schreibt:

              Ja, und meine Methode basiert darauf, dass sich das Metall des Deckels ein klein Wenig elastisch verformen kann, und seine Form danach direkt wieder einnimmt. Die Verformung bleibt also nur so lange bestehen, wie man Luft ins Glas lässt, sowie das Messer abgesetzt wird, ist der Deckel wieder im Urzustand.

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            • Zweitmeinung schreibt:

              Ricccccchtig!
              So seh ich das auch…

              Immer die Grobmotoriker 😛

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            • ednong schreibt:

              Du kannst natürlich auch das Glas leicht erwärmen. Dann sollte es sich auch leicht öffnen lassen.

              Und wenn es nicht auf den Deckel bzw. dessen Dichtigkeit ankommt – bspw. weil du den Inhalt komplett verbrauchen willst – ist das mit dem Loch im Deckel die einfachste Variante.

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            • breakpoint schreibt:

              Besser nur den Deckel erwärmen, oder das Glas abkühlen.
              Ja, ja, das Metall dehnt sich aus, etc. Aber das ist mir dann meist zu aufwändig.
              Eher probiere ich, mit Hilfe eines Handtuchs, das das Wegrutschen verhindert, den Deckel aufzudrehen.

              „bspw. weil du den Inhalt komplett verbrauchen willst“
              Selbstverständlich wird alles verbraucht. Was sollte ich denn sonst mit dem Rest machen?

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            • ednong schreibt:

              „… bspw. weil du den Inhalt komplett verbrauchen willst …“ – ja, nimm das fehlende „sofort“ und mach draus
              „… bspw. weil du den Inhalt sofort komplett verbrauchen willst …“ 😉

              Und erwätmen natürlich erst nach Handtuch-Versuch. Das hatte ich schon vorausgesetzt.

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            • me schreibt:

              Viel einfacher:
              Kleinen Teelöffel nehmen, umdrehen, unter den Rand an einer geeigneten Stelle hebeln. Deckel bleibt heil und Luft entweicht durchs minimale aufhebln. Der Deckel geht danach in seine Ursprungsposition zurück 😉

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            • breakpoint schreibt:

              Das ist praktisch der gleiche Trick wie der von Leser, nur mit Löffel statt Messer.
              Aber warum soll ich auf solche Hilfsmittel zurückgreifen, wenn mein Mann mir doch gerne hilft?

              Außerdem habe ich mir schon mal mit einer ähnlichen Aktion einen meiner Lieblingslöffel verbogen.

              Innen ist ein Unterdruck. Also wird keine Luft entweichen, sondern Luft von außen eingesaugt.

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            • Leser schreibt:

              Deshalb: Um die Längsachse drehen, nicht hebeln. Und Messer statt Löffel. Oder, wenn Dein Mann kein Löffel ist, dann eben ein Hammer (so er denn der Hammer ist) 😉

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            • me schreibt:

              Ups, natürlich… 😀
              (@Unterdruck)

              Scheiss auf Löffel oder Messer…
              Muskelaufbau ist das Zauberwort!
              Attacke Anny! 😉

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  4. Leser schreibt:

    Wo wir schon bei alten Konventionen sind: Ich habe eine vermisst. Wie stehts um den Handkuss? 🙂

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  5. ednong schreibt:

    Ha,
    und der letzte Satz schafft so den richtigen Abschluß für diese Aufzählung 😉

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  6. breakpoint schreibt:

    @all
    Da ich heute sonst nicht mit Beantworten einzelner Kommentare nachkomme (und ihr ja eh keine Benachrichtigung kriegt), fasse ich meine Repliken mal hier zusammen.

    Schraubglas öffnen:
    Ich lehne die Hebelmethode ab. Wenn doch, würde ich sie höchstens mit einem Flachschraubenzieher oder so einem Ding aus dem Fahrradflickzeug, mit dem man den Schlauch abzieht, machen.

    Handkuss:
    Da gibt es wohl mehrere Varianten – nur angedeutet oder vollendet.
    Zum Glück ist das aus der Mode gekommen. Ich wüsste auch keinen Anlass, es sei denn man besucht hohe kirchliche Würdenträger, und hält das dort für angemessen. 🙄

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    • Leser schreibt:

      Flachschraubendreher: Gute Idee, muss halt von der Größe her genau der richtige sein (hängt vom Deckeldurchmesser ab).

      Handkuss: Da ein solcher immer auch ein Zeichen sexueller Hochachtung ist, sollte sich so eine Geste gerade für kirchliche Würdenträger verbieten. Aber wie so ziemlich alles in dem Verein ist da wohl auch mal wieder alles nur geheuchelt.

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      • breakpoint schreibt:

        „Handkuss: Da ein solcher immer auch ein Zeichen sexueller Hochachtung ist“
        Wie kommst du denn darauf?
        Das ist eher ein Zeichen für Schleimerei. Insofern passt das für Kardinäle o.ä. ganz gut, wo es AFAIK auch heutzutage noch praktiziert wird.

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        • Leser schreibt:

          „Zwischen den Zeilen“ hieß das schon immer: „Ich würd ja mit Dir in die Kiste hüpfen, wenn da nicht $Hinderungsgrund wäre….“ – zumindest seit dem Moment, als es nicht mehr als „Benimm-Konvention“ vorgeschrieben war.
          Zumindest ist das meine Interpretation. Kardinälen, oder sämtlichen Kirchenpfaffen würde ich diese Geste allerdings wirklich verbieten…“Würdenträger“ hat halt einfach die Bedeutung von „sie würden gerne“, dürfen aber nicht (weshalb sich dann an kleinen Kindern vergriffen wird). Sorry, ich hab da so meine Probleme mit dem Heuchlerverein namens Kirche… 😉

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          • breakpoint schreibt:

            Ich glaube, dass du die Bedeutung eines Handkusses überinterpretierst.
            Das war halt früher so eine Sitte, mit der man seinen Respekt und Achtung ausdrückte.
            Dass auch manchmal sexuelle Motive mitspielten, will ich gar nicht ausschließen, aber wohl eher sekundär.

            „Würden gerne“ .. LOL

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  7. tom174 schreibt:

    „Männern scheint ihr Gewicht dagegen gar nichts auszumachen. Deshalb lasse ich mir ganz gerne die Tasche tragen, wenn es sich so ergibt.“
    Wir lassen uns da nur nix anmerken 😉

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  8. Bellona schreibt:

    das mit der jacke mag ich auch üüüüberhaupt nicht. mein mann macht sowas grundsätzlich nicht, aber es passiert manchmal in restaurants (italienisch hauptsächlich). und ich finde es sehr unangenehm, da so umständlich.

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