Siebenhundertvierundfünfzig

Manche Themen scheinen mich zu verfolgen.
So fand ich kürzlich, als ich nachschaute, wie das Wetter werden solle, im Browserfenster ein Werbebanner mit Sandalen, die mir sogar gefallen hätten.

Ich habe es ja schon öfters thematisiert, dass es schwierig für mich ist, passende Schuhe zu finden. Diese Sandalen wurden recht günstig angepriesen, so dass ich mir dachte: „Wenn es die in meiner Größe gibt, dann kaufe ich sie mir.“ (Obwohl ich Schuhe sonst nicht online bestelle.)

Also drauf geklickt.
Ein neues Fenster wurde geöffnet. Aber anstatt diese schönen Sandalen anzuzeigen, wurde ich genötigt, erst mal meinen „Stil festzustellen“. Dabei kenne ich selbst am besten meinen Stil. Ich brauche auch kein Programm, das mir dann Vorschläge macht. Ich kann mir selbst aussuchen, welche Schuhe ich mag.

Trotzdem machte ich erst mal mit.
Das lief so, dass ich mehrmals aus jeweils drei einander recht ähnlichen Schuhen und Kleidern auswählen sollte, was mir am besten gefiele. So groß waren die Unterschiede wie gesagt nicht. Oft gefiel mir gar nichts davon so richtig.
Tapfer klickte ich mich voran. Gab irgendwann meine bevorzugte Absatzhöhe, gewünschte Farben, etc. an. Es stieß mir schon sauer auf, dass ich mein Geburtsdatum angeben sollte (vermutlich um astrologische Aspekte zu berücksichtigen). Aber wenigstens war das nur optional.
Schließlich, als ich durch war, und erwartete, dass ich mir jetzt endlich die schönen Sandalen aussuchen könne, hätte ich erst noch meinen Namen und Adresse angeben sollen.

Was soll das? Ich weiß doch zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, ob ich mir dort überhaupt etwas kaufe, und soll schon meine Daten verraten? Ohne mich! Ich schloss das Fenster.

Sind solche Shittests .. pardon .. Stiltests jetzt das neueste Marketing-Konzept, mit dem man potentielle Kunden gängelt?

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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19 Antworten zu Siebenhundertvierundfünfzig

  1. gammler67 schreibt:

    es ist einfach nur eine masche um an deine daten zu kommen…

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    • breakpoint schreibt:

      Ja, sicher.
      Aber solange ich nicht definitiv weiß, dass ich dort etwas bestellen werde, kriegen die meine Daten nicht.

      Und dieses Procedere schreckt Kunden eher ab.
      Wäre das wie bei anderen Online-Shops gelaufen, hätte ich höchstwahrscheinlich etwas bestellt. Aber so nicht.

      Diesen Stiltest dürfen sie von mir aus gerne als speziellen Kundenservice anbieten, sogar als besonderes Feature herausstellen, aber nicht so, dass man ihn gar nicht umgehen kann.

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  2. Leser schreibt:

    Es geht darum, die aus Deinem Browser gewonnenen Trackingdaten zu „deanonymisieren“: http://heise.de/-2264381
    So sind sie nämlich noch mehr wert.

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    • breakpoint schreibt:

      Ja, aber meine Adressdaten kriegen sie nicht einfach so.
      Hätte ich mir dort tatsächlich etwas bestellt, dann allerdings schon.

      Meinst du, das war lediglich ein Lockvogelangebot, um an Daten zu kommen?
      Oder geht meine Paranoia mit mir durch?

