Siebenhunderteinundneunzig

Vom Büro aus war ich nicht direkt nach Hause gegangen, sondern erst noch in die Stadt, wo ich ein paar Erledigungen und Einkäufe machte. So wurde es viertel sieben bis ich heim kam.

„Warum kommst du jetzt erst heim? Ich warte hier schon seit über einer Stunde auf dich!“, begrüßte mich mein Mann nicht eben freundlich, der selbst sonst nur selten vor sieben Uhr daheim ist.
„Ich war noch in der Stadt, hab‘ was‘ eingekauft.“
„Und warum sagst du mir das nicht vorher?“
„Hat sich halt so ergeben“, erwiderte ich scharf, weil mich sein Ton ärgerte, „seit wann muss ich dir über jede Bagatelle Rechenschaft geben? Und überhaupt, was interessiert dich sonst, wann ich heimkomme. Du kommst meistens erst deutlich später.“
„Einer meiner Termine wurde abgesagt. Da dachte ich mir, ich überrasche mal meine Frau und gehe früher heim.“
„Tja, dumm gelaufen. Hättest du mir das früher mitgeteilt, hätte ich meine Erledigungen ein andermal gemacht.“

Er packte mich an beiden Oberarmen und schob mich zur Wand: „Wenn absehbar ist, dass du deutlich später heimkommst, hast du mich in Zukunft rechtzeitig zu benachrichtigen. Hast du verstanden?“
„Wie komme ich denn dazu? Weder ist es besonders spät, noch hältst du es für nötig, mich zu informieren, wann du heimkommst.“

Abrupt ließ er mich los und ließ sich auf das Sofa fallen.
„Verdammt, Anny, ich habe auf dich gewartet.“
„Ich musste schon viel öfter auf dich warten“, erwiderte ich ungerührt, „aber jetzt bin ich ja da, und du verschwendest deine und meine Zeit mit ungerechtfertigten Vorwürfen.“

„Komm her“, er zog mich am Arm auf seinen Schoß. Seine Hände fanden ihren Weg unter meine Bluse. Er küsste mich, während ich bereits versuchte, seine Hose zu öffnen.

Es folgt eine ganz langsame Abblende, wobei noch zu sehen ist, dass wir in die Horizontale übergehen. Zunehmend undeutlich ist dann gerade noch zu erkennen, dass er beginnt, meine inneren Werte zu sondieren.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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20 Antworten zu Siebenhunderteinundneunzig

  1. sweetsurrender schreibt:

    Viele Frauen schreien jetzt bestmmt empört auf, lach.
    Also mich hätte das sogar angemacht. Grrrr….
    Und wieso streiten? Da hast Du vollkommen recht. Völlige Zeitverschwendung.

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  2. ednong schreibt:

    … inneren Werte zu sondieren.

    Herrlich. 😉

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  3. plietschejung schreibt:

    Eine sehr überzogene Reaktion auf der zu spät kommen.
    Schlimmer wird’s nicht, oder ?

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  4. large bearings schreibt:

    Es geht halt nicht immer nur um oberflächliche Äußerlichkeiten.

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  5. Pingback: Tausendsechsundzwanzig | breakpoint

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