Siebenhundertachtundfünfzig

Gestern vor drei Jahren hatte ich Carsten kennengelernt.
Deshalb vermute ich, dass das der Anlass war (obwohl er das nicht zugab), warum er mir ein Smartphone schenken wollte.

„Was soll ich damit?“
„Telefonieren.“
„Ich bin entweder zu Hause oder im Büro erreichbar. Und unterwegs will ich gar nicht angeklingelt werden.“
„Manchmal ist es nützlich, von unterwegs aus irgendwo anzurufen. Und du kannst zum Beispiel auch den Weg heraussuchen lassen, wenn du irgendwo hin willst. Oder nachschauen, wenn der nächste Bus fährt.“ Wieder dieser ironische Unterton, aber warum sollte ich mir ein Taxi bestellen, wenn eh gleich ein Bus fährt?
„Brauche ich nicht.“
„Naja, du hast schon ein paarmal mein Handy ausgeliehen.“
„Für die paar Ausnahmefälle, in denen das Ding nützlich wäre, will ich es aber nicht ständig mitschleppen.“
„Ach, komm, es schadet doch nicht, wenn du es mitnimmst. Der Vertrag läuft übrigens über die Firma. Da brauchst du dich selbst um gar nichts zu kümmern.“
„Das Ding passt gar nicht mehr in meine Handtasche rein. Und eine größere will ich nicht mitnehmen. Schließlich muss ich ja alles tragen.“
„Verdammt. Sieh es einfach als Diensthandy! Schließlich arbeitest du auch für mich.“ Allmählich verlor er die Geduld. Aber das war mir egal.
„Ach, dann erwartest du wohl noch von mir, dass ich ständig für dich erreichbar bin?“
„Selbstverständlich. Und ich kann dich dann auch jederzeit orten.“
„Sieh es ein, dass ich es nicht brauche. Das Ding ist mir viel zu lästig als dass es mir nützt.“
Er seufzte: „Das nächste Mal schenke ich dir Blumen. Die kannst du von mir aus gleich in die Biotonne schmeißen. Aber dann ist wenigstens Ruhe.“

Irgendwie bedauerte ich meine harschen Worte. Ich weiß ja, dass er mir nur eine Freude machen wollte. Aber inzwischen sollte er mich auch gut genug kennen, dass ich mir nichts aus solchen unnützen Dingen mache, die nur Ballast sind. Wenn das Smartphone wenigstens unter Windows laufen würde, hätte ich ja vielleicht ein bisschen damit herumgespielt. Aber nur dieses dämliche Android. Ich mag den Android-Compiler nicht anwerfen, um mir selber Apps dafür zusammenzubasteln. Und ja, ich gebe es zu, ich habe immer noch Probleme, Geschenke oder Geld von ihm anzunehmen, insbesondere, wenn das über unsere Vereinbarungen hinaus geht.

Also setzte ich mich rittlings auf seinen Schoß, und begann, sein Hemd von oben nach unten aufzuknöpfen.
„Das mit den Blumen lässt du lieber“, säuselte ich, „ich leihe mir dein altes Handy aus, falls ich mal eines brauchen sollte. Dieses Smartphone kannst du doch sicher selbst verwenden.“
Inzwischen war ich bei seiner Hose angelangt. Ich öffnete lediglich den Reißverschluss und schob meine Hand hinein. Vom Coolidge-Effekt ist noch absolut nichts zu bemerken. Ich fummelte ein bisschen herum, und öffnete schließlich seine Hose doch noch ganz, und ..

Ach, ich will mich nicht im Wortlaut wiederholen. Zwar ist es immer wieder neu und anders, aber die Formulierungen dafür ähneln sich sehr. Und vergleichbare Szenen habe ich bereits früher gebloggt.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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33 Antworten zu Siebenhundertachtundfünfzig

  1. sweetsurrender schreibt:

    Ein Smartphone. Wie romantisch.

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  2. schaum schreibt:

    typisch frau…….alerdings in umgekehrter richtung.

    es schäumt ungewöhnlichundtypisch

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  3. ednong schreibt:

    „Und ich kann dich dann auch jederzeit orten.“
    Jaja, du willst dich nur nicht orten lassen 😉

    Erstaunlich, dass Frauen sich solch banale Dinge wie den Kennenlern-Tag merken können. Ich schaffs ja gerade mal, mir meinen Geburtstag zu merken …

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  4. plietschejung schreibt:

    Dann vielleicht ein Windows Phone ?
    oder noch schlimmer, ein iPhone ? 🙂

    Coolidge-Effekt ? Interessant.