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      • Leser schreibt:

        Naja, es klang von Deiner Beschreibung her jedenfalls nicht nach einem sonderlich seriösen Shop-Betreiber. Meiner Ansicht nach setzen seriöse Shop-Betreiber als alleinige Einnahme auf die verkauften Waren, um damit auch ihren Webshop zu betreiben. Wenn da erst so ein „Stiltest“ absolviert werden muss, und dann direkt nach Name/Adresse gefragt wird, bevor man überhaupt etwas bestellt hat, klingt das nach Datensammlung. Dann kann man davon ausgehen (oder im Quelltext nachschauen), ob z.B. auch Canvas-Fingerprinting eingesetzt wird. Sollte das der Fall sein, ist mMn davon auszugehen, dass die Daten in Verbindung mit dem „Fingerprint“ Deines Browsers/Rechners auch verkauft werden.
        Es kann natürlich auch sein, dass dieses Werbebanner eine spezielle Marketingaktion war (das ist bei Firmen, die eine eigene Marketingabteilung haben, leider manchmal der Fall, ganz schlimm eben bei B2C-Firmen), und man direkt über die URL der Website des Shops auch genau die in der Anzeige gesehenen Schuhe hätte bestellen können, ohne vorher irgendwelche Hürdenläufe überwinden zu müssen, oder die Daten für etwas anderes als die Bestellung anzugeben. Dennoch – und gerade, weil Du mit IE surfst, wo man keine Möglichkeit hat, sowas über Addons auszuschalten – hätte ich dann auf der Webseite des Shops (bzw. in deren Quelltext) nach Fingerprinting-Techniken Ausschau gehalten.

        Ist natürlich viel zu aufwändig, ähnlich wie die Nutzung von NoScript, wo man im Zweifel auch jedes einzelne JavaScript darauf überprüfen muss, was es macht, ob man es für die Seite braucht, oder ob es nur im Hintergrund Daten sammelt, oder ähnliches.

        Mein Fazit dazu kann nur lauten: Das World Wide Web ist grandios im Eimer. Waren vor 15 Jahren noch die ersten Werbeversuche nervig, aber erträglich, so ist es heute zu einer einzigen Werbemaschine verkommen, es hat seinen Zweck (wozu durchaus auch online-Shops zählen, aber eben nicht *so*…) also im Großen und Ganzen verloren, weil man sich nicht mehr unbehelligt oder unbelästigt darin bewegen kann. Die Werbeindustrie im Web kommt mir inzwischen fast wie eine Mafia vor, erst recht wenn es dann noch ums Tracking geht.
        Und keiner tritt mal einen #Aufschrei dazu in der Twittersphäre los…

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        • breakpoint schreibt:

          Deshalb erst im Quellcode rumzustöbern ist mir zu aufwändig. Dazu habe ich weder Zeit noch Lust.

          Die hätten mich als Kundin gewinnen können. Wenn ich mit den Sandalen zufrieden gewesen wäre, hätte ich bestimmt öfter bestellt.
          Aber auf dieses Weise nicht!

          Und zur Werbung im Internet sage ich jetzt (am frühen Morgen) nichts.

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          • Leser schreibt:

            Nur soviel: Werbeblocker und Tracking-Verhinderer sind inzwischen Selbstschutz. Besonders unter minderwertigen Betruebssystemen, da die Ad-Server auch bekanntlich schon mal Malware ausgeliefert haben…

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  3. ednong schreibt:

    Wahrscheinlich bekommst du dann demnächst ein neues Fenster oder eine Email, in der du dann deine Zufriedenheit/dein Feedback in einer Umfrage mitteilen darfst. Dauert auch garantiert „nur 2 Minuten“ …

    Ich glaube, viel zu viele Firmen lassen sich den Bullshit der Marketing-Fritzen einreden. Und dann kommt sowas dabei raus.

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  4. idgie13 schreibt:

    Sowas ähnliches hatte ich letzthin auch. Das habe ich dann auch abgebrochen – ich habe eigene Augen und eigene Wünsche und – jawoll ja! – ein eigenes Hirn, mit dem ich eigenständig denken kann.

    Letzthin habe ich gelesen, dass die heutige Generation (was immer das heissen soll), sich aus der Fülle an Möglichkeiten nicht entscheiden kann. Vermutlich soll das das Problem lösen. Für mich ist das allerdings auch der falsche Weg und ich bestelle auch nichts, wenn ich so gegängelt werde. Meine Daten bekommt man erst, wenn ich tatsächlich was bestellen will.

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  5. Pingback: Neunhundertzweiundneunzig | breakpoint

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