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    • breakpoint schreibt:

      Windows Phone hätte ich noch eher akzeptiert.
      iPhone – nein, mag ich gar nicht!

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      • plietschejung schreibt:

        Dann los. Es gibt ein paar davon 🙂

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      • Leser schreibt:

        Windows Phone hat nichts mit dem Zustand namens Windows auf dem Desktop gemein – außer ein ähnlich aussehendes Kachel-UI. Wenn iOS Geräte von Apple der „goldene Käfig“ sind, dann ist das Analog von Windows Phone dazu ein Käfig aus rostigen Eisenstangen…
        Und: Embedded-Programmierung ist eben immer etwas anderes, als PC-Programmierung, selbst wenn die embedded Devices inzwischen schon so leistungsfähig sind, wie ein PC vor wenigen Jahren.
        Ich bin jedenfalls froh, dass sich der fälschlicherweise als „Betriebssystem“ bezeichnete Zustand der Stümperbude aus Redmond nicht auch noch auf Smartphones wie eine Pest verbreitet – das ist ja bei PCs schon nahezu unerträglich…

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        • breakpoint schreibt:

          Ich will ja überhaupt kein Handy.
          Windows Phone halte ich aber noch für das kleinste Übel. Dafür habe ich einen Compiler und einen Emulator (bei dessen Start mir allerdings die VMs abstürzen). Und es ist mir noch am besten vertraut.

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        • idgie13 schreibt:

          So ganz stimmt das nicht.

          Ich hab mein 2. Windows Phone und hab auch schon ein paar Apps damit geschrieben. Die kann man in den gewohnten Entwicklungsumgebungen schreiben und testen und auch recht einfach deployen. Mit embedded Software (die ich BTW schon für echte, grosse Maschinen geschrieben habe) hat das nix zu tun. Zumindest nicht beim WP.

          Was eine echte Pest ist sind iPhones. Darauf kann ich genauso wie auf die Android-Basteleien verzichten.

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  5. Leser schreibt:

    Immer wieder interessant, wie sich die Windows-Welt doch von der Computer-Welt unterscheidet, bzw. davon entfernt hat.

    Das Captcha passt auch dazu: „Wasser hat keine Balken“ 🙂

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    • breakpoint schreibt:

      Wieso das?
      Du siehst ein Smartphone doch nicht ernsthaft als zweckmäßigen Computer?

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      • Leser schreibt:

        Es ist vom Potential her ein Universalcomputer, „wie jeder andere auch“. Klar, das Anwendungsspektrum ist anders, aber trotzdem ist die prinzipielle Funktionsweise doch dieselbe! Das darf man halt nie aus dem Auge verlieren. Oder als Autovergleich: Man baut ja auch nicht den Handbremshebel als Getriebeschalthebel ein… 😉

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        • breakpoint schreibt:

          „die prinzipielle Funktionsweise doch dieselbe“
          Das stimmt zwar, da ist ein Prozessor, irgendwelcher Speicher, ein OS, etc.
          Trotzdem, wenn ich mir vorstelle, an so einem Ding zu entwickeln – ohne Tastatur und ohne mindestens einen großen Monitor – , kann ich nur den Kopf schütteln,

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          • Leser schreibt:

            Naja, dafür gibts ja die entsprechenden SDKs. Und dass Du mit Deinen nur zu sich selbst bzw. Mickrigweich kompatiblen Tools keine Software für andere Plattformen/Systeme schreiben kannst, kannst Du den anderen Systemen/Plattformen schlecht anlasten.
            Das einzige, was mich an Android-Entwicklung stören würde, wäre der Unterschied zur normalen Linux-Entwicklung. In dem Moment, wo nativ laufender Code zum Java-Code dazu kommt, wirds frickelig. Das ist aber auch eher ein Problem der Dalvik-/ART-Plattform. Das beste Smartphone-OS ist einfach SailfishOS von Jolla. Läuft leider noch nicht auf wirklich vielen Geräten, aber da hat man ein ganz normales Linux, so wie man es von jedem vernünftigen PC her auch kennt.

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  6. breakpoint schreibt:

    NeunhundertneunundsechzigDie Walpurgisnacht ist vorbei. Ich hexe aber trotzdem und begehe entsprechend meinen 25. Geburtstag.

    Dezimal hört sich das leider nicht so toll an.
    Zählt 37 eigentlich noch zu Mitte Dreißig, oder schon zu Ende Dreißig?
    So alt fühle ich mich doch g…

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